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Archiv für die Kategorie: CCN-FEED

„So redest du nicht mit mir!“ – Wie Kinder respektvolle Kommunikation lernen

Elternfrage: „Ich finde es oft nicht in Ordnung, wie meine Tochter (7) mit mir spricht. Was kann ich tun, um wertschätzende Kommunikation zu fördern?“

Hierzu ist es wichtig, erst einmal zu verstehen, dass Kinder oft im Eifer des Gefechts handeln. Wenn sie uns patzig, zu laut oder zu fordernd antworten, dann nicht, weil sie uns nicht respektieren oder wertschätzen, sondern weil ihre Emotionen mit ihnen durchgehen und dafür sorgen, dass sie ungefiltert auf eine Situation reagieren. Deswegen bringt es nicht viel, eine wertschätzende Kommunikation einfach nur einzufordern. Vielmehr liegt es in unserer Verantwortung, Kinder da hinzuführen.

Raus aus der „Schimpfschleife“

Das Gesagte und die Tonlage sind häufig keine Rückmeldung über uns als Eltern, sondern darüber, wie ein Kind sich gerade fühlt. Ein erster Schritt zu einer wertschätzenden Kommunikation wäre es daher, genau dies zu benennen. „Oh, ich merke gerade, dass dich das ganz schön aufregt.“ „Das ist dir enorm wichtig, oder?“ „Kann es sein, dass du das Gefühl hast, dass ich dir nicht zuhöre?“

Solche Nachfragen bringen Ihre Tochter aus ihrer eigenen „Schimpfschleife“ heraus und sorgen dafür, dass Sie selbst gar nicht erst mit einsteigen. Stattdessen kann die Kommunikation auf eine andere Ebene gehoben werden. Außerdem bekommen Kinder so praktische Vorbilder für einen respektvollen Umgang miteinander, und das ist ja bekanntlich besser als jede theoretische Aufforderung.

Erst abkühlen lassen

Aber machen wir uns nichts vor: Obwohl wir vielleicht theoretisch wissen, dass das Kind es nicht so meint, und eine Ahnung davon haben, wie wir reagieren könnten, kann einen solch ein Verhalten auch mal ordentlich antriggern. Es gibt Tonlagen, Aussagen oder Verhalten, das wir einfach nicht hinnehmen wollen. Das ist völlig legitim, und unsere Kinder dürfen spüren, dass sie an diesen Stellen Grenzen überschreiten.

Ich habe allerdings gelernt, dass es besser ist, so etwas zu kommunizieren, wenn die Situation sich abgekühlt hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Kinder verstehen, warum wir dieses oder jenes nicht wollen, ist höher, wenn wir es in Ruhe mit ihnen besprechen. „Ich habe verstanden, dass du vorhin wütend warst, aber dass du XY zu mir gesagt hast, hat mir wehgetan/hat mich geärgert/stört mich.“ Sie können dann auch mit Ihrem Kind einüben, was es stattdessen in ähnlichen Situationen sagen könnte. Aber erwarten Sie hier bitte keine schnellen Wunder. Es braucht viel Zeit und viele, viele Wiederholungen, bis Impulskontrolle und respektvolle Kommunikation funktionieren.

Zu guter Letzt noch ein anderer Gedanke: Ich finde, dass es manchmal auch was Gutes hat, wenn wir uns am Verhalten unserer Kinder reiben – oft können wir dadurch nämlich viel über uns selbst, unsere Grenzen und unsere wunden Punkte lernen.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin, Eltern- und Familienberaterin und Bloggerin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/06/Streit.jpg 1278 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-08-07 10:27:342025-08-07 10:27:34„So redest du nicht mit mir!“ – Wie Kinder respektvolle Kommunikation lernen

Auf die innere Haltung kommt es an: Wie positive Annahmen die Partnerschaft beeinflussen

Die innere Haltung, mit der wir unserem Partner begegnen, hat entscheidende Auswirkungen auf unseren Umgang miteinander.

Der Mensch verfügt über die bemerkenswerte Fähigkeit, aus kurzen Beobachtungszeiträumen und minimalen Hinweisen umfassende soziale Informationen abzuleiten – ein Phänomen, das in der Psychologie oft als „Thin Slicing“ bezeichnet wird. Studien belegen, dass wir schon innerhalb weniger Sekunden subtile nonverbale Signale wie Mimik, Gestik, Körperhaltung und Stimmlage verarbeiten, um emotionale Zustände, Beziehungen und sogar Konfliktdynamiken zu erkennen.

Falsch verstanden

Diese Fähigkeit spielt auch in Partnerschaften eine entscheidende Rolle. Bei unserem Partner bemerken wir oftmals noch schneller, wenn etwas nicht stimmt. Gleichzeitig ist die Partnerschaft aber auch der Ort, an dem diese Fähigkeit an ihre Grenzen stößt. Denn in einer langjährigen Beziehung interpretieren wir das Verhalten unseres Gegenübers häufig zu negativ.

Sarah kommt nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause und zieht sich in ein ruhiges Zimmer zurück, ohne groß mit ihrem Mann Markus zu sprechen. Markus interpretiert dieses Verhalten als Desinteresse oder sogar als Ablehnung – als Zeichen dafür, dass Sarah verärgert ist oder sich emotional distanziert.

Um seiner Frau etwas Gutes zu tun, kocht Markus ein besonders aufwendiges Abendessen. Dabei nutzt er zahlreiche Töpfe, spült jedoch während des Kochens keinen einzigen ab. Da er nach dem Essen sofort weiter muss, bleibt der ganze Abwasch an Sarah hängen. Sie deutet dieses Verhalten als Rücksichtslosigkeit und sogar als Missachtung ihrer Bedürfnisse – schließlich hat sie ihm schon oft erklärt, wie wichtig ihr Ordnung in der Küche ist.

Was wir unterstellen können

Solche und ähnliche Szenen spielen sich in Langzeitbeziehungen immer wieder ab. Häufig sehen wir das Verhalten unseres Partners in einem übermäßig negativen Licht. In unseren Gedanken unterstellen wir ihm böse Absichten und nehmen an, seine Handlungen seien gegen uns gerichtet. Dies bezeichne ich als die Schlechtestmögliche Interpretation (SI).

Im Gegensatz dazu steht eine alternative Sichtweise, die ich die Großzügigste Interpretation (GI) nenne. Wie könnte ich das Verhalten der anderen Person am großzügigsten interpretieren? Wie ließe es sich am gnädigsten deuten? Was, wenn ich ihm oder ihr die besten Absichten unterstelle?

Schweigt sie in einem hitzigen Konflikt, wird dies entweder als passiv-aggressiv oder gleichgültig (SI) interpretiert – oder es ist ein Versuch, ihre Emotionen zu ordnen, um das Problem konstruktiv anzugehen (GI). Schlägt er eine Freizeitaktivität vor, die mehr seinen Vorlieben entspricht als ihren, wird dies entweder als egoistisch (SI) gedeutet oder als Ausdruck des Wunsches, gemeinsam etwas Besonderes zu unternehmen (GI).

Die Großzügigste Interpretation verhindert nicht nur, dass wir in einen Gegenangriff verfallen, wenn uns tatsächlich niemand etwas Böses will; sie führt uns auch oft näher an die tatsächlichen Absichten unseres Partners heran als die Schlechtestmögliche Interpretation.

Marc Bareth und seine Frau Manuela stärken mit FAMILYLIFE Schweiz Ehen und Familien. Marc Bareth ist der Leiter dieser Arbeit. Er bloggt unter: familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/08/Paar_Kueche_GettyImages_Jacob-Wackerhausen_iStock_Getty-Images-Plus-scaled.jpg 1582 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-08-05 14:59:222025-08-05 14:59:22Auf die innere Haltung kommt es an: Wie positive Annahmen die Partnerschaft beeinflussen

Kontaktabbruch von Jugendlichen: Das können Eltern vorsorglich tun

Elternfrage: „Die 20-jährige Tochter eines Nachbarn hat scheinbar grundlos den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen. Für mich wäre das ein Albtraum. Wie kann ich Probleme in unserer Familie frühzeitig erkennen, damit sie nicht in einem Kontaktabbruch enden?“

Ich habe bei unseren Töchtern (26 + 24) nachgefragt, warum sie sich in manchen Phasen zurückgezogen oder den Kontakt zu uns Eltern eingeschränkt haben. Beide haben bestätigt, was ich schon wusste: Es gab in der Vergangenheit Situationen, in denen ich sie gekränkt oder verunsichert hatte und sie daraufhin den Abstand gesucht haben. Eine Tochter sagte, es war gut, dass sie für ihren beruflichen Weg ausgezogen ist. Ihr war es manchmal zu viel, wenn ich nachgefragt habe und wissen wollte, was sie bewegt. Sie hat meine Fragen als Kontrolle erlebt. Für mich war es die Sorge um ihr Wohlergehen. Heute sagt sie: „Ich erzähle dir wieder viel mehr, was mich bewegt.“ Der Abstand ermöglichte wieder mehr emotionale Nähe. An diesem Beispiel wird deutlich, was oft hinter einem Kontaktabbruch steht: Meist geht es um den Wunsch, sich abzugrenzen oder aus Abhängigkeiten herauszukommen.

