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Artikel aus den Heften

Narzisst, oder was? Warum Beziehungen Anerkennung brauchen

Wir streben ständig nach Bestätigung. Doch gerade in der Partnerschaft führt diese Erwartung nicht immer ans Ziel. Paarexperte Marc Bareth erklärt, warum das nichts mit Narzissmus zutun hat.

„Ich halte das nicht mehr aus. Er versteht mich einfach nicht. Er versucht nicht einmal, auf meine Bedürfnisse einzugehen. Je länger ich mit ihm zusammen bin, desto klarer wird mir, dass er so ist und immer so bleiben wird. Er ist ein Narzisst, der sich nur um sich selbst dreht.“

So klingt es heute in unzähligen Gesprächen unter Freundinnen, in Coachings und Therapiesitzungen. Vor zwanzig Jahren hätte das niemand so gesagt, heute ist es weit verbreitet. Als kleines Experiment habe ich ChatGPT gebeten, diese Klage zu datieren. Die Antwort war eindeutig: „Diese Art von Klage ist typisch 2020er.“ Was könnte dahinterstecken?

Wir sind großartig

Wir leben in einem Umfeld, das viel Bestätigung spendet. Kinder werden gelobt, wenn sie Regeln befolgen, und statt auf ihren Schwächen herumzureiten, werden ihre individuellen Stärken betont. Beim Halbmarathon gilt jeder Finisher als Sieger und bekommt eine Medaille. Im Mitarbeitergespräch erhalten wir Kritik nach dem Sandwichprinzip: eingepackt zwischen zwei Komplimenten. Und auf Social Media sammeln wir Likes. Immer wird uns vermittelt, wie großartig und einzigartig wir sind.

Und dann kommen wir nach Hause. Dort läuft es anders. In der Beziehung bekommen wir bei weitem nicht die Bestätigung, die wir uns erhoffen. Unsere Partnerin kann oder will nicht immer unsere Cheerleaderin sein. Anstatt bei uns selbst, suchen wir die Ursache für dieses Problem beim anderen. Wenn sie mich nicht genug lobt und nicht immer wunderbar findet, muss das daran liegen, dass sie mich nicht versteht. Und weshalb es zu wenig um mich und mein Ego geht, ist auch klar: Weil sie sich nur um sich selbst dreht. Und weil wir inzwischen alle schon den einen oder anderen Psychologie-­Podcast gehört haben, ist das Wort „Narzisst“ schnell zur Hand.

Zwei Wege

Natürlich ist dieses Bild überzeichnet. Aber die Tendenz ist unbestreitbar – nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern in jedem von uns: Da wir in einer Welt leben, die unseren Drang nach Anerkennung ständig nährt, ist der Aufprall im Beziehungsalltag umso härter. Ich schlage zwei Wege vor, um dem entgegenzuwirken. Erstens dürfen wir uns auf einen Weg des Wachstums begeben. Raus aus einer Abhängigkeit von der Bestätigung anderer, hin zu einer selbstbestätigten Identität. Für Christen geht es sogar noch weiter – eine gottbestätigte Identität. Das bedeutet, dass mein Selbstbild nicht an der Anerkennung anderer hängt, sondern aus eigenem Zuspruch und innerer Gewissheit lebt. Und mit einer gottbestätigten Identität meine ich, dass das Selbstverständnis nicht allein auf menschlicher Anerkennung beruht, sondern von Gott bestätigt und getragen ist.

Zweitens lohnt es sich, dem anderen das zu schenken, was wir uns selbst wünschen. Nicht nur du sehnst dich nach mehr Bestätigung von deinem Partner – er sehnt sich wahrscheinlich genauso nach deiner. Wir können nur begrenzt beeinflussen, wie wir behandelt werden. Aber wir haben es in der Hand, wie wir unseren Partner behandeln. Wenn beide anfangen, einander Anerkennung zu geben, entsteht etwas Gutes.

Marc Bareth und seine Frau Manuela leiten gemeinsam FAMILYLIFE Schweiz. Sein Blog bietet wertvolle Impulse für die Partnerschaft: familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/06/Bestaetigung_GettyImages_Jacob-Wackerhausen_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1413 2122 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-06-24 09:37:402026-06-24 09:37:40Narzisst, oder was? Warum Beziehungen Anerkennung brauchen

Ein Werkzeugkasten fürs Leben – Was Eltern ihren Kindern für das Glück mitgeben können

Eltern können ihre Kinder nicht glücklich machen. Aber sie können ihnen Tools mitgeben, die helfen, das Glück zu finden. Von Sandra Geissler

Als die freundliche Anfrage zu diesem Artikel in mein Postfach flatterte, zuckte ich kurz zusammen. „Kann ich meine Kinder glücklich machen?“, „Bin ich für das Glück meiner Kinder verantwortlich?“ und „Wie kann ich ihnen eine glückliche Kindheit schenken?“ „Huch“, dachte ich. „Das wird ein kurzer Artikel. Nein, nein und nochmals nein. Fertig.“

Dann dachte ich daran, wie oft ich schon alles dafür tun wollte, dass aus dem „Nein“ irgendwie ein „Ja“ werden möge. Elternherzen sehnen sich danach, bei der Geburt ihrer Kinder eine Glücksgarantie mitgeliefert zu bekommen. Und wenn schon keine Garantie, dann zumindest eine Betriebsanleitung für die glückliche Kindheit, die schlussendlich in ein glückliches Erwachsenenleben mündet.

Bullerbü und Zimtschnecken

Es ist ein Sehnen gegen jede Vernunft. Übermächtig groß kann es werden, gespeist aus überwältigender Liebe und der großen Verantwortung für das Menschenkind, das uns anvertraut wurde. Kaum ist der erste Herzschlag auf einem Monitor sichtbar, kommt bei den meisten Eltern mit der Freude auch das Gefühl auf, ab jetzt alles – aber auch wirklich alles – richtig machen zu wollen für dieses winzig kleine Lebewesen. Dem Glück soll bloß kein Hindernis in den Weg gelegt werden.

Ziegenkäse wird umgehend zur potenziellen Waffe, Folsäure muss her und die Katze dafür weg. Von Anfang an wartet ein ganzer Dschungel an Möglichkeiten und Ratschlägen für die Baby- und Kinderpflege, für Lebensgestaltung und Erziehung. Und mit jedem Jahr scheint er größer zu werden. „Nimmst du die falsche Abzweigung“, nagt eine Stimme im Kopf, „dann wird es Folgen haben!“

Eltern wollen in der Regel das Beste für ihre Kinder, wollen sie glücklich sehen, wollen Bullerbü und Sicherheit und Gesundheit und Zimtschnecken und Rituale und Versicherungen, ein „woom“-Bike und liebevolle Lehrer und, und, und … Da kann man schon mal atemlos werden. Vor allem aber spürt man die ganze Schwere der Verantwortung auf den eigenen Schultern.

