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Artikel aus den Heften

„In Gesundheit und Krankheit“: Was Paaren in Krisenzeiten hilft

Wenn ein Partner schwer erkrankt, kann das eine Beziehung belasten. Lisa-Maria Mehrkens hat Paare befragt, was ihnen geholfen hat, die stürmischen Zeiten zu überstehen.


Wenn das Leben sinnlos scheint

Vor fünf Jahren geriet Christian Bangert schleichend in eine Depressionsspirale, war schnell erschöpft, überfordert, gereizt und zunehmend lebensmüde. Mittlerweile ist er auf dem langen Weg der Heilung. Ihm und seiner Frau Nelli helfe der gemeinsame Glaube an Jesus Christus, denn der Glaube gibt ihnen Halt und bietet Raum für Klagen, Fragen, Sorgen, Frust und Wut.

Auch ehrliche Kommunikation untereinander fördert ihr gegenseitiges Verständnis. „Wir verstecken uns nicht voreinander, sondern zeigen uns, wie wir sind. Das ist auch schmerzhaft, weil der Umgang mit Schwäche nicht immer einfach ist. Gleichzeitig wachsen unser Vertrauen und unsere Verbindung“, sagen beide. Auch im Austausch mit Freunden, Familie und professionellen Helfern raten sie dazu, sich nicht zu schämen, sondern offen und ehrlich zu sein.

Die christliche Paartherapeutin Diana Muschiol weiß, wie wichtig in Krisen Ehrlichkeit und echtes Interesse sind sowie die Bereitschaft, sich einzufühlen und den anderen zu verstehen. Denn die Erkrankung sei niemals nur das Problem eines Partners, sondern habe immer Auswirkungen auf beide, die zusammen die Krise bewältigen müssen. Sorgen, Ängste und negative Gefühle ehrlich auszusprechen, sei ein wichtiger Schritt dazu.

Um Christians Krankheit zu akzeptieren, musste Nelli Träume loslassen und den Schmerz annehmen, den das mit sich bringt. Christian musste lernen, nicht nur Nellis, sondern auch seinen eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden. „Ich darf zu meinen Grenzen stehen. Früher dachte ich, dass ich für Nellis Glück verantwortlich bin. Diese Verantwortung trage ich heute nicht mehr, und das führt mich in die Freiheit“, erzählt er. Die Verantwortung für die eigene Gesundung liegt in erster Linie beim Erkrankten. Doch damit auch der nicht-erkrankte Partner gesund bleibt, müssen beide ihre Grenzen erkennen und kommunizieren. „Die Gefahr besteht, dass man über die eigenen Grenzen geht und für sich, die Familie und den Partner keine Unterstützung mehr sein kann. Zu viel zu helfen kann beim anderen das Gefühl von Unzulänglichkeit auslösen, das die Erkrankung wiederum verstärken kann“, erläutert Therapeutin Muschiol.

Nelli und Christian achten heute mehr auf ihre persönlichen Bedürfnisse und geben sich gegenseitig Raum, diesen nachzugehen. Nelli ist auch allein mit Freunden unterwegs, wenn Christian keine Kraft dazu hat. „Damit habe ich auch mein Ideal-Bild losgelassen, dass ein Paar möglichst immer zusammen unterwegs ist. Es braucht zwei Menschen, die gut für sich sorgen, um durch eine Krise zu kommen“, beschreibt sie. Auch als Paar setzten sie ihre Prioritäten neu, sagen öfter Nein. Die schwere Zeit rüttelte ihre Vorstellungen vom Leben, ihr Gottesbild und ihr Selbstbild durch und festigte sie gleichzeitig als Paar. „Wenn das Leben hart auf hart kommt, muss man umso fester zusammenhalten. Das gemeinsame Erleben von Krankheit und Schwäche tut weh – gleichzeitig fördert es tiefe innige Liebe“, sagen sie.

Wenn die innere Heimat fehlt

Die Beziehung von Laura* und Jonte* wurde durch äußere Faktoren auf die Probe gestellt: Umzug, zweites Kind, Schlafmangel, ein Gefühl von Einsamkeit, die Frage, ob sie als Familie am richtigen Platz seien, das Jonglieren zwischen Mutterrolle und freischaffender Tätigkeit … Das alles war zu viel und erschöpfte Laura. Fast ein Jahr lang ging es ihr immer schlechter. Keiner wusste wirklich, was mit ihr los war. Sie stellte sich viele grundsätzliche Fragen zum Leben und Glauben.

Irgendwann fuhr sie in ein Kloster, wo eine Ordensschwester ihr sagte: „Du hast deine innere Heimat verloren.“ „Erst dachte ich mir: ‚Was für ein Quatsch!‘ Aber im Nachhinein wurde mir klar: Sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen“, erzählt Laura. Ihr Mann habe damals wenig Zugang zu inneren, emotionalen Vorgängen gehabt. Doch genau diese pragmatische Stärke tat Laura gut. „Er hat nicht viel kommentiert oder seelsorgerliche Ratschläge gegeben, sondern mich einfach ausgehalten und in den Arm genommen. Er hat mir den Rücken freigehalten, mich in unserem Alltag im Haushalt und mit den Kindern unterstützt, damit ich mich und meine Themen ordnen konnte“, erinnert sie sich.

Doch auch in ihren inneren Kämpfen fühlte sich Laura sehr nah mit ihrem Mann verbunden. Bei gemeinsamen Abendspaziergängen konnte sie ihre Gedanken und Emotionen teilen, selbst wenn ihr Mann nicht alles davon verstand. Diese Spaziergänge haben sie bis heute beibehalten. Das hilft, ein Grundlevel an Kommunikation aufrechtzuerhalten, um bei schwierigen Themen schneller in die Tiefe zu kommen.

Letztlich öffnete die Krise Laura und Jonte den Blick für Grenzen und neue Seiten aneinander. „Ich bin eigentlich schnell und stark, energievoll und weiß, was ich will. In diesem Jahr habe ich mich sehr schwach und verletzlich gefühlt und gemerkt, dass ich auf meinen Mann angewiesen bin. Das war ein neuer Aspekt, den ich über mich und unsere Beziehung gelernt habe.

Bei meinem Mann wiederum wuchs das Verständnis für innere Vorgänge und dass es mehr gibt als nur den praktischen Alltag“, sagt Laura. Die wichtigste Entscheidung, die sie als Paar durch die Krise trug: „Egal, was passiert im Leben, wir bleiben innerlich beieinander!“

Wie wichtig eine solche innere Entscheidung ist, weiß Diana Muschiol: „Studien zeigen, dass uns eine zufriedene und glückliche Beziehung gesund hält und uns auch befähigt, mit Herausforderungen und Schmerz besser umzugehen. Daher ist ein wichtiger Faktor für Paare in Krisenzeiten, an ihrer Beziehung festzuhalten und sie weiter auszubauen.“ Schwierigkeiten in der Partnerschaft seien ein Risikofaktor für psychische Erkrankungen. Deswegen sei es hilfreich, in die Beziehung zu investieren.

Wenn jeder Abschied der letzte sein kann

Nur ein Jahr nach seiner Hochzeit kam Simon mit einer lebensbedrohlichen Hirnblutung als Notfall ins Krankenhaus. Nach zehn Tagen in teils kritischem Zustand wurde er am Gehirn operiert. Obwohl sie Abschiede aus ihrer Fernbeziehungszeit kannten, wurde das Abschiednehmen von seiner Frau Melanie keineswegs zur Routine, da die Blutung jederzeit wieder hätte beginnen können. „Mich bewegte die Frage: Wie verabschiede ich den Menschen, den ich am meisten liebe, wenn ich ihn vielleicht das letzte Mal sehe?“, beschreibt Simon.

Besonders emotional war für beide der Abend vor der Operation, da der Ausgang ungewiss war. „Ich sagte zu Melanie: ‚Ich weiß, dass du das nicht hören willst. Aber wenn mit mir etwas passieren sollte, dann wünsche ich mir, dass du an Jesus festhältst. Du hast von mir die Freiheit, eines Tages auch mit einem anderen Mann glücklich zu werden – ohne schlechtes Gewissen.‘ Für Melanie war diese Aussage schwer zu verdauen, doch mir war und ist wichtig, dass sie ihr Glücklichsein nicht allein von mir und unserer Ehe abhängig macht“, sagt Simon.

