Zusammen übernachten?
„Unser Sohn (17) möchte gern, dass seine Freundin bei ihm übernachtet. Die Eltern der Freundin haben kein Problem damit, aber wir sind unsicher, ob wir das erlauben sollen.“
Tattoo – Ja oder Nein?
„Unsere Tochter (16) will sich ein Tattoo stechen lassen. Wir sind dagegen. Das findet sie natürlich total altmodisch. Hat sie recht?“
Zu viel Zeit für PC und Co?
„Meine Tochter (16) hängt nachmittags gern am PC ab und hat deshalb weniger Zeit für Freunde im ‚real life’. Auch befürchten wir, dass sie abends nicht zum Abschalten kommt. Nun wollen wir nicht einfach nur reglementieren. Wie können wir sinnvoll helfen?“
Privatsphäre
„Meine Tochter (16) zieht sich immer mehr zurück. Sie erzählt kaum noch etwas und reagiert abwehrend auf Nachfragen. Ich versuche herauszufinden, was mit ihr los ist und habe auch schon in ihrem Handy persönliche Nachrichten gelesen. Aber eigentlich will ich das gar nicht …“
Gut begleitet
„Unsere Tochter möchte den Führerschein mit 17 machen und die Möglichkeit des begleiteten Fahrens nutzen. Was sind die Vor- und Nachteile? Und was müssen wir als Eltern beachten?“
Kreative Familien-Action
„Wir würden gern mehr Zeit mit unseren Jugendlichen (16 und 18) verbringen. Habt ihr Ideen, was wir tun können?“
Uns macht es viel Spaß, gemeinsam etwas Neues auszuprobieren. Ein Besuch im Klettergarten ist herausfordernd und gemeinschaftsstärkend. Wir lieben es, ein Kanu für einen Tag zu mieten und damit über einen Fluss zu schippern. Toll, wenn auch nicht ganz billig, ist der Besuch einer Kartbahn oder eines Bogenschießclubs. Gemeinsame Wanderungen kann man aufmotzen durch gegenseitige Fotoshootings mit spektakulären Sprungbildern vorm Sonnenuntergang. Da machen sogar ansonsten fotoscheue Jungs gern mal mit.
Tag am Fluss
Unser Familienfavorit bei schönem Wetter ist aber ganz eindeutig der „Tag am Fluss“. Bepackt mit Decken, Picknick, Taschenmessern, Kordeln, Gitarre usw. suchen wir uns ein schönes, sonniges Plätzchen irgendwo an einem Fluss. Nach dem Aufbau des „Lagers“ ist den ganzen Tag über nichts wichtiger als Dämme aufschichten, Steinmänner bauen, schnitzen, lesen, träumen, essen und trinken und als Krönung ein abendliches Feuer mit singen und in-die-Sterne-gucken. Eine Variante ist es, den Tag mit einem Spiel zu beginnen: Jeder baut aus Naturmaterialien ein kleines Floß, das man um die Wette schwimmen lässt. Der Sieger ist „König“ und darf sich den Tag über von den anderen bedienen lassen. Unsere „Männer“ lieben es auch, über irgendein technisches Problem zu fachsimpeln. Beim letzten Mal haben sie ein voll funktionstüchtiges Wasserrad gebaut – herrlich sinnfrei und doch so erfüllend.
Outdoor-Spiele
Für „Straßenmühle“ werden kleine runde Steine gesucht und verschieden angemalt (einfache Filzstifte reichen aus). Dann malt man mit Kreide das Spielbrett auf eine Straße oder Asphaltfläche und los geht’s. Ähnlich geht das mit dem „Mensch-ärger-dich-nicht“ in Lebensgröße. Da sind wir selbst die Spielfiguren, die über das mit Kreide gemalte Straßen-Spielbrett gehen (gegenseitiges Rausschmeißen selbstverständlich inbegriffen!). Auch „Montagsmaler“ oder die guten alten „Galgenmännchen“ kann man wunderbar auf der Straße spielen.
Puddingparty
Sollte das Wetter noch ungenießbarer sein als die Launen unserer Jugendlichen, planen wir gerne die nächste Puddingparty. Jeder darf einen Freund einladen, und dann werden viele verschiedene Desserts gemacht. Zur Puddingparty gehören bei uns jede Menge Spiele. Am Abend ist uns schlecht vom Puddingessen und vielen Lachen. Schön ist auch der Familien-Galaabend. Jeder ist für einen Gang beim Menü zuständig, und alle erscheinen in festlicher Garderobe. Beim Essen erzählt jeder ein Erlebnis, das noch kein anderer kennt – witzig oder nachdenklich –, egal, Hauptsache, man lernt sich wieder von einer neuen Seite kennen. Krönen kann man den Abend mit einem Vintage- Schrottwichteln, bei dem jeder ein Schrottgeschenk mitbringt, das irgendwie witzig ist. Dann wird der Reihe nach gewürfelt und bei jeder Sechs wird ein Paket ausgepackt und später, wenn alle ausgepackt, sind, muss man bei einer Sechs mit einer anderen Person sein Geschenk tauschen. Wenn der Wecker nach genau zwanzig Minuten klingelt, behält jeder sein Geschenk. Eigentlich braucht es keinen Anlass zu so einem Fest, warum sollte man sich nicht einfach mal so zwischendurch als Familie feiern und etwas ganz Neues oder Verrücktes ausprobieren?
