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Ernährungstipps auf Social Media – Hilfreich oder Unsinn? Machen Sie den Faktencheck!

Elternfrage: „Meine Tochter (16) probiert seit einiger Zeit verschiedene Ernährungstipps aus, die sie in den Sozialen Medien findet. Wie vertrauenswürdig sind solche Tipps? Und wie rede ich mit meiner Tochter darüber?“

Ich kann Ihre Sorge gut verstehen. Als Mutter von Teenie-Töchtern weiß ich genau, wovon Sie sprechen: In den sozialen Medien kann jede und jeder behaupten, Doktor oder Wissenschaftlerin zu sein. Das macht es kompliziert. Wir werden geflutet mit Massen an ungefilterten Informationen, deren Quelle und Herkunft – ob mit oder ohne Absicht – oft gut verschleiert sind. Leider kann man bei der Menge an Trends nie pauschal sagen, welcher seriös und gesund und welcher gefährlich ist. Das macht die Unterscheidung sehr schwierig – auch für Erwachsene.

In Kontakt bleiben

Das können Sie Ihrer Tochter genau so sagen. Wichtig finde ich, dass Sie mit ihr im Gespräch bleiben, damit sie merkt, dass Sie sie ernstnehmen und ein echtes Interesse an ihrem Leben haben: Welche Trends findet sie besonders gut, und was würde sie gern ausprobieren? Hat sie vielleicht kürzlich etwas total Irres gehört oder gesehen, von dem sie erzählen möchte? Haben Sie etwas Lustiges oder Interessantes gehört oder gelesen? Unterhalten Sie sich über die Themen, die Ihrer Tochter wichtig sind, ohne direkt zu (be-)urteilen.

Seriöse Quellen

Natürlich gibt es Gefahren und vor denen möchten Sie Ihre Tochter bewahren. Aber es gibt auch unglaublich viel Neues, das gut und interessant ist. Zeigen Sie ihr, wie und wo sie fundierte Quellen findet, und erklären Sie ihr als Faustregel, dass radikale und/oder einseitige Maßnahmen in Ernährungsfragen meist ein Indiz für ungesunde und unseriöse Methoden sind. Ausgewogenheit statt Einseitigkeit ist in den meisten Fällen eine gute Richtlinie.

Vielleicht haben Sie ja auch Lust, gemeinsam etwas Neues auszuprobieren: eine Smoothie Bowl oder selbstgemachte Ramen. Viele Trends sind tatsächlich auch gut, lecker und machen Spaß!
Gute und seriöse Quellen sind:

  • Verbraucherzentralen der Bundesländer (verbraucherzentrale.de)
  • Bundeszentrum für Ernährung (bzfe.de)
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (dge.de)
  • Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung (in-form.de)
  • Vereine für unabhängige Gesundheitsberatung (ugb.de)
  • Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (sge-ssn.ch/de)
  • oder die jeweilige Krankenkasse

Beinahe alle der oben genannten Quellen stellen – oft kostenlos – Material zur Verfügung.

Mareike Lotz ist Lehrerin für Ernährung und Hauswirtschaft an einem Berufsschulzentrum. 

Ernährungstipps auf Social Media: Sind die seriös?

Elternfrage: „Meine Tochter (16) probiert seit einiger Zeit verschiedene Ernährungstipps aus, die sie in den Sozialen Medien findet. Wie vertrauenswürdig sind solche Tipps? Und wie rede ich mit meiner Tochter darüber?“

Ich kann Ihre Sorge gut verstehen. Als Mutter von Teenie-Töchtern weiß ich genau, wovon Sie sprechen: In den sozialen Medien kann jede und jeder behaupten, Doktor oder Wissenschaftlerin zu sein. Das macht es kompliziert. Wir werden geflutet mit Massen an ungefilterten Informationen, deren Quelle und Herkunft – ob mit oder ohne Absicht – oft gut verschleiert sind. Leider kann man bei der Menge an Trends nie pauschal sagen, welcher seriös und gesund und welcher gefährlich ist. Das macht die Unterscheidung sehr schwierig – auch für Erwachsene.

In Kontakt bleiben

Das können Sie Ihrer Tochter genau so sagen. Wichtig finde ich, dass Sie mit ihr im Gespräch bleiben, damit sie merkt, dass Sie sie ernstnehmen und ein echtes Interesse an ihrem Leben haben: Welche Trends findet sie besonders gut, und was würde sie gern ausprobieren? Hat sie vielleicht kürzlich etwas total Irres gehört oder gesehen, von dem sie erzählen möchte? Haben Sie etwas Lustiges oder Interessantes gehört oder gelesen? Unterhalten Sie sich über die Themen, die Ihrer Tochter wichtig sind, ohne direkt zu (be-)urteilen.

Seriöse Quellen

Natürlich gibt es Gefahren und vor denen möchten Sie Ihre Tochter bewahren. Aber es gibt auch unglaublich viel Neues, das gut und interessant ist. Zeigen Sie ihr, wie und wo sie fundierte Quellen findet, und erklären Sie ihr als Faustregel, dass radikale und/oder einseitige Maßnahmen in Ernährungsfragen meist ein Indiz für ungesunde und unseriöse Methoden sind. Ausgewogenheit statt Einseitigkeit ist in den meisten Fällen eine gute Richtlinie.

Vielleicht haben Sie ja auch Lust, gemeinsam etwas Neues auszuprobieren: eine Smoothie Bowl oder selbstgemachte Ramen. Viele Trends sind tatsächlich auch gut, lecker und machen Spaß!
Gute und seriöse Quellen sind:

Beinahe alle der oben genannten Quellen stellen – oft kostenlos – Material zur Verfügung.

Mareike Lotz ist Lehrerin für Ernährung und Hauswirtschaft an einem Berufsschulzentrum. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei (Teenie-) Töchtern in der Nähe von Wetzlar.

