springe zu:
  • Online-Magazin
    • Artikel aus den Heften
    • Erziehungs-Tipps
  • Family-Produkte
    • Alle Family Produkte
    • Abonnement
  • Familien-Foren
  • ServiceKontakt & Anzeigen
    • Spenden
    • Christliche Jobbörse edenjobs.de
    • Kontakt
      • zur Redaktion
      • zum Kunden-Service
    • Werben in Family (Mediadaten)
    • Vertrag kündigen
  • Family bestellenAbo & Geschenke
    • kostenlos testen
    • verschenken
  • FamilyNEXT bestellen
    • kostenlos testen
    • verschenken
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü
Artikel aus den Heften

Paartherapeut: Eine Fähigkeit verbessert den Sex. Aber sie ist schwer zu erlernen

Um die Erotik auch bei langjährigen Beziehungen aufrechtzuerhalten, braucht es laut Jörg Berger nicht viel. Aber Paare müssen dafür etwas wagen.

„Hat seine Wirkung nicht verfehlt“, schreibt Heinz-Dieter in der Bewertung in der Shop Apotheke. Früher waren es Tollkirsche, Muskat oder auch die Tomate als „Liebesapfel“, heute heißen sie Libido Lady oder libiLoges (Heinz-Dieters Wahl). Mittel, die unser Begehren steigern oder uns sogar begehrenswerter machen – das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Gleichzeitig gibt es kaum ein Paar, das sich nicht einmal Gedanken um die Erotik in seiner Beziehung macht. Ist die Anziehung zwischen uns noch so, wie wir es uns wünschen? Ist es normal, wenn die Intensität unserer sexuellen Begegnungen nachlässt?

Tatsächlich gibt es das: Ein Liebesmittel, das unser Begehren weckt und uns begehrenswerter macht. Es wirkt biochemisch. Trotzdem können wir es in keiner Apotheke kaufen. Es ist teuer. Doch wir bezahlen nicht mit Geld, sondern mit Mut. Das Liebesmittel ist die seelische Nähe, die ein Paar wagt, ein Lebendigsein in der Gegenwart des anderen. Sie entsteht durch Offenheit. Denn allein die räumliche Nähe schafft noch keine seelische Nähe. Zwei Gefangene können sich die Zelle teilen, ohne sich nahezukommen, zwei Kranke das Zwei-Bett-Zimmer oder auch ein pensioniertes Paar den ganzen Alltag. Seelische Nähe erfordert den Mut zur Offenheit und den Mut, den Partner so willkommen zu heißen, wie er wirklich denkt, fühlt und handelt. Aber tun wir das nicht ganz selbstverständlich? Und falls nicht, warum nicht?

Was ist psychische Nähe?

Wie lange können Sie Ihrem Partner in die Augen schauen, ohne dass es peinlich wird? Wie lange können Sie den Körper des anderen einfach betrachten oder aufmerksam berühren? Und wann wird das irgendwie unangenehm? Wie offen teilen Sie Ihre Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse und Gelüste mit? Wie lange fühlen sich beide sicher, wenn Tränen fließen?

Jedes Paar reguliert seelische Nähe. Es wagt Nähe und löst sie wieder auf: ansehen und wegsehen, die Intimität eines Schweigens zulassen und durch Humor wieder vertreiben, tiefe Gefühle offenbaren und dann sagen, dass sie kein Drama sind, einem Herzensleid Raum geben und dann nach einer Lösung suchen.

Das Mittelmaß ist wichtig

Offenbar haben wir ein Gefühl dafür, wie viel Nähe gut ist. Wir sorgen dafür, dass sie nicht zu viel und nicht zu wenig wird. Wir wollen uns dem anderen nicht auf eine Weise zumuten, die vielleicht unangenehm oder bedrohlich wird. Jeder hat als Kind auch die Erfahrung gemacht, einem Elternteil mit den eigenen Bedürfnissen und Verhaltensweisen zu viel zu sein. Das hat uns geprägt. Außerdem kann Nähe bei einem selbst zwiespältige Gefühle auslösen, zum Beispiel Unsicherheit oder Verpflichtung. Wenn wir eine entspannte Zeit haben wollen, regulieren wir seelische Nähe am besten auf ein gutes Mittelmaß. Aber wir können auch mehr seelische Nähe zulassen. Das setzt stärkere Gefühle frei. Wir werden lebendiger und drücken uns tiefer aus. Das kommt auch dem Sex zugute.

Mehr seelische Nähe zulassen bedeutet allerdings auch: mehr Scham, mehr Unsicherheit und mehr Schuldgefühle erleben. Billiger bekommen wir seelische Nähe nicht. Wir können diese Gefühle aber zulassen und annehmen. Sie sind menschlich. Mit der Zeit werden wir uns immer sicherer dabei fühlen. Außerdem können wir den anderen liebevoll unterstützen, wenn sie/er sich schämt, unsicher oder schuldig fühlt. Wie das aussieht und was das ermöglicht, kann ich an einem Beispiel aus der Sexualtherapie zeigen. Ich habe es verfremdet und andere Namen gewählt.

Ein Beispiel: Von wenig Lust auf Sex zu mehr Sex

Marit lernt für Prüfungen. Sie ist gestresst und das wird noch ein paar Monate dauern. Auf Sex lässt sie sich nur ein, wenn sie sich entspannt fühlt, und das kommt gerade selten vor. Gleichzeitig fühlt sie sich schuldig, weil sie so wenig auf Svens Bedürfnisse eingeht und diejenige ist, die bestimmt, was geht und was nicht. Sven ist ausgehungert und fast immer offen für Sex. Er versucht aber, kein Begehren aufkommen zu lassen. Denn er will den sexuellen Frust nicht spüren. Außerdem will er Marit nicht bedrängen. Was würden Sie den beiden raten?

Marit und Sven haben ihre Toleranz für seelische Nähe gesteigert. Denn Marit lässt sich nun auch auf Zärtlichkeiten ein, wenn sie gestresst ist. Das entspannt sie und sie öffnet sich für Svens Nähe, wenn sie unausgeglichen ist. Der Preis ist: Marit mutet sich Seiten zu, die sie selbst an sich nicht mag, ihre schlechte Laune und Gereiztheit zum Beispiel. Sie muss außerdem manchmal dazu stehen, dass Zärtlichkeiten nicht zum Sex führen. Mehr geht dann einfach nicht. Nun schämt sie sich und fühlt sich auch schuldig: Sie hat Sven Lust gemacht und muss sich zurückziehen.

Sven kann seinen Frust und seine Ungeduld dann nicht immer verbergen. Aber für all das gibt es nun eine Erlaubnis. Es darf so sein. Sven hilft Marit sogar, sich nicht schuldig zu fühlen, Marit bejaht Svens Frust und nimmt ihn nicht persönlich. Die beiden haben nun häufiger Sex als vorher. Denn Marit nutzt auch die Vielleicht-kommt-die-Lust-ja-Situationen, nicht nur die sicheren, entspannten Abende. Doch noch wertvoller ist die gewachsene seelische Intimität. Beide bringen tiefere Gefühle in die sexuelle Begegnung ein. Sie sind spontaner und zeigen mehr von sich. Sie folgen zwar immer noch einem vertrauten Ablauf, aber durch das, was sie von sich zeigen, erleben sie es immer anders.

Zu Lust und Unlust stehen

Hier sehen wir, wie seelische Nähe – wenn wir sie wagen – den Sex belebt. Je mehr wir in der sexuellen Begegnung von uns zu zeigen wagen, desto spannender wird sie. Auch wenn es manchmal Mut kostet, zur eigenen Lust und Unlust zu stehen, spontane Gedanken und Gefühle zu zeigen oder einer Neugier zu folgen, ohne vorher zu wissen, wie das für den anderen ist. Mut kostet es, weil wir beim anderen auch einmal einen Schreck auslösen, eine Abwehr oder ein Unbehagen. Aber genau das macht seelische Nähe aus, dass beide mit allem sein dürfen, was sie denken, empfinden und brauchen, und so reagieren dürfen, wie sie eben reagieren. Dabei setze ich voraus, dass dies einigermaßen taktvoll geschieht und keiner mit harter Kritik oder langem Rückzug belastet wird. Man könnte zwar auch bei Kritik oder Rückzug behaupten: „Ich bin authentisch und drücke so meine Gefühle aus.“ Aber das stimmt ja nicht, denn die wahren Gefühle bleiben hinter der Kritik oder dem Rückzug verborgen.

