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Artikel aus den Heften

Mutter adoptiert pflegebedürftiges Kind: „Ich wollte dieses kleine Menschlein festhalten“

Als Claudia Staudt die kleine Lena im Arm hält, ist für sie klar: Sie möchte ihre Mama werden. Dass Lena lebenslang pflegebedürftig sein wird, ändert nichts an ihrer Entscheidung.

Lena Marie. Lena. Lenchen. Mein Baby. Unsere Tochter. Unser großes Mädchen, das mit den ersten Launen der Pubertät kämpft, Sitzski fährt und allein ihre Assistenzhündin führt. Lena ist ein so bemerkenswertes Mädchen. Und bemerkenswert ist auch unsere Geschichte. Bis heute kann ich es manchmal kaum glauben, dass ich Mama dieses tollen Wesens sein darf. Dass ich überhaupt Mama sein darf.

Das winzigste Baby

Als mein Mann und ich unsere Tochter kennenlernten, war sie schon beinahe drei Monate alt. Und doch war sie das winzigste Baby, das ich je gesehen habe. Sie trug Kleidergröße 50 und versank darin. Lena war vier Monate zu früh zur Welt gekommen und hatte während der Geburt Hirnblutungen erlitten. Die Ärzte hatten so schwere Schädigungen des Hirns diagnostiziert, dass sehr schnell klar gewesen war, dass Lena zeitlebens schwere Beeinträchtigungen haben würde. Lenas leibliche Eltern hatten sie daraufhin zur Adoption freigegeben, und das Jugendamt hatte sie bei einer Bekannten unserer Familie untergebracht. Wir kannten Regina aus unserer Kirchengemeinde, sie nahm häufiger Kinder auf. Aus Familien, in denen es schwer war. Oder Babys, die weitervermittelt wurden. Und nun war Lena bei ihr. An einem Sonntag im März 2013 lag sie in meinen Armen. Ich roch an ihrem Haar, streichelte sanft über ihren kleinen Bauch und hörte zu, wie Regina berichtete, dass die Behörden keine Adoptiveltern für dieses kleine Mädchen finden konnten. Keiner wollte ein Baby adoptieren, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lebenslang ein Pflegefall bleiben würde. Die vergangenen drei Monate hatte dieses kleine Mädchen allein auf der Neonatologie gelegen. Sie hatte nach einer Frühgeburt in der 27. Schwangerschaftswoche um ihr Leben gekämpft, ihren Zwillingsbruder verloren und niemanden gehabt, der ihr sagte, dass er sie liebt. Und nun sollte sie den Rest ihres Lebens in einem Heim verbringen? Würde man da auch mehrmals die Woche mit ihr zu ihren Therapien gehen, wie Regina es tat? Alles in mir wehrte sich gegen diese Vorstellung.

Hals über Kopf verliebt

Mein Mann und ich hatten eine jahrelange Reise durch die Labore einer Kinderwunschklinik hinter uns. Hormonbehandlungen, künstliche Befruchtungen und Fehlgeburten hatten in den vergangenen Jahren unseren Alltag bestimmt. Unser sehnlichster Wunsch war es, einem Kind Liebe zu schenken und es in die Welt zu begleiten. Hier war nun dieses bezaubernde, hilflose Wesen, und niemand wollte ihm ein Zuhause geben? Wir wollten es. Ich wollte dieses kleine Menschlein festhalten, ihm immer wieder versichern, dass es nicht allein ist. Mein Mann und ich hatten uns Hals über Kopf in Lena verliebt und wollten für Lena da sein, sie glücklich machen, ihr helfen. Wir sprachen miteinander, mit Freunden und der Familie. Sprachen mit Regina. Wir stellten uns vor, wie es wäre, Lenas Eltern zu sein. Malten uns aus, wie das Leben mit einem schwer behinderten Kind aussehen könnte. Zeichneten Worst-Case-Szenarien und betrachteten sie. Schreckten sie uns ab? Nein. Hatten wir die Unterstützung unserer Freunde und Familien? Ja. Also gingen wir zum Jugendamt und erklärten, dass wir Lenas Eltern werden wollen. „Auf keinen Fall“, hieß es vonseiten des Jugendamtes. Man kenne uns schließlich gar nicht. Man könne uns nicht einfach so ein Kind geben. „Nein, nicht einfach so“, sagten wir. Aber man könnte uns doch wenigstens mal anschauen. Wir gaben nicht auf, wir kämpften, wir überzeugten das Amt, uns kennenzulernen. Endlose Gespräche, unzählige ausgefüllte Formulare und viele absolvierte Seminare später durfte Lena unsere Pflegetochter werden.

Anders als die anderen

Dass Lena anders war als die Babys in unserem Umfeld, die keine Behinderung hatten, war von Anfang an sehr deutlich. Wenn ich gefragt werde, wann wir merkten, dass das Leben mit Lena nicht so werden würde, wie wir uns unser Familienleben während unserer Kinderwunschbehandlungen vorgestellt hatten, sage ich, dass Anders gemeinsam mit Lena bei uns eingezogen ist. Angeklopft hatte es schon einige Jahre zuvor, das kleine Anders – nämlich mit unserem Gang ins Kinderwunschzentrum. Mit Lena aber nistetete es sich bei uns ein, war gekommen, um zu bleiben. Ich erinnere mich an die Babyschwimmkurse: Jede einzelne Stunde beendeten Lena und ich vorzeitig und verließen vor allen anderen fluchtartig das kleine Becken. Lena konnte die vielen Reize nicht verarbeiten. Das Wasser, das Lachen der anderen Kinder, der Gesang der Mütter – alles zu viel für sie. Anders war es auch mit Lena im PEKiP-Kurs. Während die übrigen Kinder von Woche zu Woche mobiler wurden, nach Gegenständen griffen, sitzen lernten und sich irgendwann an den großen bunten Spielquadraten hochzogen, lag Lena von Anfang bis Ende des Kurses in meinem Arm. Sie zeigte kein Interesse an der Bewegung, scheiterte daran, irgendetwas festzuhalten, und begann stets panisch zu brüllen, wenn ich ihren Körper auch nur ansatzweise von meinem entfernte. Ich litt. Nicht, weil ich mein Baby nicht jede Sekunde bei mir haben wollte. Nein, ich liebe es noch immer, an ihr zu riechen, sie an mich zu drücken und ihr über die dunklen Locken zu streicheln. Aber die anderen Kinder schienen so viel Freude an der Bewegung zu haben – und das wünschte ich mir für Lena auch.

Außen vor

Mit Lena wuchs auch Anders. Es nahm immer mehr Platz auf unserer Couch ein. Es begnügte sich nicht mehr damit, bei uns zu Hause zu sein, sondern spazierte mit uns durch die Straßen unseres Stadtviertels. Das war ungefähr zu der Zeit, als wir für Lena einen Rehabuggy bekamen. Ein sperriges und für mein Empfinden hässliches Teil. Das sei in grau eigentlich ganz schick, hatte der Rehatechniker bei der Erprobung gesagt. Glatte Lüge. Aber es bot Anders eine tolle Möglichkeit, sich beim Spazierengehen daran festzuhalten – alle anderen Familien hatten schicke moderne Buggys. Wir fielen also auf. Anders fiel auf. In der Kindergartenzeit sorgte Anders immer wieder für Tränen bei Lena und uns. Kindergeburtstage in der Kletterhalle, Playdates auf dem Spielplatz, die ersten Turnstunden – Lena war außen vor. Und mit Lena waren auch wir außen vor. Die Mamas der nicht behinderten Kinder unseres inklusiven Kindergartens waren großartig und luden mich immer mit ein, wenn sie sich trafen. Immer ging ich voller Vorfreude und Optimismus hin. Und immer kam ich enttäuscht nach Hause. Denn jedes Mal ging es um Themen, bei denen ich nicht mitreden konnte: Welche Ballettschule im Umkreis ist die beste? Welches Fahrrad ist für den Einstieg geeignet? Und wo gibt es Vereine, in denen die Kinder den Freischwimmer machen können? Ich hörte zu und lächelte. Wollte aber manches Mal lieber heulen. Und mich eigentlich über Windeln für große Kinder, schönen Rolli-Speichenschutz und die nächste stationäre Kinderreha unterhalten. Es passte einfach meistens nicht.

Hobby gefunden

Mittlerweile besucht Lena die vierte Klasse einer inklusiven Montessorischule. Und noch immer ist Anders ein Thema. Nach wie vor gehört Lena für unser und ihr Empfinden nicht richtig dazu. „Mama, das liegt nicht an mir. Das liegt an meiner Behinderung“, sagt sie oft. Ja, mein Kind, ganz richtig. Nun könnte man fragen, ob sie denn an einer Förderschule nicht besser aufgehoben sei. „Nein“, sagt Lena. Wir haben uns vor Schuleintritt gemeinsam mit ihr für die private Regelschule und gegen die Förderschule entschieden. Denn Therapien konnte man uns in der Förderschule ohnehin nicht garantieren. Individuelle Förderung für unser zwar motorisch so eingeschränktes, kognitiv aber so fittes Mädchen auch nicht. Dazu dreimal so lange An- und Abreisezeit und unflexible Unterrichtszeiten. Lenas Schule ist toll. Und in der Schule selbst ist Lena voll dabei. Genau wie all die anderen Kinder mit Behinderung. Aber zwischen „Ich akzeptiere meine behinderte Mitschülerin“ und „Ich möchte mit meiner behinderten Mitschülerin befreundet sein“ liegen eben Welten. Lena hat eine Freundin. Eine. Und die auch erst seit Ende der dritten Klasse. Inklusion ist eben mehr, als behinderte Kinder als nicht störend zu empfinden. Trotz aller Schwierigkeiten sind wir heute eine glückliche kleine Familie, Lena ein fröhliches, intelligentes und humorvolles elfjähriges Mädchen. Mit ihrem Elektro-Rollstuhl fährt sie selbstbewusst durchs Leben. Sie ist eloquent und durchsetzungsfähig. Und stolze Teampartnerin einer Assistenzhündin namens Ypsi. Mit Ypsi hat Lena ein Hobby gefunden, das sie gemeinsam mit den anderen Kindern aus unserem Assistenzhundeverein ausüben kann.

Ständiger Kampf

Und wir? Wir kämpfen noch immer. Nicht mehr um Lena, sondern für sie. Für Teilhabe, für Hilfsmittel, für Inklusion. Für Entlastung, Verständnis und Unterstützung für uns pflegende Eltern. Wir haben gelernt, uns Anders zu Nutzen zu machen. Lena spricht auf medizinischen Kongressen über ihre Behinderung. Sie berichtet, wo sich in ihrem Alltag Hürden auftun, welche Hilfsmittel ihr die liebsten sind und was sie sich für die Zukunft wünscht. Auf meinem Instagram-Account @claudistaudi lasse ich die Welt an unserem turbulenten Alltag teilhaben. Ich betreibe außerdem den Podcast „Pflegegrad Glück“ für pflegende Mütter. Und ich habe ein Buch veröffentlicht. In „Wir wollten Lena“ erzähle ich nicht nur unsere Geschichte, sondern beschreibe auch, dass es nach wie vor die Bürokratie ist und nicht Lenas Behinderung, die uns im Alltag am meisten behindert. Andreas und ich werden oft gefragt, ob wir es bereuen, ein behindertes Kind angenommen zu haben. Die Antwort ist ein entschiedenes und laut gebrülltes „NEIN!“. Aber auf die Frage, ob das Leben mit einem behinderten Kind so ist, wie wir es uns vorgestellt hatten, brüllen wir ein ebenso lautes „NEIN!“. Niemals hätten wir gedacht, wie schwierig es ist, die Hilfsmittel und die Unterstützung zu erhalten, die unserem Kind und uns zustehen. Und niemals hätten wir vorab realisieren können, wie wenig inklusiv unsere Gesellschaft ist. Aber ebenso wenig hätten wir uns jemals ausmalen können, wie glücklich und zufrieden uns das Leben mit Lena machen würde.