Bereit für die erste Periode? Darüber solltest du mit deiner Tochter sprechen

Elternfrage: „Meine Tochter (10) hat mich gefragt, woran sie erkennen kann, dass ihre erste Blutung bevorsteht. Ich wusste es nicht! Wie kann ich sie auf ihre erste Periode vorbereiten?“

Wie schön, dass Ihre Tochter mit so einer wichtigen Frage zu Ihnen kommt. Das ist ein Zeichen von großem Vertrauen. Viele Mädchen spüren intuitiv, dass sich ihr Körper verändert, und suchen Orientierung. Als Elternteil können Sie hier eine wichtige Begleitung sein.

Mögliche Anzeichen

Die erste Monatsblutung, die Menarche, tritt meist zwischen dem 9. und 15. Lebensjahr auf. Das ist allerdings individuell und vielleicht auch ein wenig Veranlagung. Es gibt verschiedene Zeichen des hormonellen Wandels, welche die Blutung ankündigen können:

  • Brustwachstum ist das wichtigste Zeichen im Hinblick auf das Auftreten der ersten Periodenblutung und beginnt etwa zwei Jahre vorher.
  • Haarwachstum im Intimbereich und unter den Achseln
  • Weißlicher Ausfluss aus der Scheide
  • Wachstumsschub, Hautveränderungen und Stimmungsschwankungen

Diese Veränderungen treten nicht immer alle zusammen auf, sondern auch nacheinander. Aber sie sind ein guter Anlass, mit Ihrer Tochter über das Thema Periode ins Gespräch zu kommen – offen, altersgerecht und unaufgeregt. Mädchen erleben die erste Blutung sehr unterschiedlich: Manche empfinden sie spannend, andere sind verunsichert. Das Wichtigste ist, dass sie überhaupt wissen, was passiert und dass sie vorbereitet sind.

Die Monatsblutung normalisieren

Rein praktisch hilft ein kleines Notfallset in der Schultasche mit Binden, Ersatzunterhose und Feuchttüchern. Vielleicht auch Periodenunterwäsche? Hier braucht es kein Anwendungswissen. Zeigen Sie ihr trotzdem, wie Binden funktionieren. Sprechen Sie darüber, dass die Periode auch unerwartet einsetzen kann, zum Beispiel beim Sport, und dass das völlig in Ordnung ist. Ermutigen Sie Ihre Tochter, sich bei Vertrauenspersonen (Lehrkraft, Freundinnen, die bereits ihre Periode haben) Hilfe zu holen, wenn sie es braucht.

Ich empfehle, kleine Gesprächsanlässe zu nutzen. Etwa beim Einkauf, beim Packen der Tasche oder wenn (bei Müttern) die eigene Periode ansteht. Und: Bleiben Sie offen für Fragen. Auch, wenn Sie nicht sofort alles beantworten können – gemeinsam finden Sie Antworten. Gute, kindgerechte Bücher oder Informationen im Internet, wie auf der Plattform Doctorial, können zusätzlich unterstützen. Gut zu wissen: Bei Mädchen und jungen Frauen kann die Periode noch sehr unregelmäßig kommen. Mal einen Monat nicht, dann wieder regelmäßig. Das ist normal.

Zum Frauenarzt?

Ein Gespräch mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin ist in dieser frühen Phase nicht zwingend notwendig, kann aber hilfreich sein – etwa in einer Mädchen-Sprechstunde, wie sie in vielen frauenärztlichen Praxen angeboten werden. Dabei stehen Gespräch und Kennenlernen im Vordergrund, nicht die Untersuchung. Wie der Berufsverband der Frauenärzte in seinen Empfehlungen schreibt, soll dieser erste Kontakt Vertrauen schaffen und Mädchen stärken, ihren Körper zu verstehen und gut für sich zu sorgen.

Wichtig ist, die Periode positiv zu besetzen, denn sie ist ein Schritt auf dem Weg in das Erwachsenwerden, ein Zeichen von Fruchtbarkeit und dass der weibliche Körper auf wunderbare Weise „funktioniert“.

Dr. Stephanie Eder ist Expertin des Berufsverbandes der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. und niedergelassene Frauenärztin aus Gräfelfing bei München. Als Mutter von drei Kindern liegt ihr insbesondere die Aufklärungs- und Präventionsarbeit mit Jugendlichen am Herzen.

Geschwister als Babysitter: Ist das sinnvoll?

Elternfrage: „Können wir unsere Tochter (14) als Babysitter für unseren Jüngsten (5) einspannen? Mein Mann und ich sind uns uneinig.“

Klare Absprachen

Wir haben als Familie sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die jeweils älteren Geschwister bei den Jüngeren babysitten zu lassen. Warum? Ältere Brüder oder Schwestern sind wohlvertraut. Es gibt keine seltsamen Beklommenheitsgefühle oder Ängste, wie sie einem außenstehenden Babysitter manchmal entgegengebracht werden. Umgekehrt ist die Übernahme von Verantwortung in und für die eigene Familie ein großer Zugewinn. Die älteren Geschwister dürfen erfahren, was ihnen von ihren Eltern zugetraut wird. Nicht zuletzt stärkt es die Gemeinschaft unter den Geschwistern. Einen Abend allein zu verbringen, ist ein kleines Abenteuer und schreibt die gemeinsame Geschichte fort, ganz ohne elterliche Argusaugen.

Allerdings müssen für diese Benefits einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen muss das ältere Geschwisterkind diesen Job auch tatsächlich übernehmen wollen. Niemandem ist gedient, wenn die Kleinen den Großen aufs Auge gedrückt werden und diese auf die Rolle überhaupt keine Lust haben. Es muss klar und anerkannt sein, wer in diesen Stunden die Ansagen macht, und dass diese Ansagen ohne Diskussionen gelten. Die Rahmenbedingungen sollten klar gesteckt sein. Was werdet ihr essen, welchen Film werdet ihr schauen, wann ist Zubettgehzeit? Stellt alles bereit, damit es etwas Besonderes wird: leckeres Essen natürlich und ein paar Snacks zum Film. Und abschließend hat ein ordentlicher Babysitter, verwandt oder nicht, einen ordentlichen Lohn und Anerkennung verdient.