Simon als eher rationaler Mensch versuchte, negativen Gefühlen wie Angst, Wut oder Trauer zwar einen Raum zu geben, sich aber nicht davon übermannen und beherrschen zu lassen. Gemeinsam zu lachen und zu weinen, habe trotzdem geholfen.

Kraft, Ruhe und Zuversicht habe ihnen auch der Glaube an Gott gegeben. „Er lässt uns bestimmte Krisen erleben, um für andere Menschen zum Segensbringer und Ermutiger zu werden. Bin ich bereit dazu und glaube ich daran, dass Gott aus mir und meinen Erfahrungen etwas Kostbares machen kann? Krisen sind für mich definitiv nichts Schlimmes oder Sinnloses. Im Gegenteil: Sie bergen eine große Chance in sich, wenn ich mich als Gestalter und nicht als Opfer sehe. Deshalb: Vergeude niemals eine Krise!“, erklärt Simon. Letztlich stärkte die Krise ihre Ehe, und vieles Bestehende erwies sich als tragfähiges Fundament, für das beide dankbar sind. „Wir haben dieselbe Situation erlebt, aber jeder von uns in einer anderen Rolle und mit eigener Wahrnehmung. Der Austausch darüber und die Erinnerungen daran sind ein besonderer Schatz, den wir nicht vermissen wollen. Denn Erlebnisse verbinden und Narben erzählen Geschichten“, meint Simon.

Die drei vorgestellten Paare haben erlebt, dass Krisen sie noch näher zusammengebracht haben. Denn trotz aller Schwierigkeiten kann das gemeinsame Bewältigen einer Krise viele Ressourcen eines Paares fördern wie gegenseitigen Respekt, Wertschätzung, Verbundenheit, Vertrauen und Intimität. „Hoffnung ist ein weiterer wichtiger Aspekt von Resilienz. Und durch das Erleben, schon einmal eine Krise gemeistert zu haben, entwickeln sich Hoffnung und Zuversicht für zukünftige schwierige Zeiten. Was wiederum genutzt werden kann, um für andere Menschen Impulsgeber und Vorbild zu sein“, weiß Therapeutin Muschiol.

Tipps von Paartherapeutin Diana Muschiol:

Mit physischen und psychischen Erkrankungen umgehen

  • gegenseitiges Verständnis anstelle von Vorwürfen
  • als nicht Erkrankte/r nicht die Rolle des Arztes oder der Therapeutin übernehmen, keine Diagnosen und Ratschläge geben
  • die erkrankte Person fragen, wie man wirklich helfen kann
  • als gesunde/r Partner oder Partnerin auf das eigene Wohlbefinden achten
  • sich gemeinsam über die Erkrankung informieren
  • sich praktische Hilfe von anderen holen (Angehörige, Freunde, professionelle Helfer), Aufgaben delegieren
  • die Erkrankung als zu bewältigende Herausforderung statt als unüberwindbare Krise sehen
  • Bereiche als Paar finden, die sich nicht um die Erkrankung drehen (Aktivitäten, Gesprächsthemen)
  • Sorgen und Ängste offen ansprechen
  • als Erkrankte/r, wenn möglich, aktiv etwas für die Gesundung tun

 

*Namen geändert

Lisa-Maria Mehrkens ist freie Journalistin. 

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/11/dvulikaia_GettyImages-1353219487-scaled.jpg 1911 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-17 12:00:082022-11-17 12:00:08„In Gesundheit und Krankheit“: Was Paaren in Krisenzeiten hilft

Hauskauf: Sollten Eltern für die Kinder bürgen?

Immobilienpreise sind hoch und oft fehlt jungen Familien das Eigenkapital für einen Hauskauf oder die Bank braucht mehr Sicherheiten. Eine Bürgschaft kann eine Lösung sein. Aber über die Risiken muss man offen reden.

Was ist eine Bürgschaft?

Eine Bürgschaft bedeutet, dass ein Dritter die Aufgabe übernimmt, die (Rest-)Schulden eines anderen zu tilgen, sollte dieser zahlungsunfähig werden. Dies kann passieren, wenn der Hauptschuldner dauerhaft arbeitslos oder krank wird, sich scheiden lässt, der Partner stirbt, im Beruf scheitert oder eine „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ hat, sich also überschuldet. Ein Hauskredit mit einem Bürgen wird meistens dann in Erwägung gezogen, wenn das Eigenkapital für einen Kredit bei der Bank nicht ausreicht. Der Bürgschaftsvertrag wird dann zwischen der Bank, dem Hauptschuldner und dem Bürgen geschlossen und regelt, in welchem finanziellen Umfang der Bürge einspringt. Es gibt verschiedene Formen der Bürgschaft, von der die sogenannte Ausfallbürgschaft die häufigste und sicherste ist, da der Bürge erst dann einspringen muss, wenn die Bank vorher alle Mittel beim Schuldner ausgeschöpft hat.

Was spricht dafür?

Mit einer Bürgschaft können Sie Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn helfen, ihren Traum zu verwirklichen. Mit Ihrer Hilfe können sie einen Kredit erhalten, den sie sonst vielleicht nicht bekommen hätte. Damit investieren Sie in ihre Zukunft. Die Vorteile einer Bürgschaft liegen für den Bürgen also eher im ideellen, zwischenmenschlichen Bereich.

Was spricht dagegen?

Mit einer Bürgschaft gehen Sie eine finanzielle Verpflichtung und ein Risiko ein, denn bei Zahlungsausfall haften Sie mit Ihrem gesamten Vermögen und haben im schlimmsten Fall am Ende selbst Schulden. Falls Sie die Zahlungen nicht leisten können, können bei Ihnen Pfändungen stattfinden. Sollte es dazu kommen, kann dies die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrer Tochter oder ihrem Sohn erheblich belasten. Zudem wird jede Bürgschaft bei der Wirtschaftsauskunftei Schufa eingetragen, wodurch sich Ihre eigene Kreditwürdigkeit verschlechtern kann. Das kann dazu führen, dass Sie ein für sich selbst benötigtes Darlehen nicht oder nur zu schlechteren Konditionen bekommen.

Sollte man trotzdem bürgen?

Mit einer Bürgschaft tragen Sie das volle Risiko bei einem Zahlungsausfall. Dieses Risiko können Sie verringern, indem Sie die Bürgschaft zum Beispiel zeitlich begrenzen („Zeitbürgschaft“) und mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn neben dem Bürgschaftsvertrag einen weiteren Vertrag abschließen, der regelt, dass sie Ihnen die Summe, die sie im Fall einer Nutzung der Bürgschaft an die Bank überweisen, zurückzahlt, was das Risiko, im Ernstfall auf den Kosten sitzen zu bleiben, verringert. Fragen Sie sich auch, wie Ihre Kinder und deren Partner generell mit Geld umgehen: Vernünftig und sinnvoll oder verschwenderisch und leichtfertig? Sind sie zuverlässig? Haben Sie den Eindruck, dass die Kreditsumme und die Laufzeit für sie tragbar sind? Diese Frage ist hinsichtlich der hohen Immobilienpreise sehr wichtig. Nicht selten übernehmen sich Paare finanziell, weil der Traum vom Eigenheim größer ist als ihre finanziellen Möglichkeiten.

Ruth Korte arbeitet als freie Redakteurin bei Family und FamilyNEXT und lebt mit ihrer Familie in Gießen.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/11/Immobilie-Buergschaft.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-15 12:02:332022-11-15 12:02:33Hauskauf: Sollten Eltern für die Kinder bürgen?

Auf eigenen Füßen – „Für die Kinder bürgen?“

Immobilienpreise sind hoch und oft fehlt jungen Familien das Eigenkapital für einen Hauskauf oder die Bank braucht mehr Sicherheiten. Eine Bürgschaft kann eine Lösung sein. Aber über die Risiken muss man offen reden.

Was ist eine Bürgschaft?

Eine Bürgschaft bedeutet, dass ein Dritter die Aufgabe übernimmt, die (Rest-)Schulden eines anderen zu tilgen, sollte dieser zahlungsunfähig werden. Dies kann passieren, wenn der Hauptschuldner dauerhaft arbeitslos oder krank wird, sich scheiden lässt, der Partner stirbt, im Beruf scheitert oder eine „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ hat, sich also überschuldet. Ein Hauskredit mit einem Bürgen wird meistens dann in Erwägung gezogen, wenn das Eigenkapital für einen Kredit bei der Bank nicht ausreicht. Der Bürgschaftsvertrag wird dann zwischen der Bank, dem Hauptschuldner und dem Bürgen geschlossen und regelt, in welchem finanziellen Umfang der Bürge einspringt. Es gibt verschiedene Formen der Bürgschaft, von der die sogenannte Ausfallbürgschaft die häufigste und sicherste ist, da der Bürge erst dann einspringen muss, wenn die Bank vorher alle Mittel beim Schuldner ausgeschöpft hat.