Gespräche als Prävention

Das beste Mittel gegen die Angst vor einem Kontaktabbruch zwischen Eltern und Kindern ist die Kommunikation: im Gespräch sein, einander zuhören und sich Zeit füreinander nehmen. In meiner Praxis habe ich vor Kurzem Beratungsgespräche mit einer Tochter und ihrer Mutter geführt. Zwischen ihnen war es zu einer Funkstille gekommen. In einem geschützten Rahmen wollten sie wieder einen Kontaktaufbau wagen.

Es kam dabei immer mehr ans Licht, dass vergangene, in den Augen der Mutter vermeintlich kleine Situationen die Tochter sehr gekränkt hatten. Die Tochter hatte das Gefühl, nicht gesehen zu werden. Die Gespräche haben Tränen gekostet, aber es gab bei beiden Aha-Momente: „So hast du das gemeint“, „So ist es bei dir angekommen“. Sie entwickelten ein Verständnis füreinander und wir konnten den Prozess mit der konkreten Planung einer gemeinsamen Unternehmung von Tochter und Mutter beenden.

Um einen Sprachraum zu eröffnen, braucht es nicht zwingend eine Beratung. Aber manchmal kann es eine Hilfe sein, vor allem dann, wenn es bisher nicht Teil der Familientradition war, über Gefühle zu reden. Vielleicht wagen Sie den Schritt und gehen auf Ihre Kinder zu. Hilfreiche Fragen dafür sind: Wie ist das, was ich gesagt oder getan habe, bei dir angekommen? Darf ich dir erklären, was mein Anliegen war? Wo brauchst du mehr Freiheit? Wo ist Nähe für dich angebracht oder auch unangebracht? Manchmal ist von uns Eltern eine Entschuldigung für Verletzungen nötig, die wir unseren Kindern zugefügt haben, ohne dass wir das wollten.

Wenn es beim Kontaktabbruch bleibt

Leider kommt es vor, dass es trotz Gesprächsbemühungen zu einer Funkstille zwischen Eltern und Kindern kommt. Das ist häufig dann der Fall, wenn Kinder diesen Weg als einzige Option sehen, die eigenen Grenzen ernst zu nehmen und aus der Abhängigkeit oder Kontrolle zu fliehen. Das tut weh. Dann heißt es für uns Eltern, die Funkstille als Notruf des Kindes wahrzunehmen und den Abstand zu respektieren. Ein Abstand kann für alle eine wichtige Zeit der Reflexion und Klärung sein. Er bringt die Chance auf eine Versöhnung und einen Neubeginn mit sich.

Susanne Peitz ist verheiratet und hat zwei Töchter. Sie arbeitet als Supervisorin (EASC), Systemische Familientherapeutin und Sozialpädagogin.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/06/Hand-Stop.jpg 1292 1920 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-07-31 14:43:452025-07-31 14:43:45Kontaktabbruch von Jugendlichen: Das können Eltern vorsorglich tun

Zuhören – Der Schlüssel zu einer gelingenden Partnerschaft

Wahrnehmen, zuhören, sich auf den Partner einlassen. Was auf den ersten blick banal klingt, ist gar nicht so leicht. Paartherapeutin Ira Schneider zeigt, wie das wirklich gelingen kann.

Einander zuhören: Das ist doch selbstverständlich, denkst du dir vielleicht. Klingt wie ein Hinweis, den man sich wirklich sparen kann. Jeder weiß doch, dass das wichtig ist. Moment mal – ist das wirklich so? In meinen Gesprächen habe ich oft Paare sitzen, denen das Zuhören völlig abhandengekommen ist, oder die es womöglich nie kultiviert haben. Wie aber kann echtes Zuhören gelingen? Warum lohnt es sich, wirklich zuzuhören und was kann ein Paar dabei gewinnen? Beim Zuhören kommt es vor allem auf die Haltung an. Die innere Haltung hat einen Einfluss darauf, wie wir uns beim Zuhören verhalten und wie wir unserem Partner begegnen, während er erzählt. Haltung entsteht, wenn wir uns im Vorhinein darüber klar werden, wie wir uns verhalten wollen und welche Werte wir dabei vertreten. Drei Herangehensweisen können helfen, das Zuhören in ein verbindendes und ereignisreiches Erlebnis zu verwandeln.

1. Den anderen beschnuppern

Es braucht ein Eintauchen und ein Beschnuppern. Die Haltung, die das Zuhören zu einer Liebestat verwandelt, ist die pure Neugier. Sie ist der Schlüssel, der das Gegenüber immer wieder neu entdeckt. Neugier ist ehrlich. Sie ist interessiert. Sie ist im wahrsten Sinne gierig auf das Neue, das sie erfahren kann. Sie führt dazu, dass wir uns Zeit nehmen, fallen lassen und aufrichtig nachfragen.

2. Eintauchen in die Welt des anderen

Wer zuhört, öffnet sein Herz. Es geht darum, sich voll und ganz mit allen Gedanken auf das einzulassen, was der andere erzählt. Es bedeutet, sich der Gefühlswelt des anderen zu öffnen. Ich würde sogar sagen, dass echtes Zuhören auch bedeutet, sich zu merken, was der andere erzählt. Wer zuhört, schenkt den Prozessen, den Gefühlen und Erlebnissen seines Gegenübers wahrhaftig Raum in seinem Inneren.

3. Wertungsfreie Atmosphäre

Die Königsdisziplin des Zuhörens ist wohl das Hören, ohne zu moralisieren, zu bewerten und ohne zu unterbrechen. Auf diesem Königsweg unterwegs zu sein, ist kein Spaziergang. Es funktioniert nur, wenn man ganz beim anderen ist statt bei sich selbst. Dazu gehört auch mal kurzweilig ein inneres Aushalten und Zurückhalten von Meinungen, Ideen und Lösungen. Es geht darum, das Gesagte als Information und Gewinn für die Beziehungsgestaltung zu betrachten.

 Einfach anfangen

Wenn es darum geht, eine Atmosphäre zu schaffen, in der echtes Zuhören Raum findet, fängt man am besten selbst damit an. Wer dem anderen zuhört, kann nur gewinnen. In einer leistungsgeprägten Gesellschaft, in der wir um Zeit ringen, ist Zuhören ein Zeitgeschenk. Eine Atmosphäre ohne Druck schafft automatisch einen Ausgleich zum trubeligen Alltag. Du kannst beginnen und durchs Zuhören echte Anteilnahme leben. Dein Gegenüber fühlt sich dadurch wahrgenommen und gesehen. Dadurch entstehen Sicherheit und das Gefühl: ,,Ich habe hier Raum.“ Genau deshalb lohnt sich Zuhören!

Ira Schneider ist Paartherapeutin und Autorin. Dieser Artikel ist ein Ausschnitt aus ihrem aktuellen Buch „Zwischen ich, du & wir – 30 inspirierende Impullse für dich und deine Beziehung“, erschienen bei SCM Hänssler.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/07/Zuhoeren_GettyImages_Antonio_Diaz_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1414 2120 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-07-29 12:40:372025-07-29 12:40:37Zuhören – Der Schlüssel zu einer gelingenden Partnerschaft

„Mama, ist auch bei uns bald Krieg?“ – So können Eltern mit Kinderängsten umgehen

Kriege, Krankheiten und Katastrophen machen schon Erwachsenen oft große Angst. Wie geht es Kindern dabei? Und wie können Eltern ihre Kinder begleiten? Tipps gibt Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Melanie Schüer.