Valerie Lill ist Mutter von drei Söhnen zwischen 16 und 19 Jahren. Sie arbeitet als Musikerin und Musiktherapeutin und lebt mit ihrer Familie in Meinerzhagen.
Easy Rider
Vielen Eltern wird es angst und bange, wenn ihre jugendlichen Kinder einen Zweiradführerschein machen wollen. Besonders in ländlichen Regionen ist dies die einfachste und billigste Möglichkeit, Mobilität und damit Unabhängigkeit zu erlangen. Ein Roller- Führerschein ist der Wunsch vieler 15-Jähriger. Mit 16 ist es dann der Führerschein Klasse A1 (Kleinkraftrad bis 125 Kubik). Und wenn die Schützlinge mit 18 Jahren noch immer nicht genug haben, ist es möglicherweise der Motorradführerschein.
Mulmiges Gefühl
Manche Eltern teilen die Leidenschaft ihrer heranwachsenden Kinder und sind selbst Besitzer eines Motorrads. Doch die meisten Eltern haben ein mulmiges Gefühl. Zu groß sind die Gefahren im Straßenverkehr und zu schwerwiegend die Folgen eines Motorradunfalls. Laut statistischem Bundesamt ist die Zahl der Verkehrstoten in den letzten zehn Jahren allerdings kontinuierlich zurückgegangen. Das ist die gute Nachricht. Mit einer Abnahme von 17,2 Prozent stehen die Motorradfahrer im Jahr 2012 sogar an der Spitze dieser Statistik. Immerhin! Und dennoch – kein Grund zum Jubeln. Die Zahl der getöteten Mofa- und Moped-Benutzer ist nämlich alarmierend hoch. Bei dieser Zielgruppe stieg die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer sogar um 32,9 Prozent. Das ist die schlechte Nachricht. Andererseits – Gefahren lauern überall. Im Haushalt, beim Sport, bei der Arbeit und nicht zuletzt im Straßenverkehr. Wir können unsere Kinder nicht in Watte packen. Und dennoch – Eltern ist es nicht egal, ob sich ihre Schützlinge unnötigen Gefahren aussetzen oder mit Vorausschau durchs Leben gehen.
Gefahren und Risiken
Was können Eltern tun? Ein Verbot allein ist ja bekanntlich keine Lösung. Bleiben Sie mit Ihrem Kind im Gespräch, und halten Sie mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. Sprechen Sie über die Gefahren und Risiken. Reden Sie über Ihre Sorgen, ohne zu übertreiben. Scheuen Sie sich nicht, sich klar zu positionieren. Aber lassen Sie sich dabei nicht von der Angst gefangen nehmen.
(…)
„Es tut so weh – und es tut so gut!“
Wenn Jugendliche sich selbst verletzen
Trotz warmen Sommerwetters trägt Melli immer einen langärmeligen Pullover, mit dem sie ihr „schlimmes Geheimnis“ verbirgt. Sie kennt diese beschämenden Blicke, hochgezogenen Augenbrauen und das Unverständnis: Warum tust du sowas?
Nur bei ein paar Kumpels ist es anders. Die ritzen sich auch, und manchmal erzählen sie sich von den verlorenen Kämpfen. Wenn das Einschlafen schwer fällt, wenn sie sich mutterseelenallein fühlen, und „es“ eigentlich nicht tun wollen – dann aber trotzdem tun. Mit scharfen Gegenständen so lange an der Haut reiben, bis diese großflächig abgeschabt ist. Oder mit einer Rasierklinge einen Schnitt nach dem anderen, immer an den gleichen Stellen, bis es blutet. Das gute Gefühl, wenn während der Selbstverletzung der körperliche Schmerz fast nicht spürbar ist und für eine Weile der seelische Schmerz zu verschwinden scheint. Und wie es danach höllisch weh tut. Und dann tauschen sie Tipps aus – fürs Verarzten der eigenen Wunden, und manchmal auch, wie man sich Schmerz zufügen kann, mit weniger sichtbaren Verletzungen. Worüber sie nicht reden: was innen, tief in der Seele, schmerzt und quält.