Die Krux an der Sache: Egal, wie sehr wir uns abmühen, egal, wie wohlhabend, gut oder gläubig wir sind – es wird uns keine goldene Garantiekarte fürs Kinder- und Familienglück ausgestellt. Das Glück lässt sich nicht bei Amazon bestellen, es ist flüchtig und ein wenig eigenwillig. Und es verspricht niemals, dauerhaft im Leben unserer Kinder zu bleiben.

Das ganze Paket

Diese Erkenntnis hat etwas sehr Befreiendes. Stell dir vor, du wärst tatsächlich verantwortlich für das Glück deiner Kinder. Wärst du auch verantwortlich für Krankheiten, die keiner kommen sah, für Schicksalsschläge, das Scheitern von Beziehungen oder einen garstigen Mathelehrer? Wärst allein du verantwortlich, wenn der Schulabschluss nicht gelingt, eine Depression dein Kind umfängt, die große Liebe auf sich warten lässt? Hättest du dich einfach mehr anstrengen müssen? Nein, natürlich nicht. Das wäre fast schon anmaßend.

Denn auch Eltern sind nur Menschen. Auf die meisten Umstände haben wir so viel Einfluss wie auf das Wetter. Schließlich gehören Scheitern und Verlust, Grenzerfahrungen und sogar Ungerechtigkeit zu jedem Menschenleben dazu – auch zu dem unserer Kinder. Wir können sie davor nicht bewahren, so sehr wir es uns auch wünschen.

Das Leben in Fülle beinhaltet das ganze Paket: Freude und Leid, Gelingen und Scheitern, Verlieren und Finden, Leichtigkeit und Schwere. Es wäre schade, wenn diese Fülle an einer glatten, kantenfreien Kindheit abgleiten würde. Kinder sind ganze Menschen und zum ganzen Menschen gehören Herausforderungen genauso wie ein schlagendes Herz.

Geschenke an der Straßenecke

Ich glaube fest daran, dass Glück nicht die Abwesenheit von Unglück bedeutet. Glück lässt sich auch in den dunkelsten Zeiten entdecken. Es blitzt unverhofft im Alltag auf, klopft leise an die Tür, wenn du es eigentlich nicht erwartest, streicht dir unvermittelt übers Haar. Du kannst es suchen und ihm still die Hand hinhalten, auch wenn der Sturmwind um dich tobt und Steine in deinem Herzen liegen.

Wir können als Eltern kein umfassendes Glück garantieren. Aber wir können unseren Kindern die hohe Kunst beibringen, das Glück zu entdecken. Es will in den kleinen Dingen gefunden werden – egal, was der Tag bereithält. Es versteckt sich auch an dunklen Regentagen in einer warmen Decke und einer Tasse Kakao. Es lässt sich trotz der Fünf in Mathe finden: in einer festen Umarmung, in einem freundlichen Wort, in einem befreienden Fußballspiel. Vielleicht muss dein Kind damit leben lernen, eine Niete in Sport zu sein, aber es findet das Glück im Ausdenken von Geschichten und als Experte für Dinosaurier.

Du kannst lehren, hinzuhören: auf das erste Vogelzwitschern nach einem langen Winter, auf den richtig guten Witz, auf das Pladdern des Sommerregens. Du darfst lehren, hinzusehen und zu entdecken, welche Wunder und Geschenke das Leben an jeder Straßenecke bereithält. Die meisten sind völlig kostenfrei.

Wir sollten es gemeinsam üben, wie Schuhe binden und Zähneputzen. Denn wenn es hart auf hart kommt, kann das Suchen nach dem kleinen Glück die Rettungsleine sein. Dann kann dein Kind auch an traurigen Tagen die Wärme der Sonne auf seinem Gesicht spüren und mit der Wärme die Hoffnung fühlen.

Ein dickes Bündel Gewissheit

Es ist nicht unser Auftrag, unsere Kinder glücklich zu machen. Aber es ist unser Auftrag, ihnen einen Werkzeugkasten mit an die Hand zu geben. Einen Werkzeugkasten fürs Leben und für alles, was es unseren Kindern vor die Füße wirft.

Liebe und Geborgenheit dürfen nicht fehlen, und das Wissen um Menschen, die bedingungslos da sind und Rückhalt bieten. Annahme muss hinein, Gnade und die Fähigkeit, gemeinsam Lösungen zu finden. Selbstbewusstsein und eine Portion praktische Intelligenz. So viel Gottvertrauen wie möglich, gemeinsame Erinnerungen und ganz viel Zutrauen. Ein dickes Bündel Gewissheit, dass Scheitern nie das Ende ist, Eigenverantwortung und Gemeinschaft.

Ich glaube, dass ein solcher Werkzeugkasten ein guter Begleiter für ein Leben ist, das zwar kein dauerhaftes Glück garantiert, aber reich an Erfahrungen in allen Farben ist. Du kannst nicht alle Hindernisse aus dem Weg räumen. Aber mit dieser Grundausrüstung ist dein Kind in der Lage, über sie zu klettern oder die Extrameile zu laufen.

„Ich bin nicht Gott“

Leider gibt es keine Garantie und keine Betriebsanleitung für ein glückliches Leben. Obwohl ich das weiß, sehne ich mich immer wieder danach, alles zu tun, damit meine Kinder ungetrübt glücklich sein dürfen. Dann gerate ich in Versuchung, Probleme zu lösen, die nicht meine sind, Schmerz wegzureden, der ausgehalten werden will und unter der Last meines Pflichtgefühls zu schwanken.

Kürzlich hörte ich in einem Podcast einen Satz, der mich sehr berührt hat: „Es gibt einen Gott. Du bist es nicht!“ Ich kann einen Werkzeugkasten packen, ich kann das kleine Glück mit meinen Kindern an der Hand suchen gehen, aber mehr kann ich nicht. Und mehr muss ich auch nicht. Es gibt einen Gott, und ihm darf ich alles andere überlassen. Mit dieser Gewissheit darf ich mich aufrichten, die Last abschütteln, und wir nehmen das Leben, wie es eben kommt.