Was spricht dafür?

Mit einer Bürgschaft können Sie Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn helfen, ihren Traum zu verwirklichen. Mit Ihrer Hilfe können sie einen Kredit erhalten, den sie sonst vielleicht nicht bekommen hätte. Damit investieren Sie in ihre Zukunft. Die Vorteile einer Bürgschaft liegen für den Bürgen also eher im ideellen, zwischenmenschlichen Bereich.

Was spricht dagegen?

Mit einer Bürgschaft gehen Sie eine finanzielle Verpflichtung und ein Risiko ein, denn bei Zahlungsausfall haften Sie mit Ihrem gesamten Vermögen und haben im schlimmsten Fall am Ende selbst Schulden. Falls Sie die Zahlungen nicht leisten können, können bei Ihnen Pfändungen stattfinden. Sollte es dazu kommen, kann dies die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrer Tochter oder ihrem Sohn erheblich belasten. Zudem wird jede Bürgschaft bei der Wirtschaftsauskunftei Schufa eingetragen, wodurch sich Ihre eigene Kreditwürdigkeit verschlechtern kann. Das kann dazu führen, dass Sie ein für sich selbst benötigtes Darlehen nicht oder nur zu schlechteren Konditionen bekommen.

Sollte man trotzdem bürgen?

Mit einer Bürgschaft tragen Sie das volle Risiko bei einem Zahlungsausfall. Dieses Risiko können Sie verringern, indem Sie die Bürgschaft zum Beispiel zeitlich begrenzen („Zeitbürgschaft“) und mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn neben dem Bürgschaftsvertrag einen weiteren Vertrag abschließen, der regelt, dass sie Ihnen die Summe, die sie im Fall einer Nutzung der Bürgschaft an die Bank überweisen, zurückzahlt, was das Risiko, im Ernstfall auf den Kosten sitzen zu bleiben, verringert. Fragen Sie sich auch, wie Ihre Kinder und deren Partner generell mit Geld umgehen: Vernünftig und sinnvoll oder verschwenderisch und leichtfertig? Sind sie zuverlässig? Haben Sie den Eindruck, dass die Kreditsumme und die Laufzeit für sie tragbar sind? Diese Frage ist hinsichtlich der hohen Immobilienpreise sehr wichtig. Nicht selten übernehmen sich Paare finanziell, weil der Traum vom Eigenheim größer ist als ihre finanziellen Möglichkeiten.

Ruth Korte arbeitet als freie Redakteurin bei Family und FamilyNEXT und lebt mit ihrer Familie in Gießen.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/11/Immobilie-Buergschaft.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-14 15:28:092022-11-18 15:30:18Auf eigenen Füßen – „Für die Kinder bürgen?“

Kindlich glauben …

… dass Gott sich kümmert

Carina Nill will sich ihren Sohn zum Vorbild nehmen. Der vertraut darauf, dass sein Vater ihm mit Rat und Tat zur Seite steht.

Mein Rücken ist kaputt. Glaube ich. Was ich da als Erstes mache? Ich schiebe es auf die lange Bank. Wenn es die Zeit zulässt, packe ich etwas Wärme drauf oder mache meine Übungen.

Die Beziehung zu meinem Onkel hat einen Knacks bekommen, seit es Oma nicht mehr gibt. Ich überlege und unterdrücke, ärgere mich und trauere in mich hinein und hole schließlich mutig – eine zweite lange Bank heraus, um auch das aufzuschieben.

Eine Entscheidung steht an. Ich hasse Entscheidungen. Leider sind hier lange Bänke oft nicht erlaubt. Ich hole mir Rat bei Freunden in der gleichen Situation und bleibe mit rauchendem Kopf unsicher und unzufrieden mit mir selbst zurück.

Ganz anders meine Kinder. Ein aufgeschürftes Knie, ein kaputter Bagger, ein Streit im Kindergarten … Was sie da als Erstes machen? Es wird sofort gehandelt. Schließlich geht es beinahe um Leben und Tod. Meistens wird nicht erst überlegt, wie man selbst etwas dazu beitragen könnte. Es wird sich beschwert und geärgert, und zwar nicht still in sich hinein. Nein, lautstark und triefend nass vor Elefantentränen werfen sie sich in unsere Arme. Der Schmerz ist groß und die Sehnsucht nach elterlichem Trost noch größer.

Unser kleinster Sohnemann, der mit seinen zwei Jahren noch kaum recht sprechen konnte und sich stets andere Wege suchte, um sich auszudrücken, benutzte nun schließlich für genau diese Situationen das richtige Wort. Egal, ob es der Sprung in der Müslischale oder die eingerissene Buchseite war, der platte Reifen am Laufrad oder die fehlende Batterie in der Taschenlampe – er wusste, sein starker Papa bietet Rat und Tat. Nichts anderes als logisch, dass aus unserem erwachsenen Wort „Reparieren“ ein vertrauensvolles „Paparieren“ wurde. Oh, wie groß sind doch die Ideen der Kleinsten!

Liebevolle Arme

Und ich? Anstatt mich mit meinen Rückenschmerzen zuerst an unseren Vater im Himmel, bekannterweise ein berühmter Arzt, zu wenden und um Rat zu fragen, jammere ich still herum und frage lieber Dr. Google.

Anstatt mich zuerst in die liebevollen Arme meines himmlischen Vaters zu werfen, wenn es in der irdischen Familie Auseinandersetzungen, Verletzungen oder bedrückendes Schweigen gibt, packe ich all mein therapeutisches und pädagogisches Wissen zusammen, um mir die Situation erklärbar und lösbar einzureden. Dabei sitzen der Schmerz und die Ungewissheit viel tiefer im Herzen.

Anstatt zuerst mit meinem guten Freund Jesus meine Situation bezüglich dieser Entscheidung zu besprechen und von ihm zu hören, was er über mich und mein Leben denkt, lasse ich mich verunsichern, vergleiche zu viel und vertraue zu wenig. Ich weiß nicht, wann genau es verloren geht, das kindliche Zum-Papa-Rennen. Sich von den Eltern trösten zu lassen und ihren Rat zu suchen. An das „Paparieren“ zu glauben.

Ich habe angefangen, dieses Wort zu lieben. Obwohl ich neulich die Räder vom Spielzeug-Rennflitzer „mamariert“ habe und von unserem Jüngsten dafür erstaunte bis verwirrte Blicke erntete. Natürlich kann auch Mama Dinge in Ordnung bringen – aber ich liebe diese Metapher nicht, weil ich uns Frauen kleinreden will, sondern weil ich den himmlischen Vater großmachen will.

Von unseren Kindern lernen

Der beste „Paparateur“ ever – der, der die Situation überblickt, der meine Wunden heilt, sich meiner Entscheidungsschwäche annimmt. Vielleicht bringt er nicht immer alles so in Ordnung, wie wir es gern hätten, aber er kümmert sich, tröstet mich, liebt mich.

Wie gern würde ich von unseren Kindern lernen und nachahmen, zuerst und mit allem zu unserem königlichen Vater zu rennen. Und mich daran erfreuen, dass er mit unseren reparaturbedürftigen Anliegen geduldiger ist, als wir es auf der Erde je sein könnten. Bestimmt geben alle Papas gern ihr Bestes für ihre Kinder – daher erstaunt es mich manchmal umso mehr, dass die Liebe des königlichen Vaters noch viel größer, intensiver, stärker und bedingungsloser sein muss. Welch Privileg, sein Kind sein zu dürfen, egal, wie erwachsen wir doch sind.

Carina J. Nill ist Kunst- und Lerntherapeutin und Autorin von „Count your Blessings: Mein kreatives Segen-Sammelbuch“. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Deizisau bei Esslingen.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/11/Betendes-Kind.jpg 1411 2124 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-11 11:04:422022-11-11 11:04:42Kindlich glauben …

3 bis 5 – Ab in den Kindergarten – aber in welchen?