Zunehmend unkontrollierbar
Selbstverletzung ist eine Epidemie, aber keine „Mode“. Wer denkt, das sei nur eine Phase, unterschätzt die enormen Risiken, die die weitere Persönlichkeitsentwicklung bedrohen: Fremd- und Selbstbeschämung, schlechter Selbstwert, soziale Isolation, Ausgrenzung, Alkohol-, Schmerzmittel- und Drogenmissbrauch, Essstörungen, Depressionen, Selbstmordgefährdung etc.
Den vollständigen Artikel können Sie in der aktuellen Ausgabe der Family nachlesen.
Ein wenig Freund – ein wenig Eltern
Wie eine ganz besondere Beziehung entstehen kann
„Wenn alles gut geht, dann investierst du gut zehn Jahre in dein Kind, und anschließend hast du einen lebenslangen Freund an deiner Seite.“ So ähnlich habe ich es neulich gelesen. Auf dem Weg zu dieser außergewöhnlichen Freundschaft ist die Pubertät eine besondere Zeit. Im Miteinander mit den Kindern kommt dort beides zum Zug: mein Freundin-Werden und mein Mama-Sein.
Meine Kinder haben mit 13 und 17 Jahren diese Schwelle der „gut zehn Jahre“ bereits überschritten. Ich spüre an vielen Stellen, dass wir langsam Freunde werden. Neulich sitze ich am Küchentisch mit meiner Großen, sie erzählt etwas und plötzlich sagt sie: „Mama, ist was passiert? Du guckst so traurig.“ Eigentlich hatte ich gedacht, ich könne ihr meinen Kummer verheimlichen, aber das ging dann nicht mehr. Mit kurzen Worten konnte ich sie mit hineinnehmen, ihr das sagen, was ich preisgeben wollte. Und sie? Stand auf, drückte mich und sagte ihren Kommentar. Es war das erste Mal, dass mein fast erwachsenes Kind mich in dieser Tiefe getröstet hat. Eine völlig neue Erfahrung!
„Stolz auf dich“
Einige Monate zuvor: Wir sind in unserer alten Heimat, in der ich eine Lesung aus meinen Büchern halte. Mein Sohn macht den Büchertisch. Als alles vorbei ist und wir wieder nach Hause fahren, kommt vom Rücksitz eine Stimme: „Du, Mama, ich bin richtig stolz auf dich!“ Ich schlucke, wende den Kopf nach hinten, ob ich mich vielleicht verhört habe. Denn das ist ja nun nicht das Übliche, was man von einem 13-Jährigen zu hören bekommt. Aber ich habe mich nicht verhört. Selten hat mich ein Lob so beflügelt wie dieses.
Natürlich ist diese Freundschaft anders als meine anderen Freundschaften; das wird vielleicht auch so bleiben. Meine Kinder und mich trennen viele Jahre und auch viele Welten. Aber trotzdem wächst hier ein neues Miteinander, in dem Kinder nicht nur Empfangende sind. Es steht uns als Eltern gut an, wenn wir den neuen Ton bemerken und darauf eingehen. Denn das wünschen sich doch die Teens, wenn sie so auf uns zukommen. Letztlich wird es darum gehen, auf einer neuen Ebene miteinander umzugehen.
Verantwortung übertragen
Trotzdem bin ich natürlich „Mama“ meiner jugendlichen Kinder. Beispielsweise versorgen wir als Eltern unsere Kinder mit dem, was sie brauchen. Vor allem bin ich eine Mama, an der man sich reiben kann: Ich setze Grenzen, wann jemand nach Hause kommen soll oder wie lange die Medien benutzt werden können. Ich möchte Halt geben in so manchen Auseinandersetzungen, die mitunter auch keinen Spaß machen. Ich muss Konsequenzen einfordern, wenn Dinge, die wir besprochen haben, gar nicht gut gelaufen sind.
Außerdem muss ich meinen Teens Verantwortung übertragen: Sie sollen lernen, Termine selbst im Kopf zu behalten oder sich mit Bus und Bahn allein und sicher zu bewegen. Ich möchte sie ermutigen, weil sie vielen Anforderungen gerecht werden müssen in unserer hektischen Welt. Ich möchte sie loben, weil ich immer wieder über ihre Gaben und Eigenschaften staune und mich daran freue.
Einige dieser Mama-Aufgaben machen richtig viel Spaß. Wer genießt es nicht, wenn der eigene Sprössling in einem Konzert Erfolg hat oder einen Gottesdienst super moderiert? Andere Mama- Aufgaben sind nicht so lustig. Die gehören halt dazu.
Manchmal kann ich sie umso leichter ausfüllen, weil ich eben auch das andere miterlebe: Wir werden langsam ein wenig Freunde! Mal sehen, wohin das noch führt …
Kerstin Wendel ist Autorin und Referentin und lebt mit ihrer Familie in Wetter an der Ruhr.