Wer seelische Nähe wagt, fördert auch die erotische Polarität. Idealerweise baut sich im Alltag eine erotische Spannung auf, die sich im Sex entlädt. Spannung entsteht zwischen Polen. Romane und Filme spielen mit der Polarität: die Karrierefrau und der Chaot, der Snob und die Frau aus einfachen Verhältnissen, der Vernunftmensch und die verhängnisvoll leidenschaftliche Femme fatale. Auch unsere Liebesbeziehungen spielen sich zwischen solchen Polen ab.

Gegensätze ziehen sich an

Bei größeren Projekten – einem großen Ausmisten oder einem Umzug zum Beispiel – packt mich Furor, eine aggressive Entschlossenheit. Sie erleichtert Entscheidungen. Sie hilft, unsere Pläne auch gegen Widerstände zu behaupten. Meine Frau kann mit meiner Aggression besser umgehen, seit ich sie mit Worten ankündige oder zu ihr stehe, wenn sie sich nicht verbergen lässt. Denn dann ist klar, dass meine Frau ihren Pol ruhig auch ausleben darf. Sie hält meiner Geradlinigkeit dann Feingefühl entgegen, das auch mal wartet oder einen Umweg geht. Auch wenn das Konfliktpotenzial birgt, ergänzen wir uns. Gleichzeitig beleben solche Situationen unsere Beziehung auch in erotischer Hinsicht. Es wird eine Polarität spürbar, die vielleicht schon zu Beginn unserer Liebe Anziehungskräfte ausgeübt hat.

Andere Pole sind: stille Tiefgründigkeit und spritzige Geselligkeit, Sparsamkeit und Großzügigkeit, Gewohnheit und Veränderung, Berührbarkeit und Robustheit, Disziplin und Freiheit, Selbsthingabe und Durchsetzung. Die seelische Nähe nimmt zu, je mehr sich die Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse beider Pole zeigen dürfen und in der Beziehung Raum finden. Auch wenn wir Spannungen nicht unbedingt in unserer Beziehung brauchen, hält uns die Spannung lebendig. Manchmal würden wir den anderen lieber auf unseren Pol ziehen. Das Miteinander wäre dann einfacher. Aber statt echter Nähe hätten wir dann nur ein Arrangement, bei dem sich beide beschneiden und vieles für sich behalten. Warum sollten wir jemanden begehren, der uns immer ähnlicher wird? Warum verschmelzen mit einem Menschen, der sein Geheimnis verloren (nein! – nur vor uns verborgen) hat und uns kaum mehr schenken kann als das, was wir von uns selbst kennen?

Sex auf Platz zwei

Die Psychologie der seelischen Nähe ist mir in einer Hinsicht sympathisch. Sie verweist den Sex auf den zweiten Platz. Dort gehört er hin. Manchmal ist er ein Zeichen, wie es um die Liebe steht. Unsere Sehnsucht nach erfüllendem Sex verweist uns auf etwas Wichtigeres. Michael Lukas Moeller, Professor für Medizinische Psychologie und Paartherapeut, beschrieb das so: „Seit Menschengedenken sind alle Kulturen erpicht auf Liebesmittel, Aphrodisiaka. Mit den Beziehungen der Paare – kann man daraus schließen – stand es schon immer nicht zum Besten. Denn was ist das wirksamste Aphrodisiakum? Jeder weiß es, keiner wagt es, die Einsicht auszusprechen: das lebendige Paar.” (aus: Die Wahrheit beginnt zu zweit, S. 113)

Jörg Berger ist Psychotherapeut und Paartherapeut in Heidelberg. Neben Ratgebern veröffentlicht er Online-Kurse, die Paaren helfen (epaartherapie.de; derherzenskompass.de/schwereliebe).

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/02/family_naehe.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-02-01 15:35:402022-02-01 15:35:40Paartherapeut: Eine Fähigkeit verbessert den Sex. Aber sie ist schwer zu erlernen

Mein Baby ist im Stillstreik!

„Mein Baby verweigert seit ein paar Tagen die Brust und lässt sich nur mit viel Aufwand und Ruhe (im Liegen, mit heruntergelassenen Rollos, niemals in Gesellschaft) stillen. Ist das normal? Ich habe auch Angst, dass es durch diesen ‚Stillstreik‘ zu wenig Milch bekommt und abnimmt.“

Ihr Baby hat bisher problemlos an der Brust getrunken. Jetzt hat sich sein Verhalten komplett verändert – es trinkt nur noch unter besonderen Bedingungen und auch das nicht entspannt. Ihre Angst, dass es dadurch auf Dauer nicht mehr genug Milch erhält, ist verständlich. Viele Mütter, deren Babys plötzlich die Brust verweigern, haben diese Sorge. Sie fühlen sich darüber hinaus häufig persönlich von ihren Babys abgelehnt. Falls dies bei Ihnen auch so ist, seien Sie versichert: Der Stillstreik ist nicht gegen Sie gerichtet!

Meist gibt es für einen Stillstreik einen Auslöser, der dazu führt, dass das Baby das Stillen vorübergehend mit etwas Negativem verknüpft. Und es verweigert auch dann noch die Brust, wenn das eigentliche Problem nicht mehr besteht. Ihr Baby könnte sich zum Beispiel während des Stillens erschreckt haben, es war (oder ist?) krank oder hatte Schmerzen (etwa an der Einstichstelle einer Impfung). Fällt Ihnen dazu etwas ein? Wenn die Ursache noch weiter besteht, wäre es gut, diese – wenn möglich – zu beheben.

DIE SITUATION ENTSPANNEN

Bei einem Stillstreik geht es zunächst darum, die Stillsituation wieder zu entspannen. Sie haben ja schon herausgefunden, welche Bedingungen es Ihrem Baby leichter machen, sich wieder auf das Stillen einzulassen. Behalten Sie das ruhig bei. Sie könnten noch ausprobieren, ob das Stillen besser klappt, wenn Ihr Baby noch im Halbschlaf ist. Dazu passen Sie den Zeitpunkt kurz vor dem Aufwachen ab und bieten direkt Ihre Brust an.

Da sich ein Baby während eines Stillstreiks oft schon beim Anlegen oder sogar auf dem Weg zum gewohnten Stillplatz aufregt und steif macht, kann eine andere Stillposition, ein anderer Ort oder das Stillen beim Herumgehen oder auf einem Gymnastikball helfen. Mit vier Monaten durchschaut Ihr Baby schon viele gewohnte Abläufe. Wenn Sie diese unvorhersehbar machen, können Sie es vielleicht überraschen.

DAS NEIN VERSTEHEN

Und bitte, versuchen Sie, sich keinen Druck zu machen. Auch, wenn das leichter gesagt als getan ist – erinnern Sie sich daran, dass Ihr Baby nicht Sie als Mutter ablehnt, sondern nur vorübergehend die Stillsituation. Wenn Sie es schaffen, das Nein Ihres Babys zu verstehen und zu respektieren, hilft das dabei, schlechte Erlebnisse an der Brust zu vermeiden. Dann wird das Stillen für Sie beide wieder entspannt. Wenn sich Ihr Baby also gegen das Stillen wehrt, machen Sie eine Pause, beruhigen Sie sich beide und versuchen Sie es erneut.

Wenn Sie möglichst viele Situationen ausnutzen, in denen Ihr Baby sich einigermaßen entspannt stillen lässt, wird es wahrscheinlich genug Milch erhalten, bis der Streik wieder abklingt. Behalten Sie bitte trotzdem die Urinmenge und den Allgemeinzustand Ihres Babys im Auge und wenden Sie sich gegebenenfalls an Ihren Kinderarzt. Eine Stillberaterin wird Sie bei Bedarf gern durch den gesamten Streik begleiten und gemeinsam mit Ihnen den für Sie und Ihr Baby passenden Weg finden.

Christiane Stange ist Stillberaterin des La Leche Liga Deutschland e.V.. Illustration: Sabrina Müller, sabrinamueller.com

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/stillstreik.jpg 1584 1976 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-01-29 10:00:282022-01-19 16:11:23Mein Baby ist im Stillstreik!