Sandra Geissler ist katholische Diplomtheologin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Nierstein am Rhein.

Klein anfangen

Als Mama von zwei erwachsenen Kindern und einer lebhaften, fast fünfjährigen Tochter erlebe ich das Betreuen der Kleinen von den Großen als Bereicherung. Voraussetzung für den Babysitter-Job war: Ich muss mich verlassen können, dass der Fokus der Älteren auf der Jüngsten liegt. Ich wünsche mir nicht eine „Nebenbei auf die Kleine schauen“-Mentalität, sondern eine „Ich bin gerade allein verantwortlich“-Einstellung. Ich habe erlebt, dass aus meinem Zutrauen den älteren Geschwistern gegenüber Vertrauen entsteht und das zu mehr Verantwortungsbewusstsein führt. Das ist eine Fähigkeit, die ihnen im Leben immer wieder zugutekommt.

Natürlich braucht es klare Absprachen und ein Gespür dafür, was jedes Kind leisten kann. Aber unsere Großen können mehr, als man denkt! Am besten fängst du nicht mit einem ganzen Babysitter-Tag an, sondern mit einem kurzen Zeitfenster, in dem du telefonisch erreichbar bist („Mama, mach aber dein Handy mal auf laut!“ Upsi). Nach einer solchen ersten Erfahrung würde ich kurz gemeinsam reflektieren: Wie hast du dich gefühlt? Hättest du irgendetwas mehr gebraucht? Und egal, wie es gelaufen ist, für mich gehört immer ein dickes „Danke, ich bin stolz auf dich“ dazu.

Jenni Terlitzki ist Mutter, Singer und Songwriter als Teil der Band Eli Worship.

„Nicht meine Mama“

Ich war elf Jahre alt und hatte drei jüngere Geschwister, als meine Babysitter-Karriere startete. Ich verbinde gemischte Gefühle damit. Auf der einen Seite habe ich mich geehrt gefühlt, dass ich das in den Augen meiner Eltern schaffen kann. Der Gedanke „die trauen mir das zu“ hat mich groß werden lassen. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, dem nicht gewachsen zu sein. Von meinen jüngeren Geschwistern habe ich oft den Satz „Du bist nicht meine Mama“ gehört. Das stimmte zwar, aber dennoch hatte ich ja die Verantwortung in dem Moment für sie – dieser Spagat war schwer.

Zudem hatte ich Ängste. Was ist, wenn jemand einbricht? Wenn es brennt? Wen werde ich zuerst retten? Ich bin viele Worstcase-Szenarien durchgegangen und konnte deshalb nicht schlafen. Wenn meine Eltern dann vom Hauskreis heimkamen, habe ich mich schnell schlafend gestellt. Meine Eltern haben es gut gemeint, ich habe sehr früh sehr viel Selbstbewusstsein ausgestrahlt, aber ich habe das nicht immer so gefühlt. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Ich lasse deshalb meine Teenagertochter nicht auf ihren jüngeren Bruder aufpassen. Sie darf in meinen Augen einfach erst einmal Teenagerin sein und sich selbst entdecken. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber eine regelmäßige Übernahme der Verantwortung für das jüngere Geschwisterkind möchte ich meinem Kind nicht übertragen.

Die Autorin möchte anonym bleiben.

5 Tipps: So könnt ihr eure Teenager zum Lesen motivieren

Elternfrage: „Meine Kinder (13 + 15) waren früher Bücherwürmer, lesen heute aber kaum noch. Wie kann ich Teenager wieder zum Lesen motivieren?“

Das Phänomen, das Sie beobachten, wird häufig als so genannter „Leseknick“ bezeichnet. Kinder, die zu Grundschulzeiten gern gelesen haben, zeigen im Teenageralter auf einmal wenig Interesse an Büchern und an deren Lektüre. Oft geschieht dies im Alter zwischen 11 und 15 Jahren. Der Leseknick kann aber auch länger andauern. Und gleichzeitig bedeutet er nicht, dass das Interesse an Büchern und Lektüre auf Dauer verloren ist.

Was Eltern tun können? Zunächst einmal ist es hilfreich, den Druck herauszunehmen. Lesen ist etwas, das Spaß machen sollte. Es muss keine Pflicht sein, kein weiteres „To Do“ auf der ohnehin schon langen Liste unserer Teenies. Hier sind sechs weitere Anregungen, um Teenager vom Lesen zu begeistern:

1. Reflexion über das Lesen

Ein kurzer Rückblick auf vergangene Lesesituationen hilft manchmal, geliebte Traditionen wiederaufleben zu lassen. Manche Teenager finden es schön, wenn in Familien wieder eine Vorlesestunde etabliert wird. Hierbei können es sich alle gemütlich machen – bei Kerzenschein und einer schönen Tasse Tee etwa – und reihum aus einem gemeinsam ausgesuchten Buch vorlesen.

2. Nach Interessen fragen

Tauschen Sie sich mit Ihren Teenagern über momentane Interessen aus. Dies kann dazu beitragen, passende Lektüre zu finden. Hierbei können Sachthemen interessant sein. Oder auch die Lektüre von Mangas, Comics, Zeitschriften oder Zeitungen. Wichtig ist, nichts von vorneherein auszuklammern.

3. Gern auch digital

Auch digitale Angebote können zum Lesen motivieren. Zum Beispiel ein Zeitschriften-Abonnement auf dem Tablet, die Teilnahme an einer Lese-Challenge oder Communities wie @young_bookstagram. Auf Instagram und auf ihrem Blog „Lass mal lesen!“ teilt Mirai Mens Leseerfahrungen und Buchtipps, die sich vor allen Dingen an junge Leserinnen und Leser wenden.