Claudia Staudt arbeitet als freie Journalistin, Pressesprecherin und Fitnesstrainerin. Sie lebt mit ihrem Mann, ihrer Pflegetochter und deren Assistenzhündin im Großraum Düsseldorf. Über ihre Geschichte mit Lena hat sie ein Buch geschrieben: „Wir wollten Lena“ (Bonifatius) Mehr zur Familie auf Instagram unter @claudistaudi

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/10/Lena-1_BN_privat-e1730199878627.jpg 765 1280 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2024-10-29 12:29:352024-10-29 12:29:35Mutter adoptiert pflegebedürftiges Kind: „Ich wollte dieses kleine Menschlein festhalten“

6 bis 10 – Halloween feiern?

Elternfrage: „Jedes Jahr, wenn es Richtung Herbst geht, kommt das Thema Halloween auf unseren Familientisch. Wir sind unschlüssig, wie wir mit diesem Fest umgehen sollen, das nicht zu unserem christlichen Glauben passt. Sollte unsere Tochter (7) auf das Süßigkeitensammeln verzichten? Oder lässt sich Halloween auch ohne Hexerei und Co. gestalten? Wie machen das andere Familien?“

Hinterfragen statt mitmachen

Ohne die Herkunft des Festes Halloween näher zu beleuchten, haben wir uns als Eltern die Frage gestellt: Passen die Halloween-Bräuche, so wie sie bei uns im Norden von Deutschland gelebt werden, zu den Werten, die wir unseren Kindern (3 und 5) vermitteln wollen? Welches Gefühl hinterlässt es bei Menschen, wenn gruselig verkleidete Kinder an der Tür klingeln und „Süßes, sonst gibt’s Saures!“ einfordern? Bei mir persönlich hinterlassen solche Begegnungen kein positives Gefühl und wir möchten unseren Kindern nicht beibringen, dass sie mit Süßigkeiten belohnt werden, wenn sie diese in schauriger Aufmachung bei teils fremden Menschen einfordern. Aus meiner Kindheit in Nordrhein-Westfalen kenne ich die Tradition, an Sankt Martin mit der Laterne von Tür zu Tür zu ziehen, ein Martinslied zu singen und dafür mit Süßem belohnt zu werden. Dieser Brauch bringt Licht und Hoffnung in die Häuser statt Angst und Schrecken. Und das freudige Ergebnis für die Kinder ist das gleiche: ein Beutel mit allerlei Süßkram.

Stefanie Assmann

Kein Spaß­verderber sein

Mein Großer hat Halloween mal als sein Lieblingsfest bezeichnet. Schon Wochen vorher beginnt er mit den Vorbereitungen: Dekoration wird gebastelt, Kostüme werden vorbereitet, Essen geplant, ein Kürbis geschnitzt. Als er klein war, hat er sich verkleidet und draußen an die Kinder Süßigkeiten verteilt, inzwischen ist er sieben Jahre alt und zieht mit seinem Bruder (4) und Mama oder Papa selbst um die Häuser. Nach der Bedeutung oder dem Ursprung dieses Festes hat noch keiner meiner Kinder gefragt, und ich müsste ehrlicherweise nachschauen, weil mir das egal ist. Mein Mann hält den Reformationstag hoch und betont gern, dass der doch viel wichtiger sei. Ihren Spaß verdirbt er den Kindern trotzdem nicht. In meiner Familie wurde das Fest früher sehr verteufelt, weshalb ich es wahrscheinlich besonders genieße, den Kindern das zu ermöglichen.

Anna Koppri

Erinnerung an Luther

Da am 31. Oktober nicht nur Halloween, sondern auch der Reformationstag gefeiert wird, haben wir mit unseren Kindern darüber gesprochen und zusammen beschlossen, dass wir den Leuten vom Reformationstag erzählen und ihnen Gutes tun wollen. Denn durch Luthers Thesen ist auch Positives entstanden: Viele Menschen haben damals verstanden, dass sie in den Himmel kommen, weil Gott sie liebt und nicht, weil sie der Kirche genügend Ablass zahlen. Unsere Kinder durften jeweils einen Freund oder eine Freundin einladen. Dann haben wir gemeinsam Herzkekse gebacken, kleine Kekstüten damit bestückt und einen netten erklärenden Text an die Tüten gehängt. Die Kinder haben sich mittelalterliche Kleider angezogen und sind nachmittags losgegangen, um in der Umgebung Kekstüten zu verteilen. Die Leute waren sehr überrascht und haben sich gefreut! Oft wollten sie unseren Kindern dann auch noch Süßigkeiten geben.

Stefanie Böhmann

Freiheit übertrumpft Angst

In Sachsen ist der 31. Oktober ein Feiertag. Wir feiern Reformationstag und das immer morgens in unserer Kirche mit einem Gottesdienst. Zum Frühstück gibt es Reformationsbrötchen, die wir beim Bäcker kaufen. Sie sind verziert mit einem Marmeladenklecks in der Mitte, der die Lutherrose darstellen soll. Unsere Kinder lernen jedes Jahr neu, was Martin Luther zur Errettung und Gnade zu sagen hatte. Aufgrund dieser Freiheit der Christenmenschen feiern wir inzwischen nachmittags ein Herbstfest. Wir laden immer einen Freundeskreis ein, in dem niemand einen gläubigen Hintergrund hat. Aus einem Herbstfest wurde dadurch sehr schnell Halloween. Wir verkleiden uns, essen Mumienwürstchen und blau gefärbten Nudelsalat, trinken Bowle und halten Marshmallows ins Feuer. Unsere Kinder laufen durch unsere Wohnsiedlung und sammeln Süßigkeiten ein. Diese Freiheit nach Jahrzehnten, in denen ich beinahe Angst vor einem „solchen Teufelsfest“ hatte, fühlt sich unglaublich an. Und wenn die Kinder abends im Bett liegen und sich bei Jesus für die vielen Süßigkeiten bedanken, dann freue ich mich, dass sie ohne Angst aufwachsen dürfen.

Priska Lachmann

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/10/halloween.jpg 2376 2148 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2024-10-28 08:32:462024-10-28 08:32:466 bis 10 – Halloween feiern?

0 bis 2 – Bereit fürs Wochenbett?

Elternfrage: „Wir bekommen bald unser erstes Kind. Ich habe großen Respekt vor der ersten Zeit im Wochenbett. Kann ich mich darauf vorbereiten?“

Die Geburt eines Babys gehört zu den intensivsten Erfahrungen jeder Frau. In den Wochen danach erlebt sie eine Achterbahn der Gefühle: Sie ist hormonellen, körperlichen und psychischen Veränderungen (vielleicht sogar Geburtsverletzungen) ausgeliefert. Auch die Paarbeziehung muss sich in dieser Zeit teilweise neu sortieren. Gleichzeitig ist da ein wunderbares, aber auch empfindsames, bedürftiges Kind, dessen Überleben und Gedeihen nun von Ihnen abhängig ist. Ihr großer Respekt vor dieser Zeit ist berechtigt, genauso wie Ihr Wunsch, sich gut auf diese vorzubereiten.

Was brauche ich?

Zum Wochenbett, das unmittelbar nach der Geburt beginnt und sechs bis acht Wochen dauert, kann man aus allen Richtungen Ratschläge, Erfahrungen und Tipps bekommen. Das kann einen schnell überfordern. Reduzieren Sie deshalb die Informationsquellen, indem Sie sich fragen, was davon Sie wirklich brauchen. Wem kann und will ich vertrauen? Was scheint mir sinnvoll? Was gefällt und passt zu mir beziehungsweise uns als Paar? Beschäftigen Sie sich in der Vorbereitungszeit vor allem mit sich selbst.

Hinter dem Vorhang

Von einer in Afrika geborenen Hebamme erfuhr ich, dass in ihrer Heimat normalerweise eine Mutter mit ihrem Neugeborenen in den ersten Wochen nach der Geburt hinter einem Vorhang lebt. Eine von der Mutter ausgewählte Person kümmert sich um die beiden und wacht darüber, wer wann hinter den Vorhang kommen darf. Das hat mich sehr berührt. Was können wir daraus lernen? Im Wochenbett geht es um eine besondere Zeit, in der Verletzlichkeit, achtsames Wahrnehmen, Spüren und Bestaunen sowie gegenseitiges Kennenlernen möglich sein sollte. Diese Zeit ist wie eine Art „heiliger Raum“ – ein Raum der Ruhe und Geborgenheit. Für diesen Raum braucht es Schutz durch eine gute Grenze (Vorhang) und jemanden, der sie bewacht. Denken Sie in Ruhe darüber nach: Wie wünsche ich mir diesen Raum? Was tut mir gut, wenn ich zum Beispiel erschöpft oder traurig bin? Was brauche ich, um mich sicher und geborgen zu fühlen? Welche Kontakte werden mir guttun? Welche nicht? Reden Sie darüber mit Ihrem Partner und tauschen Sie sich aus. Je konkreter, desto besser: Was sind deine, was meine Sorgen? Welche Unterstützung könnten wir gebrauchen? Wovor wollen wir uns abschirmen? Wer darf ab wann „hinter den Vorhang“ kommen? Wollen wir dies gegebenenfalls mit der Großfamilie oder Freunden im Vorfeld klären? Könnte eventuell der Papa zum „Wächter“ der Grenzen werden?

Vorfreude sammeln

Üben Sie sich im ehrlichen Fragen und Austauschen Ihrer Ängste, Bedürfnisse und Wünsche. Auf diese Weise werden Sie die richtigen Antworten finden. Bis dahin genießen Sie Ihre Zweisamkeit und vertrauen Sie darauf, dass in Ihrem dann gut geschützten Raum – neben allen emotionalen Turbulenzen – viele wunderbare Erfahrungen auf Sie warten. In diesem Raum werden sich die elterlichen, aber auch kindlichen Fähigkeiten ungestört entfalten und Sie lernen sich miteinander immer besser kennen und lieben.

Beate Döbel ist Familientherapeutin und Elternberaterin. Familien mit Säuglingen und Kleinkindern liegen ihr besonders am Herzen.
www.therapiepraxis-doebel.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/10/wochenbett.jpg 2252 2280 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2024-10-21 12:49:022024-10-23 14:30:060 bis 2 – Bereit fürs Wochenbett?

Vater sein – Hirnforscher erklärt: Das brauchen Kinder von ihren Vätern

Vater sein ist nicht nur eine Aufgabe oder eine Rolle, sondern eine innere Haltung. Star-Hirnforscher Gerald Hüther erzählt im Interview, warum Kinder von ihren Vätern bedingungsloses Interesse brauchen.

Im Kindergarten und der Grundschule werden Kinder mehrheitlich von Frauen betreut. Sind Männer verzichtbar geworden?

Gerald Hüther: Kinder und Jugendliche brauchen Erwachsene, um sich zu orientieren. Da Frauen und Männer unterschiedlich sind, fehlt ein wesentliches Gegenüber für eine gesunde Rollenbildung, wenn kein Mann da ist. Jungen und Mädchen müssen aber ein inneres Bild von dem entwickeln, was männlich und was weiblich ist. Mannsein lerne ich eben nicht aus dem Internet, dem Fernsehen oder aus Büchern. Und wenn die Kinder keinen Mann erleben, wachsen sie mit einem echten Erfahrungsdefizit auf.