Sandra Geissler ist katholische Diplomtheologin und arbeitet als Lehrerin und Schulseelsorgerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Nierstein am Rhein.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/06/glueckliche-Kinder_GettyImages_mikimad_E.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-06-18 14:40:332026-06-18 14:40:33Ein Werkzeugkasten fürs Leben – Was Eltern ihren Kindern für das Glück mitgeben können

Glück nur zu zweit?

Marcus Beier ist überzeugt: Wer sich selbst nicht annehmen kann, wird durch die Ehe nicht glücklich.

Um es vorwegzusagen: Ich bin gern verheiratet. Und ich bin glücklich verheiratet. Aber bin ich nur glücklich, weil ich verheiratet bin? Mit anderen Worten: Ist meine Frau verantwortlich für mein Glück? Bin ich nur glücklich, weil ich sie habe?

Damit ich richtig verstanden werde: Ich bin maximal glücklich, dass ich meine Frau (und meine Kinder) habe und möchte das keineswegs missen! Das steht fest. Trotzdem mache ich meine Frau nicht für mein Glück verantwortlich. Einerseits wäre das eine völlige Überforderung. Andererseits würde es bedeuten, dass ich unglücklich gewesen wäre, bevor ich sie kennengelernt habe. Aber war ich unvollständig, als ich Single war? Konnte ich zu mir selbst erst Ja sagen, als ich endlich unter der Haube war?

Ein vollständiger Mensch

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass Menschen ihr Glück im Leben zu zweit suchen. Schließlich ist das der Stoff, aus dem Kitschromane und Liebesfilme gemacht sind. Emotional schließt sich das durchaus an unser Erleben an. Wir Menschen fühlen uns oft unfertig und mangelhaft. Biblisch gesehen ist das auch nicht falsch. Wir sind unvollkommen, erlösungsbedürftig, und ein Gegenüber ist eine wunderbare Ergänzung. Aber es kann eben nur das sein: ein Gegenüber. Erlösung? Nein, die gibt es nur bei Gott.

Wie ist das nun mit dem Glück? Meine knallharte These: Wenn ich allein nicht glücklich bin, werde ich es auch in der Ehe nicht. Ich kann von meiner Partnerin nicht erwarten, dass sie mich glücklich macht. Diese Last kann niemand tragen. Denn die Identität eines jeden Menschen liegt nicht in seinem Gegenüber. Er ist ein vollständiges, in sich geschlossenes Individuum. Sein Wert liegt in sich selbst begründet – denn Gott hat Wunderbares in jeden Menschen hineingelegt. Das kann niemand wegnehmen, und dem kann niemand etwas hinzufügen. Leider tendieren wir dazu, etwas anderes haben oder jemand anders sein zu wollen. Wir arbeiten gegen uns selbst.

Ehrlich gesagt kenne ich das sehr gut: Ich würde gern anders aussehen, wäre gern schlauer, witziger, schlagfertiger, belesener … Anstatt zu sein, wer ich bin, lehne ich mich ab und bemühe mich bestmöglich, jemand anderes zu sein. Das ist die Wurzel des Unglücks. Glücklich zu sein bedeutet, zu lernen, ich selbst zu sein und mich selbst zu lieben. Natürlich arbeite ich an mir und an meinen Schwächen. Ich will die beste Version meiner Selbst werden – aber nicht jemand anderes. Meine Frau kann mir auf diesem Weg helfen. Aber Ich-Sein ist meine Aufgabe! Wenn ich mich nicht selbst annehmen kann, wird auch ein Ehepartner das Problem nicht beheben. Wenn ich mich selbst annehme, ist ein Ehepartner eine wunderbare Ergänzung – aber nicht das Glück selbst.

Marcus Beier ist Redakteur bei Family und FamilyNEXT. Er lebt mit seiner Familie in Wiesloch bei Heidelberg.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/06/Glueck-und-zu-zweit_GettyImages_Rowan-Jordan_iStock-Getty-Images-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-06-18 12:28:442026-06-18 12:28:44Glück nur zu zweit?

Social Media – Gefahr oder Chance? Eine Journalistin sucht Antworten

Soziale Medien können Kinder gefährden und sogar süchtig machen– gleichzeitig fördern sie digitale Kompetenz und Kreativität. Wie viel Social Media ist okay für mein Kind? Und wie begleite ich es dabei?

Seitdem Australien 2025 ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige beschlossen hat, wird auch in Deutschland breit diskutiert, ob ein ähnliches Verbot hierzulande sinnvoll wäre. Mein erster Gedanke dazu war: „Endlich!“ Warum, kann ich vielleicht an einem Beispiel erklären:
Letztens war ich mit meiner zehnjährigen Tochter zu einer Untersuchung im Krankenhaus. Sie war sehr nervös und freute sich deswegen riesig, als zwei Klinik-Clowns vorbeikamen. Über die beiden Damen in ihren knallbunten Klamotten und den viel zu großen Schuhen musste selbst ich lachen: Sie stolperten ungelenk über den Krankenhausflur, zauberten Lichter hinter ihren Ohren hervor und griffen tief in die Clown-Trickkiste, um meine Tochter vor der bevorstehenden „Biohopsie“, äh, Biopsie, abzulenken.

Neben meiner Tochter saß ein kleiner Junge, vielleicht zwei Jahre alt. Er hätte sich bestimmt auch darüber gefreut, mit den Clowns ein bisschen herumzualbern. Wenn er sie bemerkt hätte. Denn er schaute sich nonstop Videos auf dem Smartphone an. Auch das andere Mädchen neben uns, vielleicht 13 Jahre alt, blickte die ganzen 20 Minuten nicht einmal von seinem Bildschirm hoch. Mich ärgerte das wahnsinnig. In solchen Momenten bin ich kurz davor, laut zu rufen: „Ja, wir brauchen ein Social Media Verbot!“

Gefahren von Social Media

Ich kenne es auch von mir selbst: Manchmal ist es gar nicht so leicht, sich vom Handy loszureißen. Und es soll auch gar nicht leicht sein: Die Algorithmen bei Instagram, TikTok und Co sind bewusst so programmiert, dass wir uns möglichst lange auf ihnen aufhalten. Dabei nehmen sie kaum Rücksicht darauf, ob Erwachsene oder Kinder am Bildschirm sind. Das kann ein suchtähnliches Verhalten fördern. Laut der DAK Mediensucht-Studie 2026 verbringen Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren täglich über 2,5 Stunden (161 Minuten) auf Social Media. (Das sind noch moderate Zahlen, andere Studien kommen auf deutlich mehr Bildschirmzeit.) 6,6 % der Befragten in der DAK-Studie waren von einer pathologischen Nutzung betroffen. Pathologisch heißt: Das Kind kann die Dauer der Nutzung nicht mehr steuern, es macht weiter, obwohl zum Beispiel die Freundschaften darunter leiden oder die Schule.