Kind in die Schule schicken: Drei Gründe dafür – und zwei dagegen

Seit Dienstag können Berliner Eltern selbst entscheiden, ob sie ihr Kind zur Schule schicken möchten oder nicht. Wir geben eine Entscheidungshilfe.

Die Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) teilte am Montag,  24. Januar, überraschend mit, dass die Präsenzpflicht in Schulen bis Ende Februar aufgehoben wird. Grund dafür sind die neuen Quarantäne-Regeln der Berliner Amtsärzte: Nur noch infizierte Schülerinnen und Schüler müssen isoliert werden. Andere Mitschülerinnen und -schüler müssen nicht mehr in Quarantäne, selbst wenn sie direkte Sitznachbarn gewesen sind. Besorgte Eltern können nun ihr Kind zu Hause lassen, müssen dann aber auch sicherstellen, dass es seine Aufgaben zu Hause erledigt. Was spricht dafür, sein Kind weiter in die Schule zu schicken? Und was dagegen?

Pro Schule: Lernrückstände aufholen

  1. Isolation verstärkt negative Folgen. Bewegungsmangel, Übergewicht, Einsamkeitsgefühle: Die Pandemie hat so einiges im Leben vieler Schülerinnen und Schüler zum Unguten verändert. In der bundesweiten COPSY-Studie berichteten beispielsweise 83 Prozent der Kinder und Jugendlichen von einem Rückgang ihrer sozialen Kontakte während der Lockdowns. Gehen sie nun nicht mehr in die Schule, könnten sich diese negativen Entwicklungen verstärken.
  2. Lernrückstände sollten minimal bleiben. Die Lerneinbußen bei Kindern im Grundschulalter waren im ersten Lockdown besonders groß. Bei ihnen ging rund ein Viertel Schuljahr verloren. Besonders Kinder und Jugendliche aus Familien, in denen die Eltern einen niedrigen Bildungsabschluss haben, haben aktuell zu kämpfen. Das Lernen ist für sie anstrengender, der schulische Alltag nicht gut zu bewältigen. Zuhause können sie nicht genug Hilfe bekommen, sie brauchen die persönliche Unterstützung durch Lehrkräfte.
  3. Hybridunterricht überfordert. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands Heinz-Peter Meidinger hält die Aufhebung der Präsenzpflicht an Berliner Schulen für falsch. Ein geordneter Unterrichtsbetrieb und ein angemessener Lernfortschritt seien kaum möglich. Denn die gleichzeitige Betreuung von Präsenz- und Distanzlernenden durch Lehrkräfte sei im Grunde nicht umzusetzen, sagte Meidinger dem Nachrichtenportal „Business Insider“ am Dienstag.

Contra Schule: Die Infektionszahlen sind enorm

  1. Infektionszahlen steigen massiv. Die Inzidenz bei den Fünf- bis 14-Jährigen liegt in Berlin aktuell bei 3.667. Hoch sind auch die Infektionsraten bei Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrkräften. Angesichts immer neuer Omikron-Infektionen den Schulbetrieb einfach weiterlaufen zu lassen, bezeichnete der Linken-Politiker Carsten Schatz gegenüber dem rbb als „Russisch Roulette“. Er fordert zudem, die Winterferien um eine Woche zu verlängern und Wechselunterricht zu erlauben.
  2. Der Zeitraum ist begrenzt. Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey wies bei der Talkveranstaltung „Tagesspiegel Live“ am Mittwochabend, 25. Januar, darauf hin, dass am Freitag bereits die Winterferien starten. Danach seien es nur noch 15 Schultage, bis die Präsenzpflicht wieder aufgehoben wird. Gerade in diesen Tagen wäre nochmal eine besonders hohe Inzidenz zu erwarten. „Ich hoffe, dass wir dann so weit sind, dass die Zahlen wieder runtergehen“, so Franziska Giffey.

Sarah Kröger ist freie Journalistin und Projektmanagerin und bloggt unter neugierigauf.de zu Themen wie Familie, Digitales, Arbeit, Soziales und Nachhaltigkeit.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/family_Maedchen_schreibt.jpg 1514 1920 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-01-28 14:35:442022-01-28 14:35:44Kind in die Schule schicken: Drei Gründe dafür – und zwei dagegen

Besser als gedacht: Debora und ihr Mann gestalten ihre Ehe mit einem Business-Tool

Eigentlich soll die Methode „OKR“ Unternehmen nach vorne bringen. Debora Herwig und ihr Mann haben sie im Familienalltag ausprobiert, mit erstaunlichem Ergebnis.

Ein Business-Tool für die Ehe? Und das soll ein Ehekurs sein? Für mich klang OKR, also „objectives and key results“ (Ziele und Schlüsselergebnisse) nach Arbeit, nach Zielen und Unternehmensplänen, sehr fremd und wenig einladend. Außerdem war ich mit unserem Sohn im Kleinkindalter so ausgelastet, dass ich keinen Nerv dafür hatte, mir eine Ehe-Vision zu überlegen, die ich auch noch umsetzen soll. Mein Mann war jedoch sofort Feuer und Flamme, als er vom Seminar „OKR für Paare“ hörte. Mit OKR ist er vertraut, da er die Methode im Beruf anwendet.

Wir hatten uns bei unserer Hochzeit vor sieben Jahren vorgenommen, einmal im Jahr etwas ganz Besonderes für unsere Ehe zu tun. Wir gönnen uns zum Beispiel ein Wochenende zu zweit oder einen Ehekurs, um unserer Beziehung etwas Gutes zu tun und sie frisch zu halten. Der Kurs „OKR für Paare“ war aber ganz anders gestrickt als die Ehekurse, die wir bereits besucht hatten.

Partner entwickeln eine gemeinsame Vision

Wie können wir unser Leben so gestalten, dass wir uns nach unseren Zielen ausrichten und unsere Wünsche und Bedürfnisse Erfüllung finden? Genau darum geht’s bei „OKR für Paare“. Das fand ich spannend und überzeugend. Es gibt in diesem Kurs keinen Input zu klassischen Beziehungsthemen. Wir lernten eine Methode kennen, die uns in kurzer Zeit helfen sollte, das Leben zu leben, das wir uns wünschen. Es geht dabei um eine Ehe mit Sinn und tiefer Verbundenheit zum Ehepartner – trotz vieler Aktivitäten und begrenzter Zeit im Alltag.

Zunächst entwickelten wir eine gemeinsame Ehe-Vision basierend auf der Fragestellung: Wie soll unser (Ehe-)Leben in den nächsten Jahren aussehen? Dann arbeiteten wir eine Mission aus und definierten fünf Strategiefelder oder Bereiche, in denen wir diese Vision leben wollen.

Konkret sieht dies bei uns so aus: Wir haben viele großartige Menschen um uns herum, die nicht wissen, wie wertvoll sie sind und wie sie ihre Begabungen entfalten können. Wir haben daher die Vision entwickelt: „Die Welt blüht auf, weil Menschen eine neue Perspektive leben.“ Davon abgeleitet haben wir die Mission: „Menschen in unserem Umfeld erkennen ihren Wert und leben ihre Berufung.“ Dafür schlägt unser Herz! Zuallererst möchten wir diese Mission bei unseren Kindern und den Menschen um uns herum leben. Zusätzlich habe ich mich als Lebens- und Familienberaterin selbstständig gemacht. Mein Mann ist als Mentor für junge Männer tätig.

Leitfragen bestimmen den Alltag

Nun kann man große Visionen haben, ohne dass sie im Alltag eine Rolle spielen. Und irgendwann fragt man sich, welches Leben man eigentlich gelebt hat. Genau hier kommen die OKRs ins Spiel. Abgeleitet von den großen Linien werden viermal im Jahr konkrete Wünsche, Bedürfnisse und Ziele für die nächsten drei Monate entwickelt. Hierbei geht es nicht um To-do-Listen. Die Leitfrage lautet vielmehr: Wie soll sich unser Leben in drei Monaten anfühlen? Und woran erkennen wir, dass dabei herauskommt, was wir möchten? Die OKRs werden dann in einem „Wochencheck“ besprochen.