Vater sein – eine besondere Bedeutung

Hier kommt besonders der Vater ins Spiel. Worin sehen Sie die Bedeutung von Vätern?

Wir haben zwei verschiedene Geschlechter und eine bestimmte Erfahrungswelt für Frauen und Männer in unserer Gesellschaft. Und die einzige Notwendigkeit, die ich als Hirnforscher sehe, ist, dass Kinder Gelegenheit bekommen müssen, möglichst unterschiedliche Erfahrungen mit vielfältigen Menschen zu machen. Es gibt eine ganze Reihe Untersuchungen, die zeigen, dass Väter und Mütter unterschiedlich auf Kinder reagieren und ihnen damit auch andere Möglichkeiten bieten. Wenn zum Beispiel ein Kind auf dem Spielplatz von der Schaukel fällt, nimmt die Mutter das Kind auf den Schoß, tröstet es und setzt es dann woanders hin. In die Sandkiste zum Beispiel, wo es nicht mehr runterfallen kann.

Bei Vätern beobachtet man häufiger, dass sie das Kind nehmen, es trösten und es wieder zurück auf die Schaukel setzen. Und das ist eine völlig andere Erfahrung für ein Kind. Nämlich, dass es ein Problem gab, aber dass das Problem nicht dadurch gelöst wird, dass man es vermeidet, sondern dass man sich dem Problem stellt. Es mag sein, dass Männer das leichter können, und so mag es eine ganze Reihe von anderen Dingen geben, die ein Vater dem Kind besser vermitteln kann. Und das gilt eben nicht nur für Jungs, die natürlich ein männliches Vorbild brauchen, sondern das gilt in gleicher Weise auch für Mädchen. Auch Mädchen brauchen ihre Väter.

Was macht für Sie einen richtig guten Vater aus?

Ich fürchte, dass es keine richtig guten Väter gibt, sondern dass jeder Vater versuchen kann, es so gut wie möglich zu machen. Und es gibt Väter, die sich selbst darüber bewusst sind, dass sie für ihre Kinder ein Rollenmodell bieten. Kinder lernen von Vorbildern, und Jungs lernen von ihrem Vater, was männliche Identität bedeutet und bekommen damit einen Maßstab und eine Orientierung, die ihnen oftmals für das ganze Leben lang bedeutsam ist. Das war und ist aber nicht immer gegeben. Daher wäre es gut, wenn Väter sich noch stärker darüber bewusst würden, welche bedeutsame Rolle sie spielen und wie sehr ihr Vorbild ihre Kinder auf ihrem Weg prägt.

Aber nicht nur die Jungs, sondern die Mädchen in gleicher Weise. Denn wir sehen auch in vielen Studien, dass Mädchen ihre spätere Partnerwahl sehr stark unter dem Einfluss der Erfahrungen treffen, die sie mit ihrem eigenen Vater gemacht haben. Manche suchen sich einen, der so ähnlich ist wie der Vater, andere suchen einen, der sich in ihren Augen sehr stark von ihrem Vater unterscheidet. Väter sind also Rollenmodelle für Söhne, wie sie als Väter leben. Und Töchter sollten an ihrem Vater sehen können, wie ein Mann wertschätzend mit einer Frau umgeht und was man von einem Mann erwarten sollte. Und sie leben vor, wie Partnerschaft aussieht.

Anspruch und Wirklichkeit

Als Vater versuche ich natürlich, meine Sache gut zu machen. Trotzdem scheitere ich oft genug an meinen Ansprüchen. Ich möchte liebevoll sein und doch reagiere ich über. Was kann ich tun, um ein besserer Vater zu sein?

Vielleicht ist es hilfreich, erst mal zu fragen, weshalb es so oft nicht gelingt. Das hat etwas mit Affekten zu tun, die wach werden, wenn man als Vater mit bestimmten Verhaltensweisen des Kindes konfrontiert wird. Das kann wie ein Trigger wirken, der im eigenen Gefühlsleben bestimmte Emotionen und Affekte erzeugt, die so stark sind, dass man plötzlich nicht mehr Herr seiner Handlungen ist. Und dass man plötzlich in dieser übererregten Situation – neurobiologisch nennen wir das Frontalhirndefizit – kopflos reagiert.

Aus dem Affekt heraus tut man Dinge, die man sonst nicht machen würde. Das passiert vor allem dann, wenn man in engen emotionalen Bindungen steht. Also mit den eigenen Kindern oder dem Ehepartner. Was notwendig wäre, um nicht im Affekt zu reagieren: Zählen Sie erst mal bis zehn und dann denken Sie nochmal kurz nach und dann handeln sie. Wer sofort aus dem Affekt heraus handelt, kann nicht umsichtig und liebevoll mit seinem Kind umgehen. Das wären die praktischen Tipps.

Als Vater ein Vorbild zu sein, ist nicht immer leicht. Die Rollen im Beruf, in der Familie, in der Gesellschaft sind sehr unterschiedlich. Wie kann man das Mann- und Vatersein da leben?

Als Mann muss man sich über die verschiedenen Rollen bewusst sein. Die Gefahr ist groß, von der Gesellschaft verführt zu werden, irgendwelche Rollen spielen zu wollen, um Anerkennung zu bekommen. Es ist schlecht, wenn ein Mann, dem dieses Theaterspiel selbst nicht klar ist, Kinder erzieht, egal ob Jungs oder Mädchen. Wer das selbst nicht durchschaut, identifiziert sich dann auch allzu leicht mit seiner Rolle. Den Kindern so ein Rollenspiel vorzuleben, kann dazu führen, dass auch sie versuchen, irgendwelche Rollen zu spielen, und sich dabei selbst fremd werden.

Jetzt könnte man versuchen, diese Rolle, die man in der Gesellschaft spielt, zu hinterfragen und sich nicht mit dieser Rolle zu identifizieren. Wenn ich gefragt werde, wer ich bin, dann sage ich eben nicht: Ich bin Professor für Neurobiologie. Sondern: Ich bin Gerald Hüther, der sich auf irgendeine Art und Weise darum bemüht, im Leben zurechtzukommen. Das ist ein ganz anderes Selbstbild. Und dieses andere Selbstbild, dass ich, wie alle anderen, suchend und fragend unterwegs bin, wäre als Grundhaltung dann auch für die Kinder großartig.

Dadurch ist man nicht der Besserwisser und der Alleskönner, der die Kinder zum Objekt seiner Erwartungen, Belehrungen und Bewertungen macht. Sondern man outet sich als einer, der auch nicht weiß, wie es geht. Man kann dem Kind auch offenbaren, dass man ein fehlbarer Mensch ist, der sich Mühe gibt und es versucht, so gut wie möglich zu machen. Hier ist der Erwachsene, ob Mutter oder Vater, nicht mehr die Führungsfigur, die das Kind erzieht und belehrt und ihm alles beibringt.

Solche Eltern werden ihr Kind in seiner ganzen Einzigartigkeit so annehmen, wie es ist. Sie werden nicht versuchen, aus diesem Kind etwas zu machen, wovon sie glauben, dass es darauf ankäme oder günstig wäre. Und das ist die wirkliche Definition von Liebe, nämlich das bedingungslose Interesse an der Entfaltung des Geliebten. Das halte ich im Augenblick für die wichtigste Botschaft, die wir an Väter weitergeben können: Kein Rollenspieler, sondern ein authentischer Mann zu sein. Natürlich brauchen Kinder auch Führung, Halt und Orientierung. Aber was sie nicht brauchen, ist jemand, der autoritär sagt, wie das Kind zu sein hat.

Vater sein – sich auf das Kind einlassen

Das setzt voraus, sich tief im Inneren auf das Kind einzulassen.

Richtig. Aber das fällt vielen Vätern schwer, weil sie eine andere Haltung erlernt haben. Nämlich, dass Väter bei kleinen Kindern noch nicht so wichtig sind und sie nicht gebraucht werden. Aber wenn man sich auf die Kinder einlässt, spürt man plötzlich, wie das Kind einen einlädt, in seine Welt zu kommen und alles mit zu entdecken. Die Welt, das Wohnzimmer, die Puppe, das Bett und auch den Papa, der mit kindlichen Augen betrachtet ganz anders ist.

Dann öffnet sich plötzlich nochmal auf eine neue Weise eine ganze Erfahrungswelt. Je öfter man diese Erfahrung macht, wie sehr sich das Kind darauf freut, dass der Papa jetzt da ist und es mit ihm etwas machen kann, desto stärker fühlt es der Papa. Dann macht er diese starke emotionale Erfahrung, dass er eigentlich ein toller Papa ist und dass er dadurch dem Kind eine ganze Menge schenken kann und dass er auch ganz viel von dem Kind bekommt.

Aus dieser wiederholt gemachten Erfahrung wird dann eine Haltung. Und die Haltung heißt, dass es toll ist, mit meinem Kind als Vater auf diese Weise verbunden zu sein. Das will ich auch aufrechterhalten. Das heißt, er kann später wieder arbeiten gehen. Diese Erfahrung geht nicht wieder weg und diese Haltung bleibt bestehen. So kann man das lernen und auch anderen Vätern weitergeben, sich auf diese Erfahrung einzulassen.

Gibt es für Sie ein Vorbild für Männer und Väter?

Jesus Christus. Wenn man wissen will, wie der moderne Mann aus neurobiologischer Sicht aussieht, sollte man sich an Jesus orientieren. Der Kern dieses Mannseins heißt: ein Liebender zu sein. Das ist das, was Jesus konnte. Er brauchte nicht andere, um sich selbst aufzubauen, musste nicht mit Klugscheißereien dauernd dazwischenreden und anderen erzählen, was sie zu tun und zu lassen haben. Er hatte etwas zu verschenken. Und er konnte sich um andere kümmern, sich hingeben, da sein und zuhören. Das können wir alle lernen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Family-Redakteur Marcus Beier.

Dr. Gerald Hüther ist emeritierter Professor für Neurologische Präventionsforschung und Autor vieler ­Sach- und Fachbücher. Er ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in Göttingen. gerald-huether.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/10/F_30_IVW-Huether_BN_GettyImages_Fly-View-Productions-1456068488-scaled-e1728636931651.jpg 1490 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2024-10-11 11:27:402024-10-11 11:27:40Vater sein – Hirnforscher erklärt: Das brauchen Kinder von ihren Vätern

Mehr sein und weniger tun

Vater sein ist nicht nur eine Aufgabe oder eine Rolle, sondern es ist eine innere Haltung. Hirnforscher Gerald Hüther erzählt im Interview, was Kinder an Vätern wirklich brauchen.

Im Kindergarten und der Grundschule werden Kinder mehrheitlich von Frauen betreut. Sind Männer verzichtbar geworden?

Gerald Hüther: Kinder und Jugendliche brauchen Erwachsene, um sich zu orientieren. Da Frauen und Männer unterschiedlich sind, fehlt ein wesentliches Gegenüber für eine gesunde Rollenbildung, wenn kein Mann da ist. Jungen und Mädchen müssen aber ein inneres Bild von dem entwickeln, was männlich und was weiblich ist. Mannsein lerne ich eben nicht aus dem Internet, dem Fernsehen oder aus Büchern. Und wenn die Kinder keinen Mann erleben, wachsen sie mit einem echten Erfahrungsdefizit auf.

Hier kommt besonders der Vater ins Spiel. Worin sehen Sie die Bedeutung von Vätern?

Wir haben zwei verschiedene Geschlechter und eine bestimmte Erfahrungswelt für Frauen und Männer in unserer Gesellschaft. Und die einzige Notwendigkeit, die ich als Hirnforscher sehe, ist, dass Kinder Gelegenheit bekommen müssen, möglichst unterschiedliche Erfahrungen mit vielfältigen Menschen zu machen. Es gibt eine ganze Reihe Untersuchungen, die zeigen, dass Väter und Mütter unterschiedlich auf Kinder reagieren und ihnen damit auch andere Möglichkeiten bieten. Wenn zum Beispiel ein Kind auf dem Spielplatz von der Schaukel fällt, nimmt die Mutter das Kind auf den Schoß, tröstet es und setzt es dann woanders hin. In die Sandkiste zum Beispiel, wo es nicht mehr runterfallen kann. Bei Vätern beobachtet man häufiger, dass sie das Kind nehmen, es trösten und es wieder zurück auf die Schaukel setzen. Und das ist eine völlig andere Erfahrung für ein Kind. Nämlich, dass es ein Problem gab, aber dass das Problem nicht dadurch gelöst wird, dass man es vermeidet, sondern dass man sich dem Problem stellt. Es mag sein, dass Männer das leichter können, und so mag es eine ganze Reihe von anderen Dingen geben, die ein Vater dem Kind besser vermitteln kann. Und das gilt eben nicht nur für Jungs, die natürlich ein männliches Vorbild brauchen, sondern das gilt in gleicher Weise auch für Mädchen. Auch Mädchen brauchen ihre Väter.

Was macht für Sie einen richtig guten Vater aus?

Ich fürchte, dass es keine richtig guten Väter gibt, sondern dass jeder Vater versuchen kann, es so gut wie möglich zu machen. Und es gibt Väter, die sich selbst darüber bewusst sind, dass sie für ihre Kinder ein Rollenmodell bieten. Kinder lernen von Vorbildern, und Jungs lernen von ihrem Vater, was männliche Identität bedeutet und bekommen damit einen Maßstab und eine Orientierung, die ihnen oftmals für das ganze Leben lang bedeutsam ist. Das war und ist aber nicht immer gegeben. Daher wäre es gut, wenn Väter sich noch stärker darüber bewusst würden, welche bedeutsame Rolle sie spielen und wie sehr ihr Vorbild ihre Kinder auf ihrem Weg prägt. Und nicht nur die Jungs, sondern die Mädchen in gleicher Weise. Denn wir sehen auch in vielen Studien, dass Mädchen ihre spätere Partnerwahl sehr stark unter dem Einfluss der Erfahrungen treffen, die sie mit ihrem eigenen Vater gemacht haben. Manche suchen sich einen, der so ähnlich ist wie der Vater, andere suchen einen, der sich in ihren Augen sehr stark von ihrem Vater unterscheidet. Väter sind also Rollenmodelle für Söhne, wie sie als Väter leben. Und Töchter sollten an ihrem Vater sehen können, wie ein Mann wertschätzend mit einer Frau umgeht und was man von einem Mann erwarten sollte. Und sie leben vor, wie Partnerschaft aussieht.

Als Vater versuche ich natürlich, meine Sache gut zu machen. Trotzdem scheitere ich oft genug an meinen Ansprüchen. Ich möchte liebevoll sein und doch reagiere ich über. Was kann ich tun, um ein besserer Vater zu sein?

Vielleicht ist es hilfreich, erst mal zu fragen, weshalb es so oft nicht gelingt. Das hat etwas mit Affekten zu tun, die wach werden, wenn man als Vater mit bestimmten Verhaltensweisen des Kindes konfrontiert wird. Das kann wie ein Trigger wirken, der im eigenen Gefühlsleben bestimmte Emotionen und Affekte erzeugt, die so stark sind, dass man plötzlich nicht mehr Herr seiner Handlungen ist. Und dass man plötzlich in dieser übererregten Situation – neurobiologisch nennen wir das Frontalhirndefizit – kopflos reagiert. Aus dem Affekt heraus tut man Dinge, die man sonst nicht machen würde. Das passiert vor allem dann, wenn man in engen emotionalen Bindungen steht. Also mit den eigenen Kindern oder dem Ehepartner. Was notwendig wäre, um nicht im Affekt zu reagieren: Zählen Sie erst mal bis zehn und dann denken Sie nochmal kurz nach und dann handeln sie. Wer sofort aus dem Affekt heraus handelt, kann nicht umsichtig und liebevoll mit seinem Kind umgehen. Das wären die praktischen Tipps.

Als Vater ein Vorbild zu sein, ist nicht immer leicht. Die Rollen im Beruf, in der Familie, in der Gesellschaft sind sehr unterschiedlich. Wie kann man das Mann- und Vatersein da leben?

Als Mann muss man sich über die verschiedenen Rollen bewusst sein. Die Gefahr ist groß, von der Gesellschaft verführt zu werden, irgendwelche Rollen spielen zu wollen, um Anerkennung zu bekommen. Es ist schlecht, wenn ein Mann, dem dieses Theaterspiel selbst nicht klar ist, Kinder erzieht, egal ob Jungs oder Mädchen. Wer das selbst nicht durchschaut, identifiziert sich dann auch allzu leicht mit seiner Rolle. Den Kindern so ein Rollenspiel vorzuleben, kann dazu führen, dass auch sie versuchen, irgendwelche Rollen zu spielen, und sich dabei selbst fremd werden. Jetzt könnte man versuchen, diese Rolle, die man in der Gesellschaft spielt, zu hinterfragen und sich nicht mit dieser Rolle zu identifizieren. Wenn ich gefragt werde, wer ich bin, dann sage ich eben nicht: Ich bin Professor für Neurobiologie. Sondern: Ich bin Gerald Hüther, der sich auf irgendeine Art und Weise darum bemüht, im Leben zurechtzukommen. Das ist ein ganz anderes Selbstbild. Und dieses andere Selbstbild, dass ich, wie alle anderen, suchend und fragend unterwegs bin, wäre als Grundhaltung dann auch für die Kinder großartig. Dadurch ist man nicht der Besserwisser und der Alleskönner, der die Kinder zum Objekt seiner Erwartungen, Belehrungen und Bewertungen macht. Sondern man outet sich als einer, der auch nicht weiß, wie es geht. Man kann dem Kind auch offenbaren, dass man ein fehlbarer Mensch ist, der sich Mühe gibt und es versucht, so gut wie möglich zu machen. Hier ist der Erwachsene, ob Mutter oder Vater, nicht mehr die Führungsfigur, die das Kind erzieht und belehrt und ihm alles beibringt. Solche Eltern werden ihr Kind in seiner ganzen Einzigartigkeit so annehmen, wie es ist. Sie werden nicht versuchen, aus diesem Kind etwas zu machen, wovon sie glauben, dass es darauf ankäme oder günstig wäre. Und das ist die wirkliche Definition von Liebe, nämlich das bedingungslose Interesse an der Entfaltung des Geliebten. Das halte ich im Augenblick für die wichtigste Botschaft, die wir an Väter weitergeben können: Kein Rollenspieler, sondern ein authentischer Mann zu sein. Natürlich brauchen Kinder auch Führung, Halt und Orientierung. Aber was sie nicht brauchen, ist jemand, der autoritär sagt, wie das Kind zu sein hat.

Das setzt voraus, sich tief im Inneren auf das Kind einzulassen.

Richtig. Aber das fällt vielen Vätern schwer, weil sie eine andere Haltung erlernt haben. Nämlich, dass Väter bei kleinen Kindern noch nicht so wichtig sind und sie nicht gebraucht werden. Aber wenn man sich auf die Kinder einlässt, spürt man plötzlich, wie das Kind einen einlädt, in seine Welt zu kommen und alles mit zu entdecken. Die Welt, das Wohnzimmer, die Puppe, das Bett und auch den Papa, der mit kindlichen Augen betrachtet ganz anders ist. Und dann plötzlich öffnet sich nochmal auf eine neue Weise eine ganze Erfahrungswelt. Je öfter man diese Erfahrung macht, wie sehr sich das Kind darauf freut, dass der Papa jetzt da ist und es mit ihm etwas machen kann, desto stärker fühlt es der Papa. Dann macht er diese starke emotionale Erfahrung, dass er eigentlich ein toller Papa ist und dass er dadurch dem Kind eine ganze Menge schenken kann und dass er auch ganz viel von dem Kind bekommt. Aus dieser wiederholt gemachten Erfahrung wird dann eine Haltung. Und die Haltung heißt, dass es toll ist, mit meinem Kind als Vater auf diese Weise verbunden zu sein. Das will ich auch aufrechterhalten. Das heißt, er kann später wieder arbeiten gehen. Diese Erfahrung geht nicht wieder weg und diese Haltung bleibt bestehen. So kann man das lernen und auch anderen Vätern weitergeben, sich auf diese Erfahrung einzulassen.

Gibt es für Sie ein Vorbild für Männer und Väter?

Jesus Christus. Wenn man wissen will, wie der moderne Mann aus neurobiologischer Sicht aussieht, sollte man sich an Jesus orientieren. Der Kern dieses Mannseins heißt: ein Liebender zu sein. Das ist das, was Jesus konnte. Er brauchte nicht andere, um sich selbst aufzubauen, musste nicht mit Klugscheißereien dauernd dazwischenreden und anderen erzählen, was sie zu tun und zu lassen haben. Er hatte etwas zu verschenken. Er konnte sich um andere kümmern, sich hingeben, da sein und zuhören. Das können wir alle lernen. Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Marcus Beier.

Dr. Gerald Hüther ist emeritierter Professor für Neurologische Präventionsforschung und Autor vieler ­Sach- und Fachbücher. Er ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in Göttingen. www.gerald-huether.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/10/F_30_IVW-Huether_BN_GettyImages_Fly-View-Productions-1456068488-scaled-e1728636931651.jpg 1490 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2024-10-11 10:56:182024-10-11 10:56:18Mehr sein und weniger tun

Kommunikation ohne Eskalation: Expertin gibt Tipps

Unbedachte Worte in der Partnerschaft können tief verletzen. Beziehungs- und Kommunikationsexpertin Piroska Gavallér-Rothe erklärt, wie achtsame Kommunikation einfach gelingen kann.

Gerade war noch alles gut, doch plötzlich kippt die Kommunikation und ein Satz schießt um die Ecke und bohrt sich wie ein spitzer Pfeil in Thomas’ Herz. Thomas’ Kopf weiß: „Das ist nicht böse gemeint!“ – dennoch kann er nicht anders und zieht sich verletzt zurück. Den Rest des Abends muss Lea allein verbringen.

Auch bei Hannah und Jonas nimmt der Abend eine abrupte Wendung: Jonas macht einen unbedachten Kommentar – schon wird Hannah laut. Schneller als sie gucken können, haben sie sich wieder in einen Streit verstrickt.

In der Tat sind es oft Kleinigkeiten, an denen sich in Partnerschaften Streitigkeiten entzünden. Viele Paare stehen dann hilf- und ratlos da und fragen sich, woran es liegt. Es gibt verschiedene Gründe, die zu solchen Situationen führen. In diesem Artikel möchte ich vier Aspekte herausgreifen, die mir in meiner Arbeit mit Paaren regelmäßig begegnen:

1. Formulierungen mit Eskalationspotenzial

Auch wenn wir es selten böse meinen – aus kommunikationspsychologischer Sicht verwenden Menschen erschreckend viele dysfunktionale Sprachmuster. Mit ihnen bringen wir direkt oder indirekt zum Ausdruck, unser Gegenüber habe etwas falsch gemacht oder sei nicht okay.