Elternfrage: „Mein Kind wird nächstes Jahr drei Jahre alt und war bisher bei einer Tagesmutter. Nächstes Jahr soll es in die Kita wechseln. Wie finde ich heraus, welche Kita zu uns passt? Und bis wann muss ich es anmelden?“

Generell sollte die Suche nach einem Kitaplatz so früh wie möglich beginnen“, rät Nadine Jung vom Landkreis Gießen mit Blick auf die Wartelisten, die in manchen Städten und Regionen sehr lang sein können. Einen Überblick über die jeweilige Platzsituation kann euch die Gemeinde- und Stadtverwaltung im Wohnort geben, die gleichzeitig auch Träger vieler Kitas ist.

Dort oder auf der Homepage der Kitas könnt ihr erste Informationen zu pädagogischen Ansätzen, Räumlichkeiten, Gruppengrößen und Konzeptionen finden. So könnt ihr euch einen ersten Eindruck verschaffen und entscheiden, was euch persönlich zusagt. Dies ist individuell verschieden und variiert von der örtlichen Distanz über den Betreuungsschlüssel, also wie viele Erzieherinnen im Kindergarten wie viele Kinder betreuen, bis hin zum Betreuungskonzept, das in der Einrichtung angewandt wird.

Offen, teiloffen und geschlossen?

Die Konzepte in den Kindergärten variieren zwischen offen, teiloffen und geschlossen. In einer geschlossenen Gruppenarbeit wird ein Kind einer Gruppe mit festen Erzieherinnen zugeteilt. In dieser halten sich die Kinder während des gesamten Kindergartentages auf.

Beim teiloffenen Konzept sind die Kinder nur am Tagesbeginn und -ende in ihrer Stammgruppe. Nach einem gemeinsamen Start werden die anderen Gruppen für die Kinder geöffnet. Ganz auf Gruppen verzichtet wird in Kindergärten mit offenem Konzept. Die Räume, die den Kindern zur Verfügung stehen, sind themenorientiert. Es gibt zum Beispiel einen Kreativraum, einen Bewegungsraum oder einen Rückzugs- und Ruheraum. Die Kinder können frei wählen, mit wem sie wann welchen Aktivitäten nachgehen möchten.

Menschenbilder sind verschieden

In Deutschland wird ein Drittel aller Kindergärten von den Städten und Kreisen getragen. Der größte Teil der Einrichtungen wird von freien Trägern wie Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Vereinen oder Elterninitiativen geleitet. In der Schweiz sind rund 90 Prozent aller Kitas als Verein, GmbH, Stiftung oder Betriebskita privat organisiert und werden zu durchschnittlich zwei Dritteln durch Elternbeiträge finanziert. Dadurch sind die Betreuungskosten deutlich höher als in Deutschland.

In Deutschland wie in der Schweiz prägt der jeweilige Träger das der Einrichtung zugrunde liegende Menschenbild und kann humanistischer, christlicher, anthroposophischer oder anderer Natur sein. Das christliche Menschenbild wird vor allem in Kindergärten gelebt, die in kirchlicher Trägerschaft sind. Es gibt evangelische und katholische, aber auch freie Bekenntniskindergärten. Christlichen Kindergärten gemein ist, dass die Kinder entsprechend dem christlichen Weltbild erzogen werden. Nächstenliebe und die Gebote Gottes sowie seine Liebe zu den Menschen stehen im Fokus. Wie diese Werte konkret im Kita-Alltag gelebt werden, könnt ihr im Gespräch mit der Leitung oder direkt mit den Erzieherinnen klären.

Ruth Korte, Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/11/kiga_02.jpg 1460 1564 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-11 09:21:262023-05-12 11:17:233 bis 5 – Ab in den Kindergarten – aber in welchen?

Schwierige (Schwieger-)Eltern: Manchmal ist Abgrenzung nötig!

Die Beziehung zu den (Schwieger-)Eltern ist oft kompliziert, weil unbewusst Macht ausgeübt wird. Paartherapeut Jörg Berger erklärt, wie solche Konflikte entstehen und wie die schwierige Beziehung gelingen kann.

Als ich ein kleiner Junge war, habe ich mir ein Abendgebet ausgedacht, vermutlich nach dem Vorbild von Gebeten, die ich im Kindergottesdienst gehört habe: „Danke für meine guten Eltern und meine Schwester.“ Erst spät ist mir bewusst geworden, dass ich mir auch deshalb gute Eltern bewahrt habe, weil ich mich sehr an sie angepasst habe. Ich war ein braver Junge. Ich habe meine Gefühle für mich behalten und sie stellenweise ganz betäubt. Meine Bedürfnisse habe ich nur dort gezeigt, wo sich meine Eltern nicht von mir gereizt gefühlt haben. Jeden Schritt über diese unsichtbare Grenze hinaus habe ich mit Schlägen, bedrohlichem Schimpfen und Beschämung bezahlt. Gleichzeitig haben meine Eltern Liebe gezeigt, wo sie es konnten. Sie haben ihr Bestes gegeben. Sie haben mir sogar mehr gegeben, als sie selbst als Kinder von ihren Eltern empfangen haben.

Wer Ähnliches erlebt hat, kennt die Last, die Kinder schwieriger Eltern tragen: Wir fühlen uns unendlich schuldig, wenn wir aussprechen, dass wir schlecht behandelt worden sind. Wir zweifeln lieber an uns selbst. Wir suchen verzweifelt nach dem Trick, der uns in die Kinder verwandelt, mit denen die Eltern ganz zufrieden sind und denen sie ihre besten Seiten zeigen können. Es fällt uns heute noch schwer, uns gegen eine schlechte Behandlung zu wehren. Stattdessen gleichen wir lieber aus und verhindern angestrengt ein Scheitern. Bei mir ist es gut ausgegangen. Meine Braver-Junge-Masche hat mir wohlwollende Erzieherinnen und Lehrer, gute Noten, aufgeschlossene Mitmenschen und schließlich eine liebe Frau eingebracht. Mein frühes Interesse für Psychologie – warum wohl? – hat mich in einen Beruf geführt, der mir viel Freude macht. Mit meinen Eltern habe ich einen versöhnlichen Weg gefunden, auch wenn das Kraft gekostet hat und heute vieles nicht möglich ist, was schön wäre. In meiner Praxis begleite ich Menschen, die einen ähnlichen Weg gegangen sind. Eine umfassend schöne Beziehung zu den Eltern ist für viele Menschen nicht möglich. Doch Konflikte befrieden kann man fast immer.

Was Eltern heute noch Macht gibt

Es gibt Eltern, die zu viel Macht ausüben. Um sie soll es im ersten Teil dieser Serie gehen. Dabei spreche ich von „Eltern“ so, als ob beide Grenzen überschreiten, abwerten oder bestrafen würden. Manchmal ist das auch der Fall. Aber häufiger übt nur ein Elternteil Macht aus und das andere ignoriert dies, verharmlost oder unterstützt es sogar. Denn würde das andere Elternteil korrigierend dazwischengehen, gäbe es das Problem für die Kinder so nicht. (Stattdessen gäbe es wohl ein gefährliches Problem in der Ehe der Eltern.) Wenn Sie das mitdenken, kann ich vereinfachend von „Eltern“ sprechen.

Eltern, die Grenzen überschreiten. Manche Eltern können auch ihren erwachsenen Kindern keine Freiheit lassen. Sie haben unverrückbare Vorstellungen: wie Besuche ablaufen, wie man die Welt sieht und wie man lebt. Mit Leidenschaft regieren sie in das Leben ihrer Kinder und Schwiegerkinder hinein. Wenn sich Kinder wehren, werden sie in zähe Diskussionen verwickelt. Deborah (alle Namen wurden geändert und Umstände verfremdet) zum Beispiel könnte die Hilfe ihrer Eltern so gut gebrauchen, seit das dritte Kind da ist. Aber statt Aufgaben so zu erledigen, wie Deborah es braucht, bestehen die Eltern darauf, die Dinge nach ihren eigenen Vorlieben zu erledigen. Statt einer entspannten Zeit auf dem Spielplatz bestehen die Eltern auf Wanderungen, von denen die beiden Großen kaputt und quengelig zurückkommen. Deborah ist nach einem Besuch am Ende. Hat sich das wirklich gelohnt? Es sind zwar viele Aufgaben erledigt, aber Deborahs Nerven liegen blank.