Deborah Woldemichael ist die Leiterin von Klicksafe, einer EU-Initiative, die Eltern und Schulen zum Thema Internet- und Medienkompetenz berät. Sie teilt die Gefahren von sozialen Medien in drei Kategorien ein: Zum einen gäbe es Verhaltensrisiken, wie die Teilnahme an gefährlichen Challenges oder das Nacheifern gesundheitsgefährdender Schönheitstrends. „Das kann mit harmlosen Fitnessübungen oder Skin Care Routinen im Social Media Feed beginnen. Und weil dann immer weitere von diesen Inhalten vorgeschlagen werden, kann das bei einem Wunsch nach einer Schönheits-OP enden“, sagt Woldemichael. Dann gäbe es jugendgefährdende Inhalte, wie Pornografie oder Gewalt. „Zum Beispiel wurde die Exekution vom amerikanischen Aktivisten Kirk immer wieder neu auf Social Media hochgeladen, obwohl die Plattformen die Inhalte löschten.“ Aber es gäbe auch viele manipulierte Videos oder Bilder, sogenannte Deepfakes, die gezielt falsche Informationen enthalten.

Besonders riskant sei die Funktion des Direct Messaging, die es fremden Personen möglich macht, das Kind oder den Teenager direkt per Nachricht zu kontaktieren. „Wir sehen eine Zunahme von Kontaktrisiken,“ sagt Woldemichael. Das seien z.B. sexuelle Belästigung, Erpressung mit intimen Bildern (Sextortion) oder im schlimmsten Fall eine Anbahnung von sexuellem Missbrauch. In der aktuellen JIM-Studie gaben 29% der 12-19-Jährigen an, dass sie von sexueller Belästigung im Internet betroffen sind.

Soziale Medien erweitern den Horizont

Lena Büter sieht aber auch viel Potential in den sozialen Medien. Die Content-Creatorin produziert unter dem Namen „Kinderfragen“ Wissensvideos für Kinder auf Instagram, TikTok und Snapchat. „Soziale Medien sind eine super Möglichkeit, kreativ zu werden und neue Inhalte zu entdecken. Mir haben viele Kinder erzählt, dass sie so neue Hobbys entdeckt haben, zum Beispiel Stricken oder Häkeln“, sagt sie. Handarbeit sei jetzt wieder ein großer Trend in einer gewissen Altersgruppe – inspiriert durch Influencerinnen. So könnten Online-Plattformen wieder den Transfer in die „echte Welt“ herstellen: „Social Media macht neugierig und erweitert den Horizont. Das sind doch superwichtige Kompetenzen für das spätere Leben.“

Das habe ich auch bei meiner zehnjährigen Tochter erlebt: Eine Zeit lang war sie fasziniert von Zaubertricks. Wochenlang schaute sie sich auf YouTube neue Tricks an und überraschte uns dann später damit, wie sie eine Münze verschwinden ließ oder eine Karte hervorzauberte. Klar, das wäre auch irgendwie ohne Social Media gegangen. Aber für einen zweieinhalbstündigen Zauberkurs vor Ort hätten wir 100€ bezahlt – da war YouTube doch deutlich günstiger.

Die sozialen Medien haben uns aber nicht nur einen teuren Zauberkurs gespart. Sie helfen meiner Tochter gerade in einer sehr schwierigen Phase ihres Lebens. Sie ist länger krank und kann seit Monaten nicht in die Schule gehen. Deswegen haben wir ihr – eher als geplant – eine Handynummer besorgt. Seitdem tauscht sie sich täglich mit ihren Freundinnen über WhatsApp aus. In diesem Fall sind soziale Medien eine große Bereicherung: Sie helfen unserer Tochter, ihre Freundschaften zu pflegen und sich nicht so einsam zu fühlen – mit einem für sie leistbaren Aufwand.

Enge Begleitung notwendig

Trotz aller Bereicherung bleiben die Gefahren natürlich. Wie gehen Eltern damit um? „Das Wichtigste ist, dass sich Eltern erstmal informieren“, rät Deborah Woldemichael. Und zwar nicht einmal, sondern laufend: „Vielleicht erlauben Eltern ihrem Kind zum Zeitpunkt X eine Plattform. Und ein paar Monate später kommt dann eine neue Funktion hinzu. Die Eltern bekommen dann vielleicht gar nicht mit, was das für das Kind bedeutet.“ WhatsApp war beispielsweise anfangs ausschließlich ein Nachrichtendienst für die 1:1 Kommunikation. Ende 2023 kamen die Kanäle hinzu und machten nun auch den Zugang zu fremden Personen und Inhalten möglich. „Sich ständig über aktuelle Social Media Trends und Funktionen zu informieren, ist natürlich eine Herausforderung für Eltern“, sagt Deborah Woldemichael. Deswegen gäbe es Initiativen wie Klicksafe, die ausführlich zum Thema informieren und Tipps geben.

Ein nächster wichtiger Schritt ist das Einstellen der Konten. Ist das Konto privat? Wer darf kommentieren? Dabei sollten Eltern die Social Media Konten immer gemeinsam mit ihren Kindern einrichten, sagt Deborah Woldemichael. Denn nur so könnten sie überprüfen, ob das Alter auch korrekt eingegeben wurde. Das ist z.B. bei Instagram relevant, das Teenager-Konten 13-16-Jährige eingeführt hat. Diese Konten sind automatisch privat und können nicht von fremden Personen kontaktiert werden. Es werden auch weniger „sensible“ Inhalte angezeigt und potenziell beleidigende Kommentare werden ausgeblendet. Hilfreich sind auch Familienkonten, wie sie YouTube oder TikTok anbieten. Darüber können Eltern die Konten ihrer Kinder steuern und Bildschirmzeiten festlegen oder die Upload-Funktionen einschränken.

Miteinander im Gespräch bleiben

Ein regelmäßiger Austausch zwischen Eltern und Kindern gehört auch dazu. „Eltern fragen am besten immer mal wieder nach: Was machst du gerade auf Social Media? Welche Kanäle guckst du dir an? Was sind aktuelle Themen und Trends?“, sagt Deborah Woldemichael. Dann könnten sie das gemeinsam mit ihren Kindern einordnen. Solche Unterhaltungen sollten aber nicht kontrollierend sein, meint Lena Büter. Man könne das auch spielerisch machen: „Zum Beispiel kann man sich gegenseitig seine Lieblings-Influencer präsentieren. Dann stellt die Mama eine coole Zimmerpflanzen-Influencerin vor und das Kind seinen liebsten Gaming-Kanal.“ Denkbar wären auch gemeinsame Bildschirmzeit-Challenges: Wer es schafft, seine Bildschirmzeit am meisten zu reduzieren, bekommt eine Belohnung. Oder die Familie veranstaltet einen Wettbewerb, wer am besten KI-Videos von echten Videos unterscheiden kann. Außerdem könnten Eltern auch positive Vorschläge machen: Welche Influencer gibt es, die gute Werte vermitteln und sich authentisch zeigen?

Auch die Gefahren sollten offen angesprochen werden: „Wir erleben oft, dass Eltern sagen: Das Thema möchte ich noch nicht ansprechen, dafür ist mein Kind zu klein“, erzählt Deborah Woldemicheael. Eltern müssten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Kinder auch über Geräte von Freunden Inhalte sehen könnten, die sie möglicherweise verstören. Deshalb sei es besser, vorsorglich darauf hinzuweisen – etwa mit Sätzen wie: „Du kannst jederzeit mit mir reden, wenn du etwas im Netz siehst, was komisch ist.“

Lena Büter ergänzt, dass das nur in einer vertrauensvollen Atmosphäre funktioniert, die nicht ausschließlich von Kontrolle und Verboten bestimmt ist: „Vielleicht hat ein Kind zufällig ein Video mit Kriegsberichterstattung gesehen. Dann sollte es darüber auch mit seinen Eltern offen reden können und sich trauen zu fragen: Hey, ist das ein echtes Video? Was passiert da gerade?“

Grenzen setzen

Ohne klare Regeln funktioniere das aber nicht, sagt Lena Büter. „Eigene Videos und Fotos posten, das muss nicht sein, in einem gewissen Alter. Wenn Eltern das verbieten, sollten sie dann aber auch erklären, warum es gefährlich ist.“ Deborah Woldemichael sagt ganz klar, dass der Upload von Fotos und Videos erst in einem geschützten Rahmen passieren sollte, wie zum Beispiel in einer Familiengruppe. „Und Kinder unter 13 Jahren sollten generell keinen eigenständigen Zugang zu sozialen Medien haben.“

Da sind wir wieder beim Thema Social Media Verbot. Ich persönlich finde es nicht fair, wenn die gesamte Verantwortung auf uns Eltern ausgelagert wird. Das ständige Einlesen in neue Funktionen, das Einrichten von Apps – das ist alles sehr zeitintensiv und anspruchsvoll. Nicht alle Eltern haben vielleicht die Zeit dafür oder die entsprechenden digitalen Kompetenzen. Deswegen fände ich es hilfreich, wenn auch andere Grenzen setzen.

Zum Beispiel die Politik, die eigene Konten für Kinder auf Plattformen wie Instagram oder TikTok erst ab 13 Jahren erlauben könnte. Dann hätten wir Eltern noch ein weiteres wichtiges Argument in der Hand, wenn wir mit unseren Kindern diskutieren. So wie ich letztens, als ich meiner Tochter erklären musste, dass sie mit zehn Jahren noch keinen YouTube-Kanal eröffnen darf.

Oder die Plattformen selbst. Sie sollten aufhören, mit psychologischen Tricks Kinder und Jugendliche am Bildschirm zu halten. Dafür gibt es bereits auch Rechtsgrundlagen, wie den Digital Service Act (DSA). Diese EU-Verordnung verpflichtet seit 2024 soziale Medien dazu, Minderjährige besonders zu schützen und verbietet „Dark Patterns“. Das sind Mechanismen, die das Verhalten manipulieren. Zum Beispiel ein endloser Feed, der zum stundenlangen Scrollen verleitet oder Benachrichtigungen, die immer wieder neue Likes und Kommentare anzeigen. Dieses Verbot der Manipulation gilt übrigens nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene. Von diesen Einschränkungen würden also wir alle profitieren.

Auch die Schulen könnten Grenzen setzen, indem sie Smartphones in den Pausen verbieten. Letztens berichtete der Schulleiter einer weiterführenden Schule beim Tag der offenen Tür, dass sie seit einiger Zeit die Smartphones vom Schulhof verbannt hätten. Das Ergebnis: Die Kinder hätten wieder mehr miteinander gespielt.

Sarah Kröger ist Journalistin. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/06/Social-Media_GettyImages_StockPlanets_E.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-06-17 14:47:012026-06-17 14:47:01Social Media – Gefahr oder Chance? Eine Journalistin sucht Antworten

Erster Job: Wenn junge Erwachsene (zu) hohe Ansprüche haben

Elternfrage: „Unsere Tochter (22) hat in unseren Augen zu hohe Ansprüche an ihren ersten Job, hinsichtlich des Gehalts, Work-Life Balance etc. Sollen wir was sagen oder uns lieber raushalten?“

Als ich vor 35 Jahren einen Ausbildungsplatz im Elektrobereich suchte, war ich froh, dass mich ein kleiner Handwerksbetrieb nahm – während Industriebetriebe mir eine Absage erteilten. Heute hat sich die Situation vollkommen gewandelt. Viele Firmen warten darauf, dass fitte Azubis oder Berufseinsteiger sich bei ihnen bewerben. Der Arbeitgeber kann nicht mehr frei wählen, wen er haben will – sondern der Berufseinsteiger oder Azubi hat oft die Möglichkeit, auszusuchen, in welchen Betrieb er geht. Von daher können junge Leute heute an ihren Betrieb andere Erwartungen stellen.

Mut, Wünsche auszusprechen

Die Diskussion um die Gen Z (zwischen 1995 und 2010 geboren) brandet in unseren Medien immer wieder auf. Sie seien zu faul, hätten zu hohe Ansprüche, suchten nur den eigenen Vorteil. In Einzelfällen mag das stimmen. Aber sprechen die jungen Leute nicht genau das aus, was wir damals nicht sagen konnten, uns aber heimlich gewünscht haben? Dass zum Beispiel der Arbeitgeber um unsere Gesundheit besorgt ist? Dass wir nicht ausgenutzt werden als „Arbeitskraft“? Dass auf die Atmosphäre unter den Mitarbeitenden geachtet wird? Von daher ist es durchaus sinnvoll, etwas entspannter an die Berufsfindung unserer Kinder heranzugehen und nicht die Maßstäbe von vor 30 Jahren an sie zu legen.

Eigene Wege gehen

Das Entscheidende ist doch, dass unsere Kinder einen Weg gehen, der ihnen entspricht. Dass sie eine Aufgabe finden, in der sie aufgehen, die Spaß macht. Von daher sollten wir ihre Wünsche und Erwartungen auf jeden Fall ernst nehmen. Ihnen bewusst zuhören, wenn sie von Gehaltswünschen oder Work-Life-Balance reden. Aber wir dürfen ihnen auch von unseren eigenen Erfahrungen mit Gehalts-Verhandlungen erzählen oder von der Urlaubs-Diskussion mit dem Chef. Fakt ist: Wir dürfen unsere Erwartungen haben und sie auch verfolgen – aber sie werden nicht immer alle erfüllt.

Ehrlich bleiben

Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit einer unserer Teilnehmerinnen im Lebenstraum-Jahr. Es ging um ihre Ausbildung als Einzelhandelskauffrau. Und ich sagte ihr: Genial, dass du deinen Traumjob gefunden hast. Das ist eine echte Gebetserhörung. Allerdings wird es immer wieder Tage geben, an denen es keinen Spaß macht zu arbeiten. Und gerade in den ersten drei bis vier Monaten der Probezeit ist es notwendig, dranzubleiben. Wichtig ist aber auch, dass dir die Arbeit Spaß macht und mehr zurückgibt, als sie dich kostet – sonst kannst du diesen Job nicht mehrere Jahre machen.

Fazit: Zuhören und Bedürfnisse ernstnehmen ist ein Schlüssel, um Heranwachsende in ihrer Berufswahl zu begleiten. Aber wir dürfen auch ehrlich erzählen von den eigenen Herausforderungen zwischen Wunsch und Realität.

Stephan Münch lebt mit seiner Familie in Uffenheim/Mittelfranken und gründete vor 12 Jahren mit seiner Frau das Lebenstraum-Jahr mit den Schwerpunkten Persönlichkeitsentwicklung, Bibelschule und Berufsfindung.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/05/Mutter-und-Tochter.jpg 1280 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2026-06-08 12:07:492026-05-21 12:08:04Erster Job: Wenn junge Erwachsene (zu) hohe Ansprüche haben

Ernährungstipps auf Social Media: Sind die seriös?

Elternfrage: „Meine Tochter (16) probiert seit einiger Zeit verschiedene Ernährungstipps aus, die sie in den Sozialen Medien findet. Wie vertrauenswürdig sind solche Tipps? Und wie rede ich mit meiner Tochter darüber?“

Ich kann Ihre Sorge gut verstehen. Als Mutter von Teenie-Töchtern weiß ich genau, wovon Sie sprechen: In den sozialen Medien kann jede und jeder behaupten, Doktor oder Wissenschaftlerin zu sein. Das macht es kompliziert. Wir werden geflutet mit Massen an ungefilterten Informationen, deren Quelle und Herkunft – ob mit oder ohne Absicht – oft gut verschleiert sind. Leider kann man bei der Menge an Trends nie pauschal sagen, welcher seriös und gesund und welcher gefährlich ist. Das macht die Unterscheidung sehr schwierig – auch für Erwachsene.

In Kontakt bleiben

Das können Sie Ihrer Tochter genau so sagen. Wichtig finde ich, dass Sie mit ihr im Gespräch bleiben, damit sie merkt, dass Sie sie ernstnehmen und ein echtes Interesse an ihrem Leben haben: Welche Trends findet sie besonders gut, und was würde sie gern ausprobieren? Hat sie vielleicht kürzlich etwas total Irres gehört oder gesehen, von dem sie erzählen möchte? Haben Sie etwas Lustiges oder Interessantes gehört oder gelesen? Unterhalten Sie sich über die Themen, die Ihrer Tochter wichtig sind, ohne direkt zu (be-)urteilen.

Seriöse Quellen

Natürlich gibt es Gefahren und vor denen möchten Sie Ihre Tochter bewahren. Aber es gibt auch unglaublich viel Neues, das gut und interessant ist. Zeigen Sie ihr, wie und wo sie fundierte Quellen findet, und erklären Sie ihr als Faustregel, dass radikale und/oder einseitige Maßnahmen in Ernährungsfragen meist ein Indiz für ungesunde und unseriöse Methoden sind. Ausgewogenheit statt Einseitigkeit ist in den meisten Fällen eine gute Richtlinie.

Vielleicht haben Sie ja auch Lust, gemeinsam etwas Neues auszuprobieren: eine Smoothie Bowl oder selbstgemachte Ramen. Viele Trends sind tatsächlich auch gut, lecker und machen Spaß!
Gute und seriöse Quellen sind:

  • Verbraucherzentralen der Bundesländer
  • Bundeszentrum für Ernährung
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung
  • Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung
  • Vereine für unabhängige Gesundheitsberatung
  • Schweizerische Gesellschaft für Ernährung
  • oder die jeweilige Krankenkasse

Beinahe alle der oben genannten Quellen stellen – oft kostenlos – Material zur Verfügung.

Mareike Lotz ist Lehrerin für Ernährung und Hauswirtschaft an einem Berufsschulzentrum. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei (Teenie-) Töchtern in der Nähe von Wetzlar.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/05/Teenager-isst-Salat.jpg 1280 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2026-06-01 11:54:062026-05-20 11:54:30Ernährungstipps auf Social Media: Sind die seriös?

Im Haushalt helfen? So könnt ihr eure Kinder motivieren

Elternfrage: „Meine Jungs (7 und 10) helfen nicht gern im Haushalt. Ich möchte sie aber kindgerecht einbinden. Habt ihr Tipps, wie ich das schaffen kann?“

Spontan, nach Lust und Laune, mit einem festen Aufgabenplan, mit oder ohne Belohnung – Kinder können auf verschiedene Arten in den Haushalt einbezogen werden. Wir haben Eltern gefragt, wie sie das angehen.

Nicht perfekt

Unsere Einstellung ist bei diesem Thema wichtig. Wenn wir Kinder in den Haushalt einbinden, bereiten wir sie auf das Leben vor. Das Zimmer ordentlich zu halten, Kartoffeln zu schälen oder eine einfache Mahlzeit vorzubereiten, sind genauso wichtig wie das Einmaleins in der Schule. Und wir können unser Umfeld gestalten, um ihnen dabei zu helfen: Wir haben zum Beispiel einen Küchenbuffetschrank direkt am Esstisch. Da können die Kinder das Geschirr selbst entnehmen und den Tisch decken. Doch wenn die Kinder das erste Mal Aufgaben übernehmen, ist es nicht perfekt. Da kocht mal die Milch über, oder der Boden ist nicht so sauber, wie wir es gern hätten. Trotzdem haben sie ein Lob verdient.