Wir wünschen uns mehr Ruhe und Zeit für uns? Wir wünschen uns eine tiefere Beziehung zu unseren Kindern? Wir möchten uns geliebt fühlen? All dies können Ziele für ein Quartal sein.

Eines unserer Strategiefelder ist zum Beispiel unsere wachsende Familie. Ein weiterer Sohn bereichert mittlerweile unsere Familie. Wir haben uns vorgenommen, dass wir herausfinden, was unseren Kindern Freude bereitet, und bauen dies bewusst in unseren Alltag ein. Unser Erstgeborener spielt gerne mit Wasser. Erst kürzlich wollte er mir in der Küche helfen und hat für mich „gespült“. Ich wusste, dass er danach von oben bis unten nass sein und die ganze Küche unter Wasser stehen würde. In unserer Strategie steht jedoch, dass unser Sohn glückliche Momente erleben soll, in denen er zum Beispiel „nass ist“. So konnte ich mich über seine Hilfe beim Spülen freuen, auch wenn das für mich hinterher viel Arbeit bedeutete.

Mehr Glück durch Wochenchecks

In unserer Strategie haben wir auch die Beziehungen zu unseren Herkunftsfamilien angeschaut und überlegt, wie wir diese leben möchten. Die Oma von meinem Mann ist schon alt. Es ist uns wichtig, dass unsere Kinder eine gute Beziehung zu ihr aufbauen können und wir die Zeit nutzen, die wir (noch) mit ihr haben. Konkret wurde daraus ein regelmäßiges Essen bei ihr zu Hause. Dass wir unser Abendbrot in einen Korb packen und zu ihr fahren, bedeutet für uns wenig Mehraufwand, es bereichert aber unsere Beziehung zu ihr. Das macht einen großen Unterschied.

Auch unsere Paarbeziehung ist ein wichtiger Teil unserer Strategie. Dort haben wir festgehalten, dass wir uns jede Woche Zeit als Paar nehmen, dass wir uns gemeinsam engagieren wollen, uns ein gemeinsames Hobby suchen wollen und unsere Kinder merken sollen, dass wir uns lieben. Hierzu haben wir uns überlegt, wann wir uns selbst vom anderen geliebt fühlen und dann immer beim Wochencheck reflektiert, wie stark wir dies in der vergangenen Woche erlebt haben. Das klingt im ersten Moment unromantisch, jedoch ist der Vorteil, dass wir unsere konkreten Wünsche im Blick haben, unsere Beziehung im Alltag bewusster gestalten und dadurch glücklicher sind.

Schwierige Gespräche, gutes Ergebnis

Der Wochencheck hilft nicht nur, die gemeinsame Entwicklung im Blick zu behalten, er schafft auch eine tiefe Verbindung zueinander, weil wir uns intensiv darüber unterhalten, wie es uns geht, was uns beschäftigt, was uns fehlt … Diese Gespräche sind sehr wertvoll, auch wenn sie ab und an schwierig sind, da es hier ans Eingemachte geht. Uns wird immer wieder deutlich, dass es schmerzhaft ist, wenn Bedürfnisse und Wünsche im Alltag untergehen. Manchmal stehen sich Bedürfnisse auch gegenseitig im Weg. So wünsche ich mir Sicherheit und Zeit mit der Familie, während mein Mann seine Selbstständigkeit gerne ausbauen möchte. Es ist herausfordernd, solche Themen zu klären, gleichzeitig ist es sehr wichtig, hinter unsere Wünsche und Ziele zu schauen. Genau solche Knackpunkte zu besprechen, die Bedürfnisse herauszufinden und vielleicht auch ganz neue Lösungen zu finden – dafür bietet die Methode einen guten Rahmen.

Nach über einem Jahr mit „OKR für Paare“ können mein Mann und ich diese Methode wärmstens empfehlen. Mit geringem zeitlichem Aufwand kann sich viel Positives in der Ehe und im Alltag verändern – das ist beeindruckend!

Debora Herwig ist Diakonin und Systemische Beraterin (deboraherwig.de). Sie lebt mit ihrer Familie im Kreis Calw im Nordschwarzwald.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/family_lachen.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-01-26 11:41:242022-01-26 11:41:24Besser als gedacht: Debora und ihr Mann gestalten ihre Ehe mit einem Business-Tool

Stolperfalle Harmonie

Harmonie ist grundsätzlich etwas Gutes. Wenn Konflikte aber unter den Teppich gekehrt werden, kommen Menschen ins Stolpern. Von Sandra Geissler

Vor einiger Zeit telefonierte ich mit einer Mutter aus der Schule, um eine Verabredung abzusprechen. Zum Abschied rief sie fröhlich ins Telefon: „Aber immer doch, wir sehen diesen Schatz so gern bei uns! Das ist das einzige Kind, mit dem es wirklich nie Streit gibt. Man merkt gar nicht, dass Besuch da ist!“

Ich legte auf mit einer Mischung aus Dankbarkeit und Unbehagen. Eigentlich ist so ein pflegeleichtes Kind ja wunderbar. Ein Kind, dass sich überall so problemlos einfügt, dass man es gern zu Gast hat. Andererseits wurde mir schlagartig mulmig im Bauch. Ich kenne mein Kind und weiß, dass es sehr wohl potenzielle Konflikt- und Streitsituationen an solchen Spielnachmittagen gibt. Sie fallen nur nicht weiter auf, denn das Kind gibt stets nach und scheut den Konflikt. Sein Bedürfnis nach Harmonie wiegt nahezu immer stärker als der Anlass eines Streites. Mir ist dieses Verhalten wohlvertraut, denn ich bin selbst ein äußerst harmoniebedürftiger Mensch und lasse kaum eine Gelegenheit aus, einen ordentlichen Streit zu vermeiden. Ich freue mich nur sehr bedingt, dass ich diese Eigenschaft offensichtlich mit meinem Kind teile.

EINE EINZIGE STOLPERFALLE

Das Bedürfnis nach Harmonie ist erst mal nur das Bedürfnis nach Einklang, Einvernehmen, nach Eintracht und friedlichem Miteinander. Genau das sind die Bedeutungen des griechischen Wortes „harmonia“. Warum also jubelt mein Mutterherz nicht umgehend, wenn das eigene Kind dieses Bedürfnis in ausgeprägtem Maße hat? Hauptsächlich liegt es wohl daran, dass das Harmoniebedürfnis dazu neigt, sich schlechten Umgang zu suchen. Dann spaziert es mit seinen Freunden Konfliktscheu, Drückeberger und Selbstverleugnung durch die Lande, und gemeinsam kehren sie emsig alles unter die Teppiche des Lebens, was ihnen an Auseinandersetzungen und Ärgernissen begegnet. Das kann lange gutgehen, und das Leben wirkt hübsch aufgeräumt.

Doch zum einen sind all die Ärgernisse und Auseinandersetzungen nicht einfach verschwunden. Sie schwären leise vor sich hin, nur eben unter dem Teppich. Zum anderen werden die Falten der Teppiche immer höher und steiler von all dem Kehricht, der darunter versteckt wurde. Dann ist das Leben irgendwann eine einzige Stolperfalle. Es sind diese Stolperfallen, die Beziehungen aller Art in ernsthafte Schwierigkeiten und im schlimmsten Fall tatsächlich zu Fall bringen können.