„Mama, kommt der Krieg bald auch zu uns?“ Sara muss erst einmal schlucken, als ihr fünfjähriger Sohn diese Frage auf dem Rückweg vom Kindergarten stellt. „Wie meinst du das?“, fragt Sara bemüht unbeschwert, um Zeit zu gewinnen. „Naja“, entgegnet Luis und schaut seine Mama mit großen Augen an, „Heute haben die anderen Kinder Krieg gespielt und über Russland und die Ukraine gesprochen. Und Anna meinte, dass Deutschland vielleicht auch bald angegriffen wird!“ Sara hört die Angst in der Stimme ihres Sohnes – und spürt, wie sich ein Gefühl von Bedrohung in ihr ausbreitet. Keine einfache Frage, die der kleine Luis da stellt! Und doch eine, die wir Erwachsenen vermutlich alle sehr gut nachvollziehen können.

Zuversicht, aber bitte ehrlich

Es ist keine gute Idee, Dinge zu versprechen, die wir ehrlicherweise selbst nicht sicher wissen können. Und gleichzeitig ist es wichtig. unseren Kindern bei aller Ungewissheit Vertrauen und Stabilität zu vermitteln. Das kann zum Beispiel bedeuten, dem kleinen Luis eine Antwort zu geben, die so oder so ähnlich klingt:

„Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was passieren wird und ob es auch bei uns irgendwann mal Krieg geben wird. Es ist aber nicht sehr wahrscheinlich, dass uns einfach jemand angreift. Denn unser Land hat mit 31 anderen starken Ländern zusammen etwas abgemacht. Wir haben uns alle versprochen, dass wir uns gegenseitig helfen, falls ein Land angegriffen wird. Wenn ein Gegner uns angreifen würde, hätten wir 31 befreundete Länder, die uns unterstützen – das muss der Gegner sich natürlich gut überlegen, ob er das wagen will! Würdest du jemanden angreifen, der 31 Freunde auf seiner Seite hat, die ihn beschützen? Aber das Wichtigste ist: Egal, was passiert, wir halten zusammen und Mama ist bei dir!“

Auch die Vermittlung von Glaubensinhalten, kann – sofern die Eltern selbst dahinterstehen – ein starkes Mittel gegen die Angst sein, im Sinne von: „Wir wissen nicht, was kommt, aber wir wissen, dass Gott immer an unserer Seite ist – in guten und in schwierigen Zeiten.”

Betonen, was Halt gibt

Auch, wenn bedrohliche Erkrankungen im Raum stehen, ist es keine gute Idee, Kinder anzulügen, um sie vermeintlich zu schützen. Fast immer spüren die Kinder, dass etwas nicht stimmt – und das Unwissen fühlt sich oft viel belastender an als eine altersgerechte, ehrliche Antwort. Bei aller Unsicherheit ist es immer hilfreich, wenn Eltern auf das hinweisen, was Halt vermittelt. Beispielsweise:

„Du hast Recht, meine Krankheit ist schlimmer als ein kleiner Schnupfen. Und es sind schon Menschen daran gestorben. Das heißt aber nicht, dass ich auch sterben muss! Es gibt gute Behandlungen – ich muss in nächster Zeit öfter in die Klinik, damit mein Körper die Krankheit möglichst gut bekämpfen kann. Ich habe gute Chancen, wieder gesund zu werden. Sehr wahrscheinlich sterbe ich nicht! Aber selbst im schlimmsten Fall gibt es Menschen, die dich lieb haben und sich um dich kümmern: Oma, Opa, Onkel Tommy … Du bist niemals allein. Wir kämpfen gemeinsam und gemeinsam sind wir stark! Ich freue mich schon auf die Zeit, wenn wir diese blöde Krankheit besiegt haben und wieder zusammen schwimmen gehen können!“

Angst darf sein

Angst ist nicht per se negativ, denn sie ist ein wichtiges Gefühl, das uns hilft, uns nicht unnötig in Gefahr zu bringen: So ist es doch durchaus schlau, ein großes, gefährlich wirkendes Tier nicht anzufassen oder nicht einfach über die Straße gehen, ohne zu schauen!

Schwierig wird es nur, wenn die Angst ständig warnt, obwohl gar keine Gefahr droht. Dann hilft es, sich klarzumachen: Die Angst irrt sich, es ist gerade nicht gefährlich. Man kann sich auch einen Satz ausdenken, den man sich innerlich sagt, wie zum Beispiel: „Danke, liebe Angst – aber gerade ist alles okay. Fehlalarm, du kannst dich beruhigen.“ So einen Satz parat zu haben, kann auch schon Kindern helfen.

Angst nicht zum Tabu machen

Es lohnt sich, Kinder zum Sprechen über Angst zu ermutigen und deutlich zu machen, dass genau das hilft, mit der Angst klarzukommen. Eltern können ihrem Kind erklären, dass Angst ein vorübergehendes Gefühl ist, das zum Leben dazugehört – genauso wie Freude, Wut und Traurigkeit.

Eltern können ein gutes Vorbild sein, indem sie auch von sich aus erzählen, wovor sie Angst haben, oder früher Angst hatten, und was ihnen geholfen hat, sie zu überwinden. Singen, Tagebuch schreiben, Beten … was hilft Ihnen, wenn die Angst hochkommt? Erzählen Sie Ihrem Kind davon!

Unbegründete Ängste gelassen angehen

Nicht jede Angst ist für uns Eltern direkt nachvollziehbar. Manchmal geraten Kinder auch in Panik über einen kleinen Hund oder haben Bauchweh vor jedem kleinen Ausflug. Dann ist es wichtig, diese scheinbar unbegründeten Sorgen ernst zu nehmen, und gemeinsam mit dem Kind herauszufinden, was dahintersteckt:

  • Verständnis ausdrücken: „Stell dich doch nicht an“ sollte natürlich tabu sein, ebenso wie Druck und Zwang. Lass dein Kind wissen, dass du siehst, dass es sich fürchtet – und, dass du an seiner Seite bist: „Du hast gerade Angst, oder? Das ist okay. Ich bin bei dir.“
  • Fragen stellen: Wenn die Angst gerade sehr stark ist, gilt es, das Kind wahrzunehmen und liebevoll zu begleiten. Sobald es sich etwas beruhigt hat, dürfen Eltern dann behutsam nachfragen: “Was genau findest du so schlimm daran? Was befürchtest du, was passieren könnte?”
  • Manchmal wissen Kinder selbst nicht, was genau die Ursache für ihre Verunsicherung ist. Dann kann es helfen, dem Kind Informationen zu geben, damit es die Situation besser einschätzen kann, zum Beispiel, wie der Ausflug ablaufen wird, wen man bei Problemen ansprechen kann, usw.
  • Verbindung zwischen Körper und Gedanken kindgerecht erklären: Viele Kinder reagieren mit Bauch- oder Kopfschmerzen auf Nervosität. Das ist dann nicht eingebildet, sondern eine körperliche Reaktion auf die Stresshormone. Das zu wissen hilft Kindern, die Symptome besser zu verstehen und gelassener damit umgehen zu können. Eltern können erläutern: „Wenn man sich Sorgen macht, dann wird auch oft der Kopf oder der Bauch ganz unruhig. Die Angst wandert sozusagen durch den Körper und kann dann auch mal weh tun, so wie deine Kopfschmerzen.“
  • Kleine Schritte gehen: So kann vielleicht ein Eltern- oder Großelternteil beim ersten Kita-Ausflug dabei sein oder der Hund kann erst einmal aus der Ferne, dann von etwas näher beobachtet und dann vorsichtig am Rücken berührt werden, während er festgehalten wird.
  • Die Angst externalisieren: So nennen es Fachleute, wenn sie mit Menschen Wege finden, der Angst eine sichtbare Gestalt zu geben. Das kann helfen, Abstand zu den Gefühlen zu finden und zu merken: “Ich bin nicht meine Angst. Ich muss mich nicht von ihr bestimmen lassen.” Das geht auch toll mit Kindern! Eltern können ihren Kindern vorschlagen, die Angst gemeinsam zu malen und sogar zu benennen – vielleicht als Tier, als fieses kleines Monster oder anderes Wesen. Im zweiten Schritt kann dann auch jemand gemalt werden, der hilft, die Angst zu zähmen.
  • Kleine Mutmachübungen: Mit körperlichen Übungen kann Angst spürbar gelindert werden. So kann es hilfreich sein, die Angst aus dem Körper herauszuklopfen (Arme, Beine und Oberkörper abklopfen und danach alles ausschütteln) oder die Arme verschränkt über die Schultern zu legen („Schmetterlingsumarmung“) und dabei ein paar Mal tief in den Bauch ein- und wieder auszuatmen. Symbole wie ein Mutstein, eine Gebets-Box oder ein Sorgenfresser können Kinder daran erinnern, dass sie nie alleine sind.

Glaube nicht alles, was du denkst!

Älteren Kindern und Jugendlichen können Eltern erklären, wie unsere Gedanken und Gefühle miteinander zusammenhängen. Je nachdem, wie wir über eine Situation denken, fühlen wir uns auch. Wer denkt: „Ich bin nervös, aber ich gebe mein Bestes und bin nicht allein!“, der fühlt sich ganz anders als jemand, der denkt: „Ich kriege das nicht hin!“

Gedanken zu verändern lässt sich üben! Anfangs fühlt es sich künstlich an, doch je öfter man positive, zuversichtliche Gedanken denkt, desto normaler wird genau das für unser Gehirn.

Fachliche Hilfe einbeziehen

Nicht immer lassen sich Ängste ganz problemlos regulieren. Wenn Eltern merken, dass bestimmte Sorgen das Kind dauerhaft belasten oder sich sogar verstärken, dann ist fachliche Unterstützung angezeigt. Denn je länger man wartet, desto höher ist die Gefahr, dass sich die Angst festsetzt und chronisch wird. Je früher aber die richtigen Schritte unternommen werden, desto besser stehen die Chancen, dass dein Kind schon bald wieder mit mehr Leichtigkeit durch den Alltag gehen kann.

Wenn also trotz deiner Begleitung dein Kind weiter unter der Angst leidet und davon eingeschränkt wird (beispielsweise schulisch oder im Alltag), dann scheue dich nicht, dich beraten zu lassen. Wende dich an die kinderärztliche Praxis und/oder eine Erziehungsberatungsstelle. Kostenlose Angebote gibt es unter dajeb.de

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen können einschätzen, ob eine Psychotherapie (meist geht das gut ambulant mit wöchentlichen Terminen) nötig ist. Die Wartezeiten, besonders im ambulanten Bereich, sind oft lang. Deshalb warte nicht zu lange und überbrücke die Wartezeit gerne mit Besuchen in einer Erziehungsberatungsstelle. Auch Schulsozialarbeiterinnen können oft gute erste Hilfe bei Ängsten leisten, welche den Schulalltag betreffen.

Fazit: Angst gehört zum Leben – muss es aber nicht bestimmen!

Gerade im Kindesalter kommen bestimmte Ängste entwicklungstypisch häufiger vor. Wer sein Kind achtsam im Umgang mit großen und kleinen Sorgen begleitet und sich im Ernstfall nicht scheut, fachliche Hilfe zu holen, bringt seinem Kind etwas Wichtiges für’s Leben bei: Angst gehört dazu. Angst kann sogar nützlich sein. Wenn sie zu stark wird, kann man etwas tun – denn Angst muss uns nicht lähmen.

Melanie Schüer ist Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Autorin.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/07/Trost_GettyImages_Andrii-Iemelyanenko_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1299 2309 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-07-25 09:54:092025-07-25 09:54:09„Mama, ist auch bei uns bald Krieg?“ – So können Eltern mit Kinderängsten umgehen

7 Tipps für einen entspannten Urlaub

Erholsame Ferien für die ganze Familie? Das muss keine Illusion bleiben! Die sechsfache Mutter Dorothee Tappe hat 7 Tipps zusammengestellt, die auch euren Urlaub zu einem großartigen Erlebnis machen.

Die Urlaubszeit steht an. Und wieder einmal merken wir, wie die Zeit knapp wird, damit alles rechtzeitig gepackt, notwendiges Urlaubszubehör – neue funktionierende Badetiere oder passende Wanderschuhe für die Kinder – besorgt wird und wir den organisatorischen Kram wie eine neue Vignette oder Einreisepapiere erledigt bekommen. Damit wir den Urlaub nicht schon gestresst und ausgelaugt beginnen, ist es wichtig, einige Dinge zu beachten. Ich habe sieben Tipps und Tricks zusammengestellt, wie ein stressfreier Urlaub gelingen kann.

Tipp 1: Aktivitätentabelle

Ein stressfreier Urlaub, der für alle Familienmitglieder passt, fängt schon bei den Planungen an: Wichtig ist, dass für jeden etwas dabei ist. Hierfür gestalte ich im Vorfeld einen Urlaubsaktivitätenplan. Alle möglichen Aktionen und Ausflugsziele werden in einer Tabelle erfasst, dazu die relevanten Daten wie Art der Aktivität, Ort, Entfernung zur Unterkunft, Öffnungszeiten, Kosten und sonstige Informationen. So muss ich diese später nicht mehr mühsam heraussuchen.

Anschließend darf jedes Familienmitglied einen Klebepunkt in einer individuellen Farbe in die Wunschspalte kleben. Unsere Jüngste konnte letzten Sommer noch nicht lesen. Sie hat den Plan zusammen mit dem großen Bruder ausgefüllt. Alternativ kann man Bilder oder Symbole in den Plan einfügen. Oder man setzt sich als Familie zusammen, geht die Ausflugsliste gemeinsam durch und setzt dabei abwechselnd die Klebepunkte.

Anhand der Klebepunkte können wir nun schauen, dass wir im Urlaub für jeden etwas unternehmen. Oft gibt es auch Aktivitäten, die allen gefallen, sodass diese natürlich bevorzugt drankommen. Und da viele Ausflüge wetterabhängig sind, kann morgens beim Frühstück auf den Plan geschaut und spontan entschieden werden, was für den jeweiligen Tag geeignet ist und worauf alle Lust haben. Dies ist durch die Tabelle einfach und entspannt möglich, da nicht erst noch gegoogelt werden muss, um Öffnungszeiten und Adressen herauszufinden.

Tipp 2: Packliste

Mein zweiter Tipp für einen entspannten Urlaub ist eine gute und vor allem ausführliche Packliste, sodass nichts vergessen und auch nicht zu viel mitgenommen wird. Hierfür lohnt es sich, eine Urlaubs­packliste in einer Memo-App anzulegen, die für jeden Urlaub individuell angepasst und ständig erweitert werden kann.

Beim Packen kann nun jedes einzelne Stück direkt abgehakt werden. So sehen wir sofort, was wir noch mitnehmen oder besorgen müssen. Die Packliste unterteile ich in Rubriken. Es empfiehlt sich, immer direkt eine ganze Rubrik, zum Beispiel die Badesachen, zusammenzusuchen. Und sobald alles aus einer Rubrik zusammenliegt, kommt es direkt in den Koffer. Durch dieses System ist es möglich, relativ schnell und systematisch einzupacken. Vor allem wird nichts Wichtiges vergessen.

Tipp 3: Spielzeugkoffer

Der dritte Tipp ist absolut Gold wert. Kinder möchten ja immer alles Mögliche mitnehmen und einpacken, und dann fliegen die vielen mitgebrachten Spielsachen unkontrolliert im Hotelzimmer, im Zelt oder in der Ferienwohnung herum. Wenn jedes Kind einen klassischen Spielzeugkoffer bekommt, den es selbst packen darf, ist die Menge an mitzunehmendem Spielzeug klar begrenzt. In diesen Koffer darf alles rein, was die Kinder mitnehmen möchten. Es müssen keine Diskussionen im Vorfeld geführt werden, ob etwas mitgeht oder zu Hause bleibt. Die Kinder dürfen absolut frei wählen. Wenn der Koffer voll ist, ist das Limit erreicht!

Dies ist nicht nur sehr entspannend, sondern schafft auch am Urlaubsort gleich Ordnung, da die Spielzeuge im Koffer direkt aufgeräumt sind. Zusätzlich zum Koffer darf jedes Kind ein Kuscheltier und eine Puppe mitnehmen, sodass sich im Spielzeugkoffer genügend Platz findet für Bücher, Spiele, Puppenkleider oder für das, was die Kinder einpacken möchten. Und da die Kinder dies schon in jungen Jahren selbstständig machen, sparen diese simplen Spielzeugkoffer viel Zeit und Nerven.

Tipp 4: Reisebeschäftigung

Mit einer entspannten Anreise startet man besser in den Urlaub. Hierzu wird für jedes Kind eine kleine Beschäftigungstasche für das Auto, die Bahn oder das Flugzeug gepackt. Vorzugsweise mit Dingen, die keinen Dreck verursachen und mit denen sich die Kinder lange und ruhig beschäftigen können. Hierfür eignen sich magnetische Maltafeln, Wasser-Ringe-Spiele, drehbare 3D-Reisepuzzle, Ball-Labyrinthe, Kindermagazine oder ein Auto-Bingo (siehe Info-Kasten).

Tipp 5: Setzkasten für den Urlaub

Der nächste Tipp betrifft das Sammelsurium, das Kinder gern aus dem Urlaub mitbringen: Muscheln und Steine, kleine Andenken und Erinnerungsstücke. Hierfür lohnt es sich, einen oder mehrere Setzkästen anzuschaffen, in denen Urlaubserinnerungen immer wieder neu gestaltet werden können. Zusätzlich zu den Fundstücken der Kinder kann man die schönsten Urlaubsfotos im Polaroid Design entwickeln lassen und gemeinsam mit den Kindern im Setzkasten anordnen. Dies ist nicht nur eine nett anzuschauende Deko, sondern ein Platz, an dem die Sammelstücke der Kinder gewürdigt werden. Die ganze Familie kann sich beim täglichen Vorbeilaufen an die schönen Momente erinnern.

Tipp 6: Sortiertes Einpacken

Tipp Nummer 6 hilft, nicht gleich am ersten Tag nach dem Urlaub wieder in Stress zu geraten und gut in den Alltag zu starten. Hierfür ist ein sortiertes Einpacken hilfreich: Die Koffer werden nicht wie auf der Hinreise nach Rubriken eingepackt. Diesmal kommt in den größten Koffer ausschließlich Dreckwäsche, die schon beim Einpacken nach Farben und Wäschegradzahl vorsortiert wird. So kann dieser Koffer zu Hause direkt in die Waschküche gestellt werden. Die einzelnen Stapel kann man schon sortiert in die jeweiligen Waschkörbe oder direkt in die Waschmaschine legen. Der Koffer sollte zum Auslüften zwei Tage aufgeklappt stehengelassen und anschließend direkt wieder verräumt werden.

Auch die anderen Dinge werden sortiert eingepackt, aber diesmal nach ihren Plätzen zu Hause vorsortiert: nach dem Zimmer, dem Schrank … Mit diesem Trick geht das Ausräumen blitzschnell. Und da man dabei kaum nachdenken muss, kann ein Hörbuch oder Podcast gehört und diese Zeit gut für eine kleine Me-Time genutzt werden.

Tipp 7: Impulse aus dem Urlaub

Der letzte Punkt ist ein Tipp, um den Erholungsfaktor des Urlaubs möglichst lange in den Alltag mitzunehmen und wohltuende Dinge dauerhaft im Familienleben zu integrieren. Hierfür wird am letzten Urlaubstag bewusst eine kleine Auszeit genommen, um der Fragestellung nachzugehen: Was nehme ich aus dem Urlaub mit?

Diese Punkte werden gesammelt und aufgeschrieben. Das können konkrete Vorhaben sein wie „Müsli selbst mischen“, „Nudelteig herstellen“ oder „monatliche Wanderungen als Familie unternehmen“. Vielleicht habt ihr aber auch die Idee, einen so bequemen Hängestuhl wie im Hotel als Leseecke einzurichten oder als Familie gemeinsam einen Klettergarten zu besuchen.

Dorothee Tappe ist Diplom-Sozialpädagogin, Bildungsforscherin (MA) und Mutter von sechs Kindern. Auf ihrem YouTube-Kanal „Familie(n)leben“ veröffentlicht sie Tipps und Themen zu Organisation und Erziehung.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/07/Familienurlaub_GettyImages_Liderina_iStock_GettyImagesPlus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-07-22 11:01:182025-07-22 11:01:187 Tipps für einen entspannten Urlaub

Psychische Probleme bei Teenagern: Sind Eltern schuld daran?

Wenn Teenager psychische Probleme entwickeln, fragen sich Eltern oft, ob sie versagt haben. Psychotherapeut Jörg Berger verrät, was die Paardynamik damit zu tun hat.

Der Schreck sitzt tief, wenn das eigene Kind offenbart, dass es manchmal nicht mehr leben will, oder wenn es zum ersten Mal die Wunde am Unterarm zeigt, die es sich mit der Schere zugefügt hat. Andere Eltern entdecken, dass es kein Zufall mehr sein kann, dass ihre Tochter nach Mahlzeiten gleich aufs Klo geht und es dann trotz offenem Fenster nach Erbrochenem riecht. Ein Sohn, der aktiv war, zieht sich zurück und geht nur noch außer Haus, wenn er muss. Es gibt leider so viel, das sich ganz anders entwickeln kann, als es Eltern bei ihrem Kind erwarten: Ängste, Zwänge, Schulprobleme oder Suchtverhalten. Psychische Probleme treffen auch Teenager, die aus guten Verhältnissen kommen, die mit Liebe erzogen und gut gefördert wurden.

Eine Schuldentlastung, die nicht hilft

Eine 19-Jährige kommt aufgebracht ins Therapiegespräch. Sie ist wegen einer Borderline-Störung in Behandlung, von der Außenstehende vor allem die starken Stimmungsschwankungen bemerken und eine Wut, die gelegentlich explodiert, sich sonst aber gegen die eigene Person richtet: in Form von Selbstabwertungen, Selbstverletzungen oder Suizidgedanken. Ihre Eltern hätten einen Vortrag über Borderline-Störungen besucht.

Der Fachmann habe gesagt, die Erkrankung sei biologisch bedingt, eine Besonderheit im Gehirn. Meine Patientin hat sicher richtig gehört, was die Eltern damit ausdrücken wollten: „Damit hat sich doch erledigt, was du an uns kritisierst. Wir haben nichts damit zu tun, dass es dir so schlecht geht.“ Das emotionale Klima in der Familie meiner Patientin ist allerdings abweisend und vernachlässigend. Wenn sie versucht, sich gegenüber den Eltern verständlich zu machen, läuft es darauf hinaus, dass mit ihr etwas nicht stimme und dass sie undankbar sei.

Diese Erfahrung macht ein Dilemma sichtbar. Der Kollege hat seinen Vortrag für die Eltern betroffener Kinder gehalten. Er wollte offenbar entlasten und hat vermutlich die biologischen Faktoren betont. Was hilft es, wenn Eltern, die schon mit der Sorge um ihr Kind belastet sind, auch noch von Schuldgefühlen gequält werden? Andererseits ist das nicht die ganze Wahrheit. Nur wenige psychische Erkrankungen gehen in erster Linie auf Gehirnbesonderheiten zurück, AD(H)S zum Beispiel oder Autismus. Die meisten psychischen Probleme haben auch eine emotionale Ursache. Wenn sich Eltern auch dann von der Schuldfrage entlasten, übersehen sie, was sie verändern können.

Schuld annehmen lernen

Wo wir Verantwortung übernehmen, werden wir auch schuldig. Es gibt eine tragische Schuld, die wir auch dann auf uns laden, wenn wir unser Bestes geben. Wir werden sozusagen unschuldig schuldig. Wenn Eltern ihre Schuld gegenüber Kindern nicht tragen können, werden sie ihr Kind abweisen, wenn es einmal andeutet: „Da verhältst du dich so, dass es mir damit nicht gut geht.“

Doch abgewiesene Kinder fühlen sich falsch, schuldig und unzureichend. Wenn es nicht an den Eltern liegt, muss doch mit ihm, dem Kind, etwas nicht stimmen. Hilfreicher ist eine Haltung der Eltern, die Schuld annehmen kann: „Wir lieben dich und haben unser Bestes gegeben. Aber natürlich machen wir Fehler und du leidest unter unseren Schwächen. Wo wir das nicht sehen können, hilf uns, damit es uns klar wird und wir etwas verändern können.“

Mit der Entwicklung von Kindern wachsen

Je jünger Teenager sind, desto weniger können sie auf den Punkt bringen, warum sie etwas in der Familie belastet. Deshalb braucht es Geduld, ein aufmerksames Hinsehen und ein Ausprobieren von Veränderungen nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum. Für jedes Problemverhalten gibt es einen guten Grund. Wenn sich ein Kind verschließt, hat es Gründe, sich nicht zu öffnen, auch wenn es vielleicht ein Geschwisterkind gibt, das in der gleichen Familie sehr offen ist. Wenn ein Kind in so hohe Anspannung gerät, dass es diese mit Selbstverletzungen reguliert, hat auch das seinen Grund. Nie liegt es an den Eltern allein, aber es ist wahrscheinlich, dass sie unwissend dazu beigetragen haben.

„Welche meiner Reaktionen könnte für meinen Sohn vielleicht unangenehm sein, wenn er sich öffnet? Und was könnte ich stattdessen tun?“ – „Welche meiner Reaktionen und Sichtweisen könnte die innere Anspannung meiner Tochter verstärken? Und was wäre eine heilsame Alternative für mein bisheriges Verhalten?“ Eltern, die eine Weile mit solchen Fragen leben, schärfen ihre Wahrnehmung. Sie können probeweise ändern, was ein Kind vermutlich belastet. Wenn ich Eltern darin begleite, entspannt sich die Beziehung zu den Teenagern oft und Eltern können das tun, was sie ja wollen: mehr zur Lösung als zum Problem beitragen. Im Teenageralter sind Erfahrungen mit den Eltern bereits verinnerlicht und mit dem verwoben, was Teens mit Gleichaltrigen erleben. Probleme verschwinden daher nicht gleich, wenn sich im Elternhaus etwas ändert. Auch hier braucht es Geduld und ein Vertrauen in Teenager. Sie müssen ihren eigenen Weg mit dem Problem finden, der zu ihnen und ihren Möglichkeiten passt.

Ungute Elternbündnisse auflösen

„Wo belaste ich mein Kind, ohne dass mir das bewusst ist?“ Meist kennt der Ehepartner die Antwort, denn er leidet unter den gleichen Schwächen, die Kinder treffen. In den meisten Ehen entscheidet sich allerdings früh, über welche Schwächen seines Partners man reden darf und über welche besser nicht. Manche Schwächen liegen im toten Winkel eines Partners und vertragen sich so wenig mit dem Bild, das dieser von sich hat, dass ein Tabu entsteht. Man redet nicht mehr darüber, weil es nur zu Streit führt. Ehepartner können sich mit Schwächen zur Not arrangieren. Über die Jahre passen sie sich vielleicht sogar einer unguten Sichtweise des Partners an, einem Misstrauen zum Beispiel oder übertrieben strengen Maßstäben. Was ein Erfolgsgeheimnis für eine harmonische Ehe sein kann, nämlich ein Tabu unangetastet zu lassen, wirkt sich auf Kinder verhängnisvoll aus. Denn die stehen dann nicht nur einem Elternteil gegenüber, das eine Schwäche nicht zugeben will. Der andere Elternteil scheint auch noch zu bestätigen, dass es diese Schwäche nicht gibt.

In der Ehe beginnen

Wenn Teenager psychische Probleme haben, lohnt es sich, an den Punkt zurückzugehen, an dem man die Schwäche seines Ehepartners noch wahrgenommen hat. Doch soll man ausgerechnet jetzt den Partner mit einer Schwäche konfrontieren, wenn im Raum steht, dass diese zu Problemen des Kindes beigetragen hat? Wenn man vom Partner nicht dazu eingeladen wurde, würde ich eher raten: Nein. Doch wenn man als Ehepartner wieder spürt, wie es einem mit einer Schwäche geht, warum nicht das Tabu brechen und das Gespräch suchen? Dann muss man vielleicht einem Kampf standhalten, der sich darum dreht, dass das Tabu erhalten bleibt und damit das Gewohnheitsrecht des Partners auf eine unkorrigierte Schwäche.

Doch dem muss man nicht nachgeben: „So sehe ich es leider wirklich. Es ist nicht in Ordnung für mich und ich wünsche mir, dass du dich damit auseinandersetzt.“ Schon das verändert das emotionale Klima in der Familie und Kinder spüren es, auch wenn man mit ihnen nicht über den Ehekonflikt spricht. Die Chancen sind nicht schlecht, dass sich ein Partner schließlich doch einer Schwäche stellt und ihm dann selbst auffällt, dass vielleicht auch das Kind unter dem leidet, was der Ehepartner nicht mehr klaglos hinnimmt.

Eltern, die wussten, was sie tun

So schwer die unschuldige Schuld von Eltern zu tragen ist, die es nicht besser wussten, so erdrückend kann echte Schuld auf dem Gewissen lasten. Die Wutausbrüche zum Beispiel, die Kinder so erschrecken, hat sich eine Mutter nicht ausgesucht, doch wenn sie nichts für eine Veränderung tut, ist das eine Schuld wider besseren Wissens. Genauso wenn ein Vater über Jahre innerlich abwesend ist, weil ihn seine Affäre beschäftigt und die Komplikationen, die sie in sein Leben bringt.

Viele Menschen können wohl nur eine gute Form von Verdrängung suchen, die das wahrnimmt, was man heute eingestehen und ändern kann, und alles andere möglichst vergisst: Das Leben geht weiter, wenn man Altes hinter sich lässt, für Eltern und für Kinder. Als Christ glaube ich, dass Eltern einen Zugang zu Gottes Vergebung haben. Doch das nimmt die Last der Schuld nicht automatisch weg. Denn Eltern sehen bei ihren Kindern vielleicht weiterhin Probleme, zu denen ihr Verhalten beigetragen hat. Je nach biblisch-seelsorgerlicher Tradition, in der die eigene Kirchengemeinde steht, sehen die Wege etwas anders aus, auf denen gläubige Menschen von Schuld frei werden. Wer sehr belastet ist, profitiert vielleicht von einer Seelsorge oder geistlichen Begleitung.

Unsere Fähigkeit, Schuld zu bewältigen, und unsere Fähigkeit, Verantwortung für das zu übernehmen, was wir als Eltern tun und lassen, bedingen einander: Nur wer aushalten kann, was er hört, kann aufrichtig fragen, warum es seinem Teenager nicht gut geht. Doch warum sollte uns die Liebe zu unseren Kindern dazu nicht befähigen? Und gehört nicht auch das zu einer starken Ehe: einander bei der Bewältigung von Schuld unterstützen?

Jörg Berger ist Psychologe, Psychotherapeut und Autor, unter anderem von „Meine Stacheln. Wie Sie Ihre Schwächen entschärfen“.

 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/07/Teenager-Depression.jpg 1281 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2025-07-17 10:40:192025-07-17 10:40:19Psychische Probleme bei Teenagern: Sind Eltern schuld daran?

Einzelkind: Sind wir eine „richtige Familie“?

Familien mit einem Einzelkind fühlen sich oft als Eltern zweiter Klasse. Dabei sind viele Klischees schon seit langem widerlegt. Familienberaterin Anna Hofer erklärt, warum sich Familien mit Einzelkind nicht rechtfertigen müssen.

Familien mit zwei Kindern bilden die größte Gruppe unter den Familien mit Kindern und sind maßgeblich für die Wahrnehmung in unserer Gesellschaft. Obwohl Familien mit einem Kind die zweitgrößte Gruppe darstellen, halten sich negative Klischees zu Einzelkindern weiterhin sehr hartnäckig. Dazu zählt zum Beispiel, dass Einzelkinder weniger sozial seien oder sich egoistischer verhalten, was damit erklärt wird, dass sie ohne Geschwister nicht richtig teilen lernen könnten. Auch werden Einzelkind-Eltern von der Annahme verunsichert, dass ihre Kinder einsam seien, sowohl in jungen Jahren als auch im späteren Erwachsenenleben in Bezug auf die Pflege oder Trauer um ihre Eltern.

Gut eingebunden

Diese Klischees lassen sich jedoch nicht belegen. Tatsächlich sind die Vorurteile gegenüber Einzelkindern schon seit den 1980er-Jahren widerlegt. Denn Einzelkinder wachsen in vielen Bereichen gar nicht so viel anders auf als Kinder mit Geschwistern. Sie haben ab dem frühen Kleinkindalter die Möglichkeit, mit anderen Kindern in der Kita oder bei einer Tagesmutter zu spielen. Sie verbringen Zeit gemeinsam mit Gleichaltrigen auf dem Spielplatz oder in Eltern-Kind-Kursen.

Ihre sozialen Fähigkeiten scheinen in einem Punkt sogar stärker ausgeprägt zu sein: Sie wissen um die Bedeutung von Freundschaft und zeigen hier ein hohes Maß an Geduld, Nachsicht und die Fähigkeit zu Kompromissen. Auch wenn wir uns heute mit unseren kleinen Kindern nicht vorstellen können, dass sie eines Tages erwachsen und selbstständig sind, dürfen wir uns darauf verlassen, dass sie gut eingebunden sein werden. Nämlich in das soziale Netzwerk, dass sie sich aus Partnern, Freundinnen und Kollegen geschaffen haben. Sie werden nicht allein sein, wenn ihre Eltern sterben.

Eine richtige Familie!

Leider fühlen sich Familien mit einem Kind nicht selten als Eltern zweiter Klasse. Sie sind die, die noch keine richtige Familie sind. Diejenigen, die es sich mit „nur“ einem Kind leicht machen. Es sind die, die egoistisch sind, weil sie ihrem Kind kein Geschwister schenken. Familie, Freunde, Arbeitskollegen oder Bekannte gehen häufig davon aus, dass auf ein erstes Kind auf jeden Fall ein weiteres folgen wird – und zwar so selbstverständlich, wie auf das Einatmen ein Ausatmen folgt.

Wir müssen uns nicht davon verunsichern lassen, wenn unser Gegenüber überrascht darauf reagiert, dass wir uns als Familie mit einem Kind komplett fühlen. Es ist jedoch mehr als verständlich, dass sich Eltern davon irritieren lassen. In einem solchen Fall hilft es, für sich klar zu wissen, warum man sich für dieses Familienmodell entschieden hat.

Niemand muss sich rechtfertigen

Die guten Gründe für mehr als ein Kind liegen zum Beispiel nicht mehr so selbstverständlich auf der Hand, wie es in der Vergangenheit mal war. Unser modernes Leben stellt sehr hohe Anforderungen an Familien. Außerdem gibt es zahlreiche individuelle Gründe, bei einem Kind zu bleiben – für keinen davon muss man sich rechtfertigen!

Wir dürfen uns also nicht nur die Frage stellen, was besser für unser Kind ist, sondern sollten uns fragen, was sich gut für unsere Familie anfühlt. Durch diese Frage wird deutlich, was es für alle Familienmitglieder bedeuten würde, wenn ein weiteres Kind hinzukommt. Und diese Frage ist entscheidend, damit wir uns bewusst machen, was wir als Eltern wollen.

Anna Hofer ist Familienberaterin und Autorin des Buches „Mein fabelhaftes Einzelkind. Warum Kinder auch ohne Geschwister glücklich groß werden“ (Kösel).

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/06/GettyImages-2194299003.jpg 1134 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-07-16 14:43:012025-07-16 14:43:01Einzelkind: Sind wir eine „richtige Familie“?

Late Talker: So fördern Sie die Sprachentwicklung

Kinder, die mit zwei Jahren noch nicht sprechen können, sind sogenannte „Late Talker“. Für Eltern muss das meist kein Grund zur Sorge sein.

Alle Kinder entwickeln sich in einem unterschiedlichen Tempo. Dennoch gibt es bestimmte Meilensteine in der Sprachentwicklung. Ab circa sechs Monaten fangen Kinder an, erste Silben wie „bababa“ zu bilden. Danach folgen in der Regel Einwortsätze wie „Mama“ und „Bagger“, die teilweise undeutlich ausgesprochen werden. Mit zwei Jahren sprechen Kinder meist etwa 50 Wörter und beginnen teilweise auch schon einfache Wortkombinationen zu bilden, wie zum Beispiel „Puppe weg“.

Wenn ein Kind diesen Sprachschatz noch nicht erreicht hat, spricht man ab circa dem zweiten Geburtstag von einem sogenannten „Late Talker“. Wichtig: Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt. Viele Late Talker holen den Rückstand im dritten Lebensjahr von selbst auf.

Sprachentwicklung im Alltag fördern

Allerdings gibt es Kinder, bei denen die verzögerte Sprachentwicklung auf längerfristige Schwierigkeiten hinweist. Besonders aufmerksam sollten Eltern sein, wenn das Kind auch Schwierigkeiten im Sprachverständnis hat, wenig mit Gesten kommuniziert oder wenig Interesse an sprachlichen Interaktionen oder auch Liedern zeigt. Auch eine familiäre Veranlagung zur Sprachentwicklungsstörung kann ein Hinweis sein, dass eine genauere Beobachtung oder spezielle Förderung sinnvoll sein könnte.

Die gute Nachricht ist: Eltern können die Sprachentwicklung ihres Kindes von Anfang an aktiv fördern – und das ganz ohne Druck, sondern spielerisch im Alltag. Hier fünf Tipps:

  • Sprache einbinden: Beim Anziehen, Essen oder Spielen können Sie benennen, was Sie tun oder Ihr Kind tut. „Jetzt ziehe ich dir deine Mütze an“ oder „Ich nehme dich aus dem Kinderwagen“. Dies fördert den passiven Wortschatz, der den Grundstein für das Sprechen legt.
  • Erweiterndes Sprechen: Wiederholen Sie einfach immer mal wieder, was Ihr Kind sagt oder versucht zu sagen und ergänzen Sie es. Sagt Ihr Kind „Ball“, antworten Sie: „Ja, das ist ein großer roter Ball!“
  • Korrektives Feedback: Wenn Ihr Kind etwas falsch sagt oder ausspricht, korrigieren Sie es NICHT, indem Sie sagen „Das heißt SCHnecke, nicht Snecke, sag mal SCHNECKE!“, sondern wiederholen Sie es einfach richtig. „Ja genau, die Schnecke sitzt unter dem Ast.“ So kann das Kind es korrekt hören und wird es in der Regel von selbst irgendwann richtig aussprechen.
  • Gemeinsam Bilderbücher anschauen: Zeigen Sie auf Abbildungen, benennen Sie Dinge und erzählen Sie etwas dazu aus Ihrem Alltag. „Heute haben wir auch einen Bagger gesehen.“ Nutzen Sie auch Reimspiele und Kinderlieder – und wiederholen Sie diese immer wieder.
  • Geduld haben: Manche Kinder brauchen einfach etwas länger. Warten Sie ab, bevor Sie für Ihr Kind sprechen, und geben Sie ihm Zeit, eigene Wörter zu finden.

Wann professionelle Hilfe nötig ist

Wenn Ihr Kind mit zweieinhalb bis drei Jahren weiterhin kaum spricht oder nur wenige Wörter benutzt, kann eine logopädische Beratung sinnvoll sein. Besonders wichtig ist eine Abklärung, wenn das Kind Schwierigkeiten im Sprachverständnis hat, nur wenig mit Mimik und Gestik kommuniziert oder wenn es große Frustration beim Sprechen zeigt.

Frühe Förderung kann helfen, eine mögliche Sprachentwicklungsstörung rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt oder einer Fachkraft für Sprachtherapie, wenn Sie unsicher sind.

Carina Neumann ist Sprachentwicklungsexpertin. Sie arbeitet als Dozentin und Speakerin für pädagogische Themen und lebt in München.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2025/06/Mama-Sohn-vorlesen.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2025-07-10 14:47:102025-07-10 14:47:10Late Talker: So fördern Sie die Sprachentwicklung

Gewaltfreie Kommunikation: Diese 4 Schritte helfen zum Familienfrieden

Gedankenlose Kommentare führen in Konfliktsituationen schnell zur Eskalation. Gewaltfreie Kommunikation hilft, dies zu vermeiden. Eine Expertin verrät, wie es funktioniert.

Ich kenne, nutze und übe Gewaltfreie Kommunikation (GFK) seit etwa fünf Jahren. Es ist ein Kommunikationskonzept, das von dem amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. Wenn ich Menschen, die GFK nicht kennen, begeistert davon erzähle, ernte ich meist irritierte Blicke. Der Begriff führt leicht zu Missverständnissen. Kommuniziert jemand, der GFK nicht kennt, automatisch gewalttätig? Das wird oft als Vorwurf verstanden und löst wenig Begeisterung aus.

Begriffe wie „kooperative Kommunikation“, „wertschätzende Kommunikation“, oder „Sprache der Verbindung“ würden den Kern der Methode auch treffend beschreiben. Marshall B. Rosenberg erkannte dieses Dilemma, aber der Name war schon sehr verbreitet. Er wurde ursprünglich in Anlehnung an Mahatma Gandhis Konzept des Nicht-Verletzens gewählt.

Am Anfang war die Gewaltfreie Kommunikation für mich ein Werkzeug. Ich suchte nach Lösungen, wie wir in unserer Patchworkfamilie mit sechs Kindern – damals zwischen sechs und sechzehn Jahren – besser mit Konflikten umgehen konnten. Meistens waren es Kinderthemen, die zu Paarkonflikten wurden und sich auf die Stimmung im Haus auswirkten. Wir hatten wenig Möglichkeiten, da wieder herauszukommen, außer abzuwarten. Aber dann kam schon das nächste Thema. Wir begannen mit einem Einführungsseminar über GFK.