Zu den dysfunktionalen Sprachmustern zählen insbesondere Urteile und Bewertungen wie zum Beispiel:

  • Du bist einfach viel zu empfindlich!
  • Das war mal wieder eine deiner vorschnellen Aktionen.
  • Vielleicht solltest du erst mal den Kopf einschalten und erst dann sprechen.

Aber auch Vergleiche bergen ungute Botschaften über unser Gegenüber in sich und können daher schnell zu einer Eskalation der Situation führen:

  • Du bist schon so wie deine Mutter!
  • Warum bloß hat niemand außer dir ein Problem mit dem, was ich sage?
  • Früher hast du nicht alles gleich auf die Goldwaage gelegt!

Eine subtile Form dysfunktionaler Sprachmuster ist das Leugnen von Verantwortung. In diesem Fall klingt das Gesagte so, als sei unser Gegenüber für die angesprochene Misere verantwortlich – während man selbst bequem aus dem Schneider ist:

  • Du könntest mittlerweile wirklich wissen, wo meine wunden Punkte liegen …
  • Wenn du nicht immer so empfindlich wärst, hätten wir weitaus weniger Probleme!
  • Wieso soll ich jetzt freundlich bleiben, wenn du mich gerade so angefahren hast?

Frühe Prägung

Die meisten von uns wurden schon seit frühester Kindheit von solchen Formulierungen geprägt. Wir haben sie so oft und selbstverständlich gehört, dass wir sie unbewusst übernommen haben. Heute verwenden wir sie selbst – meistens ohne es überhaupt zu merken! Genau deshalb ist es oft schwer nachvollziehbar, wenn das Gegenüber unleidig reagiert oder sich verletzt zurückzieht.

Dysfunktionale Sprachmuster wirken wie Tretminen in der Kommunikation. Besonders gilt das für Beziehungen, in denen Menschen in einem Näheverhältnis zueinander stehen – also in der Partnerschaft, aber auch in der Eltern-Kind-Beziehung oder der Beziehung zwischen Geschwistern. Das hohe Maß an Intimität macht die beteiligten Menschen verletzlich, denn nirgendwo tut Ablehnung so weh, als in Beziehungen, in denen wir uns nach Liebe sehnen.

2. Empfindliche Ohren in der Kommunikation

Auch empfindliche Ohren können dazu führen, dass Gespräche aus dem Ruder laufen. Oft sind sie das Ergebnis dysfunktionaler Erziehungsbotschaften. Kritische Urteile wie zum Beispiel „Du bist zu neugierig!“, und negative Vergleiche wie beispielsweise „Nimm dir mal ein Beispiel an deinem Bruder!“, können das Selbstvertrauen von Kindern ebenso erschüttern wie der Vorwurf, für unerwünschte Gefühle anderer Menschen die Verantwortung zu tragen: „Mama ist jetzt ganz traurig, weil du immer noch nicht schlafen willst.“ Schnell entsteht so die kindliche Überzeugung, „schuldig“ oder „nicht richtig“ zu sein.

Ohne positive Gegenimpulse gräbt sich dieses negative Selbstbild tief ins eigene Erleben ein und beeinflusst auch im Erwachsenenalter unsere Wahrnehmung und unsere Reaktionen. Auch positiv gemeinte Äußerungen wie zum Beispiel: „Ich bin wirklich froh, dass du heute Abend so entspannt bist!“, können dann leicht als persönlicher Vorwurf gehört werden und zu gekränkten Reaktionen führen: „Sag doch gleich, dass es dich nervt, dass ich in letzter Zeit so gestresst bin!“

Ungute Paarung

Treffen dysfunktionale Sprachmuster auf empfindliche Ohren, ist das Unglück vorprogrammiert. Meistens fehlen nämlich auf beiden Seiten Fertigkeiten, um das Gespräch zurück in konstruktive Bahnen zu lenken: Die sprechende Person vermag es nicht, über ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen. Selbst wenn sie Ich-Botschaften zu verwenden versucht, verbirgt sich oft noch eine vorwurfsvolle Du-Botschaft in ihren Worten („Ich bin traurig, weil du mich mal wieder nicht ernst nimmst.“).

Der empfangenden Person fehlen wiederum die Fähigkeiten, in vorwurfsvollen Aussagen die Gefühle und Bedürfnisse des Gegenübers zu erkennen, ohne sich dadurch selbst angegriffen oder schuldig zu fühlen („Bist du traurig, weil es dir wichtig ist, ernst genommen zu werden?“).

3. Störungen der Beziehungsebene

Dass es in Beziehungen zu Unstimmigkeiten kommt, ist normal und im Grunde auch nicht schlimm. Schlimm wird es nur, wenn sie nicht aufgelöst werden – weil man zum Beispiel keine Zeit darauf verwenden mag oder es nicht vonnöten erscheint. Dann kommt es zu Verwerfungen auf der Beziehungsebene. Wie bei tektonischen Platten führt das zu Spannungen. Kommen weitere unaufgelöste Unstimmigkeiten hinzu, verstärken sich die Spannungen. Schließlich kann die Spannung so stark werden, dass sie sich selbst bei kleinen Dingen in heftigen Erschütterungen entlädt.

Verbindungslücke

Die herkömmliche Form unserer Kommunikation ist nicht geeignet, Unstimmigkeiten in verbindender Weise auflösenzu können. Stattdessen fördert sie zermürbende Diskussionen, in denen man sich im Kreis dreht und am Ende doch nichts klärt.

4. Biografische Verletzungen

Es gibt immer wieder Situationen, in denen so starke Emotionen zu wirken beginnen, dass wir sie nicht richtig zu steuern vermögen. Dann übernimmt ein Autopilot das Ruder und wir tun oder sagen Dinge, die wir später bereuen.

Ein aktivierter Autopilot zeigt mit hoher Wahrscheinlichkeit an, dass gerade tiefgreifende und noch immer schmerzende Verletzungen in uns berührt werden. Die Heftigkeit der emotionalen Reaktion weist darauf hin, wie groß der stimulierte Schmerz in Wirklichkeit ist.

Verdrängt und abgespalten

Besonders schmerzhaft oder gar traumatisch erlebte Erlebnisse – insbesondere aus der Kindheit – werden sehr häufig aus dem Bereich des bewusst Zugänglichen in den Bereich des Unbewussten verschoben. Die emotionale Reaktivität bleibt jedoch erhalten. So schlittern wir immer wieder in reaktive Verhaltensweisen, können aber nicht wirklich nachvollziehen, weshalb.

Lichtblick

Eskalierender Streit in der Kommunikation als Paar – das muss kein Schicksal bleiben! Als Paar kann man sehr wohl einiges tun, um entspannter miteinander auszukommen:

Kommunikation

Hierbei geht es weder um Rhetorik noch um kommunikative Tipps und Tricks, sondern um die Fähigkeit, anders zu sprechen und anders zu hören.

Anders sprechen bedeutet: Sich aus dysfunktionalen Sprachmustern zu befreien und stattdessen Worte wählen zu können, mit denen wir wertschätzend und klar zum Ausdruck bringen, was wir fühlen und was wir brauchen.

Anders hören bedeutet: Einfühlsam und bedürfnisorientiert unserem Gegenüber zuhören zu können – sogar dann, wenn es gerade dysfunktionale Sprachmuster nutzt.

Dialog

Der Dialog ist der Gegenentwurf zur Diskussion. Kommunikatives Kräftemessen und die Durchsetzung der eigenen Meinung wird ersetzt durch einen verbindenden Austausch auf Augenhöhe. Die dialogische Gesprächsführung folgt klaren Abläufen und verbindet die neue Form des Sprechens und des Hörens zu einem lebendigen Ganzen.

Heilung

Möchten wir auch in Situationen mit einer hohen emotionalen Last angemessen agieren können, kommen wir nicht umhin, uns um unsere tiefliegenden Verletzungen zu kümmern. Kümmern bedeutet nicht, die Situation psychologisch analysieren oder kognitiv erklären zu können. Vielmehr geht es darum, sich der eigenen Verletzung liebevoll anzunehmen und sie damit zu versorgen, was sie braucht, damit es weniger schmerzt – auch und insbesondere dann, wenn sie einen schmerzvollen Impuls durch das Außen erfährt. Erst durch unsere fürsorgliche Zuwendung wird der Anteil nach und nach entspannen und durchatmen können, anstatt sich durch reaktive Automatismen zu schützen zu versuchen.

Am besten gelingt eine solche Heilungsarbeit in einem professionell begleiteten Kontext. Sich einfühlsam den eigenen Verletzungen zu widmen, stärkt nicht nur die persönliche Resilienz, sondern ermöglicht auch die Versöhnung mit der eigenen Biografie. Und wer versöhnt ist mit sich selbst, kann auch versöhnlich mit dem Partner sein.

Piroska Gavallér-Rothe ist Trainerin für Konflikt- und Kommunikationskompetenz und Paartherapeutin. Weitere Informationen unter: gavaller-rothe.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/10/F_60-61_BN_Getty-Images_Svitlana-Hulko_1367230842-scaled-e1728379639144.jpg 1425 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2024-10-08 12:04:102024-10-08 12:04:10Kommunikation ohne Eskalation: Expertin gibt Tipps

Partnerschaft: Was erwarten wir von der Liebe?

Von einer Partnerschaft erwarten wir, dass sie uns erfüllt. Aber ist unser Partner wirklich für unser Glück verantwortlich? Paarexperte Marc Bareth sieht das kritisch.

Warum hast du dich damals eigentlich für eine Beziehung mit deinem Partner entschieden? Als ich kürzlich über diese Frage nachgedacht habe, war ich überrascht und ehrlich gesagt auch ein bisschen ernüchtert, was da alles zusammengekommen ist. Ein wichtiger Grund für die Partnerschaft war natürlich, dass ich verliebt war. Aber auch, dass ich der Meinung war, dass die Charaktereigenschaften meiner Partnerin eine gute Ergänzung zu meinen waren. Und schließlich, dass ich mir gut vorstellen konnte, mit dieser Person an meiner Seite durchs Leben zu gehen. Dass sie mein Leben bereichern und ich mit ihr glücklich sein würde.

Sehnsüchte erfüllen

Allediese Gründe haben eines gemeinsam: Es geht nur um mich. „Was bringt es mir?“ als Leitfrage unserer Beziehung schien mir schon eine bedenkliche Basis für eine lebenslange Partnerschaft zu sein. Ein wenig beruhigt hat mich dann die Erkenntnis, dass es wohl allen so geht. Wir sind alle mit überwiegend eigennützigen Motiven in unsere Beziehungen gestartet.

Wir wünschen uns, dass unser Leben durch unsere Partnerschaft besser wird. Oder etwas dramatischer ausgedrückt: Wir erwarten von unserer Partnerschaft, dass sie unsere Defizite, Löcher und Sehnsüchte stopft. Wir brauchen unsere Beziehung als Krücke, um uns glücklicher oder weniger einsam zu fühlen. Und weil es unserer Partnerin oder unserem Partner wahrscheinlich ähnlich geht, stützen wir uns nun also zu zweit auf diese Krücke und hoffen, dass sie hält.

Eine Partnerschaft leidet darunter, wenn es bei diesen Motiven bleibt. Wahre Liebe kann dort entstehen, wo wir die Liebe nicht brauchen, sondern uns aus freien Stücken dafür entscheiden. Nur wenn wir nicht vom Partner abhängig sind, können wir ihn wirklich auf diese Art lieben.