Eltern, die abwerten. Julian hat sich ein dickes Fell wachsen lassen. Sein Vater schätzt Julians Beruf nicht besonders. Er findet wohl seinen Verdienst zu gering und weist ihn immer wieder auf Karrieremöglichkeiten hin. Und dass sein Vater Annika so offen ablehnt, das trifft Julian zutiefst. Der Vater reagiert bei Tisch einfach nicht, wenn seine Schwiegertochter etwas sagt. Nur wenn er ihre Meinung ganz daneben findet, holt er zu einer langen Belehrung aus. Abwertende Eltern stellen sich auf einen Sockel der Überlegenheit. Von dort aus beurteilen sie das Leben der Kinder. Was hinter ihren Maßstäben zurückbleibt, kommentieren sie mit niederschmetternden Worten. Dabei meinen sie es gut. Sie wollen doch nur, dass ihre Kinder und Schwiegerkinder ein gutes Leben haben.

Eltern, die bestrafen. Muss Strafe sein? Das ist schon bei der Kindererziehung fraglich. Doch manchen Eltern liegt es so im Blut, dass sie auch noch ihre erwachsenen Kinder strafen. Sie ziehen sich zurück, wenn sie sich nicht gut behandelt fühlen, und werfen bei ihren Kindern die Frage auf, was sie verbrochen haben. Strafende Eltern binden ihre Zuneigung, ihre Großzügigkeit und Hilfe an das Wohlverhalten der Kinder und entziehen diese, wenn sie einen Grund dafür sehen. Erwachsene Kinder fühlen sich dann durch Liebesentzug und den Entzug von Unterstützung bestraft. Auch stinkige Reaktionen, die demonstrative Bevorzugung von Geschwistern und gezielt verletzende Bemerkungen eignen sich zur Bestrafung. Kein Wunder, dass Kinder ihre Eltern dann wie rohe Eier behandeln und noch heute in der Furcht leben, etwas falsch zu machen.

Eltern und Schwiegereltern liebevoll entmachten

Eltern erwachsener Kinder haben nur die Macht, die ihnen ihre Kinder heute noch geben. Erwachsene Kinder sollten Liebe nicht mit Liebsein verwechseln. Es gibt auch eine starke Liebe, die sich vor Schwächen der Eltern schützen kann. Sie führt erwachsene Kinder auf einen Weg, der sich zunächst verboten, dann aber sehr befreiend anfühlt.

Freiheit vom schlechten Gewissen. Niemals würden sich erwachsene Kinder von anderen bieten lassen, was sie manchmal bei Eltern und Schwiegereltern ertragen. Das liegt an ihrem Gewissen. Eltern zu ehren ist uns tief eingeprägt, auch ohne kirchliche Prägung. Außerdem ist es für schwierige Eltern charakteristisch, dass sie die Schuld bei den Kindern sehen. Deborahs Eltern halten ihre Tochter für undankbar und kompliziert. Und so fühlt sich Deborah auch nach den Besuchen: undankbar und kompliziert. Erwachsene Kinder dürfen sich von solchen Schuldgefühlen frei machen. Sie sind ihren Eltern Wertschätzung schuldig: für die Würde, die im Elternsein liegt, und für das, was sie den Kindern geschenkt haben. Doch erwachsene Kinder schulden Eltern und Schwiegereltern nicht, dass sie unfaires Verhalten ertragen.

Die Angst vor dem „Scheitern“ verlieren. Der Umgang mit den Schwächen anderer wird leichter, wo man sich an folgende Selbstverständlichkeit hält: Wo mich einer fair und liebevoll behandelt, darf er mir nahekommen. Wer das nicht kann oder will, muss damit leben, dass ich einen Sicherheitsabstand wahre. Mit einem gesunden Abstand kann man viele menschliche Schwächen ertragen. Doch in der Beziehung zu Eltern oder Schwiegereltern bedeutet ein Abstand auch ein Scheitern. Denn es ist schön, sich Eltern zu öffnen, ihren Rat zu suchen, längere Besuche zu machen oder sogar Urlaubstage mit ihnen zu verbringen. Es ist verbindend, wenn sich Eltern und Schwiegereltern tatkräftig und finanziell in das Leben ihrer Kinder einbringen, besonders in fordernden Lebensphasen. Wo erwachsene Kinder das nicht mehr zulassen, ist das ein Scheitern. Es schmerzt und macht traurig, selbst wenn klar ist, dass der Preis für die Nähe viel zu hoch ist. Wenn erwachsene Kinder den Mut zum Scheitern aufbringen, gewinnen sie eine Freiheit, die Chancen mit sich bringt.

Die Tür zu einer guten Zukunft offen halten. Erwachsene Kinder, die in ihrem Gewissen frei geworden sind, können Eltern und Schwiegereltern vor die Wahl stellen. Falls diese an unfairem Verhalten und einer ungesunden Beziehung festhalten wollen, geht manches nicht. Doch die Tür zu einer guten Beziehung steht immer offen. Julian hat das etwa so gemacht: „Papa, ich habe ja schon angesprochen, dass du oft nicht reagierst, wenn Annika beim Essen etwas sagt, außer du willst ihr irgendetwas erklären. Du hast vielleicht deine Gründe dafür. Aber Annika fühlt sich damit nicht wohl. Und ich kann das verstehen. Mir tut es auch weh, wenn ich das Gefühl habe, sie wird von dir ignoriert und nicht geschätzt. Ich finde, es ist kein großes Ding, wenn du ab und zu auf sie eingehst. Du könntest nachfragen oder etwas aufgreifen, was sie sagt. Das gehört doch auch zur Gastfreundschaft. Vielleicht siehst du das anders. Dann werde ich aber manchmal allein kommen und auch nicht mehr so oft.“

Erwachsene Kinder wie Julian erobern sich so eine angemessene Macht zurück. In aller Regel geht das gut aus. Plötzlich bewegt sich etwas in der Beziehung. Oft wird es dann sogar für beide Seiten schöner. Manchmal halten Eltern aber an unfairen Ansichten und Verhaltensweisen fest, als ginge es um ihr Überleben. Dann geht manches eben nicht. Vorerst.

Jörg Berger arbeitet als Psychotherapeut und Paartherapeut in eigener Praxis in Heidelberg (epaartherapie.de). Mehr zum Thema in den nächsten Ausgaben und in seinem Buch „Stachlige Eltern und Schwiegereltern. Wie Sie Frieden schließen und versöhnt leben“ (Francke).

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/10/Mutter-Tochter-Streit.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-10 12:43:292022-11-10 12:43:29Schwierige (Schwieger-)Eltern: Manchmal ist Abgrenzung nötig!

Welcher Kindergarten passt zu uns? Expertin rät: Frühzeitig informieren!

Ab dem dritten Lebensjahr gehen die meisten Kinder in den Kindergarten. Worauf Eltern bei der Auswahl der Einrichtung achten sollten.

Elternfrage: „Mein Kind wird nächstes Jahr drei Jahre alt und war bisher bei einer Tagesmutter. Nächstes Jahr soll es in die Kita wechseln. Wie finde ich heraus, welche Kita zu uns passt? Und bis wann muss ich es anmelden?“

 

„Generell sollte die Suche nach einem Kitaplatz so früh wie möglich beginnen“, rät Nadine Jung vom Landkreis Gießen mit Blick auf die Wartelisten, die in manchen Städten und Regionen sehr lang sein können. Einen Überblick über die jeweilige Platzsituation kann euch die Gemeinde- und Stadtverwaltung im Wohnort geben, die gleichzeitig auch Träger vieler Kitas ist.

Dort oder auf der Homepage der Kitas könnt ihr erste Informationen zu pädagogischen Ansätzen, Räumlichkeiten, Gruppengrößen und Konzeptionen finden. So könnt ihr euch einen ersten Eindruck verschaffen und entscheiden, was euch persönlich zusagt. Dies ist individuell verschieden und variiert von der örtlichen Distanz über den Betreuungsschlüssel, also wie viele Erzieherinnen im Kindergarten wie viele Kinder betreuen, bis hin zum Betreuungskonzept, das in der Einrichtung angewandt wird.

Offen, teiloffen und geschlossen – Welches Konzept passt zu uns?

Die Konzepte in den Kindergärten variieren zwischen offen, teiloffen und geschlossen. In einer geschlossenen Gruppenarbeit wird ein Kind einer Gruppe mit festen Erzieherinnen zugeteilt. In dieser halten sich die Kinder während des gesamten Kindergartentages auf.

Beim teiloffenen Konzept sind die Kinder nur am Tagesbeginn und -ende in ihrer Stammgruppe. Nach einem gemeinsamen Start werden die anderen Gruppen für die Kinder geöffnet. Ganz auf Gruppen verzichtet wird in Kindergärten mit offenem Konzept. Die Räume, die den Kindern zur Verfügung stehen, sind themenorientiert. Es gibt zum Beispiel einen Kreativraum, einen Bewegungsraum oder einen Rückzugs- und Ruheraum. Die Kinder können frei wählen, mit wem sie wann welchen Aktivitäten nachgehen möchten.

Menschenbilder sind verschieden

In Deutschland wird ein Drittel aller Kindergärten von den Städten und Kreisen getragen. Der größte Teil der Einrichtungen wird von freien Trägern wie Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Vereinen oder Elterninitiativen geleitet. In der Schweiz sind rund 90 Prozent aller Kitas als Verein, GmbH, Stiftung oder Betriebskita privat organisiert und werden zu durchschnittlich zwei Dritteln durch Elternbeiträge finanziert. Dadurch sind die Betreuungskosten deutlich höher als in Deutschland.

In Deutschland wie in der Schweiz prägt der jeweilige Träger das der Einrichtung zugrunde liegende Menschenbild und kann humanistischer, christlicher, anthroposophischer oder anderer Natur sein. Das christliche Menschenbild wird vor allem in Kindergärten gelebt, die in kirchlicher Trägerschaft sind. Es gibt evangelische und katholische, aber auch freie Bekenntniskindergärten. Christlichen Kindergärten gemein ist, dass die Kinder entsprechend dem christlichen Weltbild erzogen werden. Nächstenliebe und die Gebote Gottes sowie seine Liebe zu den Menschen stehen im Fokus. Wie diese Werte konkret im Kita-Alltag gelebt werden, könnt ihr im Gespräch mit der Leitung oder direkt mit den Erzieherinnen klären.

Ruth Korte

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/10/Kindergarten_Family_3-5.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-08 11:26:192022-11-08 11:26:19Welcher Kindergarten passt zu uns? Expertin rät: Frühzeitig informieren!

Witwe durch Suizid: Wie sich eine Frau zurück ins Leben kämpft

Durch den Suizid ihres Mannes geht Nics Leben über Nacht in die Brüche. Doch in Trauer und Chaos findet sie Wege, ihr Leben neu zu gestalten.

Die innere Welt

Vor sechs Jahren ist mein Mann gestorben. An Suizid. Das war definitiv etwas, das ich mir nicht ausgesucht hatte. Gewählt hatte ich zuvor ein Leben auf dem Land mit meinem Mann und meiner Tochter, Hund und Katze, und einem gemeinsamen Beruf. Dieses Leben war mit der Entscheidung meines Mannes, nicht mehr leben zu wollen, genauso plötzlich gestorben wie er. Ich hatte dabei kein Mitspracherecht.

Ein plötzlicher Todesfall – besonders ein Suizid – beendet aber nicht nur ein Leben, wie es vorher war. Es löst auch eine Menge Neues aus: Wellen voll Emotionen und Gedanken spülen über uns hinweg, und wir wissen kaum noch, wo oben und unten ist. Oft funktionieren wir dann nur noch, weil wir sonst untergehen würden. Erst später, wenn wir uns etwas an den Wellengang gewöhnt haben, können wir uns diesen neuen Gedanken und Gefühlen stellen, die mit der Trauer angerauscht kommen.

Mit der Zeit nimmt die Wucht der Wellen ab, und sie werden seltener und flacher. Wir können die Gedanken und Gefühle besser wahrnehmen und sortieren. Ab und an schwimmen wir mit ihnen oder trauen uns sogar, mit ihnen zu spielen und auf ihnen zu surfen. Denn dazu sind sie eigentlich da. Sie helfen uns, einen neuen Platz zu finden, nachdem etwas unser vorheriges Leben zerstört hat.

Die äußere Welt

Ob wir wollen oder nicht – die Welt um uns herum nimmt uns anders wahr. Ich war nun Witwe. Das waren für mich bis dahin alte Frauen in schwarzer Kleidung gewesen, aber doch nicht ich, mit Mitte dreißig!

Als ich versuchte, eventuell eine neue Wohnung für mich und meine Tochter zu finden, stellte ich zudem fest, dass ich nicht nur Witwe, sondern auch alleinerziehend war. Und damit kamen Annahmen wie: überarbeitet, überfordert, nicht zahlungsfähig. Zumindest wenn es nach den Maklern ging, die mich nicht mehr zurückriefen, sobald sie erfuhren, dass ich keinen Mann mehr an meiner Seite hatte. Sozialer Abstieg innerhalb von Sekunden in den Köpfen fremder Leute.

„Kein Mann mehr“ hieß bei anderen aber auch: Sie ist Single. Nach fast zwanzig Jahren in einer Beziehung wurde ich wieder angeflirtet. Schon drei Tage nach dem Tod meines Mannes. Was ich zunächst gar nicht begriff, weil ich daran zuletzt dachte: wieder Platz zu machen in meinem Herzen für einen anderen Menschen.

Denn für mich hatte sich an meiner Definition wenig geändert. Ich war mit meiner Tochter immer noch eine Familie. Ich hatte nur meinen Mann verloren. Ich hatte nicht um neue Beschreibungen gebeten, wie Witwe, alleinerziehend, Single. Ich war immer noch ich. Zwar mit inneren Trauerwellen in Richtung Veränderung, aber doch nicht so, wie andere mich sahen! Auch das: etwas, das ich mir nicht ausgesucht hatte. Und woran ich nichts oder nur wenig ändern konnte.

Die Umwelt

Akzeptanz und Annahme von dem, was man nicht ändern kann, gehört zu den ersten und gleichzeitig schwersten Aufgaben, wenn man um ein Leben trauert, das nicht mehr da ist. Umso schwieriger ist es aber auch zu entscheiden, was man akzeptieren muss und was nicht.

Mit dem Tod meines Mannes war lange nicht klar, ob ich auch noch unser Haus verliere. Es hat drei Jahre gedauert, bis deutlich wurde: Wir können bleiben und es sanieren – die zweite Hälfte der Sanierung fiel in den ersten Lockdown der Pandemie; auch etwas, was wir uns nicht ausgesucht hatten. Ein Zuhause zu haben – und damit ein soziales Umfeld, das einem Sicherheit und Geborgenheit gibt –, ist in Umbruchphasen immens wichtig. Wenn das auch noch wegbricht, wackelt das Leben auf allen Ebenen. Ich fühle deshalb sehr mit Menschen nach einer Flutkatastrophe oder auf der Flucht. Denn unser Haus war das Einzige, was ich aus meinem alten Leben retten konnte.

Meinen Beruf musste ich aufgeben. Mein Mann und ich hatten eine Beratungsstelle, die ich allein nicht weiterführen konnte. Mich davon zu verabschieden, tat weh, machte aber auch Platz für Neues. Für etwas, das schon lange in mir geschlummert, aber bis dahin keinen Raum hatte: Ich habe Bildhauerei studiert. Und einen Verein gegründet, der anderen Hinterbliebenen nach einem Suizid eine Stütze sein soll: Blattwenden e. V.

Die Glaubenswelt

Ich bin Christin und finde in Gott meinen Halt. Umso überraschter war ich, als ich letztens gefragt wurde, ob meine andauernde Müdigkeit vielleicht daran liegt, dass ich mich von Gott entfernt hätte. Über solche Mutmaßungen kann ich nur gähnen. Denn Veränderungen, die wir uns nicht ausgesucht haben, machen einfach müde. Sie verlangen Kräfte und Fähigkeiten von uns, von denen wir vorher gar nicht wussten, dass wir sie hatten. Sie zwingen uns aber auch dazu, nicht nur einmal, sondern für eine lange Zeit über unsere Grenzen zu gehen.

Viele haben genau das in den letzten Jahren erlebt, in der Pandemie, den Flutgebieten und jetzt durch den Krieg in der Ukraine. Besonders Menschen im Sozial- und Gesundheitswesen wurden und werden mit Veränderungen konfrontiert, die sie sich nicht ausgesucht haben. Irgendwie müssen wir da durch. Dass wir danach müde sind, liegt sicherlich nicht an unserer Gottlosigkeit. Es liegt daran, dass wir den Sonntag, den Ruhetag, den Gott uns empfohlen hat, für mehrere Jahre nicht leben konnten.

Ich bin deshalb umso dankbarer, dass ich in all dem Chaos namens Leben eine stabile Konstante an meiner Seite weiß: Meine himmlische Begleitung, die mich aushält mit meinen Trauerwellen, die mich schützt vor Verurteilungen und Geringschätzung von außen, die mir Weisheit schenkt bei meinen Entscheidungen, und die mir Mut macht, nach vorn zu gehen.

Natürlich hadere ich mit Gott. Natürlich finde ich vieles unverständlich und doof. Natürlich bin ich ungeduldig und genervt und wütend und tieftraurig – aber Gott hält das aus! Gott versteht mich. Und das gibt mir Trost und Erdung, um daraus zu wachsen. Es lässt aber auch eine Menge unnötigen Kram hinter mir. Viele Glaubensdiskussionen werden unwichtig. Sie stehlen mir nur meine wertvolle Zeit, die ich hier auf der Welt noch habe, mit meiner Tochter und meinem neuen Mann. Das finden manche befremdlich. Ich finde es befreiend.

Weiter in die neue Welt

Leider haben wir keine Garantie, dass nach einem Abschied alles wieder gut wird. Manchmal kommen neue Abschiede hinzu. Zwei Jahre nach dem Suizid meines Mannes ist mein Vater gestorben, letztes Jahr unsere Katze und vor drei Wochen unser Kater – wieder plötzlich, von einem Auto angefahren. Das hat bei meiner Tochter neue Trauerprozesse ausgelöst. Denn nicht nur ich habe das alles erlebt, sondern auch mein heute neunjähriges Kind. Jetzt ist sie dran. Jetzt kann sie endlich Worte für ihre Veränderungsprozesse finden. Und ich kann und will für sie da sein.

Um das zu können, kann ich aber nicht mehr jeden Tag ums Thema Trauer kreisen. Bisher war ich auf Spendenbasis bei meinem Verein angestellt. Durch die Pandemie und die Wirtschaftslage haben bereits und werden noch viele unserer Förderer ihre Spenden einstellen. Gleichzeitig geht mein Bildhauerei-Studium zu Ende. Ich muss also umdenken. Schon wieder.

Auch wenn ich Veränderungsprozesse gut begleiten kann, heißt das ja nicht, dass ich das auch tun muss. Und genau da befinde ich mich jetzt: Bei der Bürde und dem Luxus, (relativ) frei zu entscheiden, was als Nächstes kommt. Ob ich tatsächlich so bescheuert bin und ausgerechnet in einer Wirtschaftskrise einen Beruf ergreife, in dem ich einfach nur schöne Dinge herstelle, wofür andere kein Geld mehr haben, weil es für sie ums pure Überleben geht?

Aber: Es zeigt auch, dass bei allen erzwungenen Veränderungen von außen immer Möglichkeiten bleiben, sich für etwas zu entscheiden. Auch wenn es nur verborgen oder klein ist. Irgendwo gibt es immer eine Chance für einen Neubeginn. Jesu Auferstehung ist das beste Beispiel dafür. Und mit diesem Beispiel lebe ich weiter, immer.

Nic Schaatsbergen ist gelernte Journalistin und Diplom-Bildhauerin: art.greenwoman.de. Sie engagiert sich für Suizid-Hinterbliebene bei Blattwenden e. V.: blattwenden.eu

 

Falls ihr selbst in einer verzweifelten Situation seid, sprecht mit Freunden und Familie darüber. Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist rund um die Uhr anonym und kostenlos erreichbar: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Auch die Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/10/Frau-auf-nebligem-Weg.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-03 12:30:402022-10-31 09:12:17Witwe durch Suizid: Wie sich eine Frau zurück ins Leben kämpft

Startbereit für Neues

Durch einen Besuch bei Amazon hat Marcus Beier wichtige Einsichten gewonnen – und dabei geht es nicht um Bücher oder Business …

Als ich vor gut vier Jahren in den USA war, hatte ich das Glück, über Vitamin B eine kleine Führung im Amazon-Hauptgebäude in Seattle zu bekommen. Das Hochhaus, das ich mir ansehen durfte, war das sogenannte „Day-One-Building“ („Tag-Eins-Gebäude“). Es spiegelt die Mentalität von Amazon wider. Die Mitarbeiterin dort erklärte mir das so: Wenn man in einer neuen Firma eine Arbeitsstelle anfängt, ist alles neu, aufregend, man sieht alles mit einem neuen, frischen Blick. Oft erkennt man dadurch schneller Potenziale für Verbesserungen, nimmt Fehler besser wahr und entdeckt neue Chancen und Lösungen. Nichts ist wie bisher. Das eröffnet einen Blick in ungeahnte Möglichkeiten – in das Reich der Veränderung, der Potenziale und der großen Ideen.

„Alte Hasen“ sehen manchmal eher die Begrenzungen und das, was nicht geht, aber als „Neuling“ bemerkt man nicht die Hindernisse, sondern das, was geht. Das ist ein Blick in die Schatzkammer der Möglichkeiten. Für eine Firma, die sich Innovation zum Markenzeichen auserkoren hat, ist ein solches Denkmuster überaus produktiv, wenn nicht sogar unabdingbar. Aber nicht nur dort kann ein solches Denken sehr hilfreich sein. Es kann auch im „normalen“ Leben helfen, Dinge neu zu betrachten, die Uhren auf null zu stellen, um die Welt zu verstehen und auch dem Unausweichlichen besser zu begegnen: der Veränderung.

Kinder als Vorbild

Ich persönlich tue mich oft genug schwer mit Veränderung. Vieles ist doch gar nicht schlecht. Warum muss man etwas ändern, was gut funktioniert? Aber die Welt war noch nie vollkommen, und sie wird es wohl auch nicht. Daher ist Veränderung etwas, was uns immer in dem Wunsch nach Verbesserung begleiten wird. In jedem Tag liegt Potenzial dafür.

Wie das geht, lernen wir – faszinierenderweise – an kleinen Kindern. Wenn sie noch nicht zur Schule gehen und noch kein richtiges Gefühl für Zeiten und Tage haben, noch nicht planen, was morgen kommt und auch nicht zuordnen können, was gestern, vorgestern, später oder morgen genau ist, leben sie absolut im Moment. Vor Kurzem hatte ich diese Unterhaltung mit unserem Zweijährigen: Joas: „Papa, ich will das heute machen!“ Ich: „Ja, wir machen das später am Nachmittag.“ Joas: „Nein, heute!“

Das fand ich sehr lustig, und mir wurde bewusst, wie sehr er im Moment lebt. Er weiß nicht, was ich meine, wenn ich sage: „Morgen fahren wir zu …“ Er plant nicht, er schaut nicht auf die morgige Erfahrung und denkt nicht groß an gestern. Für ihn zählt: „Komm, wir gehen jetzt zum Bäcker!“ Und dann ist er glücklich.

Als mir das auffiel, wurde mir auch klar, dass Kinder wie er ständig die Welt neu entdecken. Natürlich kennen sie ihr Umfeld und sie brauchen Stabilität. Aber innerhalb dieses Rahmens entdecken sie die Welt jeden Tag neu. Jeder Tag ist besonders, jeder Tag hat Potenzial, an jedem Tag „geht was“. Man hört kaum: „Ach ne, das hab ich gestern probiert. War blöd!“ Es zählt der Moment. Und wenn es gestern nicht ging, kann es doch heute klappen. Warum auch nicht?

Nur ein Tag

Bei aller Stabilität scheint die Tatsache, jeden Tag etwas Neues zu erleben, das natürliche Lebensgefühl für Kinder zu sein. Das finde ich inspirierend! Und in gewisser Weise scheint auch hier zuzutreffen, was Jesus über den kindlichen Glauben sagt: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder …“ Und seien wir mal ehrlich: Manchmal tut uns ein frischer, unverbrauchter, kindlicher Blick auf die Welt einfach gut, oder? Der Chef war gestern stinkig – na und? Heute ist ein neuer Tag! Darin findet sich eben auch die Mentalität des ersten Tages wieder. Die Welt ist voller Möglichkeiten – machen wir etwas draus! An dieser Mentalität und dem kindlichen Vorbild sehe ich noch weitere Möglichkeiten zum Andocken. Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway (1899-1961) schreibt in dem Buch „Whom the Bell Tolls“ (1940): „Heute ist nur ein Tag unter all den Tagen, die es jemals geben wird. Aber was in all den Tagen, die noch kommen werden, passieren wird, kann davon abhängen, was du heute tust.“ Mich inspiriert dieser Satz – insbesondere in Verbindung mit der „Tag-Eins-Mentalität“ – zu einem bewussten und verantwortungsvollen Leben. Und zu einem Leben, das Wünsche, Chancen und Möglichkeiten auf vernünftige Weise mit der Wirklichkeit in Beziehung setzt und sowohl kurzfristige Wünsche als auch langfristige Entwicklungen ausgewogen zusammendenkt. Das ist natürlich ein Ideal – und eines, von dem ich selbst ein gutes Stück entfernt bin. Dennoch ist es mir ein Ansporn, insbesondere vor dem Hintergrund der Veränderungen, die das Leben unweigerlich mit sich bringt.

Grundlagen für das Morgen schaffen

Wie gesagt bin ich selbst nicht gerade ein Fan von Veränderungen. Ich kann sie nicht verhindern, aber es kann entscheidend sein, wie ich mich dazu verhalte. Will ich mich der Veränderung widersetzen? Unmöglich. Das geht vielleicht eine Weile gut, aber dann bleibt mir letztlich nur, mich den Veränderungen irgendwie anzupassen und mich bestmöglich damit zu arrangieren und mich durchzulavieren. Wie wäre es stattdessen mit einer Prise „Tag-Eins-Mentalität“? Und dazu das Bewusstsein, dass ich heute die Grundlagen für das Morgen schaffen kann.

Das Leben ist voller Überraschungen und immer wieder tun sich unverhofft Gelegenheiten, Chancen und auch teils schwere Herausforderungen auf. Nun fragt sich, wie wir damit umgehen. Natürlich kann man durch das Leben gehen wie Indiana Jones – ständig auf der Suche nach Schätzen, ständig auf der Jagd nach der „Goldenen Ananas“, immer dem eigenen Vorteil folgen, immer auf der Lauer, doch noch das beste Schnäppchen abzugreifen. Persönlich bin ich davon auch kein Fan. Das wäre mir auch viel zu anstrengend, weil eine dauerhafte Lauerstellung nicht unbedingt entspannend ist und nicht dazu führt, den Moment genießen zu können.

Man muss jedoch nicht auf Dauerjagd sein und kann trotzdem mit einem wachen Blick durch das Leben gehen. Jeder Tag kann das Leben verändern. Aber erkenne ich das Veränderungspotenzial überhaupt? Nehme ich eine Chance wahr, wenn sie auf einem Silbertablett vor meiner Nase liegt? Ich muss wissen, was ich langfristig möchte, was meine Ziele sind – persönlich, beruflich, für uns als Familie, als Gemeinde etc. Und dann brauche ich Offenheit, neue Wege zu gehen – auch auf die Gefahr hin, dass es nicht so klappt. Manchmal ist das Nichtstun schlimmer, als etwas zu tun. Daher glaube ich, dass es wichtig ist, langfristige Wünsche im Blick zu behalten und gleichzeitig jetzt schon zu bedenken, wo Veränderungspotenziale liegen, die vielleicht erst später wirklich greifen.

Das Leben in die Hand nehmen

Für mich persönlich ergibt sich daraus eine entscheidende Wahl: Lasse ich die Dinge geschehen, renne aber letztlich eher den Veränderungen hinterher, die „einfach passieren“? Oder gestalte ich bewusst mein Leben und habe selbst (so gut es eben geht) die Veränderungsprozesse in der Hand? Selbstverständlich geht das nicht immer. Unfälle, Katastrophen, gesellschaftliche Prozesse können jederzeit passieren und brechen über uns herein. Dann müssen wir reagieren und sind nicht immer vorbereitet. Aber in vielen anderen Dingen haben wir selbst in der Hand, wie wir das gestalten wollen. Und ich glaube, dass wir da mehr Gestaltungsspielräume haben, als uns manchmal bewusst ist.

Unsere Kinder werden größer. Wir können diesen Prozess als Eltern begleiten und diese Zeit für uns und die Kinder gestalten. Auch für uns als Paar können wir rechtzeitig Veränderungsprozesse einleiten, mit denen wir uns zum Beispiel darauf vorbereiten können, dass es eine Zeit nach dem Auszug der Kinder gibt. Wie oft hört man von Paaren, dass sie sich „auseinandergelebt“ haben, was ich immer sehr traurig finde. Mir ist das immer eine Erinnerung, gegenzusteuern und die Ehe entsprechend zu gestalten. Darin liegt eine große Chance, aber auch eine Herausforderung. Möchte man sich eingestehen, dass Dinge vielleicht nicht so gut laufen, um dann etwas zu verändern? Aber genau das sollten wir tun. Wir können immer wieder schauen, ob alles gut läuft oder ob man nachjustieren sollte – sei es im privaten Bereich oder im Job oder in der Gemeinde. Ich darf wissen, dass Gott in allen Veränderungen bei mir ist, sodass ich keine Angst davor haben muss. Ihn kann ich um Rat fragen und ihm meine Sorgen anvertrauen.

Auch, wenn ich kein Freund von Veränderung bin, motiviert mich der Gedanke, selbst zu gestalten und hin und wieder einen Blick auf das Leben zu werfen, als wäre es mein erster Tag.

 

MARCUS BEIER hatte vor Kurzem seinen ersten Tag als Redakteur bei Family und FamilyNEXT. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt er in Wiesloch.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/10/Rudi-Silva_GettyImages-1316704022-scaled.jpg 2247 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-02 12:30:072022-10-28 14:16:06Startbereit für Neues

0 bis 2 – Schlaf, Kindlein, schlaf!

Elternfrage: „Mein Baby ist inzwischen fast ein Jahr alt und schläft weder allein ein noch die Nacht durch. Ich dachte, das sei nur in den ersten Lebensmonaten so. Ist das normal?“

INTERVIEW

Es gibt kein normal oder unnormal. Das Schlafverhalten ist so unterschiedlich wie die Kinder selbst. Dass Kinder, die sonst lange geschlafen haben, plötzlich kürzer schlafen, nachts öfter wach werden, vielleicht auch mehr kuscheln möchten oder abends mehr Zeit zum Einschlafen brauchen, kann total normal sein. Grund dafür können Entwicklungsschübe sein, die sich häufig auf das Schlafverhalten auswirken. Wenn das Kind aber schon seit Langem sehr schlecht schläft und man nicht wirklich weiß, aus welchem Grund das so ist, kann man sich natürlich mal anschauen, ob man gegebenenfalls etwas ändern kann.

Können Eltern auf das Schlafverhalten ihrer Kinder einwirken?

Ja, schon im Säuglingsalter können Eltern anfangen, eine Abendroutine einzuführen, die dem Baby hilft, sich zu entspannen. Auch ein strukturierter Tagesablauf, dass also Essen, Spielen und Schlafen in etwa zu gleichen Zeiten ablaufen, dient dem Kind zur Orientierung und gibt ihm Sicherheit. Es muss aber nicht immer exakt die gleiche Uhrzeit sein, sondern die Tageszeiten sollten ungefähr gleich sein. Bei all dem ist es aber auch wichtig, sich ein gewisses Maß an Flexibilität und Spontaneität zu erhalten, vor allem dann, wenn es mal nicht nach Plan läuft.

Was raten Sie Eltern, die wegen des Schlafmangels am Limit sind?

Wenn Eltern und Kinder am Limit sind, die Mutter also gar nicht mehr in den Schlaf findet und das Kind nachts jede halbe Stunde oder Stunde an die Brust will und auch tagsüber überhaupt nicht zur Ruhe kommt und nörgelig ist, wenn Familien an dem Punkt sind, dass sie nicht mehr weiterwissen und auch nicht mehr weiter können, dann rate ich, sich Hilfe zu suchen. Zum Beispiel bei einem Schlafcoach.

Was wird bei einem Schlafcoaching vermittelt?
Erst mal alles Wissenswerte rund ums Thema Schlaf. Die Eltern legen dann fest, was sie erreichen wollen, also zum Beispiel: Wir wünschen uns, dass unser Baby in seinem eigenen Bett schläft. Oder: Wir wünschen uns, dass das Baby abends gut und vielleicht sogar allein einschläft, damit wir mal wieder einen ruhigen Abend haben können. Der Coach unterstützt die Eltern dabei, dieses Ziel zu erreichen – immer ganz langsam und liebevoll auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt. Ein Schlafcoaching wird im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren empfohlen.

Aniko Siegel ist Schlafcoach und lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in der Nähe von Hamburg. www.nachtruhe-babycoaching.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/11/schlaf_02.jpg 1620 2308 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2022-11-02 09:25:592023-05-12 11:18:030 bis 2 – Schlaf, Kindlein, schlaf!
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