ZUM KLINGEN KOMMEN

Sollte man sich und allen anderen das Bedürfnis nach Harmonie also schnellstmöglich abgewöhnen? Die Bibel gibt mir in solchen Lebensfragen hilfreiche Orientierung. Sie ruft immer wieder zu Eintracht, Vergebung und Sanftmut auf – das finde ich in den Psalmen von David und in den Gleichnissen von Jesus. Auch Paulus schrieb sich in seinen Briefen die Finger wund, um die frühen Gemeinden zu einem harmonischen Zusammenleben zu ermutigen. Die wörtliche Übersetzung von „harmonia“ aus dem Altgriechischen bezeichnet die Vereinigung von Entgegengesetztem zu einem Ganzen. Der Zusammenklang der Verschiedenheiten ergibt im günstigen Fall ein harmonisches Ganzes, bei dem sich alle Beteiligten ernst genommen und wohl fühlen. In diesem Sinn bedeutet Harmonie gerade nicht, dass sich einer oder mehrere ganz zurücknehmen, ihre Bedürfnisse hintanstellen und Streit und Konfliktthemen ausgeblendet werden. Vielmehr geht es darum, einen guten gemeinsamen Weg zu finden, bei dem alle zum Klingen kommen dürfen. Das wäre ein echtes harmonisches Zusammenleben, und danach will ich mich gern sehnen. Diese Sehnsucht macht das gemeinsame Auseinandersetzen mit allen Verschiedenheiten sogar notwendig, damit dem Ganzen am Ende nicht ein wichtiges Teil fehlt. Wenn uns die Bibel zu einem harmonischen Umgang miteinander aufruft, dann macht sie das in dem Wissen, das aus all ihren Teilen spricht: das Wissen um menschliche Begrenztheit und Eitelkeiten, um Schwächen und Eigenheiten. Auf dem Weg zur Einheit muss man sich nicht an die Gurgel gehen, den rechten Glauben absprechen oder gleich die ganz harten Geschütze auffahren. Oder wie meine Mutter meinte, die immer gern den alten Goethe zitierte: „Kinder, liebet einander. Und wenn das nicht geht, dann lasset wenigstens einander gelten.“

DAS RECHTE GLEICHGEWICHT

Auseinandersetzung auf dem Weg zur Einheit braucht Respekt, Barmherzigkeit und jede Menge Gnade. Sie erkennt an, dass das Gegenüber anders denkt, anders tickt, anders fühlt. Es ist kein Kampf um Sieg oder Niederlage, sondern ein wechselseitiges Entgegenkommen, ein Abwägen und gemeinsames Suchen um das rechte Gleichgewicht. Das ein oder andere Mal kann ich nachgeben, weil es mir nicht wirklich viel bedeutet, bei anderen Fragen will ich gehört werden.

Die harmoniebedürftige Mutter eines harmoniebedürftigen Kindes braucht kein mulmiges Gefühl zu haben. Harmonie ist etwas Großartiges, sie gibt der Verschiedenheit Raum und sucht Wege, wie wir alle gut zusammenklingen können. Darum werde ich nicht müde, mein Kind und mich selbst immer wieder zu ermutigen, zu den eigenen Bedürfnissen und Herzensanliegen zu stehen und für sie einzutreten. Das Erlernen von Streitkultur ist nicht nur eine Aufgabe für die konfliktbereiten Krakeeler, sondern gerade auch für die harmoniebedürftigen Stillen. Weil das aber viel Überwindung kostet, üben wir in kleinen Schritten. Weiß ich von einem Konfliktthema oder andauernden Ärgernis, überlegen wir zusammen, wie das Anliegen in gute Worte gefasst und zu Gehör gebracht werden kann. Wir wachsen an kleinen Erfolgen, denn überraschenderweise ziehen sich die wenigsten Menschen beleidigt zurück oder kündigen gar die Freundschaft, bloß weil das Gegenüber eine eigene Meinung vertritt. Nur vom schlechten Umgang müssen wir uns immer wieder bewusst verabschieden. Die Kumpels Konfliktscheu, Drückeberger und Selbstverleugner sind keine Freunde echter Harmonie, denn sie kehren mit den Konflikten auch die Gegensätze unter den Teppich. Und die braucht es doch für das gemeinsame Ganze.

Sandra Geissler ist katholische Diplom-Theologin und zurzeit Familienfrau. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Nierstein am Rhein und bloggt unter 7geisslein.com.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/GettyImages-499805723.jpg 483 724 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-01-26 10:00:032022-01-19 16:02:33Stolperfalle Harmonie

Zusammen in einem Zimmer?

„Meine Tochter (4) wünscht sich, dass ihr kleiner Bruder (11 Monate) mit ihr im Zimmer schläft. Halten sich die beiden aber nicht gegenseitig vom Schlafen ab? Was müsste man bei der Zusammenlegung beachten?“

Das Wichtigste, was Kinder zum guten Leben brauchen, ist das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, Wärme, Nähe und Vertrauen. Dieses urmenschliche Grundbedürfnis endet gerade nicht mit dem Sonnenuntergang und auch nicht mit der Stillzeit. Wenn es Abend wird und die Nacht heranbricht, dann meldet es sich in besonderer Weise. Denn seit Anbeginn der Zeit suchen wir Schutz vor der Dunkelheit.

Gemeinsam Schlafen bringt nur Vorteile

Auch wenn dieses Bedürfnis in erster Linie von den Eltern gestillt wird, so spielen doch auch Geschwister eine ganz maßgebliche Rolle. Das gemeinsame Schlafen kann dabei ein wichtiger Baustein sein, der meiner Erfahrung nach für alle nur Vorteile mit sich bringt! Die Nächte werden ruhiger. Die Gegenwart des anderen, sein Atmen und das Rascheln der Bettdecke teilen mit, was ein kleiner Mensch besonders nachts dringend wissen muss: Ich bin nicht allein, ich bin Teil dieser Herde. Ich rieche den Duft, der mir vertraut ist, das Dunkle kann mir nichts anhaben, und ich kann getrost schlafen. Selbst im Krankheitsfall hat dieses Zusammenspiel eine außerordentlich beruhigende und entlastende Wirkung.

Natürlich wird am Abend noch ein wenig geflüstert, werden kleine Geheimnisse geteilt, Geschichten erzählt und Ängste besprochen, von denen Eltern gar nichts wissen müssen. Kaum etwas stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl mehr. Kaum etwas lässt Geschwister einander näherkommen. Schlafrhythmen passen sich einander an, und recht schnell gehen Zusammenschläfer gemeinsam zu Bett und stehen auch gemeinsam wieder auf. Die Chancen für Eltern, am Wochenende ein Stündchen länger unbehelligt zu bleiben, steigen sprunghaft an. Denn man kann sich durchaus ein Weilchen miteinander beschäftigen, ein Hörspiel hören und etwas spielen.

Regeln helfen im gemeinsamen Zimmer

Davon abgesehen sehen auch Vierjährige schon ein, warum es nicht klug wäre, das schlafende Geschwisterkind zu wecken. Gemeinsam kann man Vereinbarungen treffen, was in solchen Fällen zu tun ist, zum Beispiel ruhig den Raum verlassen und anderweitig auf Suche nach Unterhaltung gehen. Umgekehrt haben Kinder, wenn sie denn einmal eingeschlafen sind, einen bemerkenswert tiefen Schlaf. Ein weinendes Baby oder Kleinkind kann aus dem Bettchen genommen werden, ohne dass das Geschwisterkind davon gestört würde.

So viele Vorteile das Zusammenschlafen von Geschwistern auch bietet, so wichtig sind klare Regeln für das gemeinsame Leben. Bei uns haben sich zum Beispiel Schatzkisten bewährt, in denen persönlichste Besitztümer aufgehoben werden und an die Mitbewohner keinesfalls drangehen dürfen. Es braucht Rückzugsmöglichkeiten und Räume des Privaten. Das Bedürfnis nach Privatsphäre und einem eigenen Raum wächst mit den Jahren und steigenden Alltagsherausforderungen. Mit Eintritt in die weiterführende Schule und dem Anklopfen der Pubertät braucht es nach Möglichkeit ein eigenes Zimmer, sei es noch so klein, und eine Tür, die man fest hinter sich zumachen kann.

Sandra Geissler lebt mit ihrer Familie in Nierstein und bloggt unter 7geisslein.wordpress.com. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/zusammen_schlafen.jpg 1352 2040 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-01-23 09:29:332022-01-19 16:02:54Zusammen in einem Zimmer?

Unfälle vermeiden: So einfach machen Sie Ihre Wohnung babysicher

Im Kleinkindalter passieren die meisten Unfälle drinnen. Andreas Kalbitz von der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder zeigt, wo die Fallstricke liegen.