Gewaltfreie Kommunikation in vier Schritten

GFK als Werkzeug betrachtet, bietet im Grundsatz vier Schritte an:

  • Beobachtung
  • Gefühl
  • Bedürfnis
  • Bitte

Wenn ich etwas von jemandem möchte, klären oder besprechen will, beginne ich mit einer Beobachtung. Möglichst objektiv benenne ich nur das, was auch eine Kamera beobachten würde. Wenn ich an dieser Stelle mit meiner eigenen Bewertung beginne, kann es sein, dass mein Gegenüber einen Vorwurf hört, sich angegriffen fühlt und sofort in den Verteidigungsmodus schaltet.

Danach nenne ich mein Gefühl, wie ich mich in der Situation fühle und mein Bedürfnis, warum mir das wichtig ist. Mit Bedürfnissen sind Dinge wie Freiheit, Zugehörigkeit, Sicherheit, Ruhe, Anerkennung, Gemeinschaft gemeint. Über Bedürfnisse kann man nicht streiten, wohl aber über die Strategien, mit denen jeder versucht, seine Bedürfnisse zu erfüllen. Jeder mag seine Lieblingsstrategie im Kopf haben, aber grundsätzlich gibt es immer Alternativen. Marshall B. Rosenberg ist davon überzeugt, dass man das Problem nicht verstanden hat, wenn man nur eine Strategie zur Lösung eines Problems oder zur Erfüllung eines Bedürfnisses kennt. Wenn man also weiß, worum es jedem geht, eröffnen sich mehr Möglichkeiten und man ist der Lösung schon viel näher.

Der vierte Schritt ist die Bitte. Sie wird oft vergessen, ist aber sehr kraftvoll. Es gibt verschiedene Arten von Bitten. Es ist wichtig zu prüfen, ob man eine echte Bitte ausspricht oder doch insgeheim eine Forderung, nur hübscher formuliert. Eine echte Bitte kann ohne Konsequenzen abgelehnt werden. Das gilt auch für Jugendliche. Umso schöner ist es, wenn sie Bitten freiwillig erfüllen, weil sie verstehen, worum es mir geht.

Konflikte lösen

Konflikte sind normal. Gewaltfreie Kommunikation bedeutet nicht, dass wir uns in Watte packen. Im Gegenteil, GFK sorgt oft für die entscheidende Klarheit und ist eine Hilfe, um gut aus einem Konflikt herauszukommen. Wenn ich in einer akuten Konfliktsituation stecke, eine Provokation oder einen Vorwurf höre, habe ich verschiedene Möglichkeiten zu reagieren:

  • Selbstempathie: Ich finde es unmöglich, was da gerade passiert und atme erst einmal tief durch. Warum trifft mich das so? Wie fühle ich mich gerade? Welches Bedürfnis habe ich? Der Fokus liegt bei mir, ich reflektiere kurz. Es hilft, etwas Pfeffer aus der Situation zu nehmen, um gelassener reagieren zu können.
  • Ehrlicher Selbstausdruck bzw. Aufrichtigkeit: Ich reagiere auf die Situation mithilfe der vier Schritte. Aus meiner Sicht schildere ich die Beobachtung, mein Gefühl, mein Bedürfnis und eine Bitte. Wenn es mir vor allem um den Kontakt mit der anderen Person geht, könnte eine Kontaktbitte zum Beispiel lauten: „Wie geht es dir, wenn du das von mir hörst?“ Der Fokus liegt bei mir, denn ich möchte mit meinem Anliegen gesehen werden.
  • Empathie: Ich antworte mit Fokus auf den Gefühlen und Bedürfnissen des anderen. Empathie ist der Schritt, der Mauern einreißt und Verbindung ermöglicht. Um aus Konfliktsituationen wieder herauszukommen, braucht es jemanden, der bereit ist, als Erstes auf den anderen zuzugehen und empathisch zuzuhören.

Empathie hilft zu verstehen

Empathie bedeutet, bereit zu sein, mein Gegenüber wirklich zu verstehen, sich einzufühlen in das Gegenüber, zu versuchen, in seinen Schuhen zu stehen, durch seine Augen zu sehen. Rosenberg hat Empathie als „den Verstand leer machen und mit dem ganzen Wesen zuhören“ beschrieben. Wichtig ist hierbei, mal nichts zu sagen, keine Ratschläge zu geben, keine Lösungen zu präsentieren, sondern einfach meine Präsenz zu schenken.

Es ist, als wäre man Gast im Haus des anderen: Man schaut sich neugierig um, lernt das Haus kennen, fragt nach den Hintergründen. Es bedeutet nicht, dass man die Dinge, die man in diesem Haus sieht, gut finden muss. „Verstehen heißt nicht automatisch einverstanden sein“ lautet der Grundsatz. So kann ich, oft auch in Situationen mit Jugendlichen, interessiert zuhören, den anderen verstehen, auch wenn ich es selbst nicht gut finde. Allein das Verstehen hilft, dass sich mein Gegenüber gesehen fühlt, dass es ihm besser geht und wir im Gespräch bleiben.

Wenn ein Jugendlicher mit einem unfreundlichen „Chill mal“ um die Ecke kommt, muss das kein Vorwurf an mich sein. Vielleicht ist es ein Ausdruck seines Bedürfnisses nach Ruhe. Das Bild, dass Vorwürfe nur Verpackungen für unerfüllte Bedürfnisse sind, hilft mir, damit besser umzugehen. Wenn ich aufgebracht bin, gelingt es mir nicht, empathisch auf andere zu reagieren. Genauso, wenn mein Energietank leer ist. Dann werde ich daran erinnert, dass GFK ein ständiges Entwicklungsfeld bietet. Um Empathie geben zu können, brauchen wir selbst Empathie. Sich selbst Empathie geben zu können, ist besonders schwierig und gleichzeitig sehr hilfreich.

Auf die innere Haltung kommt es an

Rosenberg ging es in seinem Konzept um die innere Haltung, mit der wir uns selbst und anderen Menschen begegnen wollen, um mehr Kooperation, Gemeinschaft und Freude im Zusammenleben. Spätestens hier entfaltet sich die Gewaltfreie Kommunikation als Weg zur Persönlichkeitsentwicklung. Sie hilft, sich selbst und andere besser zu verstehen. Mit einem oder mehreren Seminaren ist es nicht getan. Es ist Übungssache, wie wenn wir eine neue Sprache lernen. Durch weiteres Üben und tieferes Einsteigen in die Thematik werden die eigenen Gefühle und Bedürfnisse weiter erforscht. Je besser das gelingt, desto besser kann man unerfüllte Bedürfnisse benennen und geeignete Strategien finden, um sie zu erfüllen.

Unsere Kinder haben den Vorteil, dass sie diese Haltung bereits als Jugendliche erfahren. Sie erleben, wie wir über unsere Gefühle und Bedürfnisse sprechen, sie danach fragen, und üben so, selbst Worte für ihre Empfindungen zu finden. Ein wertvoller Wortschatz.

Andere begleiten

Mit Gewaltfreier Kommunikation kann ich meine eigene Kommunikation und Haltung reflektieren. Es gibt aber auch Hilfsmittel und unterstützende Fragen, mit denen ich anderen helfen kann, aus schwierigen Situationen einen guten Ausweg zu finden. Das gilt für Ärger und Wut genauso wie für Enttäuschungen und Trauer. Wir versuchen dabei gemeinsam herauszufinden, worum es dem anderen im Innersten geht, sodass es leichter wird, damit umzugehen.

Meine eigene GFK-Reise umfasste nach dem Einführungsseminar eine erste GFK-Familienfreizeit, in der wir das Konzept gemeinsam erleben und lernen durften, sowie eine Jahresausbildung. Für regelmäßige Übungsgruppen, die es überall (auch online) gibt, fehlte mir die Zeit. Die Familienfreizeit wurde bald zu unserem gemeinsamen Highlight des Jahres. Hier erleben und üben wir GFK nicht nur im Seminarraum, sondern im Miteinander. Auch die Kinder lernen die Gemeinschaft und den respektvollen Umgang miteinander sehr zu schätzen. Inzwischen bringen meine Familie und ich uns aktiv in die Organisation dieser Freizeit ein.

GFK schafft Nähe und Verbindung untereinander. Wir lernen uns besser kennen, verstehen uns besser und haben die Sicherheit, auftretende Konflikte gut lösen zu können. Für unsere Familie hat GFK wesentlich zu mehr Familienfrieden beigetragen und vor allem unsere Paarbeziehung gestärkt.

Clara Röder ist Beraterin für Arbeitssicherheitskultur, Mutter und Bonusmutter von sechs Kindern und Organisatorin der GFK-Familienfreizeit „FamilieTanken“ (familietanken.de).

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