Eine Quelle der Erfüllung finden

In einem der bekanntesten Trauverse aus der Bibel heißt es, dass die Liebe nicht den eigenen Vorteil sucht (1. Korinther 13,5). Oder anders übersetzt: „Die Liebe sucht nicht das Ihre.“ Das ist die Art von Liebe, von der von der Bibel die Rede ist, einer Liebe, die Gott zu uns Menschen hat. Er liebt uns nicht, weil ihm irgendetwas fehlt, was er in der Beziehung zu uns zu bekommen hofft. Und diese reife Art der Liebe soll auch das Ziel unserer Liebe sein.

Eine solche Liebe hat nichts mit falscher Demut, vorgetäuschter Selbstlosigkeit oder Verdrängung eigener Bedürfnisse zu tun. Im Gegenteil: Der Abt Bernhard von Clairvaux kam schon vor rund 900 Jahren zu dem Schluss, dass die Liebe nicht das Ihre sucht, weil sie es eben schon hat.

Ich wünsche mir, dass wir uns alle auf den Weg zu einer weniger egoistischen Liebe machen. Gelingen kann uns das, wenn wir eine Quelle finden, aus der unsere Defizite, Löcher und Sehnsüchte auf eine gesunde und nachhaltige Weise gestillt werden und dafür nicht ausschließlich unsere Partnerschaft herhalten muss.

Marc Bareth und seine Frau Manuela stärken mit FAMILYLIFE Schweiz Ehen und Familien. Marc Bareth ist der Leiter dieser Arbeit. Er bloggt unter: familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/09/Glueckliches-Paar_BN_GettyImages_Oleh_Slobodeniuk-e1727160839979.jpg 1172 2126 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2024-09-24 09:25:432024-09-24 09:25:43Partnerschaft: Was erwarten wir von der Liebe?

Familie im digitalen Zeitalter? Eltern berichten von ihren Erfahrungen

Der Umgang mit digitalen Medien sorgt regelmäßig für Spannungen in Familien. Wie finden Eltern die Balance zwischen den Wünschen und Interessen der Kinder und guten Regeln? Drei Familien geben einen Einblick in ihre Erfahrungen.

Alternativen anbieten

Letztens hatte mein fünfjähriger Sohn eine schlaue Frage, auf die ich keine Antwort wusste. „Dann google doch mal“, war seine Reaktion darauf. Meine Tochter fragt mehrmals pro Woche, wann denn endlich Freitag sei, damit sie sich eine Kinderdoku aussuchen können. Puh, da sind wir also als Familie – angekommen in der digitalen Welt. Und dabei hatte ich doch, bevor ich überhaupt Kinder hatte, immer gedacht, wir würden unsere Kinder komplett medienfrei erziehen.

Als ich mit unserem dritten Kind schwanger war, musste ich mich dringend mittags hinlegen. Ich brauchte kurz meine Ruhe und habe den anderen beiden Kids oft etwas zum Schauen angemacht. Schnell haben wir gemerkt: Das ist zu viel. Die Kinder waren hinterher oft sehr aufgebracht, teils wütend, und die Zeit danach war dadurch ziemlich anstrengend. Seit einiger Zeit haben wir die Regel, dass die Kinder nur freitags etwas schauen dürfen. Das gibt uns als Familie Struktur und die Kinder empfinden es wieder als besonders, etwas sehen zu dürfen. Uns als Eltern ist hierbei wichtig, dass sie „nützliche“ Dinge schauen. So dürfen sie nicht wahllos aussuchen, was ihnen gefallen könnte, sondern wir geben die Auswahlmöglichkeiten. Und so wird meistens „Anna und die wilden Tiere“ oder „Checker Tobi“ geschaut. Hier kann man viel lernen und die Kids wissen hinterher mehr als wir.

Digitalität prägt unser Familienleben immer mehr. Unsere Kinder sind gerade noch klein und wir versuchen bei Nachfragen zur Medienzeit schöne Alternativen anzubieten, gemeinsam zu spielen und Zeit miteinander zu verbringen. Bisher klappt das ganz gut, allerdings mache ich mir oft Gedanken, wie es sein wird, wenn die Kinder größer werden. Wird mein Kind in der Schule mithalten können, wenn es keine Filme kennt oder noch kein Handy hat?

Doch eine Sache nehme ich mir immer wieder neu vor: Ich möchte für meine Kinder ein Vorbild sein. Denn wie soll ich ihnen vermitteln, dass sie sich doch lieber ein Buch oder Duplo-Steine schnappen sollen, wenn ich immer wieder mein Smartphone in der Hand habe? Seit ein paar Tagen lege ich immer öfter mein Handy bewusst in den Flur. Außerhalb meiner Reichweite und raus aus meinem Blickfeld. Und siehe da, ich kann wieder viel mehr im Hier und Jetzt sein und habe sogar angefangen, ein neues Buch zu lesen. Digitalität und die Nutzung von Medien sind nicht mehr wegzudenken. Und doch wünsche ich mir für meine Kinder und für uns als Familie, dass sie uns nicht bestimmen, wir immer wieder neu einen guten Mittelweg finden und Zeit miteinander immer noch den größten Reiz hat!

Maria Elter ist derzeit in Elternzeit und zu Hause als Vollzeitmama. Nebenbei engagiert sie sich in ihrer Gemeinde. Mit ihrem Mann und drei kleinen Kindern wohnt sie in Wetter.

Beim Zocken ins Gespräch kommen

Vor circa vier Monaten hatte ich die Gelegenheit, auf einem Digitalforum einen spannenden Vortrag der Schulleiterin Silke Müller zu hören. Darin wies sie eindrücklich auf die Gefahren hin, denen unsere Kinder heutzutage ausgesetzt sind. Dieser Vortrag hat mich in eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Thema digitale Medien gebracht. Klar weiß ich, dass ich mich und meine Kinder nicht der Nutzung in Gänze entziehen kann. Trotzdem habe ich gemerkt, dass ich im Alltag allzu schnell den Blick darauf verliere.

Als unser ältester Sohn sein erstes Handy bekam, begann unsere Auseinandersetzung damit, welches Endgerät das geeignete ist. Da bei Apple-Geräten schon von Haus aus eine gute Administration der Endgeräte auch für Kinder innerhalb der Familie möglich war, haben wir uns dafür entschieden. Über die Family Link-App kann man aber auch andere Endgeräte recht gut administrieren. Wir haben gemeinsam mit unserem Sohn in kleinen Schritten die Möglichkeiten des Handys entdeckt und erweitert.

Wenn ich jetzt auf diese Zeit zurückblicke, bin ich erschrocken, wie schnell der Wandel in der digitalen Welt ist. Da ist es für eine Familie, die ihre Kernkompetenz nicht im digitalen Bereich hat, nicht so einfach, Schritt zu halten. Ich versuche, immer wieder Zeit gemeinsam mit meinen Kindern mit den Medien zu verbringen, zum Beispiel beim Minecraft-Spielen. Oder ich lasse mir erklären, was bei EA Sports Neues passiert oder bei Animal Crossing oder Super Mario. Da ich auch gern mal zocke, fällt mir das nicht so schwer. Ich bin meiner Frau dankbar für die Zeit, die sie mir dafür einräumt. Es geht weit über das eigentliche Spielen hinaus, wenn ich beim Minecraft-Zocken an den Twitch-Sessions meines Sohnes teilhaben kann oder beim Spielen mit meinen Kids ins Gespräch komme. Diese Zeit empfinde ich als unendlich wertvoll.

Was mich in letzter Zeit allerdings aufhorchen lässt, ist die Tatsache, dass die jungen Menschen mit Hilfe der digitalen Welt mehr und mehr eine Parallelwelt erschaffen. Leute wie Trymacs oder Monte, Knossi oder Sascha hatten ihren Start in der digitalen Welt, haben jetzt aber mehr und mehr Einfluss auf unsere Gesellschaft. Oder die Baller League: Die Jungs stellen sich Fußballvereine zusammen und erschaffen einfach mal eine neue Fußball-Liga – nicht mehr nur in der digitalen, sondern in der realen Welt.

Wir als Eltern können nicht vor der Digitalisierung davonlaufen, sondern müssen uns die Zeit nehmen, gemeinsam mit unseren Kids in die digitale Welt einzutauchen, um den Anschluss nicht nur an die Digitalisierung, sondern auch an unsere Kids nicht zu verlieren. Nur so werden wir eine Atmosphäre schaffen, in der unsere Kids auch mit Themen, die sie beschäftigen oder bedrücken, zu uns kommen, um diese mit uns zu besprechen.

Peter Diehl ist Diplom-Sozialpädagoge und arbeitet als Bereichsleitung in der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Mit seiner Frau und seinen vier Kindern lebt er in Ostfriesland.

Inspiration für das wirkliche Leben

Digital – wenn ich dieses Wort höre, merke ich, wie die Wut in mir aufsteigt. „Zeitfresser!“, denke ich mir. „Beziehungsräuber! Suchtfalle!“ Scheinbar jeder ist von diesem Virus befallen – ich mit eingeschlossen. Und schon sehe ich mich gedanklich in Alaska, in den Bergen im Wald, ein kleines Häuschen mit Garten, ein prasselndes Kaminfeuer. In der Natur wie die Amish leben. Ganz einfach ohne Technik, ohne Lärm, Hektik, Cancel Culture und Co. – back to the roots eben.

Ich ertappe mich dabei, wie ich wehmütig auf Zeiten zurückblicke, in denen digitale Medien nicht so viel Raum einnahmen. Bis mir wieder auffällt: „Ich bin hier. Im Hier und Jetzt!“ Dadurch sehe ich das viele Positive, das mit der Technik einhergeht: ermutigende Sprachnachrichten an Freunde in Not, die ins Ausland ausgewandert sind. Oder das wöchentliche Mama-Gebets-Treffen per WhatsApp, das live undenkbar wäre. Hörbücher, Predigten und Lobpreis im Auto, vor dem Einschlafen oder bei der Gartenarbeit sind kaum mehr wegzudenken.

Gerade vor Kurzem haben unsere Mädels eine tolle Stelle am Bach entdeckt. Inspiriert von Outdoor- und Survival-Serien, die wir als Familie gern gemeinsam schauen, wurden kurzerhand Handschuhe, Säge und Klappmesser eingepackt. Voller Eifer wurde gesägt, zu dritt wurden Baumstämme getragen und nach Dingen zum Zusammenbinden gesucht. Voller Freude (und auch ein bisschen Stolz) dachte ich daran, was wohl die Real Life Guys sagen würden, wenn sie unser tolles Shelter sehen könnten! Ein unvergessliches Erlebnis für alle. Eine Idee, deren Umsetzung und Erfolgserlebnis dank digitaler Inspiration möglich war.

Schon als unsere erste Tochter klein war, entschieden wir uns, Medienzeiten einzuführen. Filme, Serien und Ähnliches gibt es bei uns am Wochenende. Und wir schauen vorrangig gemeinsam. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Mit der Oma schauen die Kinder gern dienstags die Naturdokus der ORF-Reihe „Universum“. Und auch das Binge-Watching der Serie „The Chosen“ erlauben wir. Ein ebenso wichtiger Punkt ist das gemeinsame Essen. Bei Tisch gibt es weder Handy, Radio oder Bücher. Dafür wird geplaudert, erzählt und nicht selten gelacht, geblödelt und gereimt.

Am Ende handhaben wir es so wie mit allen Dingen: Wir nutzen die Medien bedacht. Und wir reflektieren: Hast du das Handy? Oder hat es dich?

Astrid Magerle lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern (7 und 10) im Lavanttal in Österreich.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/09/Digitalitaet-in-der-Familie_BN_GettyImages_opolja.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2024-09-18 15:35:292024-09-18 15:35:29Familie im digitalen Zeitalter? Eltern berichten von ihren Erfahrungen

Partnerschaft: Wir brauchen Vertrautheit und Überraschung

Beziehung, Liebe und Sexualität leben von Gegensätzen, die eine gesunde Spannung in das gemeinsame Leben bringen. Wir brauchen Routinen, aber auch Abwechslung, erklärt eine Psychologin.

Luise und Tom sitzen gemeinsam auf dem Sofa. Sie lieben diese Abende: Endlich schlafen die Kinder und sie haben Zeit zu zweit. Ihre Augen suchen den Insta-Feed ab, immer auf der Suche nach neuen lustigen Videos, die sie einander zeigen können. Dabei kuscheln sie, genießen die Gegenwart des anderen und tauschen sich über ihren Tag aus, bis Tom an diesem Abend auf die Toilette muss. Plötzlich springt die Tür auf. Tom stürmt herein mit dem Ritterhelm des Sohnemanns auf dem Kopf. Dabei schwingt er einen Besen und ruft: „Sinke vor Ehrfurcht nieder, Weib! Sir Tom Tomus ist mit dem gebührenden Respekt zu begegnen, wenn er seinen Minnesang vorträgt.“ Luise lacht, sie legt das Handy weg und lässt sich zurück auf die Couch sinken, die Hände ergebend erhoben.

Überraschende Momente, die die Vertrautheit unterbrechen, bringen uns schlagartig in die Gegenwart zurück und erregen unsere Aufmerksamkeit. Innerhalb von Sekunden verändern sie unsere Stimmung und reißen uns aus unseren Gedankenschleifen heraus. Wer mit Kindern zu tun hat, kennt diese Erfahrungen. Mit ihrer einzigartigen Logik überraschen sie uns oft und erhellen im Nu unsere Laune. Auch Witze leben von Überraschungseffekten. Humor, Unerwartetes, Neues – danach sehnt sich jeder und das ist es, was den Beginn einer Beziehung meist so schön und aufregend macht. In Langzeitbeziehungen zeigt sich das Neue nicht mehr täglich. Wir glauben, unsere Partnerin oder unseren Partner zu kennen und wissen bereits, was er oder sie denkt und möchte. Überraschungen sind wie ungewohnte, vielleicht sogar selbst ausgedachte Drehungen in einem Paartanz, die die Vertrautheit von Takt, Grundschritten und Lied durchbrechen. Beim Tanz achten beide Partner aufeinander, sind einander zugewandt und schenken einander ihre volle Aufmerksamkeit. Dabei erwartet der oder die Geführte das Unerwartete. Die Unvorhersehbarkeit der nächsten Figur bringt Leichtigkeit und Spaß in die routinierte Abfolge der Grundschritte. Das ist schön und lässt sich auch auf den Alltag übertragen. Sich

immer wieder einander zuzuwenden, den anderen anzusehen, zuzuhören und aufmerksam zu erspüren, wohin er oder sie im Gespräch möchte, sind Nebenwirkungen einer Beziehung, die Raum für Neues lässt. Ganz im Sinne von Oscar Wilde: „Das Unerwartete zu erwarten, verrät einen durchaus modernen Geist“ – einen Geist, der offen für Veränderungen ist, sich eine gewisse Flexibilität zur Anpassung bewahrt und eingefahrene Muster kritisch hinterfragt.

Gegensätze, die einander brauchen

Vertrautheit und Überraschung sind zwei Pole der Intimität. Während Neues und Überraschendes vor allem beim Kennenlernen und Verlieben eine große Rolle spielt, übernimmt mit der Zeit die Vertrautheit die Führung. Sie wird zum Rückzugsort, an dem beide Partner sie selbst sein können und sich angenommen fühlen. Vertrautheit stärkt die emotionale Bindung und das Gefühl inniger Liebe. Doch so tröstlich sie auch sein mag, ohne die Unterbrechung durch überraschende Momente wird Vertrautheit so spritzig wie eine abgestandene Cola. Langeweile macht sich breit und es fällt immer schwerer, einander die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Ganz ehrlich: Warum auch? Denn wir verbleiben in unseren Mustern und der damit einhergehenden Vorhersehbarkeit von Abläufen und Verhaltensweisen, ähnlich einem Grundschritt ohne Figuren. Nur wenn wir mit dem Unerwarteten rechnen, bleiben wir offen dafür, dass der Partner beispielsweise wirklich etwas Unvorhersehbares zu erzählen hat und hören ihm oder ihr länger als acht Sekunden zu (so lange dauert es in der Regel, bis wir innerlich unsere eigene Antwort formulieren).

Zu viele Überraschungen hingegen überfordern uns. Bestünde das Leben nur aus Überraschungen, würden wir nach kurzer Zeit erschöpft zusammenbrechen. Die Schönheit des Unerwarteten würde der Hässlichkeit des Willkürlichen Platz machen – begleitet von Angst und Stress. Der vertraute Gleichschritt und die Zeit, um die Überraschungen im Nachgang zu genießen, sind genauso wichtig.

Liebe sehnt sich nach der Sicherheit und Geborgenheit des Vertrauten, während die sexuelle Leidenschaft das Abenteuerliche der Überraschung liebt. Beide brauchen einander und bringen in ihrem Zusammenspiel Leichtigkeit und Lebendigkeit in eine Beziehung.

Das Dilemma

Überraschungen bringen Schwung in unseren vertrauten Alltag. Leider haben die meisten von uns die Tendenz, zu wenig zu überraschen und der Vertrautheit den Vortritt zu lassen. Denn zu überraschen bedeutet, sich aufzurappeln. Das kostet Energie, die wir nicht gerne verschwenden und oft einfach nicht haben. Wenn wir über längere Zeit kraftlos sind und die eingefahrenen Muster sich aufgrund des Energiemangels verstetigen, sinkt auch der Mut, die vertrauten Bahnen zu verlassen. Genauso, wie

das Verhalten unseres Partners uns Sicherheit gibt, wollen wir mit unserem Verhalten die Stabilität nicht gefährden. Leider auch dann nicht, wenn es sich um destruktive Muster handelt. Wie beim Tanz nehmen beide Partner eine Rolle ein. Und tappen dabei in eine Falle. Denn wie kann es sein, dass zwei Partner ein Problem lösen wollen und es dabei noch schlimmer machen? Beide Partner geben sich große Mühe und halten das Problem trotzdem am Leben oder machen es durch ihr Handeln noch schlimmer.

Luise und Tom kennen das. Je mehr Luise Tom bittet, seine Sachen wegzuräumen und je mehr sie demonstrativ für Ordnung sorgt, desto weniger räumt er auf und beteuert, dass ein bisschen Chaos nicht schade. Je öfter Tom Annäherungsversuche zum Sex unternimmt, desto bedrängter fühlt sich Luise und weist ihn noch öfter zurück. Was Tom als die Lösung sieht, wird für Luise zum Problem und andersherum. Beide nehmen die Probleme wahr und wollen ihnen auf den Grund gehen. Doch der Grund spielt bei der Lösung eines Problems meist eine untergeordnete Rolle. Er ist nur für die Schuldfrage relevant. Wenn wir aber wirklich eine Lösung anstreben, ist folgende Frage viel wichtiger: Will ich lieber recht haben oder verheiratet sein?

Hier kommt Überraschung ins Spiel: Zu überraschen bedeutet, sich so zu verhalten, wie es unsere Partnerin oder unser Partner nicht erwartet. Die größte Überraschung passiert somit dort, wo wir uns selbst überraschen. Denn damit rechnet der Partner bestimmt nicht. Für Tom und Luise bedeutet das, jeweils das Gegenteil von dem zu tun, was sie bisher taten. Tom müsste abends all seine herumliegenden Sachen aufräumen. Luise müsste aushalten, dass sie nicht für Toms Sachen verantwortlich ist und sie kommentarlos liegen lassen. Alternativ könnten sie als Kompromiss „Toms Minnekiste“ aufstellen, in die Luise alles werfen darf, was sie stört, und Tom die Verantwortung überlassen kann, wichtige Rechnungen unter den Socken trotzdem auf dem Schirm zu haben. Des Weiteren müsste Tom aufhören, Annäherungsversuche zu unternehmen, bis Luise freiwillig die Initiative zum Sex ergreift. Alternativ könnten die beiden einen Deal vereinbaren, dass Luise auf jeden seiner abgelehnten Annäherungsversuche selbst innerhalb von drei Tagen auf ihn zugeht. So können beide ihre Bedürfnisse wahren, ohne Vorwurfs-Rechtfertigungs-Pingpong.

Vier Stellschrauben, um die Leichtigkeit in der Beziehung durch Überraschungen zu erhalten:

1. Überrasche deinen Partner:
Kleine Überraschungen lockern den Alltag auf und teilen deiner Partnerin oder deinem Partner mit: Ich sehe dich. Du bist mir wichtig. Ich mag unsere Beziehung.

Get active: Fertige eine Liste mit Dingen an, die deine Partnerin gernhat, sowie Aufgaben, die sie überhaupt nicht gern mag und beginne, diese Aufgaben anzugehen. Überrasche sie damit am nächsten Tag wieder und den Tag darauf auch. Lade deinen Partner zu einem kurzen Abendspaziergang ums Haus ein, zünde abends mal wieder eine Kerze an oder bring deiner Partnerin morgens einen Kaffee ins Bad. Tun es bei ihr eher Worte der Anerkennung, dann verstecke kleine Botschaften in Jackentasche, Brotdose oder Geldbeutel. Oder schreibe mal wieder eine Mail, am besten in einer anderen Sprache.

2. Überrasche dich selbst:
Was könnte eine größere Überraschung sein, als sich so ungewohnt zu verhalten, dass man über sich selbst staunen muss?

Get active: Frage dich, worauf du wirklich gar keine Lust hast, und dann mache es. Wenn du beispielsweise nicht magst, dass dein Partner abends gerne am PC spielt, überrasche ihn, indem du mitspielst. Wenn du ein hingebungsvoller Langschläfer bist, stelle deinen Wecker zu einer Unzeit und mach euch einen Kaffee. Falls du dich zu den Warmduschern zählst, stell dich unter die eiskalte Dusche. Dabei darfst du gern kreischen, dann hat dein Partner direkt etwas zu lachen.

3. Bewahre einen „modernen Geist“:
Die Fähigkeit, sich flexibel an Bedingungen anzupassen und offen für Unbekanntes zu bleiben, kann geübt werden.

Get active: Wechselt jeden Monat ein paar Aufgabenverteilungen und am besten auch gleich die Bettseite. Plant jede Woche etwas zusammen, was ihr noch nie gemacht habt: eine gegenseitige Handmassage, Sex an einem neuen Ort, ein Eisbad, einen Fallschirmsprung… Je mehr Adrenalin dabei ausgeschüttet wird, desto verliebter werdet ihr danach wieder sein. Erstellt eine Traumliste, was ihr noch alles gemeinsam erleben wollt. Entlarvt typische „Das macht man halt so“ und macht das Gegenteil.

4. Mach Sport:
Ja, richtig gelesen. Sport stärkt Körper und Psyche und liefert langfristig Energie, die wir wiederum brauchen, um uns gegenseitig zu überraschen.

Get active: Schon eine einzige, schwere Wiederholung einer Liegestütze liefert messbare Effekte. Absurd einfach, oder? Falls du dich nur schwer motivieren kannst, dann kopple den Sport an feste Routinen im Alltag, wie beispielsweise eine einzige Kniebeuge nach dem Spülmaschine-Anschalten.

Viel Freude beim Blick über den vertrauten Tellerrand auf der Suche nach Alltagsabenteuern!