4. Hörend lesen

Manche Teenies hören lieber Geschichten, anstatt sie selbst zu lesen. Deshalb sind Hörbücher eine gute Alternative. Auch das Hören von Hörbüchern schult die Fähigkeiten, die beim Lesen angesprochen werden. So beispielsweise das Sprachgefühl, die Konzentration, die Fantasie und Vorstellungskraft und auch die Empathie. Aus diesem Grund bieten Hörbücher durchaus eine Alternative zum gedruckten Buch. Und auch das gemeinsame Hören kann als Familienritual gestaltet werden.

5. Vorbild sein

Seien Sie selbst weiterhin ein lesendes Vorbild für Ihre Kinder. So zeigen Sie, wie wertvoll und spannend Lesen sein kann. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Ihre Leseerfahrungen aus der Jugend oder auch über Ihre aktuelle Lektüre. Ihre eigene Begeisterung für Lesestoff reißt durchaus mit.

Bonus-Tipp: Geduld haben

Wenn Ihre beiden Kinder sich mit 13 und 15 Jahren zurzeit in einem „Leseknick“ befinden, ist das ein Phänomen, das häufig vorkommt. Die Basis für die Lesemotivation ist in ihrer Kindheit schon gelegt. Mit ein wenig Geduld und vielfältigen Angeboten im Teenageralter können Sie das Lesen ohne Druck als Bereicherung für den Alltag attraktiv gestalten. Und: In vielen Fällen entwickelt sich aus viel lesenden Kindern nach dem Leseknick wieder eine motivierte Leserin oder ein motivierter Leser.

Alexandra von Plüskow-Kaminski war mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin mit dem Fach Religion tätig. Sie ist Fachjournalistin und zweifache Mutter.

Erste Periode: So kannst du deine Tochter vorbereiten

Elternfrage: „Meine Tochter (10) hat mich gefragt, woran sie erkennen würde, dass ihre erste Blutung bevorsteht. Ich wusste es nicht! Wie kann ich sie auf ihre erste Periode vorbereiten?“

Wie schön, dass Ihre Tochter mit so einer wichtigen Frage zu Ihnen kommt. Das ist ein Zeichen von großem Vertrauen. Viele Mädchen spüren intuitiv, dass sich ihr Körper verändert, und suchen Orientierung. Als Elternteil können Sie hier eine wichtige Begleitung sein.

Mögliche Anzeichen

Die erste Monatsblutung, die Menarche, tritt meist zwischen dem 9. und 15. Lebensjahr auf. Das ist allerdings individuell und vielleicht auch ein wenig Veranlagung. Es gibt verschiedene Zeichen des hormonellen Wandels, welche die Blutung ankündigen können:

  • Brustwachstum ist das wichtigste Zeichen im Hinblick auf das Auftreten der ersten Periodenblutung und beginnt etwa zwei Jahre vorher.
  • Haarwachstum im Intimbereich und unter den Achseln
  • Weißlicher Ausfluss aus der Scheide
  • Wachstumsschub, Hautveränderungen und Stimmungsschwankungen

Diese Veränderungen treten nicht immer alle zusammen auf, sondern auch nacheinander. Aber sie sind ein guter Anlass, mit Ihrer Tochter über das Thema Periode ins Gespräch zu kommen – offen, altersgerecht und unaufgeregt. Mädchen erleben die erste Blutung sehr unterschiedlich: Manche empfinden sie spannend, andere sind verunsichert. Das Wichtigste ist, dass sie überhaupt wissen, was passiert und dass sie vorbereitet sind.

Die Monatsblutung normalisieren

Rein praktisch hilft ein kleines Notfallset in der Schultasche mit Binden, Ersatzunterhose und Feuchttüchern. Vielleicht auch Periodenunterwäsche? Hier braucht es kein Anwendungswissen. Zeigen Sie ihr trotzdem, wie Binden funktionieren. Sprechen Sie darüber, dass die Periode auch unerwartet einsetzen kann, zum Beispiel beim Sport, und dass das völlig in Ordnung ist. Ermutigen Sie Ihre Tochter, sich bei Vertrauenspersonen (Lehrkraft, Freundinnen, die bereits ihre Periode haben) Hilfe zu holen, wenn sie es braucht.

Ich empfehle, kleine Gesprächsanlässe zu nutzen. Etwa beim Einkauf, beim Packen der Tasche oder wenn (bei Müttern) die eigene Periode ansteht. Und: Bleiben Sie offen für Fragen. Auch, wenn Sie nicht sofort alles beantworten können – gemeinsam finden Sie Antworten. Gute, kindgerechte Bücher oder Informationen im Internet, wie auf der Plattform Doctorial, können zusätzlich unterstützen. Gut zu wissen: Bei Mädchen und jungen Frauen kann die Periode noch sehr unregelmäßig kommen. Mal einen Monat nicht, dann wieder regelmäßig. Das ist normal.

Zum Frauenarzt?

Ein Gespräch mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin ist in dieser frühen Phase nicht zwingend notwendig, kann aber hilfreich sein – etwa in einer Mädchen-Sprechstunde, wie sie in vielen frauenärztlichen Praxen angeboten werden. Dabei stehen Gespräch und Kennenlernen im Vordergrund, nicht die Untersuchung. Wie der Berufsverband der Frauenärzte in seinen Empfehlungen schreibt, soll dieser erste Kontakt Vertrauen schaffen und Mädchen stärken, ihren Körper zu verstehen und gut für sich zu sorgen.

Wichtig ist, die Periode positiv zu besetzen, denn sie ist ein Schritt auf dem Weg in das Erwachsenwerden, ein Zeichen von Fruchtbarkeit und dass der weibliche Körper auf wunderbare Weise „funktioniert“.