Was gehört ins Babyzimmer?
Neugeborene brauchen eine gewisse Grundausstattung: ein Kinderbett, eine Wickelkommode, einen Schrank, ein Regal fürs erste Spielzeug oder Bücher. Der Wickeltisch sollte eine hohe Umrandung haben und möglichst in einer Zimmerecke stehen, das vermindert die Sturzgefahr. Lassen Sie beim Wickeln immer eine Hand am Kind und lassen Sie es nie unbeaufsichtigt. Die Möbel sollten stabil angebracht werden, damit sie dem Kind nicht entgegenkommen, wenn es sich daran festhält oder hochzieht. Mein Rat bei der Einrichtung: Weniger ist mehr! Das gilt sowohl für kleine als auch für ältere Kinder. Ein Zuviel schadet nicht nur der Orientierung, sondern erhöht auch die Unfallgefahr. Denn wo viel herumliegt, gibt es auch viele Stolperfallen.

Was sollten Eltern beim Einrichten ihrer Wohnung beachten?
Begeben Sie sich in die Perspektive Ihres Kindes. Wie sieht die Wohnung aus diesem Blickwinkel aus? Vielleicht fallen Ihnen Dinge auf, die bei Ihrem Kind Neugierde wecken könnten. Natürlich sollen Kinder die Welt entdecken dürfen. Fragen Sie sich aber, mit welchen Dingen eine Unfallgefahr einhergehen könnte: herunterhängende Kabel eines Wasserkochers zum Beispiel, Pfannenstiele, die den Herdrand überragen, herumliegende Stromkabel, die zu Stolperfallen werden könnten, und – ganz klassisch – ungesicherte Steckdosen oder Treppen.

Stürze häufigste Kinderunfälle

Was sind zu Hause die häufigsten Kinderunfälle?
Im Alter zwischen null und sechs Jahren sind es zu zwei Dritteln Stürze. Während die Kleinen häufig vom Wickeltisch stürzen, stürzen ältere Kinder häufig vom Hochbett oder beim Toben. Hinzu kommen Verbrühungen und Verbrennungen. Diese können bei den Kindern schwerwiegende Folgen haben. Eine Tasse Kaffee reicht aus, um einen kritischen Anteil der Körperfläche eines Babys zu verbrühen! Was auch vorkommt, sind Stromunfälle durch das Fassen in Steckdosen oder Vergiftungen durch Wasch- und Reinigungsmittel. Auch beim Baden kommt es zu Unfällen. Hier gilt: Immer beim Kind bleiben und die Aufsicht nicht aufs ältere Geschwisterkind übertragen, weil es im Krisenszenario noch nicht in der Lage ist, damit umzugehen. Im Sommer kommt es häufiger zu Stürzen aus Fenstern oder von Balkonen. Hier darauf achten, dass die Türen und Griffe gesichert sind und keine Steighilfen wie Hocker oder Kisten in der Nähe stehen.

Manche Eltern achten auf schadstofffreie Möbel. Ist das wichtig?
Schadstoffe können tatsächlich gesundheitliche Auswirkungen haben, bis hin zu hormonellen Veränderungen. Hier kann man sich an Öko-Siegeln orientieren. Das gilt übrigens auch für Spielzeug, das ja oft in den Mund genommen wird, und für Kleidung, die den ganzen Tag auf der Haut der Kinder aufliegt.

Interview: Ruth Korte

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/family_sicherheit.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-01-21 12:13:332022-01-21 12:13:33Unfälle vermeiden: So einfach machen Sie Ihre Wohnung babysicher

Wochenbettengel

Nach der Geburt ist vor dem Alltag. Denn im Wochenbett steht die Zeit still und wird am besten mit allem, was guttut, gefüllt. Damit das entspannt gelingt, dürfen Eltern und Baby Hilfe annehmen. Von Teresa A. K. Kaya

In einem Forum las ich vor einiger Zeit die Frage einer Userin, was sie ihrer Schwester zur Geburt schenken könnte. Sie schrieb explizit davon, dass sie nach Inspiration für ein Geschenk für ihre Schwester und nicht für das Baby suchte. Die Resonanz war überwältigend. Die Antworten reichten von witzig über rührend bis hin zu herzig, fürsorglich und originell. Sie haben mich richtiggehend dankbar gemacht. Dankbar für die Hilfsbereitschaft der Frauen untereinander und das Verständnis füreinander. Denn auch wenn sich nicht alle mit denselben Geschenkideen anfreunden konnten, gab es vor allem eins: Wohlwollen. Alle waren sich einig: Das eine beste Geschenk zur Geburt gibt es nicht. Denn es ist individuell sehr unterschiedlich, wem was gefällt und guttut.

Meine Quintessenz aus der Beschäftigung mit dem Thema: Redet miteinander! Denn es ist wunderbar, wenn man nicht nur vermutet und erwartet, sondern weiß und wünscht. So lassen sich Missverständnisse und Enttäuschungen vermeiden und die Hilfe kann für beide Seiten ein positives Erlebnis sein.

Zehn Minuten am Tag reichen

Bleibt die Frage: Was tut Wöchnerinnen gut? Während eine Mama alles dafür geben würde, in Ruhe duschen zu können oder allein einen Spaziergang zu unternehmen, wünscht sich eine andere ruhige Kuschelzeit mit ihrem Baby und ihrem Partner in entspannter Gewissheit, dass die Wäsche sich nicht weiter auftürmt, weil dafür jemand sorgt. Die Bezeichnung „Wochenbettengel“ gefällt mir gut. Ein Wochenbettengel ist jemand, der oder die sich in den Wochen nach der Geburt tatkräftig dafür einsetzt, dass es den Eltern mit dem Baby und eventuell weiteren Geschwistern gut geht. Ein Wochenbettengel kann ein Familienmitglied sein oder ein Freund oder eine Freundin, die sich in dieser besonderen Phase Zeit nimmt. Manchmal reichen schon zehn Minuten am Tag, um einen Einkauf vorbeizubringen oder etwas von der Apotheke abzuholen.

Haushalt bleibt während des Wochenbetts liegen

Ich habe einige Anregungen gesammelt, was ein Wochenbettengel anbieten könnte. Die Ideen sind als Gesprächsstoff zu verstehen, frei nach dem Motto: „Erst reden, dann machen. Dann wieder reden und wieder machen.“ Denn auch das ist nicht selten der Fall: Während man an einem Tag nichts sehnlicher wünscht als eine heiße Suppe, die jemand vorbeibringt, tut einem am nächsten Tag gut, selbst eine Packung Spaghetti in den Topf zu werfen.

Im Haushalt helfen: Das steht für viele ganz oben auf der Liste. Aufgaben für Wochenbettengel könnten sein: fegen, Staub saugen, wischen, Wäsche waschen, putzen, Spülmaschine befüllen, Post wegbringen, Betten beziehen etc.

Das Baby umsorgen: Manche Babys lassen sich seelenruhig „ablegen“, andere beginnen schon zu weinen, wenn man sich nur einen Schritt von ihnen wegbewegt. Daher ist es für manche Eltern ein brennender Wunsch, einmal in Ruhe ins Bad zu verschwinden oder mal ein Nickerchen zu halten. Für die Wochenbettengel kann das bedeuten, dass sie starke Nerven brauchen.

Pflichten abnehmen: Das Auto zur Werkstatt bringen, Schnee schippen, ein Geschenk besorgen, den Fototermin organisieren – es gibt viele Möglichkeiten, junge Eltern zu entlasten.

Kochen steht oben auf der Agenda

Für das leibliche Wohl sorgen: Für junge Eltern ist es wichtig, sich gesund und regelmäßig zu ernähren. Da sich der Kühlschrank aber nicht von allein füllt und die Tiefkühlkost schnell aufgebraucht ist, freuen sich viele Familien über frisch gekochtes Essen oder einen Einkauf. Stillkugeln sind bei stillenden Mamas sehr beliebt und eine immer aufgefüllte Trinkflasche – oder besser gleich mehrere an verschiedenen Orten.

Massieren: Wenn Sie talentiert sind und Ihre Beziehung zueinander es zulässt, kann eine Massage Wunder wirken. Und wenn Sie es sich nicht selbst zutrauen, warum nicht jemanden beauftragen und währenddessen das Baby hüten?

Fotos machen: Der Schlafmangel und die Hormone führen häufig dazu, dass junge Eltern wie in Watte leben. Plötzlich ist das Baby schon vier Wochen alt, und man weiß gar nicht mehr so recht, wie das Leben in den ersten Tagen nach der Geburt war. Das könnte ein Wochenbettengel verhindern, indem er oder sie Fotos aus dem Alltag macht – natürlich auch das nur nach genauer Absprache, welche Situationen lieber ungestört bleiben dürfen.