Esther

Gleichberechtigt

Wir beziehen unsere Kinder ein- bis zweimal im Monat bei der Haushaltsplanung mit ein. Wir listen alle Aufgaben auf, die zu erledigen sind. Jeder muss sich für mindestens eine Sache entscheiden, der Rest wird untereinander aufgeteilt. Kinder haben das gleiche Mitbestimmungsrecht.

Robert

Freiwillig

Mein Sohn ist jetzt sechs Jahre alt, geht in die erste Klasse und ist Einzelkind. Im Haushalt setze ich auf Hilfe auf freiwilliger Basis. Das heißt, mein Sohn hilft mit, wenn er Interesse hat. Manchmal frage ich ihn, kann aber auch ein Nein akzeptieren. Schon von Anfang an wollte er mithelfen und hat gefragt, was er tun kann. Beim Kochen kommt er jetzt noch von allein. Seine anderen Lieblingsaufgaben sind Wischen – mit seinem eigenen Kinderputzset –, Kleidung gemeinsam zusammenlegen oder mir beim Badputzen helfen – dazu habe ich ihm Kindereinmalhandschuhe besorgt. Nur das Aufräumen seines Zimmers funktioniert leider nicht. Deshalb begleiten wir ihn dabei und machen es gemeinsam. Beim Putzen hören wir gern ein Hörspiel an. Nach getaner Arbeit genießen wir dann unsere Familienzeit und spielen etwas.

Judith

Belohnungen

Wir haben einen rotierenden Aufgabenplan für unsere Kinder (9 und 7), damit jeder sowohl Lieblingsaufgaben erfüllen kann als auch mal weniger beliebte Dinge übernehmen muss. Für erledigte Aufgaben gibt es Sternenaufkleber. Haben sie eine bestimmte Anzahl von Sternen gesammelt, dürfen sie sich eine Belohnung dafür aussuchen. So bleibt die Motivation erhalten. Dabei probieren wir Verschiedenes aus: Ausflüge, kleine Geschenke oder Süßigkeiten.

Ruben

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/05/Kind-Spuelmaschine.jpg 1281 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2026-05-18 14:29:152026-05-13 14:29:55Im Haushalt helfen? So könnt ihr eure Kinder motivieren

Kleinkind weint? Warum digitale Medien keine gute Lösung sind

Elternfrage: „Wenn mein Sohn (3) weint, lässt er sich manchmal nur mit dem Tablet beruhigen. Ich habe Angst, dass ihm das schadet. Welche Folgen kann es haben?“

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Kinder bis circa dem Schulalter noch nicht über die Fähigkeit verfügen, ihre Gefühle selbstständig zu regulieren. Das Gehirn entwickelt sich in Etappen. Der Bereich, der für Impulskontrolle und Beruhigung zuständig ist, reift erst über viele Jahre hinweg. Wenn Kinder weinen, wütend oder verzweifelt sind, brauchen sie daher in erster Linie Co-Regulation, also die Unterstützung eines (ruhigen) Erwachsenen.

Schnelle Beruhigungsmittel

Digitale Medien wirken sehr verlockend und können kurzfristig beruhigend wirken, da sie das Gehirn stark ablenken. Bilder, Geräusche und schnelle Reize überdecken unangenehme Gefühle wie Wut, Traurigkeit oder Frustration. Das Problem dabei ist nicht das Tablet an sich, sondern die Funktion, die es übernimmt! Wird es regelmäßiger genutzt, um Gefühle „abzustellen“, bekommt das Kind keine Möglichkeit, diese Gefühle wahrzunehmen, auszuhalten und zu verarbeiten. Langfristig kann das dazu führen, dass Kinder weniger Zugang zu ihren eigenen Emotionen entwickeln oder schneller nach äußerer Ablenkung suchen, statt innere Strategien aufzubauen.

Bewusster Medieneinsatz

Gefühle verschwinden so nicht. Sie werden lediglich verschoben. Oft zeigen sie sich später in anderen Situationen umso intensiver. Das bedeutet jedoch nicht, dass Eltern sofort alles falsch machen, wenn sie in akuten Momenten zum Tablet oder Handy greifen.

Entscheidend sind die Regelmäßigkeit und die Haltung dahinter. Wird das Tablet zur dauerhaften Beruhigungsstrategie, ersetzt es wichtige Entwicklungsschritte. Wird es hingegen bewusst und begrenzt eingesetzt, ergänzt durch Nähe, Worte und Begleitung, kann ein Tablet im Alltag auch mal zum Einsatz kommen. Medien können Teil des Familienalltags sein. Sie sollten jedoch nicht die Aufgabe übernehmen, Gefühle zu regulieren. Diese Fähigkeit entsteht vor allem dort, wo Kinder erleben: Meine Emotionen werden gesehen, gehalten und begleitet.

Marie von der Kuhlen ist Psychologin und systemische Beraterin. Sie ist zweifache Mutter und begleitet Eltern in den frühen Entwicklungsjahren ihrer Kindern.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/05/Weinendes-Kleinkind.jpg 1277 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2026-05-13 13:55:222026-05-13 13:55:22Kleinkind weint? Warum digitale Medien keine gute Lösung sind

Einschlafprobleme: Finger weg von Melatonin für Kinder!

Elternfrage: „Ich bin neulich auf Einschlafmittel in Form von Fruchtgummis mit Melatonin für Kinder gestoßen. Sind solche Mittel bei Kleinkindern – meine Tochter ist vier – wirklich unbedenklich?“

Gut, dass Sie fragen – denn bei Einschlaf­medikamenten für Kinder ist immer Vorsicht geboten. Gerade frei verkäufliche Mittel, die von der Apothekenpflicht ausgenommen und deshalb scheinbar harmlos sind, unterliegen keinen strengen Laborkontrollen. Hinzu kommt, dass viele Präparate, auch pflanzliche, vom kindlichen Körper anders verstoffwechselt werden als vom Erwachsenen. Häufig liegen hierzu keine Studien zur Verträglichkeit von Kindern vor.

Vorsicht bei Melatonin-Produkten

Manche Einschlafmittel gelten nicht als Medikamente, sondern als Nahrungsergänzungsmittel. Nahrungs­ergänzungsmittel dürfen ohne ärztliche Verschreibung gekauft werden, können dennoch erheblichen Schaden anrichten, weil die Nebenwirkungen nicht bekannt sind oder nicht überprüft wurden. Vermutlich handelt es sich bei den Fruchtgummis, auf die Sie aufmerksam geworden sind, um ein Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin.

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Ein Einschlafmittel mit Melatonin soll ein schnelles Einschlafen begünstigen. Doch die Zugabe des Hormons führt dazu, dass es in wichtige Körpervorgänge eingreift – über die konkreten Auswirkungen bei Kindern ist wenig bekannt. Allerdings weisen Kinderärzte und Kinderärztinnen darauf hin, dass der Melatonin-Abbau bei Kindern deutlich langsamer verläuft als bei Erwachsenen. Experten warnen deshalb vor der Einnahme der Melatonin-Gummibärchen. Hinzu kommt, dass Melatonin nur dann wirkt, wenn tatsächlich ein Mangel davon für die Schlafprobleme verantwortlich ist – das ist meist erst bei Menschen ab 55 Jahren der Fall.

Natürliche Hilfsmittel

Es gibt durchaus einige milde, für Kinder zugelassene medikamentöse Schlafhilfen, die Eltern sich nach individueller Beratung in der Apotheke rezeptfrei besorgen können. Viel sinnvoller ist es aber, bei Einschlafproblemen zunächst nach pädagogischen und psychologischen Hilfen Ausschau zu halten. So hilft zum Beispiel ein möglichst dunkles Zimmer, gegebenenfalls mit rötlichem Nachtlicht, die Melatonin-Produktion natürlich zu fördern. Lavendelsäckchen versprühen einen beruhigenden Duft, und spezielle Einschlafmusik für Kinder fördert die Schlafbereitschaft. Auch Sternenlicht-Projektoren können Kindern helfen, zur Ruhe zu kommen, ebenso wie Kuscheleinheiten mit Gute-Nacht-Liedern oder Gebeten.

Manchmal hilft es dem Kleinkind, wenn eine Matratze neben dem Kinderbett liegt, auf die sich ein Elternteil zeitweise legt. Das vermittelt Sicherheit und unterstützt gleichzeitig die Gewöhnung an das Einschlafen im eigenen Bett. Wichtig ist es auch, dass Kinder mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen nicht mehr auf Bildschirme schauen, um Überreizung zu verhindern. Wenn Ihr Kind Schwierigkeiten mit dem Einschlafen hat, empfehle ich, eine professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine kostenlose Schlafberatung finden Eltern beispielsweise auf elternleben.de.

Und, nicht vergessen: Es ist alles eine Phase! Schon bald reiben Sie sich verwundert die Augen, wenn Ihr Kind ein Teenager ist, den man kaum noch aus dem Bett bekommt.

Melanie Schüer ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Zudem ist sie freie Autorin von Kinderbüchern und Elternratgebern.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/03/Gummibaerchen.jpg 1280 1920 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2026-05-12 09:23:252026-05-12 09:23:25Einschlafprobleme: Finger weg von Melatonin für Kinder!

Zungenband stört den Schlaf? Ein Experte klärt auf

Elternfrage: „Mein Kind (1) schläft schlecht. Der Kinderarzt sagt, schuld sei ein zu kurzes Zungenband. Was hat die Zunge meines Sohnes mit seinem Schlaf zu tun?“

Auf den ersten Blick scheint es ungewöhnlich, dass ein kleines Stück Gewebe unter der Zunge den Schlaf beeinflussen kann. Doch die Zunge hat weit mehr Aufgaben als nur das Essen und spätere Sprechen – sie spielt eine wichtige Rolle für Atmung, Muskelspannung und die Stabilität im Mund- und Rachenraum.

Unruhiger Schlaf

In der Praxis erleben wir oft, dass Kinder mit einem funktionell eingeschränkten Zungenband einen sehr leichten Schlaf haben. Sie schlafen unruhig, wachen häufig auf oder kommen nur mit offenem Mund zur Ruhe. Das kann damit zusammenhängen, dass die Zunge nachts nicht dort liegt, wo sie physiologisch häufig am günstigsten liegt: oben am Gaumen. Diese Position unterstützt die Entwicklung des Oberkiefers, stabilisiert die oberen Atemwege und fördert eine ruhige Nasenatmung. Wenn ein Zungenband zu kurz oder straff ist, kann die Zunge diese Haltung nicht gut einnehmen. Sie rutscht nach unten, und die Kinder atmen häufiger durch den Mund.

Mundatmung kann zu trockeneren Schleimhäuten, leichterem Aufwachen und einer insgesamt höheren Unruhe beziehungsweise Grundanspannung beitragen. Durch die veränderte Atmung kann es zu kleinen, kaum wahrnehmbaren Weckreaktionen kommen, die den Schlaf immer wieder unterbrechen und die Schlafqualität mindern. Das kann teilweise erklären, warum manche Kinder am Tag müde wirken oder schneller erschöpft sind. Kann sich die Zunge dagegen frei bewegen, entsteht nachts häufig ein ruhigerer Atemrhythmus – und das Kind schläft tiefer und erholsamer.

Ungewöhnliches Essverhalten

Ein weiteres Anzeichen kann sein, dass Ihr Kind tagsüber beim Essen unruhig ist, sich leicht verschluckt, viel speichelt oder „schmatzend“ schluckt. Auch nächtliches Schnarchen, ständige Positionswechsel oder ungewöhnliche Schlafhaltungen können Hinweise darauf sein, dass die Zunge nicht frei arbeiten kann. Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes kurze Zungenband behandelt werden muss. Entscheidend ist, ob die Funktion eingeschränkt ist – und ob Symptome auftreten, die sich dadurch erklären lassen.

Wenn der Verdacht auf eine funktionelle Einschränkung besteht, lohnt sich eine genauere Abklärung – idealerweise bei Fachleuten, die Erfahrung mit Zungenbewegung, Atmung und früher Mundentwicklung haben. Dazu gehören zum Beispiel Osteopathen, Logopädinnen sowie spezialisierte (Kinder-) Zahnärzte. Gerade Themen wie eingeschränkte Zungenbeweglichkeit (orale Restriktionen) werden in den üblichen Vorsorgeuntersuchungen nicht immer umfassend betrachtet. Eine interdisziplinäre Sicht hilft, alle Aspekte gut einzuordnen – und gibt Eltern Sicherheit.

Ralf Vogt MSc ist Physiotherapeut, Heilpraktiker und Osteopath mit Schwerpunkt auf der Behandlung von Babys & Kindern sowie der funktionellen Diagnostik oraler Restriktionen (u. a. Zungenband).

https://www.family.de/wp-content/uploads/2026/05/Kind-schlaeft.jpg 1280 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2026-05-08 11:30:092026-05-08 11:30:09Zungenband stört den Schlaf? Ein Experte klärt auf
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