Tabea S. Müller ist Psychologin. Sie coacht bei „Micro Sabbaticals“ und „Friede deiner Hütte“.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2024/09/Paar-springt-in-einen-See.jpg 1280 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2024-09-09 08:40:332024-09-09 08:40:33Partnerschaft: Wir brauchen Vertrautheit und Überraschung

Einfach mal offline: Warum wir digitalfreie Zeiten brauchen

Die digitale Technologie durchdringt unseren Alltag und bringt viele Vorteile mit sich – aber auch große Herausforderungen. Eine Expertin erklärt, warum regelmäßige digitale Pausen nötig sind.

Frau Miller, sie sind Expertin für digitale Achtsamkeit. In ihrem Buch „Verbunden“ schreiben sie, dass digitale Achtsamkeit eine der großen Herausforderungen unseres Jahrhunderts ist. Was meinen sie damit?

Es geht nicht rein um die Frage der Technologie, sondern darum, wie wir als Menschen mit immer digitaleren Prozessen und dem Eindringen vom Digitalen in all unsere Lebens- und Beziehungsbereiche umgehen wollen. Ich glaube, dass es eine sehr große Herausforderung sein wird, da moralische und ethische Grenzen und Möglichkeiten herauszuarbeiten. Wie wollen wir leben, wie wollen wir Beziehungen führen und wie wollen wir die Digitalisierung wieder so aktiv in die Hand nehmen, dass sie uns in unseren menschlichen Herausforderungen nützt, statt uns zu schaden?

Mittlerweile ist es bei vielen Menschen normal, dass sie morgens als Erstes und abends als Letztes zum Handy greifen. Wieso ist das problematisch?

Es ist nicht nur problematisch: Wenn wir morgens ans Handy gehen, sind wir ja viel schneller wach. Das hat auch damit zu tun, dass die vielen Informationen unser Nervensystem aktivieren und uns dann leichter wecken. Gleichzeitig ist genau das das Problem: Statt uns erst einmal im Dämmerzustand zu sammeln und zu überlegen, was ich mit diesem Tag machen will, statt sich Zeit und Raum für sich und andere zu lassen, wird man mit vielen Dingen konfrontiert, die nicht im unmittelbaren Lebensbereich stattfinden. Das ist eine der Hauptschwierigkeiten der Digitalisierung: Dass wir überall immer Zugriff auf die ganze Welt haben und viele Informationen in unsere Lebensrealität, in unsere Körper, in unsere Seelen eindringen. Das macht etwas mit unserem Nervensystem, mit unserem Selbstwert, mit unseren emotionalen, seelischen und geistigen Ressourcen. Wir müssen einen Sinn für die eigene Kompetenz haben, für einen gewissen Radius der Kontrolle. Das digitale Dauerrauschen führt zu einer emotionalen und seelischen Nervosität. Wenn dann noch eine 50-Stunden-Woche dazukommt und zwei Kinder und man noch einkaufen muss und schlecht geschlafen hat, ist es eine weitere Dauerstressquelle.

Das heißt, wir brauchen grundsätzlich Pausen von digitalen Reizen?

Ja. Wir brauchen nach einer Aktivierung des Nervensystems auch wieder eine Beruhigung, sonst sind wir in einem chronischen Stresszustand. Das macht uns krank und anfällig für psychische Krankheiten.

Und wie verändern sich Beziehungen durch digitale Medien?

Auf der einen Seite sind sie für viele Menschen ein Tor zur Welt und zu anderen Menschen. Beziehungsherstellung im digitalen Raum kann sehr inspirierend sein. Wichtig ist aber, dass es nicht beim Digitalen bleibt. Der Mensch ist ein körperliches Wesen und braucht den dreidimensionalen Raum, um Beziehungen auf allen Ebenen und mit allen Sinnen zu erfahren. Für zwischenmenschliche tiefe Beziehungen ist Präsenz wichtig, das Vermitteln: Ich bin jetzt ganz bei dir und emotional verfügbar für dich. Das spürt das Gegenüber. Das digitale Dauerrauschen reißt viele im Minutentakt aus der Situation und aus der Beziehung heraus. Man kann digitale Kontakte pflegen, aber es ist auch wichtig, immer wieder in sich hineinzuhören: Ist das jetzt befriedigend? Reicht mir dieser digitale Kontakt? Wie möchte ich überhaupt mit Menschen interagieren?

Sollte man Social Media also insgesamt wohldosiert verwenden?

Es gibt ein paar Elemente von Bildschirmkonsum, auf die man achten kann, zum Beispiel Qualität versus Quantität: Wie qualitativ hochwertig ist das, was ich digital konsumiere? Wie lange konsumiere ich das? Und wie oft lasse ich mich unterbrechen? Es ist etwas anderes, wenn ich einmal am Tag eine halbe Stunde auf Instagram gehe oder wenn ich alle Push-Notifications anhabe und alle fünf Minuten nachschaue, ob ich noch ein Like gekriegt hab. Die andere Frage ist ja: Was haben wir in dieser Zeit nicht gemacht? Man ist jetzt im Schnitt mittlerweile fünf Jahre seines Lebens auf Social Media. Wenn du die Antwort für dich finden kannst, dass du eine aktive, beteiligte Person warst, Sachen gepostet und das gemäß deinen Werten und Wünschen für dich gemacht hast, dann wäre das kein Thema. Aber viele Menschen merken ja: Da ist so ein Zwang dahinter. Ich bin viel länger online, als ich will. Und irgendwann bist du müde und hast wenig Energie und Ressourcen übrig für andere Dinge, die dir wichtig wären.

Eine aktuelle Postbank-Studie hat ergeben, dass 41 Prozent der 18- bis 39-jährigen Deutschen weniger Zeit auf Social Media verbringen wollen. Was würden sie ihnen raten?

Überlege dir: Was mache ich stattdessen? Wenn ich abends nach Hause komme und mir vorher schon überlegt habe, dass ich ein Buch lesen möchte oder zusammen mit Freunden kochen will, dann habe ich eine proaktive Antwort darauf, was ich mit meiner Zeit eigentlich anfangen möchte. Aber: Das Digitale übt oft einen viel stärkeren Sog aus. Lesen zum Beispiel stimuliert das Nervensystem und das Gehirn viel weniger als ein YouTube-Video. Das sollte man sich bewusst machen: Die „langweiligeren“ Aktivitäten, die mir aber guttun, weil sie mein Nervensystem beruhigen, sind schwieriger, wenn wir schon total aufgeputscht nach Hause kommen. Deswegen lohnt es sich, diese Aktivitäten auf den Morgen zu verschieben. Damit anzufangen: weniger digitale Inputs, die erste Stunde des Tages digitalfrei, einen analogen Wecker kaufen und in Ruhe starten und sich daran gewöhnen, dass die Welt sich weiterdreht, auch wenn ich den Flugmodus erst um 8:30 Uhr rausnehme. Und diese Zeiträume, wo wir panisch online immer wieder checken, was passiert ist, nach und nach wieder ausdehnen und ohne Handy einkaufen oder spazieren gehen und mal fühlen, dass das wahnsinnig entlastend ist. Also: Handy vom Körper weg. Handy aus den Räumen weg. Ein weiterer Punkt: Viele Leute gehen zum Beispiel abends mit Freunden essen, aber im Büro war noch nicht klar, ob da noch eine Deadline ist, und mit dem Partner hat man noch nicht vereinbart, ob man sich morgen sieht. Da sind noch viele offene Punkte. Natürlich kann ich mich digital nicht abgrenzen, wenn ich Leerbereiche habe, weil das emotional verunsichernd ist.

Eltern machen mit dem Smartphone gern Fotos und Videos von ihren Kindern. Warum sollten sie vorsichtig damit sein?

Weil das Kind lernt, dass es auf diese Weise Lob und Anerkennung kriegt. Das ist das Problem unserer Zeit, wir konditionieren uns ja als Erwachsene auch dazu. Das Kind hat ein Recht auf Privatsphäre und darauf, nicht in einem öffentlichen Zusammenhang Dinge zu erleben. Deswegen finde ich auch Videos von Kleinkindern im Netz problematisch.

Wieso sollten Kinder lieber analog als digital spielen?

Weil das echte Leben ein bisschen dreckiger und chaotischer ist. Im echten Leben funktionieren Leute nicht wie Roboter. Beim Spielen kann es sein, dass der Lukas dir an deinen Haaren rumzieht und du dann ein ganz anderes Problem zu lösen hast. Das ist das, was das Leben ausmacht und dir soziale und emotionale Kompetenz und Emotionsregulation beibringt. Das Kind erfährt im dreidimensionalen Raum und über den Körper, über Lernen am Modell der Eltern und Erziehungsberechtigten. Das ist ein viel komplexeres Ding, als vorm Bildschirm zu sitzen und fünf Knöpfe zu drücken. Das heißt nicht, dass man das nicht auch mal machen kann, aber das sollte nicht tägliche Routine sein.

Was würden sie Eltern sagen, die Angst haben, dass ihre Kinder später digital abgehängt werden?

Das stimmt einfach nicht. Auf einem iPad drückt ein Siebenjähriger eine halbe Stunde rum, dann hat er das begriffen! Das ist nicht das gleiche wie laufen lernen, wo man anderthalb Jahre üben muss. Die Welt ist so digital, da kommt man sowieso nicht dran vorbei, da muss keine Frühförderung betrieben werden. Es ist viel wichtiger, die digitalen Prozesse proaktiv zu begleiten. Da geht es um emotionale und soziale Kompetenz, um Fragen wie: Wo kann dieses Foto hin? Wie gehe ich im digitalen Raum mit Menschen um? Das hat nicht nur mit den Kindern zu tun, da müssen sich auch viele Eltern und die Schule regulieren.

Welche Anregungen würden sie Eltern mitgeben, um ihren Kindern digitale Achtsamkeit zu ermöglichen?

Erstens: gemeinsame, digitalfreie Zeiten. Zweitens: Wie kann ich proaktiv vormachen, dass das Handy nicht meinen Alltag bestimmt? Zum Beispiel, indem man als Familie einen Ort definiert, wo die digitalen Geräte liegen bleiben können. Und das Dritte ist, sich dafür zu engagieren, dass sich das System ändert. Die 365 Nachrichten im Klassenchat über Mittag belasten das Kind. Es ist völlig logisch, dass ein 8-Jähriger oder ein 12-Jähriger genau das Gleiche machen will wie seine Peers – der hat keinen Bock, der Einzige ohne Handy zu sein. Da kann man mit der Schule und politisch und gesellschaftlich das Gespräch suchen, einen Schüler- oder Elternrat gründen und sich da engagieren.

Was wünschen sie sich für unsere digitalisierte Gesellschaft in der Zukunft?

Ich wünsche mir als Allererstes, dass die Leute merken: Die Digitalisierung hat mit jedem Einzelnen was zu tun! Das ist eine Bürgerfrage und eine politische Frage, nämlich, welche menschlichen Werte in Zukunft überhaupt noch geschützt werden und von wem und wie. Da muss man auch nichts verstehen von Digitalisierung, sondern davon, wie man leben will. Wir müssen uns alle für nachhaltige Digitalisierung engagieren, um tatsächlich die Menschenwürde aufrechtzuerhalten. Das ist nicht einfach ein bisschen Candy Crush. Das ist wie der Klimawandel und Gleichstellung! Wir müssen anfangen, den digitalen Raum würdevoll zu gestalten, Menschen zu schützen und das Positive zu stärken. Da braucht es jeden – nicht einfach ein paar Leute, die nicht ins Internet gehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Diana Heidemann.

Anna Miller hat einen Master-Abschluss in Positiver Psychologie und ist Autorin und Expertin für digitale Achtsamkeit.

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