Begleitung bei Amtsgängen

Begleiten: Auch wenn sich viele die Wochenbett-Zeit sehr ruhig und kuschelig vorstellen – die Realität sieht häufig anders aus. Es stehen vielfältige Termine an: Arztbesuche, Amtsgänge, Rückbildung … Nicht alle erleben diese Zeit als Elternpaar. Da kann es schön sein, wenn man von einem Wochenbettengel begleitet wird.

Kleidung schenken: Ich gebe zu, der Bereich ist ein bisschen tricky. Aber wenn ihr den Punkt Kommunikation beachtet, kann auch hier nichts schiefgehen. Viele Frauen freuen sich über ein paar kuschelige Socken, die auch gern selbst gestrickt sein dürfen. Und wenn Sie eine besonders enge Beziehung haben, kann auch gern mal eine neue, große Jogginghose her oder ein Bauchband, das den sich rückbildenden Bauch stützt. Auch ein Tragetuch kommt häufig gut an.

Bodyguard spielen: Die Verwandtschaft, Freunde, Nachbarn, Bekannte – alle wollen das neue Baby sehen. Das kann schnell mal zu viel werden und zu Streit führen. Und das ist Gift für die frischgebackene Familie. Aber wenn ein Wochenbettengel ruhig darauf hinweist, dass nun ein bisschen Ruhe nötig ist, kann das Wunder wirken.

Teresa A. K. Kaya begleitet als Trainerin für Biografiearbeit schwerpunktmäßig Familien. Sie ist dreifache Mama und lebt mit ihrer Familie in Heidelberg. takkaya.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/LSOphoto_GettyImages-1069734662-scaled.jpg 2000 3000 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-01-20 10:18:492022-01-17 15:39:57Wochenbettengel

Streit mit erwachsenen Kindern: „Hört auf, mich ständig kontrollieren zu wollen“, schreibt Daniel per WhatsApp

Wenn junge Erwachsene den Eltern Vorwürfe machen oder Forderungen stellen, wird das Bild einer guten Beziehung schnell zerrüttet. Wie Sie in solchen Situationen reagieren können.

„Hört auf, mich ständig kontrollieren zu wollen, das habt ihr bis jetzt mein ganzes Leben lang gemacht!“ Diesen Satz knallte uns Daniel (Name geändert), unser 20-jähriger Sohn, per WhatsApp hin. Obwohl schon tagelang heftige Diskussionen liefen, ließ mich dieser Vorwurf erst einmal völlig gelähmt aufs Sofa sinken.

Es ging um ein Konto für Ausbildungszwecke, über das er selbst verfügen wollte. Ein kräftiger Streit folgte mit der immer stärker werdenden Forderung von Daniel nach Verfügungsgewalt und unseren Bedenken dagegen. Dieser Konflikt gipfelte in dem eingangs genannten Vorwurf: „Ihr habt mich schon mein Leben lang kontrolliert!“ Auch davor waren schon harte Worte gefallen – die meisten davon auf die aktuelle Situation bezogen, vermutlich aus der Wut heraus geschrieben und eindeutig übertrieben. Obwohl sie verletzend waren, konnten wir sie dementsprechend einordnen und nicht so persönlich nehmen.

Die Mütter-sind-an-allem-schuld-Alarmglocken

Dieser Vorwurf aber bezog sich nun auch auf die Vergangenheit. Sofort gingen meine Mütter-sind-an-allem-schuld-Alarmglocken an: Hatte da etwas jahrelang in unserem Sohn gegärt, was nie angesprochen wurde und nun in einem Streit hervorbrach? Haben wir durch unser Verhalten seine gute Entwicklung behindert, eine Belastung in sein Leben gelegt, die ihn negativ prägt und unsere Beziehung nun belastet?

Andererseits kamen mir auch gleich Rechtfertigungen: Ja, manchmal habe ich ihn zum Lernen gedrängt. Aber von sich aus hätte er viel weniger gemacht. Und ja, ich habe nachgefragt, mit wem er abends fortgeht und wann er wiederkommt – ist das schon zu viel Kontrolle? Immerhin haben wir Eltern ihm nie Freundschaften ausgeredet oder gar verboten. Auch konnte er Hobbys und Ausbildung selbst wählen. Wir haben ihn auch dort unterstützt, wo wir mit seiner Wahl nicht glücklich waren. So schlimm kann das mit der Kontrolle ja nicht gewesen sein …

Der Auszug kann zu Konflikten führen

Ich berichte deshalb so ausführlich, weil ich weiß, dass meine Reaktionen ziemlich typisch sind. Vermutlich haben viele Leserinnen und Leser Ähnliches durchlebt oder durchleben es gerade. Der Auszug eines Kindes ist für alle Beteiligten ein großer Umbruch. Da liegen manchmal die Nerven blank. Die Belastung durch viel Neues, das bewältigt werden muss, aber auch die Erregung über all die Möglichkeiten, die sich nun bieten, können dazu führen, dass alte Verletzungen aufbrechen, die bisher verborgen waren. Eltern sind dann oft wie vor den Kopf gestoßen, wenn plötzlich Vorwürfe auftauchen, die das bisherige Bild völlig über den Haufen werfen: „Meine Schwester war ja immer euer Liebling.“ „Euer Einsatz für die Gemeinde hatte immer Vorrang, für uns blieb kaum Zeit.“ „Ich konnte euch nie etwas recht machen.“

Andere Kinder stellen nach dem Auszug Forderungen, aus denen ein heftiger, verletzender Konflikt entsteht: mehr finanzielle Unterstützung etwa, die sich die Eltern nicht leisten können oder die für einen Lebensstil „gebraucht“ wird, den die Eltern nicht gutheißen. Jeder fühlt sich mit seinen Forderungen oder seinem Verhalten im Recht. Zudem werden dabei oft grundlegende Werte berührt, die keiner leicht aufgeben kann. So ein Konflikt kann deshalb schnell eskalieren und die Beziehung in der Familie sehr belasten.

Allerdings sind die „Kinder“ ja erwachsen. Sie sollen und müssen ihre Entscheidungen selbst treffen, ihr Leben selbst gestalten. Die Zeit der Erziehung ist vorbei. Was bleibt uns Eltern an Möglichkeiten, solche Konflikte zu lösen? Oder zumindest einen Weg zu finden, der die Beziehung zum Kind erhält? Und der auch für die Eltern gangbar ist? Hier einige Impulse für die oben genannten zwei Konfliktarten: Vorwürfe über (frühere) Fehler der Eltern und Forderungen, die wir als Eltern nicht erfüllen können oder wollen.

Herausfinden, was dahintersteckt

Wie in unserem Fall tauchen Vorwürfe oft im Lauf eines Streites auf, manchmal aber auch in einem „normalen“ Gespräch. Im Idealfall kann ich nach dem ersten Schock eine kurze Auszeit nehmen, in der ich mir meine Reaktion auf den Vorwurf erst einmal bewusst mache. Dazu kann ich das Gespräch unterbrechen, um es später fortzuführen („Das muss ich jetzt erst mal verdauen – ich ruf dich nachher nochmal an.“). Dann höre ich in mich hinein, was da alles hochkommt: Schuldgefühle, Rechtfertigung, Leugnen, Scham, Trauer usw. – ohne etwas zu bewerten! Dieser erste Schritt ist wichtig, um eine gewisse Distanz zu meinen Gefühlen zu bekommen. Dadurch nehme ich sie wahr, lasse mich aber nicht von ihnen überschwemmen.

Auf dieser Grundlage kann dann eine weitere Klärung erfolgen, die erst einmal hauptsächlich aus Zuhören und Nachfragen bestehen sollte: Kannst du mir ein Beispiel erzählen? Wann hast du das zum ersten Mal/besonders stark erlebt? Hast du früher schon versucht, mir das zu vermitteln? Wie bist du bisher damit umgegangen? Wie hättest du es dir anders gewünscht?