Dr. Stephanie Eder ist Expertin des Berufsverbandes der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. und niedergelassene Frauenärztin aus Gräfelfing bei München. Als Mutter von drei Kindern liegt ihr insbesondere die Aufklärungs- und Präventionsarbeit mit Jugendlichen am Herzen.

Skinfluencer: Wo der Trend zur Gefahr wird

Elternfrage: „Meine Töchter (13,14) schauen sich auf Social Media Videos an, in denen andere Teens, Skinfluencer, teure Pflegeprodukte für die Haut bewerben. Das brauchen Kinder doch gar nicht – oder?“

Immer häufiger fragen mich besorgte Eltern, ob ihre Töchter wirklich schon Anti-Aging-Produkte brauchen. Der Grund: Auf TikTok, Instagram und YouTube präsentieren sogenannte Skinfluencer eine tägliche Hautpflegeroutine – oft mit Produkten, die für deutlich ältere Haut entwickelt wurden. Das wirkt professionell, modern und ist für junge Menschen faszinierend. Aber ist es auch sinnvoll?

Pflegewahn mit 13

Die Antwort ist klar: Nein. Kinder- oder Teenagerhaut kann sich in der Regel selbst versorgen, es sei denn, es liegen Hauterkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis, Schuppenflechte oder schwere Akne vor. Aber auch dann sind Ratschläge durch Skinfluencer weniger sinnvoll als der Gang zum Hautarzt. Abgesehen von einem zuverlässigen Sonnenschutz ist in diesem Alter keine aufwendige Pflegeroutine nötig

Im Gegenteil: Viele Anti-Aging-Produkte enthalten Wirkstoffe wie Retinol, Fruchtsäuren oder hochkonzentrierte Hyaluronsäure, die die empfindliche Haut von Jugendlichen reizen oder sogar schädigen können. Unreine Haut, Irritationen oder langfristige Störungen der Hautbarriere sind als Folge möglich – ganz ohne medizinische Notwendigkeit.

DIY-Trends mit Hyaluronsäure

Ich sehe Skinfluencer grundsätzlich nicht als Gefahr, sondern als einen zeitgemäßen Kanal für Aufklärung. Sie können helfen, das Bewusstsein für Hautgesundheit zu ­schärfen – vorausgesetzt, die Inhalte sind wissenschaftlich fundiert, altersgerecht und sorgfältig geprüft. Was problematisch ist: Wenn komplexe Produkte ohne fachliche Einordnung empfohlen werden oder sogar riskante Behandlungen verharmlost dargestellt werden.

Besonders alarmierend sind DIY-Trends, bei denen sich junge Menschen Hyaluronsäure online bestellen und selbst anwenden – manchmal sogar injizieren. Dabei wird suggeriert, das sei harmlos. Tatsächlich aber kann eine unsachgemäße Anwendung ernste gesundheitliche Schäden mit sich bringen, etwa Gefäßverschlüsse, was zu abgestorbenem Gewebe führen kann. Das ist kein Hautpflege-Hack, sondern grob fahrlässig.

Hautpflege beginnt mit Wissen, nicht mit Influencern

Eltern sollten sich deshalb mit dem Content ihrer Kinder auseinandersetzen. Welche Quellen nutzen sie? Was wird empfohlen und für wen ist es überhaupt gedacht? Es geht nicht darum, jede neue Pflegeroutine zu verbieten, sondern um einen bewussten Umgang mit der eigenen Haut. Meine Empfehlung: Bei Unsicherheiten lieber gemeinsam zum Hautarzt gehen, als sich von Social-Media-Trends leiten zu lassen. Denn Hautpflege ist keine Frage des Hypes, sondern der Gesundheit – und die beginnt mit Wissen, nicht mit Werbung.

Dr. Afschin Fatemi ist Facharzt für Dermatologie mit Schwerpunkt Dermatochirurgie und ästhetischer Medizin sowie Gründer der S-thetic Gruppe.

Experte klärt auf: Wie viel Hautpflege brauchen Teenager?

Elternfrage: „Meine Töchter (13,14) schauen sich auf Social Media Videos an, in denen andere Teens teure Pflegeprodukte für die Haut bewerben. Das brauchen Kinder doch gar nicht – oder?“

Immer häufiger fragen mich besorgte Eltern, ob ihre Töchter wirklich schon Anti-Aging-Produkte brauchen. Der Grund: Auf TikTok, Instagram und YouTube präsentieren sogenannte Skinfluencer eine tägliche Hautpflegeroutine – oft mit Produkten, die für deutlich ältere Haut entwickelt wurden. Das wirkt professionell, modern und ist für junge Menschen faszinierend. Aber ist es auch sinnvoll?

Pflegewahn mit 13

Die Antwort ist klar: Nein. Kinder- oder Teenagerhaut kann sich in der Regel selbst versorgen, es sei denn, es liegen Hauterkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis, Schuppenflechte oder schwere Akne vor. Aber auch dann sind Ratschläge durch Skinfluencer weniger sinnvoll als der Gang zum Hautarzt. Abgesehen von einem zuverlässigen Sonnenschutz ist in diesem Alter keine aufwendige Pflegeroutine nötig

Im Gegenteil: Viele Anti-Aging-Produkte enthalten Wirkstoffe wie Retinol, Fruchtsäuren oder hochkonzentrierte Hyaluronsäure, die die empfindliche Haut von Jugendlichen reizen oder sogar schädigen können. Unreine Haut, Irritationen oder langfristige Störungen der Hautbarriere sind als Folge möglich – ganz ohne medizinische Notwendigkeit.

DIY-Trends mit Hyaluronsäure

Ich sehe Skinfluencer grundsätzlich nicht als Gefahr, sondern als einen zeitgemäßen Kanal für Aufklärung. Sie können helfen, das Bewusstsein für Hautgesundheit zu ­schärfen – vorausgesetzt, die Inhalte sind wissenschaftlich fundiert, altersgerecht und sorgfältig geprüft. Was problematisch ist: Wenn komplexe Produkte ohne fachliche Einordnung empfohlen werden oder sogar riskante Behandlungen verharmlost dargestellt werden.

Besonders alarmierend sind DIY-Trends, bei denen sich junge Menschen Hyaluronsäure online bestellen und selbst anwenden – manchmal sogar injizieren. Dabei wird suggeriert, das sei harmlos. Tatsächlich aber kann eine unsachgemäße Anwendung ernste gesundheitliche Schäden mit sich bringen, etwa Gefäßverschlüsse, was zu abgestorbenem Gewebe führen kann. Das ist kein Hautpflege-Hack, sondern grob fahrlässig.

Hautpflege beginnt mit Wissen, nicht mit Influencern

Eltern sollten sich deshalb mit dem Content ihrer Kinder auseinandersetzen. Welche Quellen nutzen sie? Was wird empfohlen und für wen ist es überhaupt gedacht? Es geht nicht darum, jede neue Pflegeroutine zu verbieten, sondern um einen bewussten Umgang mit der eigenen Haut. Meine Empfehlung: Bei Unsicherheiten lieber gemeinsam zum Hautarzt gehen, als sich von Social-Media-Trends leiten zu lassen. Denn Hautpflege ist keine Frage des Hypes, sondern der Gesundheit – und die beginnt mit Wissen, nicht mit Werbung.

Dr. Afschin Fatemi ist Facharzt für Dermatologie mit Schwerpunkt Dermatochirurgie und ästhetischer Medizin sowie Gründer der S-thetic Gruppe.

3 Familien erzählen: So ist das Leben mit Austauschschüler

Elternfrage: „Da unsere älteste Tochter ausgezogen ist, haben wir nun Platz im Haus. Wir überlegen, einen Austauschschüler aus dem Ausland aufzunehmen. Welche Erfahrungen haben andere Familien damit gemacht?“

Kein „Wunschkind“ erwarten

Nachdem ich mit 17 Jahren von einem Austauschjahr zurückkam, nahm meine Familie zwei Jahre hintereinander jeweils eine Austauschschülerin auf. Für mich als Einzelkind war es eine neue und manchmal auch herausfordernde Erfahrung, plötzlich eine „Schwester“ zu haben. Als Gastfamilie muss man sich darüber im Klaren sein, dass da ein Jugendlicher mit einem eigenen Charakter aus einer anderen „Familienkultur“ kommt, kein perfektes „Wunschkind“. Aber wenn beide Seiten offen sind, Verständnis füreinander haben und miteinander klar kommunizieren, wächst sehr oft eine herzliche Beziehung zwischen Gastfamilie und Austauschschüler.

Unsere finnische Gastschülerin war eher ruhig, sprach nach wenigen Monaten aber perfekt Deutsch, schloss in der Schule gute Freundschaften und stand mir sehr schnell nahe. Die zweite Austauschschülerin kam aus der Türkei. Sie war sehr offen, wollte viel erleben und hatte eine innige Beziehung mit meinen Eltern – die sie Mama und Papa nannte. Auch für meine Eltern war es eine lebensverändernde Erfahrung und ein wertvoller Blick über den eigenen Tellerrand. Noch heute, mehr als zehn Jahre später, sind wir mit beiden eng verbunden und haben uns jeweils wiedergesehen. Beide Erfahrungen haben unsere Familie unglaublich bereichert!

Annika Ramsaier wohnt in Augsburg und war als Schülerin selbst für ein Jahr zu Gast bei einer italienischen Familie.

Nicht nur ein Schlafplatz

Meine Eltern waren immer gastfreundlich und wir hatten mehrmals Austauschschüler und -schülerinnen. Diese Erfahrung wollte ich auch mit meinen Kindern teilen. Über die Organisation AFS haben wir für 11 Monate einen japanischen Gastschüler (17) aufgenommen. Unsere Söhne (zu dem Zeitpunkt 10, 12 und 15) und er haben sich gut verstanden. Die Verständigung mit ihm war allerdings manchmal schwierig und führte auch mal zu Missverständnissen, da er anfangs kein Deutsch konnte und auch Englisch nicht immer klappte. Kurz darauf haben wir relativ spontan einen Schüler aus Johannesburg, Südafrika, aufgenommen. Er war genauso alt wie unser ältester Sohn, konnte richtig gut Deutsch sprechen und war sehr interessiert an allem. Die vier Wochen mit ihm sind wie im Flug vergangen, und wir werden ihn bestimmt wiedersehen.

Unsere aktuelle Erfahrung mit einem slowakischen Austauschschüler ist jedoch nicht so schön. Es ließ sich schon vom Steckbrief her vermuten, dass wir nicht viel gemeinsam haben. Leider ist es so, dass der Schüler wenig bis gar nicht an unserem Familien­leben (an Gesprächen, gemeinsamen Mahlzeiten …) teilnehmen möchte. Darüber sind wir enttäuscht. Bei einer Gastfamilie zu sein, sollte mehr bedeuten, als einen Platz zum ­Schlafen und einen Wäscheservice zu haben – zum Glück durften wir das bei den beiden anderen Gastschülern erleben.

Sabine T. wohnt in Bochum und ist Mutter von drei Söhnen.

Das Haus mit Leben füllen

Unsere 15-jährige Tochter ging im letzten Jahr für ein Highschool-Jahr in die USA. Meine jüngere Tochter und ich spürten die Lücke schmerzhaft. In mir reifte die Idee, eine Gastschülerin aufzunehmen. Ich überlegte lange. Was, wenn wir mit der Schülerin nicht klarkamen? Diese und andere Fragen konnte ich nur beantworten, indem ich das Risiko einging. Einige Monate später stand eine 16-jährige Schülerin aus Australien vor unserer Haustür. Jede von uns bemühte sich um eine gelingende Eingewöhnungsphase. Wir hatten eine lokale Betreuerin als Ansprechpartnerin für Fragen und Notfälle. Die Schule empfing sie mit offenen Armen, und obwohl das Mädchen vor Nervosität fast das Atmen vergaß, dauerte es keinen halben Tag und sie hatte die ersten Freundschaften geknüpft.

Mit manchen Dingen fremdelten wir und sie. So musste sie sich erst an unsere vegetarische Küche gewöhnen und dass Handys am Tisch tabu waren. Aber mit einem guten Maß Toleranz auf beiden Seiten ruckelten sich die Unterschiedlichkeiten schnell zurecht. Meine Tochter und das Mädchen aus Australien wuchsen in diesen drei Monaten über sich hinaus: im Sprachlichen und in der persönlichen Entwicklung. Aber das Schönste: Die beiden fanden zusammen, sodass das Haus bald wieder mit Lachen und Toben, Dis­kussionen und Geplapper gefüllt war.

Veronika Smoor ist Autorin und lebt in der Nähe von Heilbronn.

Psychische Probleme bei Teenagern: Sind Eltern schuld daran?

Wenn Teenager psychische Probleme entwickeln, fragen sich Eltern oft, ob sie versagt haben. Psychotherapeut Jörg Berger verrät, was die Paardynamik damit zu tun hat.

Der Schreck sitzt tief, wenn das eigene Kind offenbart, dass es manchmal nicht mehr leben will, oder wenn es zum ersten Mal die Wunde am Unterarm zeigt, die es sich mit der Schere zugefügt hat. Andere Eltern entdecken, dass es kein Zufall mehr sein kann, dass ihre Tochter nach Mahlzeiten gleich aufs Klo geht und es dann trotz offenem Fenster nach Erbrochenem riecht. Ein Sohn, der aktiv war, zieht sich zurück und geht nur noch außer Haus, wenn er muss. Es gibt leider so viel, das sich ganz anders entwickeln kann, als es Eltern bei ihrem Kind erwarten: Ängste, Zwänge, Schulprobleme oder Suchtverhalten. Psychische Probleme treffen auch Teenager, die aus guten Verhältnissen kommen, die mit Liebe erzogen und gut gefördert wurden.

Eine Schuldentlastung, die nicht hilft

Eine 19-Jährige kommt aufgebracht ins Therapiegespräch. Sie ist wegen einer Borderline-Störung in Behandlung, von der Außenstehende vor allem die starken Stimmungsschwankungen bemerken und eine Wut, die gelegentlich explodiert, sich sonst aber gegen die eigene Person richtet: in Form von Selbstabwertungen, Selbstverletzungen oder Suizidgedanken. Ihre Eltern hätten einen Vortrag über Borderline-Störungen besucht.

Der Fachmann habe gesagt, die Erkrankung sei biologisch bedingt, eine Besonderheit im Gehirn. Meine Patientin hat sicher richtig gehört, was die Eltern damit ausdrücken wollten: „Damit hat sich doch erledigt, was du an uns kritisierst. Wir haben nichts damit zu tun, dass es dir so schlecht geht.“ Das emotionale Klima in der Familie meiner Patientin ist allerdings abweisend und vernachlässigend. Wenn sie versucht, sich gegenüber den Eltern verständlich zu machen, läuft es darauf hinaus, dass mit ihr etwas nicht stimme und dass sie undankbar sei.

Diese Erfahrung macht ein Dilemma sichtbar. Der Kollege hat seinen Vortrag für die Eltern betroffener Kinder gehalten. Er wollte offenbar entlasten und hat vermutlich die biologischen Faktoren betont. Was hilft es, wenn Eltern, die schon mit der Sorge um ihr Kind belastet sind, auch noch von Schuldgefühlen gequält werden? Andererseits ist das nicht die ganze Wahrheit. Nur wenige psychische Erkrankungen gehen in erster Linie auf Gehirnbesonderheiten zurück, AD(H)S zum Beispiel oder Autismus. Die meisten psychischen Probleme haben auch eine emotionale Ursache. Wenn sich Eltern auch dann von der Schuldfrage entlasten, übersehen sie, was sie verändern können.

Schuld annehmen lernen

Wo wir Verantwortung übernehmen, werden wir auch schuldig. Es gibt eine tragische Schuld, die wir auch dann auf uns laden, wenn wir unser Bestes geben. Wir werden sozusagen unschuldig schuldig. Wenn Eltern ihre Schuld gegenüber Kindern nicht tragen können, werden sie ihr Kind abweisen, wenn es einmal andeutet: „Da verhältst du dich so, dass es mir damit nicht gut geht.“

Doch abgewiesene Kinder fühlen sich falsch, schuldig und unzureichend. Wenn es nicht an den Eltern liegt, muss doch mit ihm, dem Kind, etwas nicht stimmen. Hilfreicher ist eine Haltung der Eltern, die Schuld annehmen kann: „Wir lieben dich und haben unser Bestes gegeben. Aber natürlich machen wir Fehler und du leidest unter unseren Schwächen. Wo wir das nicht sehen können, hilf uns, damit es uns klar wird und wir etwas verändern können.“

Mit der Entwicklung von Kindern wachsen

Je jünger Teenager sind, desto weniger können sie auf den Punkt bringen, warum sie etwas in der Familie belastet. Deshalb braucht es Geduld, ein aufmerksames Hinsehen und ein Ausprobieren von Veränderungen nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum. Für jedes Problemverhalten gibt es einen guten Grund. Wenn sich ein Kind verschließt, hat es Gründe, sich nicht zu öffnen, auch wenn es vielleicht ein Geschwisterkind gibt, das in der gleichen Familie sehr offen ist. Wenn ein Kind in so hohe Anspannung gerät, dass es diese mit Selbstverletzungen reguliert, hat auch das seinen Grund. Nie liegt es an den Eltern allein, aber es ist wahrscheinlich, dass sie unwissend dazu beigetragen haben.

„Welche meiner Reaktionen könnte für meinen Sohn vielleicht unangenehm sein, wenn er sich öffnet? Und was könnte ich stattdessen tun?“ – „Welche meiner Reaktionen und Sichtweisen könnte die innere Anspannung meiner Tochter verstärken? Und was wäre eine heilsame Alternative für mein bisheriges Verhalten?“ Eltern, die eine Weile mit solchen Fragen leben, schärfen ihre Wahrnehmung. Sie können probeweise ändern, was ein Kind vermutlich belastet. Wenn ich Eltern darin begleite, entspannt sich die Beziehung zu den Teenagern oft und Eltern können das tun, was sie ja wollen: mehr zur Lösung als zum Problem beitragen. Im Teenageralter sind Erfahrungen mit den Eltern bereits verinnerlicht und mit dem verwoben, was Teens mit Gleichaltrigen erleben. Probleme verschwinden daher nicht gleich, wenn sich im Elternhaus etwas ändert. Auch hier braucht es Geduld und ein Vertrauen in Teenager. Sie müssen ihren eigenen Weg mit dem Problem finden, der zu ihnen und ihren Möglichkeiten passt.

Ungute Elternbündnisse auflösen

„Wo belaste ich mein Kind, ohne dass mir das bewusst ist?“ Meist kennt der Ehepartner die Antwort, denn er leidet unter den gleichen Schwächen, die Kinder treffen. In den meisten Ehen entscheidet sich allerdings früh, über welche Schwächen seines Partners man reden darf und über welche besser nicht. Manche Schwächen liegen im toten Winkel eines Partners und vertragen sich so wenig mit dem Bild, das dieser von sich hat, dass ein Tabu entsteht. Man redet nicht mehr darüber, weil es nur zu Streit führt. Ehepartner können sich mit Schwächen zur Not arrangieren. Über die Jahre passen sie sich vielleicht sogar einer unguten Sichtweise des Partners an, einem Misstrauen zum Beispiel oder übertrieben strengen Maßstäben. Was ein Erfolgsgeheimnis für eine harmonische Ehe sein kann, nämlich ein Tabu unangetastet zu lassen, wirkt sich auf Kinder verhängnisvoll aus. Denn die stehen dann nicht nur einem Elternteil gegenüber, das eine Schwäche nicht zugeben will. Der andere Elternteil scheint auch noch zu bestätigen, dass es diese Schwäche nicht gibt.

In der Ehe beginnen

Wenn Teenager psychische Probleme haben, lohnt es sich, an den Punkt zurückzugehen, an dem man die Schwäche seines Ehepartners noch wahrgenommen hat. Doch soll man ausgerechnet jetzt den Partner mit einer Schwäche konfrontieren, wenn im Raum steht, dass diese zu Problemen des Kindes beigetragen hat? Wenn man vom Partner nicht dazu eingeladen wurde, würde ich eher raten: Nein. Doch wenn man als Ehepartner wieder spürt, wie es einem mit einer Schwäche geht, warum nicht das Tabu brechen und das Gespräch suchen? Dann muss man vielleicht einem Kampf standhalten, der sich darum dreht, dass das Tabu erhalten bleibt und damit das Gewohnheitsrecht des Partners auf eine unkorrigierte Schwäche.

Doch dem muss man nicht nachgeben: „So sehe ich es leider wirklich. Es ist nicht in Ordnung für mich und ich wünsche mir, dass du dich damit auseinandersetzt.“ Schon das verändert das emotionale Klima in der Familie und Kinder spüren es, auch wenn man mit ihnen nicht über den Ehekonflikt spricht. Die Chancen sind nicht schlecht, dass sich ein Partner schließlich doch einer Schwäche stellt und ihm dann selbst auffällt, dass vielleicht auch das Kind unter dem leidet, was der Ehepartner nicht mehr klaglos hinnimmt.

Eltern, die wussten, was sie tun

So schwer die unschuldige Schuld von Eltern zu tragen ist, die es nicht besser wussten, so erdrückend kann echte Schuld auf dem Gewissen lasten. Die Wutausbrüche zum Beispiel, die Kinder so erschrecken, hat sich eine Mutter nicht ausgesucht, doch wenn sie nichts für eine Veränderung tut, ist das eine Schuld wider besseren Wissens. Genauso wenn ein Vater über Jahre innerlich abwesend ist, weil ihn seine Affäre beschäftigt und die Komplikationen, die sie in sein Leben bringt.

Viele Menschen können wohl nur eine gute Form von Verdrängung suchen, die das wahrnimmt, was man heute eingestehen und ändern kann, und alles andere möglichst vergisst: Das Leben geht weiter, wenn man Altes hinter sich lässt, für Eltern und für Kinder. Als Christ glaube ich, dass Eltern einen Zugang zu Gottes Vergebung haben. Doch das nimmt die Last der Schuld nicht automatisch weg. Denn Eltern sehen bei ihren Kindern vielleicht weiterhin Probleme, zu denen ihr Verhalten beigetragen hat. Je nach biblisch-seelsorgerlicher Tradition, in der die eigene Kirchengemeinde steht, sehen die Wege etwas anders aus, auf denen gläubige Menschen von Schuld frei werden. Wer sehr belastet ist, profitiert vielleicht von einer Seelsorge oder geistlichen Begleitung.

Unsere Fähigkeit, Schuld zu bewältigen, und unsere Fähigkeit, Verantwortung für das zu übernehmen, was wir als Eltern tun und lassen, bedingen einander: Nur wer aushalten kann, was er hört, kann aufrichtig fragen, warum es seinem Teenager nicht gut geht. Doch warum sollte uns die Liebe zu unseren Kindern dazu nicht befähigen? Und gehört nicht auch das zu einer starken Ehe: einander bei der Bewältigung von Schuld unterstützen?

Jörg Berger ist Psychologe, Psychotherapeut und Autor, unter anderem von „Meine Stacheln. Wie Sie Ihre Schwächen entschärfen“.