Ob das, was das Kind dann erzählt, objektiv genau so stimmt oder nicht – es ist seine Wahrnehmung und damit für sie oder ihn die Wirklichkeit, das, was sein oder ihr Leben im Moment prägt. Dieser Gedanke kann helfen, nicht vorschnell alles zu relativieren oder zu leugnen nach dem Motto: „So schlimm war das doch nicht.“

Fehler eingestehen

Erst, nachdem ich möglichst konkret erfahren habe, was mein Kind verletzt hat, sollte von mir eine Reaktion kommen. Dafür kann man sich auch wieder Zeit nehmen, wenn nötig. Vielleicht kann ich zunächst die Aussagen von Sohn oder Tochter zusammenfassen, damit sicher ist, dass alles richtig ankam. Dann darf ruhig auch meine Sicht der Ereignisse auf den Tisch, wenn ich Situationen anders erlebt habe – ohne den Anspruch, dass eines falsch und das andere richtig ist! Für Versäumnisse kann ich um Vergebung bitten, Fehler eingestehen oder auch Entscheidungen neu bewerten: „Damals war uns diese Arbeit ein großes Anliegen, es ist uns auch heute noch total wichtig. Aber wenn ich nun höre, wie du dich dadurch nicht genug geliebt gefühlt hast, dann tut mir das sehr leid. Mit diesem Wissen würde ich es heute anders machen.“

Das Vergangene lässt sich nicht mehr ändern, es lässt sich nur vergeben. Und die Auswirkungen lassen sich abmildern. Für den Blick nach vorn kann ich deshalb die Frage stellen: Was würde dir helfen, dass diese Verletzung heilen kann und unsere Beziehung gefestigt wird?

Kompromisse beim Geld finden

Als Eltern kennen wir Forderungen unserer Kinder eigentlich ab deren Geburt. Mit dem Auszug kann es jedoch sein, dass nicht erfüllte Forderungen viel tiefergehende Folgen haben: Ohne ein eigenes Auto ist der Studienort nicht zu erreichen. Wenn die Oma nicht das Baby nimmt, kann die Ausbildung nicht beendet werden. Ohne zusätzliches Geld dauert das Studium länger. – Wo viel davon abhängt, ist auch die Gefahr eines langen Streits darum größer.

Hier wäre für Eltern die erste Überlegung: Kann ich die Forderung erfüllen? Wenn ja – will ich sie erfüllen? Warum nicht? Auch hier ist der nächste Schritt das Gespräch mit dem Kind. Dabei sollten die Bedürfnisse und Möglichkeiten so klar wie möglich auf den Tisch: Wie viel Geld oder wie viele Betreuungstage sind nötig? Was können Eltern höchstens aufbringen? Wenn diese Zahlen weit auseinanderliegen, kann man gemeinsam nach Alternativen suchen.

Wertvorstellungen führen zu Konflikten

Schwieriger wird es, wenn bei den Eltern Wertvorstellungen berührt sind: Der Sohn will eine Wohnung mit der Freundin finanziert haben, aber die Eltern lehnen unverheiratetes Zusammenleben ab. Oder die Tochter strebt eine Model-Karriere an, die die Eltern nicht unterstützen wollen. Da tritt besonders deutlich das Dilemma des Jung-Erwachsenseins auf: Man ist weitgehend selbstständig, aber finanziell noch von den Eltern abhängig.

Konflikte, die sich daraus ergeben, lassen sich – man muss es so klar benennen – nicht wirklich zufriedenstellend für alle lösen. Letztlich werden Eltern entweder dem Kind seinen eigenen Weg verweigern – was zu dauerhafter Entfremdung führen kann – oder sie haben das Gefühl, etwas Falsches auch noch zu unterstützen – was ihr eigenes Gewissen belasten kann. Es bleibt ihnen nicht erspart, zwischen diesen Möglichkeiten abzuwägen und das kleinere Übel zu wählen.

Liebe hat Priorität

Meiner Ansicht nach sollte die Beziehung zum Kind die oberste Priorität haben. In unserem Fall haben wir letztlich entschieden, dass ein Beharren auf unserem „Recht“ die Beziehung zu unserem Sohn nachhaltig vergiften könnte – und deshalb nachgegeben. Das finanzielle Polster war für uns nachrangig. Schließlich sollten sich Eltern immer wieder bewusst machen, dass sie nicht mehr verantwortlich sind für Entscheidungen der erwachsenen Kinder – selbst, wenn sie diese mitfinanzieren!

Als Christin glaube ich, dass Gott uns unsere Kinder anvertraut hat, um sie zu lieben und sie zur Eigenständigkeit zu führen. Die Eigenständigkeit ist irgendwann erreicht – die Liebe aber bleibt. Ich wünsche allen konfliktgeplagten Eltern, dass dieser Gedanke ihnen Mut gibt, auch in Konflikten die Hoffnung nie aufzugeben und die Gesprächstür für die Kinder immer geöffnet zu halten!

Susanne Bosch lebt mit ihrem Mann im Raum Hohenlohe, ihre beiden Söhne sind schon ausgezogen. Sie arbeitet in eigener Beratungspraxis und ist als Referentin unterwegs. seelsorge-susannebosch.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/family_streit.jpg 1414 2121 Team https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Team2022-01-18 11:29:162022-01-18 11:29:16Streit mit erwachsenen Kindern: „Hört auf, mich ständig kontrollieren zu wollen“, schreibt Daniel per WhatsApp

Mit euch zusammen auf dem Weg

Alle paar Jahre unterziehen wir unsere Magazine einem Relaunch: Wir schauen intensiv hin: Was braucht unsere Zielgruppe? Wer ist überhaupt unsere Zielgruppe? Was soll bleiben, was sich ändern? Dabei geht es um Inhaltliches ebenso wie um die grafische Gestaltung. Zwar nehmen wir auch zwischendurch immer mal wieder Anpassungen vor, aber bei einem Relaunch kommt alles auf den Prüfstand.

Um den Relaunch von Family und FamilyNEXT zu planen, haben wir uns heute als Redaktion mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Marketing getroffen. Im Februar steht der Austauch mit unseren freien Redaktionsteam und mit unser Grafikagentur yellow tree an. Das Ganze ist ein sehr spannender und intensiver Prozess, an dessen Ende dann eine noch bessere Version von Family und FamilyNEXT stehen soll. Die „neuen“ Ausgaben erscheinen im Oktober.

Und wir wollen unbedingt auch unsere Leserinnen und Leser in diesen Prozess mit reinnehmen. Wir werden in nächster Zeit bei Facebook (facebook.com/familyMagazin) und Instagram (@familymagazin_) immer wieder mal Umfragen veröffentlichen, an denen ihr euch gern beteiligen könnt. Wenn ihr uns dort noch nicht folgt, wäre das jetzt ein guter Zeitpunkt.

Was uns heute in unserem Austausch wichtig geworden ist: Wir wollen als Redaktion nicht sagen, wie ihr es richtig macht. Wir haben zu vielen Themen und Aspekten des Familienlebens, der Partnerschaft und des Glaubens nicht immer fertige Antworten. Sondern wir wollen uns mit euch zusammen auf den Weg machen und Antworten suchen. Dabei helfen uns Menschen, die in den verschiedenen Bereichen selbst Erfahrungen gemacht haben oder als Fachleute Expertenwissen einbringen können.

Wir freuen uns übrigens sehr über eure Rückmeldungen, Ideen, Wünsche … Gern per Mail an info@family.de.

Bettina Wendland, Redaktionsleiterin von Family und FamilyNEXT

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/01/FFN-e1642434294416.jpg 1512 2016 Bettina Wendland https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Bettina Wendland2022-01-17 16:46:482022-01-17 16:46:48Mit euch zusammen auf dem Weg
Seite 48 von 151«‹4647484950›»

Jetzt Family bestellen:


... für mich
Die eigene Familie gestalten

... für andere
Das ideale Geschenk

... zum Testen
Aktuelle Ausgabe gratis lesen



Hurra, Baby ist da!


Unser neues Leben mit Baby

Der Start in die Kinderphase ist spannend und aufregend. Und herausfordernd.

Das neue family Special „Unser neues Leben mit Baby“ will Baby-Eltern in den ersten Monaten begleiten. Mit bewegenden Erfahrungsberichten, hilfreichen Tipps und vielen Anregungen, wie diese neue Lebensphase gestaltet werden kann.

Alle Infos & weitere Specials

Search Search
  • Vertrag kündigen
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen