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Archiv für die Kategorie: CCN-FEED

Umweltbewusst reisen? So gelingt der nachhaltige Familienurlaub

Familien planen schon jetzt den wohlverdienten Urlaub für das nächste Jahr. Wie gelingt es, diesen zu genießen und gleichzeitig umweltbewusst und nachhaltig zu reisen?

Langsam neigt sich das Jahr dem Ende zu und erste Gedanken drehen sich um den Urlaub im nächsten Sommer. Nachhaltigkeit kann und sollte ein Aspekt sein, den man in der Urlaubsplanung berücksichtigt, denn Tourismus und Freizeitaktivitäten auf Reisen haben enorme Auswirkungen auf die Luft- und Wasserqualität, die Biodiversität und das Landschaftsbild. Im Urlaub verbrauchen wir meist mehr Ressourcen als zu Hause – sei es Wasser, Energie oder Lebensmittel. Unsere Verantwortung ist es aber, die Erde zu bewahren steht. Und sowohl im Kampf gegen den Klimawandel als auch gegen die Ausbeutung des Globalen Südens spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle.

Sanfter Tourismus

Daher wird „nachhaltiges Reisen“ immer beliebter. Gemeint ist damit eine Form des Tourismus, die im besten Fall keine negativen Folgen für die Natur und Bevölkerung am Zielort hat. Wer sanft oder nachhaltig verreist, belastet die Umwelt so wenig wie möglich und versucht, die Kultur im Reiseland nicht (negativ) zu verändern, sondern passt sich an.

Worauf sollten wir also konkret achten, wenn wir als Familie oder als Paar nachhaltig verreisen wollen? Es beginnt schon bei der An- und Abreise. Wie gelangen wir möglichst umweltschonend an unseren Zielort? Muss es wirklich ein weit entferntes Reiseziel sein? Können wir mit der Bahn anreisen? Flüge oder Kreuzfahrten sind bekanntlich problematisch, da diese besonders viele CO2-Emissionen mit sich bringen. Wenn man nur zu zweit unterwegs ist und mit dem Auto fahren möchte, ist es auch eine gute Idee, eine Mitfahrgelegenheit zu nutzen oder anzubieten, zum Beispiel über blablacar.de. Das spart auch Geld.

Nachhaltig reisen

Nachhaltig reisen geht mit sanftem Tourismus einher und bedeutet, sich auch vor Ort verantwortungsvoll zu verhalten: Müll vermeiden, Wasser und Strom sparen, aber auch die Kultur und Traditionen respektieren und die Tier- und Pflanzenwelt nicht zu zerstören.

Wie können wir uns also auch am Urlaubsziel möglichst umweltschonend fortbewegen? Gibt es öffentliche Verkehrsmittel oder Sharing-Modelle, die wir nutzen können? Können wir gar mit dem Fahrrad fahren?

Eine nachhaltige Unterkunft zu finden, ist mittlerweile nicht mehr schwierig. Es gibt immer mehr Hotels oder Ferienbauernhöfe, die mit saisonalen und regionalen (Bio-)Lebensmitteln kochen, Bio-Textilien verwenden, naturnah gebaut sind, Ressourcen aus der Umgebung und Ökostrom nutzen und dies durch Siegel und Zertifikate nachweisen. Beim Urlaub im Ferienhaus können wir unser nachhaltiges Verhalten von zu Hause weiterverfolgen – oder den Urlaub nutzen, um etwas Neues auszuprobieren: Brot selbst backen, möglichst plastikfrei einkaufen…

Und schon das Packen können wir nachhaltig gestalten: Wir sollten nur so viel einpacken, wie wir benötigen. Weniger Gewicht bedeutet weniger Emissionen bei der Fortbewegung. Was ist in der Grundausstattung in unserer Unterkunft enthalten? Was bringen wir von zu Hause mit, um unnötigen Müll zu sparen (Soda-Stream, Bienenwachstücher…)?

Für das Freizeitprogramm können wir nachhaltige Projekte und Aktivitäten einplanen: Ruderboot oder Stand-up-Paddling statt Motorboot, Radtour statt Ausflug mit dem Auto. Und brauchen wir wirklich noch ein zehntes Souvenir? Außerdem können wir mit offenen Augen unsere Wege gehen und Müll einsammeln, wo er nicht hingehört.

Eine gute Wahl treffen

Wie finden wir nun den richtigen Ort für den nächsten Urlaub? Können wir jeder Unterkunft trauen, die behauptet, sie sei nachhaltig? Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, das herauszufinden: Sucht auf der Homepage oder auf Social Media nach Informationen über die Nachhaltigkeit der Unterkunft. Über besonders innovative und nachhaltige Unterkünfte gibt es manchmal auch Reportagen und Berichte im Internet oder in Magazinen. Hilfreich können auch die Bewertungen anderer Gäste sein. Oder ihr fragt direkt bei der Unterkunft nach.

Vielleicht gibt es sogar Projekte und Aktivitäten, an denen sich die Gäste beteiligen können – und an denen im besten Fall auch Kinder oder Jugendliche Spaß haben.

Plattformen für nachhaltige Unterkünfte

Öko-Reiseportale helfen dabei, eine Vorauswahl zu treffen. So findet ihr zum Beispiel auf goodtravel.de Unterkünfte ausgewählt nach Kriterien wie Architektur (naturnahe Bauweise), Umwelt (bewusste Nutzung von Ressourcen) oder Kulinarik (regionale und frische Bioküche) in jeder Preiskategorie.

bookitgreen.com bewertet Unterkünfte nach bestehenden Zertifikaten im Tourismus, den eigenen 15 Nachhaltigkeitskriterien und den Bewertungen der Gäste (neben Sauberkeit und Freundlichkeit auch Nachhaltigkeit). Für jede Buchung pflanzt das Unternehmen einen Baum. fairweg.de wählt Hotels basierend auf ihren zwölf Nachhaltigkeitskriterien aus. Dazu zählen das Angebot an Bio-Lebensmitteln und Bio-Textilien, eine E-Ladestation, Ökostrom und eine Solaranlage. Ihr könnt auch ein Hotel in Verbindung mit einem Flug dorthin buchen. Fliegen zählt nicht zu den umweltschonenden Reisemethoden, daher bietet die Plattform eine CO2-Kompensation der Flüge an.

Unterkünfte auf forumandersreisen.de orientieren sich an Mensch und Umwelt, indem die Ressourcen vor Ort sorgsam und gezielt genutzt und die wirtschaftliche Entwicklung in den Reiseländern unterstützt werden. Der Urlaub soll besonders ethisch und sozial gerecht sein.

renatour.de ist spezialisiert auf naturnahes Reisen und hat vor allem für Familien nachhaltige Angebote. Bei den Unterkünften wird Wert auf eine gesunde, landestypische Küche möglichst in Bio-Qualität gelegt. Hier findet ihr eine europaweite übersichtliche Auswahl an Urlaubsangeboten wie „Single mit Kind“, „Urlaub mit Teenagern“ oder „Urlaub mit Tieren“.

Nachhaltiges Reisen wird immer einfacher. Warum es also nicht einfach mal probieren?

Helena Berger ist Voluntärin bei der Zeitschrift Family.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/11/GettyImages-1414465814-c-Kosamtu-scaled.jpg 2000 3000 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-11-03 14:25:002023-11-03 14:25:00Umweltbewusst reisen? So gelingt der nachhaltige Familienurlaub

„Mama, du bist zu früh!“ – So vermeiden Sie Zoff beim Abholen

Nicht selten erleben Eltern beim Abolen aus der Kita, dass die Kinder nicht nach Hause wollen. Warum das so ist und wie man damit umgehen kann, erklärt Erzieherin Pia Tober.

Es kommt immer mal wieder vor, dass Kinder scheinbar alles andere als Freude über das Erscheinen der Eltern empfinden. „Mama, du bist zu früh!“, oder ein protestierendes „Ich will noch nicht nach Hause!“ sind dann zu hören. Manche Kinder brechen beim Abholen auch zusammen und weinen und bekommen vor Emotionen kein Wort heraus. Was auch immer in diesem Moment in dir als Elternteil vorgeht, lass dir eins gesagt sein: Diese Reaktionen sind normal. Ich erlebe es täglich und kann dir sagen, dass es vielen Eltern so geht.

Lass uns gemeinsam beleuchten, was beim Abholen aus der Kita passiert und was du beachten kannst, damit der Abschied aus der Betreuung für alle Beteiligten zufriedenstellend wird.

Was geht in dem Kind vor?

Dein Kind hat einige Stunden in der Kita verbracht. Es hat sich an Regeln gehalten, Konflikte gelöst, mit verschiedensten Menschen gesprochen, kooperiert und alles in allem viel erlebt.

Gerade hat es sich einer Tätigkeit gewidmet, als du in die Tür kommst. Es ist mitten in seinem Tun. Das, was dein Kind im Gegensatz zu dir noch nicht kann, ist, sich schnell auf eine neue Situation einzustellen. Kitakinder haben noch kein ausgeprägtes Zeitgefühl und reagieren hin und wieder mit für uns unpassend wirkenden Reaktionen.

Das hilft beim Abholen

Es gibt ein paar Kniffe, die das Abholen aus der Kita angenehmer gestalten können:

1. Sorge für dich und deine Bedürfnisse!
Du bist gestresst und in Eile? Sorge für einen Moment zum Durchatmen vor der Kita. Du bist hungrig? Sorge für einen Snack im Auto. Es macht einen großen Unterschied und sorgt für mehr Geduld.

2. Tauche in das Tun deines Kindes ein!
„Was machst du denn da?“, „Das sieht aber bunt aus!“, „Da hast du dir aber Mühe gegeben!“, „Wie hast du es geschafft, einen so hohen Turm zu bauen?“ – mit solchen Sätzen fühlt sich dein Kind gesehen und in seinem Tun wertgeschätzt. Erfahrungsgemäß lässt sich ein Kind mit dieser Haltung schneller aus seinem Spiel herausholen als mit rationalen Argumenten oder dem Versprechen einer Belohnung zu Hause.

3. Berücksichtige die Bedürfnisse deines Kindes und bleibe gleichzeitig bei deinem Plan!
Es geht nicht darum, mehr Zeit für das Abholen des Kindes einzuplanen, sondern um einen sanften Übergang. Es darf seine Tätigkeit in Ruhe beenden – mit deiner Hilfe. Wenn du möchtest, auf spielerische Art. Vielleicht hilft eine Vereinbarung: „Noch einmal Farbe nachnehmen.“ Überlege, wo sein Kunstwerk platziert werden kann, sodass es dies morgen wiederfindet. Bleibe klar und bewege es zum Gehen. Ist es heute an der Zeit, ihm beim Händewaschen und Anziehen zu helfen, obwohl es dein Kind schon kann? Wenn du merkst, dass dein Kind missmutig ist und nicht mit möchte, beziehe es nicht auf dich. Es liegt nicht an dir. Es war gerade in sein Spiel vertieft. Du darfst den Übergang liebevoll begleiten.

Pia Tober ist Erzieherin mit Leidenschaft und beschäftigt sich auch nach ihrem Feierabend mit Kinder- und Familienthemen.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/10/Kind-abholen_Getty-Images_miniseries_E-Plus-e1698769894600.jpg 1856 1410 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-11-02 14:19:102023-11-02 14:19:10„Mama, du bist zu früh!“ – So vermeiden Sie Zoff beim Abholen

Die richtige Beikost finden: Brei oder Babyled weaning?

Ab sechs Monaten bekommen Säuglinge meistens Beikost. Was ist sinnvoller: Brei oder Baby-led weaning? Das sind Vor- und Nachteile.

Im zweiten Lebenshalbjahr steigt der Energieund Nährstoffbedarf Ihres Babys. Um diesen zu decken, braucht es neben Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung ergänzende Lebensmittel: Die Zeit der Beikost beginnt. Generationen von Eltern haben ihre Kinder in dieser Zeit mit Breien ernährt. Seit einigen Jahren ist ein weiteres Ernährungs-Konzept im Trend, das Baby-led weaning. Dabei stehen – statt pürierter Breimahlzeiten – feste Lebensmittel auf dem Speiseplan, zum Beispiel gedünstetes Gemüse in Stücken. Das Kind wird außerdem nicht gefüttert, sondern führt sich die kleinen, weichen Nahrungsstücke selbst mit den Händen zum Mund. Welche und wie viel der angebotenen Lebensmittel es isst, entscheidet es selbst.

Alle nötigen Nährstoffe

Die Breikost hat gegenüber dem Baby-led weaning einige Vorteile. Zum einen ist sie ein erprobtes Konzept zur schrittweisen Einführung von drei unterschiedlich zusammengesetzten Breien, das genau auf die ernährungsphysiologischen Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt ist. Ein Ernährungsplan mit den verschiedenen Breirezepten für das erste Lebensjahr bietet Orientierung bei der Umsetzung (zu finden auf gesund-ins-leben.de). Beim Babyled weaning ist es schwieriger sicherzustellen, dass das Baby alle nötigen Nährstoffe bekommt. Da es sich selbst füttert, können die Eltern schlechter nachvollziehen, was es in welcher Menge gegessen hat. Zudem hängt die Qualität der Ernährung stark von dem Angebot auf dem Esstisch sowie letztlich der Lebensmittelauswahl des Säuglings ab.

Motorische Fähigkeiten

Zum anderen können die meisten Kinder zum empfohlenen Beikoststart zwischen dem 5. und 7. Monat Breie problemlos essen. Um sich selbst zu füttern, brauchen sie dagegen sowohl mehr motorische Fähigkeiten beim Greifen, Kauen und Schlucken als auch Ausdauer beim Sitzen. Die Einführung von Baby-led weaning beginnt damit meist später als die der Breikost. Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung bleiben deswegen bei vielen durch Fingerfood ernährten Kindern bis weit ins zweite Lebenshalbjahr hinein die hauptsächliche Nährstoffquelle.

Trotzdem müssen sich Brei und Baby-led weaning nicht ausschließen: Werden dem Säugling zusätzlich zu den Breien nährstoffreiche Lebensmittel in Stückchen angeboten, kann er sie mit allen Sinnen erfahren und spielerisch eine gesunde Ernährung entdecken. Auch für Babys, die Brei eher verweigern, kann dies ein Weg sein, sie an feste Nahrung heranzuführen. Wenn Sie sich entscheiden, Ihrem Kind ausschließlich stückige Beikost zu geben, sollten Sie sich durch qualifizierte Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte individuell beraten lassen.

Hanna Seul ist Online-Redakteurin beim Netzwerk „Gesund ins Leben“. gesund-ins-leben.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/10/Baby-beim-Essen_BN_Getty-Images_tatyana_tomsickova-iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-10-24 16:22:132023-10-24 16:22:13Die richtige Beikost finden: Brei oder Babyled weaning?

Stillsitzen statt Bewegung: Wie Eltern die ersten Schulwochen unterstützen können

Ab dem ersten Schultag müssen Kinder plötzlich viel stillsitzen anstatt rumzulaufen und zu spielen. Anika Schunke gibt Tipps, wie Eltern diesen harten Übergang abmildern und Bewegung in den Tag integrieren können.

Mein Kind kommt in die Schule! Damit einher gehen viele Gefühle: Stolz, Wehmut, Erleichterung, aber auch Angst. Ist es wirklich bereit? Kann es die Schulstunden und das Stillsitzen meistern? Kann es die Aufmerksamkeitsspanne aufrecht erhalten? Kann es sich lange genug konzentrieren, oder wird es schnell zappelig? Meist schließt sich hier auch die Frage an, was wir als Eltern tun können, um unsere Kinder bei diesem besonderen Übergang zu unterstützen? Zumal sich zeitgleich die dunkle und kalte Jahreszeit anschließt, in der man ohnehin weniger draußen unterwegs ist, wenig Bewegung hat und mehr sitzt. Es gibt aber einige praktische Tipps, die man als Eltern beachten kann und die dem Kind helfen.

Bewegter Schulweg

Um die ersten Stunden ausgeglichen arbeiten zu können, hilft es Kindern, wenn sie sich schon vor der ersten Stunde etwas bewegen. Das bedeutet, dass sie möglichst mittels eigener Bewegung zur Schule kommen. Das heißt: Wenn möglich sollte das Auto zu Hause stehen bleiben und die Kinder sollten laufen. Wenn das nicht geht, ist eine Möglichkeit, das Auto ein Stück von der Schule entfernt abzustellen und den restlichen Weg zu Fuß zurücklegen. So hat das Kind die Möglichkeit, sich auf einem etwas kürzeren Weg zu bewegen. Ein guter Weg zu Fuß ist hier tatsächlich das Beste.

Vielleicht dürfen sich die Kinder vor der ersten Stunde auch schon auf dem Schulhof aufhalten, dann können sie sich hier auch noch ein wenig austoben. 10 bis 15 Minuten sind hier ausreichend. Auf dem gemeinsamen Schulweg kann Ihr Kind auch auf kleinen Mauern, Bordsteinen und Bodenplatten Balancierübungen und Hüpfspiele spielen. Ihr Kind kann rückwärts laufen oder Sie machen ein kurzes Wettrennen. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wenn die Eltern Ideen einbringen, lassen sich die Kinder oft gut motivieren.

Hilfreich sind auch Laufgemeinschaften. Hier laufen mehrere Kinder (mit einem Erwachsenen, später auch allein) zu Schule. Das ist eigentlich die eierlegende Wollmilchsau. Die Kinder sind in Bewegung, haben dabei sozialen Kontakt, sind eben nicht allein unterwegs und üben sich darin, selbstständig zu handeln. Ein bewegter Schulweg wirkt sich somit positiv auf das Selbstbewusstsein aus, was sich wahrscheinlich auch im Unterricht bemerkbar macht und die Teilnahme am Verkehr wird zur Normalität.

Ernährung

Wie Kinder sich ernähren, hat auch einen großen Einfluss darauf, wie gut sie stillsitzen und sich konzentrieren können. Zucker liefert zwar schnell Energie, aber diese Energie ist leider auch genauso schnell wieder aufgebraucht. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Energie vom Frühstück, wie sie z.B. von Kornflakes oder Frühstücksflocken kommen, verbrannt sind, bevor die Kinder im Klassenzimmer ankommen. Hiervon ausgenommen sind Haferflocken und Müslimischungen mit wenig Zuckerzusätzen. Herzhafte Gerichte halten den Blutzuckerspiegel meist länger konstant, sodass die Kinder länger satt sind und die Inhaltsstoffe gemächlich im Körper verarbeitet werden. Dadurch können die Kinder sich länger oder besser konzentrieren und auch das Stillsitzen fällt einfacher.

Es gibt verschiedenen Frühstückstypen, auch bei Kindern: Typ 1 isst süß, Typ 2 isst herzhaft und Typ 3 isst gar nichts. Hier sind die Eltern gefordert, zu beobachten, Kompromisse zu verhandeln oder vielleicht auch mehrere Optionen anzubieten. Was beim Frühstück liegenbleibt, können Sie in die Brotbox packen. Dann ist es nicht verschwendet. Aufwändige Snacks, wie sie im Internet vorgestellt werden, können auch schon am Vorabend vorbereitet werden und schmeckt am nächsten Morgen trotzdem noch. In den Wochen vor dem Schulstart können Sie das schon ausprobieren, was schmeckt und was in den morgendlichen Ablauf passt.

Bewegte Hausaufgaben

Kinder müssen nicht nur im Unterricht länger und öfter stillsitzen, auch zu Hause muss das dann oft nochmal sein, um die Hausaufgaben zu erledigen. Hier gibt es einige Tipps, wie Sie die Hausaufgaben mit Bewegung gestalten können. Aber auch da gilt es herauszufinden: Was passt zu uns und unserem Kind?

Das Prinzip des klassischen Laufdiktats, beispielsweise, lässt sich auch auf andere Aufgaben anwenden. Je nach Aufgabe, können Sie diese auf verschiedene Tische oder sogar in verschiedene Räume verteilen. Muss zum Beispiel etwas ausgeschnitten und aufgeklebt werden, gibt es einen Tisch zum Schneiden und einen anderen zum Kleben. Die Kinder können diese oder andere Hausaufgaben auch gerne im Stehen erledigen.

Vielleicht haben Sie einen höhenverstellbaren Schreibtisch, an dem das Kind gut im Stehen arbeiten kann. Auch das Auswendiglernen von Gedichten oder Leseübungen können im Stehen, auf dem Bauch liegend oder auch laufend gemeistert werden. Es erhöht teilweise sogar die Gedächtnisleistung. Da unterschiedliche Sinne in den Prozess einbezogen werden, werden mehrere Verknüpfungen gebildet, die dem Kind ermöglichen, Lerninhalte besser und schneller zu verarbeiten.

Bewegung und Mathematik

Eine andere Möglichkeit der bewegten Hausaufgaben sind Bewegungskarten oder -würfel. Nach jeder gelösten Matheaufgabe zieht das Kind eine Karte, würfelt oder macht einen eigenen Vorschlag für eine Bewegung z.B. Hüpfen, Kniebeugen, Hampelmänner etc. Hier können Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe, für die Entscheidung benutzen, wie oft eine Übung ausgeführt werden soll. Lautet die Aufgaben z.B. „3+4=“ schreibt das Kind die „7“ dahinter und macht dann 7 Hampelmänner.

Um den Kindern ein besseres mathematisches Verständnis zu ermöglichen, ist es ratsam, besonders im ersten halben Jahr, so oft es möglich ist, Materialien zu den Mathehausaufgaben dazu nehmen. Hier ein Beispiel: Wir nehmen die gleiche Aufgabe wie oben, 3+4=7. Lassen Sie Ihr Kind 3 Gegenstände aus der Küche holen und 4 Gegenstände aus seinem Zimmer. Wir haben dann z.B. 3 Löffel und 4 Autos, ergibt 7 Gegenstände aus unserem Zuhause. Somit hat das Kind Bewegung, schult seine Merkfähigkeit und bekommt ein klareres Bild von Zahlen und Mengen.

Diese Art, Hausaufgaben zu machen, ist natürlich recht aufwendig und kann bestimmt nicht jeden Tag praktiziert werden. Sie können sich das für das Wochenende aufheben, wenn freitags z.B. hausaufgabenfrei ist. Oder in einer besonders regnerischen Woche, oder wenn das Kind krank zu Hause ist. Auch hier gilt, machen Sie es für sich passend.

Ein Wort zum Schluss

Eine Weile still am Tisch sitzen und sich über einen gewissen Zeitraum konzentrieren können, ist natürlich trotzdem wichtig und sollte vor dem Schuleintritt bereits klappen. Das kann man auch vor dem Schulstart trainieren. Es erleichtert den Einstieg in die Schule, weil die Kinder das nicht noch zusätzlich lernen müssen. Es schadet den Kindern auch nicht, wenn sie eine Aufgabe, oder auch zwei (Rätselhefte etc.) am Tisch sitzend erledigen müssen.

Es ist ratsam, solche „Arbeitszeiten“ ebenfalls in die Ferienzeiten zu integrieren – besonders in den sechs Wochen Sommerferien. Dann gewöhnen sich die Kinder wieder schneller an die Schule.

Der Schulanfang ist für alle Beteiligten eine aufregende Zeit. Damit es eine schöne und aufregende Zeit wird, hoffe ich, die Tipps werden dabei helfen, die Freude am Lernen so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.

Anika Schunke hat zwei Kinder und arbeitet als Erzieherin. Sie bietet Eltern-Kind-Turnen sowie Kinderturnen and und ist als Referentin und Autorin tätig.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/10/Schulkinder-brauchen-Bewegung_BN_Getty-Images_damircudic_E-Plus-e1697197526759.jpg 1141 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-10-19 12:04:362023-10-19 12:04:36Stillsitzen statt Bewegung: Wie Eltern die ersten Schulwochen unterstützen können

Einschlafprobleme überwinden – Das sollten Eltern wissen

Eines der größten Probleme von Kleinkindern ist das Einschlafen. Warum das oft schwierig ist und was Eltern tun können erklärt Kinder- und Jugendtherapeutin Melanie Schüer.

Schlaf, Kindlein, Schlaf … wenn das Einschlafen doch so einfach wäre: Man singt ein oder zwei Lieder, streichelt dem kleinen Schatz noch kurz den Rücken und dann schlummert der Nachwuchs seelenruhig und friedlich ein.

Die Realität sieht für viele Eltern von Kleinkindern leider oft ganz anders aus: Das Kind will nicht ins Bett, womöglich schon nicht die Zähne putzen, muss noch etwas trinken, hat Bauchweh und überhaupt noch so unfassbar viele Gründe, warum es einfach noch nicht schlafen kann! Dabei wollen wir als Eltern doch einfach auch irgendwann mal Feierabend haben – das Wohnzimmer für uns, ein Stündchen „Erwachsenenzeit“, in der wir mal nicht versorgen, begleiten und beruhigen müssen.

Einschlafen ist eine Form von Loslassen

Ein Aspekt, der vielen Kindern, aber auch Erwachsenen, das Einschlafen erschwert: Einschlafen geht nur, wenn wir ein Stück weit loslassen können. Einschlafen bedeutet, dass man all das am Tag Erlebte – das Schöne wie das Stressige – nun „gut sein lässt“. Man trennt sich von den Gedanken, Plänen, Eindrücken und Fragen des Tages und lässt sich von der Welt des Denkens und Handelns in die Welt des Fühlens und Seins gleiten. Man gibt ein wenig die Kontrolle ab und lässt auch die lieben Menschen zumindest kurzzeitig los. Denn im Schlaf können wir nicht mit ihnen sprechen und nehmen ihre Gegenwart nicht mehr bewusst wahr.

Wir verabschieden uns also vom Tun und der Geschäftigkeit und auch für eine Weile von unseren vertrauten Menschen – und das fällt besonders Kleinkindern oft gar nicht leicht. Sie fangen gerade an, ihre Welt zu entdecken, lernen ständig Neues dazu und sind voller Tatendrang. Das macht Spaß und ist so spannend, dass es schwierig sein kann, abzuschalten. Und zugleich sind die Kleinen noch völlig abhängig von ihren Bezugspersonen, sodass ihnen die Trennung von ihnen das Gefühl von Verunsicherung und Unruhe bereiten kann.

Durch Nähe zur Ruhe kommen

Gerade weil Kleinkinder so abhängig sind von ihren Bezugspersonen, brauchen sie die Begleitung von diesen, um sich sicher und geborgen zu fühlen. Kuscheln, vorher noch gemeinsam ein Buch lesen, ein altersgerechtes Gebet, in dem man für das Gute dieses Tages dankt und auch das Schwere und Belastende in Gottes Hände legt … all das hilft, den Tag gut abzuschließen. Auch beruhigende Musik ist oft hilfreich als Teil des Abendrituals. Manchen Kindern helfen auch Hörbücher – hier sollte man aber nicht zu spannende Handlungen wählen! Empfehlenswert für Kleinkinder ist z.B. „Die Geschichte vom kleinen Elefanten, der so gern einschlafen möchte“.

Insgesamt ist Körpernähe und die liebevolle Präsenz von zugewandten, geduldigen Eltern eine wichtige Grundlage für ein gutes Einschlafen. Daher, liebe Eltern: Sorgt auch gut für euch, wenn ihr euer Kind ins Bett bringt! Wenn ihr wisst, dass es länger dauern kann, bis euer Kind abschalten kann: Macht es euch bequem im Kinderzimmer und vielleicht hilft auch ein Hörbuch oder angenehme Musik per Kopfhörer, um die Zeit für euch angenehm zu gestalten. Kinder spüren, wenn ihre Eltern unruhig darauf warten, wann sie endlich schlafen – und werden dann oft von dieser Unruhe angesteckt.

Dunkelheit, Düfte, Durchhalten

Zu viel Licht verhindert die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Deshalb sollten Kinder etwa eine, besser zwei Stunden vor dem Schlafengehen nicht mehr auf Bildschirme starren. Etwa 30-45 Minuten vor dem Schlafengehen sollte das Licht möglichst gedämmt werden. Ein Nachtlicht sollte entweder ganz weggelassen oder durch ein rötliches ersetzt werden – das stört die Produktion von Schlafhormonen am wenigsten.

Ab dem Alter von drei Jahren kann man auch ätherische Öle wie Lavendel oder Zirbenholz (z.B. 1-2 Tropfen auf einem Stück Holz) in der Nähe des Kinderbettes nutzen.

Dass Säuglinge beim Füttern, Kuscheln oder Spazierenfahren einschlafen, ist völlig normal. Ab einem Alter von 3-4 Monaten ist es allerdings empfehlenswert, mit dem Kind nach und nach etwas mehr Eigenständigkeit beim Einschlafen einzuüben. Das bedeutet nicht, dass man das Kind wecken sollte, wenn es auf dem Arm eingeschlafen ist. Doch wenn das Kind noch nicht fest schlummert, ist es ratsam, die elterliche Einschlafhilfe in kleinen Schritten sanft zu reduzieren.

Wenn ein Kind auch mit drei Jahren nur in den Schlaf finden kann, wenn Mama oder Papa direkt neben ihm liegen, kann das dazu führen, dass es genau diese Begleitung auch nachts erwartet, wenn es aus dem Leichtschlaf aufwacht – und nicht in der Lage ist, sich nachts selbst zu regulieren. Die Eltern „schleichen“ sich heimlich heraus, wenn das Kind schläft – und dieses wacht irgendwann erschrocken auf und merkt: „Mama/Papa ist ja gar nicht mehr da! So kann ich doch nicht schlafen!“

Grundsätzlich gilt beim Schlafenlernen die Devise „Durchhalten“, denn Gewohnheiten bilden sich erst nach einiger Zeit und Rückfälle durch Stressfaktoren wie Entwicklungsschübe, Zahnen, Infekte, einen Umzug o.ä. sind normal!

Schritt für Schritt zum Ziel

Von Einschlafprogrammen, die sehr rabiat vorgehen und beinhalten, dass Kinder längere Zeit allein im Bett weinen müssen, ist eher abzuraten. Denn diese können der Eltern-Kind-Beziehung schaden und langfristig dazu führen, dass das Kind Einschlafen mit Angst und Unbehagen verbindet. Viel besser ist es, schrittweise und behutsam vorzugehen, beispielsweise wie in diesem Fall:

Tom, 3 Jahre alt, kann nur einschlafen, wenn seine Eltern ihn umhertragen. Wenn er dann endlich im Land der Träume angekommen ist, legen sie ihn ganz vorsichtig ab und verlassen auf Zehenspitzen das Zimmer. Spätestens nach 2 Stunden, oft deutlich früher, weint Tom dann und sie müssen ihn erneut tragen, was sich in der Nacht dann mehrfach wiederholt.

Ein schrittweises, sanftes Vorgehen könnte so aussehen:

Bei jedem Schritt findet vorher ein liebevolles Abendritual statt – z.B. mit Geschichte, Gebet, Kuscheln oder Massage.

So klappt das Einschlafen

Schritt 1: Die Eltern tragen Tom wie gewohnt umher – aber nur, bis er ruhig und entspannt ist. Das eigentliche Einschlafen findet auf dem Arm, aber im Sitzen statt (erste Reduktion: die Bewegung wird ausgeschlichen).

Schritt 2: Sobald es 2-3 Abende ohne Bewegung (oder höchstens kurzes Tragen zum Entspannen, 2-3 Minuten) klappt, setzen sich die Eltern direkt mit Tom auf dem Arm hin und kuscheln mit ihm. Auch hier warten sie auf den Zeitpunkt, wenn Toms Augen langsam zufallen und er kurz davor ist, in den Schlaf zu sinken: Dann legen sie ihn sanft in sein Bettchen und bleiben noch nah bei ihm, um ihn zu streicheln bzw. eine Hand an seinem Körper zu lassen (zweite Reduktion: Einschlafen im Bettchen statt auf dem Arm).

Schritt 3: Auch hier lassen die Eltern der neuen Gewohnheit 2-3 Abende Zeit, sich zu festigen. Dann legen sie ihn schon etwas früher in sein Bettchen und streicheln ihn nur noch, bis er kurz vor dem Einschlafen ist. An diesem Punkt ziehen sie sich etwas zurück und sitzen nur noch neben dem Bett, ggf. mit leisem Singen oder Summen (dritte Reduktion: Einschlafen ohne Körperkontakt).

Der Stuhl neben dem Bett kann dann nach und nach weiter weggerückt werden. Wenn das Kind sich nicht beruhigen lässt, ist es ratsam, noch einmal Nähe und Sicherheit zu vermitteln, bis das Kind wieder entspannter ist und dann einen neuen Versuch zu starten. Anfangs sind oft viele Wiederholungen dieses Beruhigens und erneut Versuchens nötig – aber steter Tropfen höhlt den Stein.

Beratung suchen – online und vor Ort

Vielerorts gibt es Beratungsstellen mit Fachkräften, die sich mit dem Thema Kinderschlaf gut auskennen, oft in Erziehungsberatungsstellen (Adressen findet man unter dajeb.de). Manche Themen lassen sich auch online gut besprechen, z.B. in der kostenlosen Onlineberatung des Portals „ElternLeben“ (elternleben.de).

Melanie Schüer Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche und Autorin. Zudem berät sie Eltern von Babys und Kindern mit Schrei- und Schlafproblemen. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/10/Einschlafen_BN_Getty-Images_fotostorm_E-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-10-17 14:34:402023-10-17 14:34:40Einschlafprobleme überwinden – Das sollten Eltern wissen

Schutz vor Drogen? Das können Eltern tun

Immer wieder sterben junge Menschen durch Drogenmissbrauch, wie im Juni in Altentreptow. Eltern fragen sich: Was können wir tun, um unser Kind zu schützen? Sicherheit gibt es nicht, aber diese fünf Strategien können helfen, sagt Erziehungsexpertin Daniela Albert.

Dass das eigene Kind in Kontakt mit Drogen kommt, süchtig wird und vielleicht sogar in Folge dieser Sucht verstirbt, ist ein fürchterlicher Albtraum aller Eltern. Meistens schieben wir diese Möglichkeit ganz weit weg und setzen uns erst mit ihr auseinander, wenn es tatsächlich konkrete Hinweise darauf gibt, dass unser Kind auf die schiefe Bahn geraten sein könnte. Doch dann ist es leider oft schon sehr spät, in manchen Fällen zu spät. Suchtprävention beginnt in jungen Jahren.

Eins sei hier jedoch vorweggenommen: Wir Eltern haben niemals zu 100 Prozent in der Hand, wie sich der Lebensweg unserer Kinder entwickelt. Es gibt keine Garantie dafür, dass unsere Kinder niemals Drogen nehmen werden, wenn wir nur alles richtig machen. Letztlich spielen in der Entwicklung unserer Kinder, gerade in den Teenager-Jahren, so viele Unbekannte eine Rolle, dass wir uns von der Illusion verabschieden müssen, dass das eigene Kind vor allen Gefahren gefeit ist und niemals auf dumme Ideen kommt.

Doch ganz machtlos sind wir nicht. Es gibt einige Punkte, mit denen wir zumindest Weichen stellen können.

1. Bindung und Beziehung vor allem anderen

Wenn kleine Kinder von Anfang an verlässlich und liebevoll betreut werden, entwickeln sie Vertrauen in sich und die Welt – sie binden sich sicher an ihre Bezugsperson. Innerhalb dieser Beziehung können sie auch lernen, mit unangenehmen Gefühlen und Situationen umzugehen. Im besten Fall lernen sie von einem zugewandten Erwachsenen, wie sie mit Angst, Frust oder Wut umgehen können. Wenn sie umgekehrt keine verlässlichen Menschen an ihrer Seite haben oder ihre Bindungspersonen sie nicht ernstnehmen, ihre Ängste verlachen, sie wenn sie traurig sind, nicht trösten, sie für Frust oder Wut vielleicht sogar schimpfen und bestrafen, statt ihnen zu zeigen, wie man mit diesen Gefühlen gut umgehen kann, lernen sie nicht, sich selbst zu regulieren. Solche unangenehmen Empfindungen bleiben dann auch im späteren Leben ein Problem, mit dem sie nicht umgehen können. Drogen können hier als Art Ersatz für fehlende Strategien im Umgang mit negativen Gefühlen gesehen werden.

Auch heute hält sich noch hartnäckig das Gerücht, man könnte Kinder verweichlichen, wenn man sie tröstet, sie beruhigt und auf ihre Gefühle eingeht. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Durch unsere Zuwendung lernen sie langfristig, sich selbst zu helfen und Angst, Wut oder Trauer nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Deswegen ist es immer richtig, ein weinendes Kind zu trösten, ein ängstliches in den Arm zu nehmen, im Elternbett schlafen zu lassen oder in einer schwierigen Situation zu begleiten. Wut muss nicht bestraft werden, sondern nur begleitet – und zwar so, dass niemand zu schaden kommt.

All das muss natürlich nicht in jeder Situation perfekt umgesetzt werden, sondern nur oft genug gut genug. Es wird immer Situationen geben, in denen uns das weniger gelingt. Solange wir verstehen, dass es grundsätzlich wichtig ist, den Kindern im Umgang mit Gefühlen zu helfen und dass wir sie dadurch nicht verziehen oder verwöhnen, ist schon vieles erreicht.

2. Wertschätzung – du bist gut genug

In unserer Leistungsgesellschaft erwarten wir ziemlich viel von Kindern. Oft fühlen sich schon die Kleinsten eher dadurch beurteilt, was sie können und wie sie nach außen wirken als für das, was sie sind. Suchtprävention ist auch, hier einen Gegentrend zu setzen und den Kindern zu zeigen, dass sie wertvoll sind, ganz unabhängig davon, was sie irgendwo leisten. Kinder müssen von Anfang an erleben, dass sie gewollt und geliebt sind, dass wir ihnen zuhören, dass ihre Worte Gewicht haben und dass sie so sein dürfen, wie sie sind.

Das bedeutet nicht, dass sie der Welt auf der Nase herumtanzen würden, das Thema Grenzen ist ein anderes, sondern nur, dass nicht alle in ein bestimmtes Raster passen müssen und dass wir sie nicht mit unseren eigenen Ansprüchen überfrachten sollten. Stattdessen sollten wir neugierig auf sie bleiben und den Fokus immer wieder auf ihre Stärken legen. Kinder entwickeln so ein gutes Selbstwertgefühl – und das ist ein wichtiger Suchtpräventionsfaktor.

3. Sinnstiftende Lebensinhalte

Hobbys, Ehrenämter, das Eingebundensein in eine positiv erlebte Glaubensgemeinschaft oder einen Verein – all das können ebenfalls Resilienzfaktoren für unsere Kinder sein. Zum einen können sie so gute soziale Kontakte knüpfen und müssen nicht an schlechten Orten nach Anerkennung und Zugehörigkeit suchen. Zum anderen gibt die kontinuierliche Beschäftigung mit etwas, was man gernhat oder indem man vielleicht auch richtig gut ist, gerade in den schwierigen Umbruchjahren der Pubertät Halt und Stabilität.

Hier geht es darum, tatsächlich das Kind und seine Stärken und Vorlieben im Blick zu haben und uns nicht von dem leiten zu lassen, was wir uns vielleicht wünschen würden. Es nützt niemandem, den Klavierunterricht durchzuziehen, wenn das Kind lieber skaten oder zeichnen möchte. Nur eine Beschäftigung, die das Kind selbst gewählt hat, hat auch die Chance, langfristig in seinem Leben eine große Rolle zu spielen.

4. Jugendlichen eine offene Tür bieten

Alkohol, Zigaretten, echt komische Freunde und Musik mit grenzwertigen Texten – ab einem gewissen Alter kann es echt herausfordernd sein, Jugendliche ins Leben zu begleiten. Man möchte ihnen eigentlich ständig sagen, dass das, was sie tun, völlig daneben ist. Viele Eltern entscheiden sich in solchen Phasen dafür, solche Themen auszulagern – die Musik kannst du woanders hören, rauch halt, wir wollen es nur nicht sehen, deine Freunde triff bitte draußen, ich mag sie hier nicht und ich weiß, dass du Alkohol trinkst, aber hier ist das tabu.

Nun hat jede Familie andere Grenzen und niemand sollte seine Werte komplett über Bord werfen, wenn Jugendliche sich selbst austesten und sich dabei schwierig verhalten. Allerdings müssen wir bedenken, dass wir ihnen ab einem bestimmten Alter nicht mehr alles verbieten können – sie werden vieles trotzdem tun. Und gerade wenn wir quasi „wegschauen“ und Themen auslagern, treiben wir unsere Kinder in die Ecken, in denen wir sie eigentlich auf keinen Fall haben wollen. Wenn sich einen 16-jährige mit der Zigarette im Park verstecken muss, wird sie das vielleicht da tun, wo sich auch andere Menschen mit viel schlimmeren Suchtmitteln vor den Augen der Öffentlichkeit verbergen. Besser wäre hier, sich klar zu positionieren und zu sagen, dass man es nicht gut findet, dass sie raucht, aber es erst einmal als ihre persönliche Entscheidung akzeptiert.

Gerade an der kritischen Schwelle zwischen nicht mehr Kind und noch nicht Erwachsen brauchen junge Menschen einen Schutzraum und das kann nur ihr Zuhause sein. Sie müssen wissen, dass sie dort willkommen sind, sogar mit dem komischen Freund, der Musik, auch wenn die Eltern dabei tief durchatmen und mit den Augen rollen – und auch dann, wenn sie richtig Mist gebaut haben. Wenn wir diese Offenheit und diesen Schutzraum nicht bieten, werden sie ihn woanders suchen.

5. Kontrolle und Grenzen

Doch ganz ohne Grenzen werden wir nicht auskommen. Gerade bei jüngeren Teenagern können wir die Dinge nicht einfach laufen lassen. Die Versuchungen sind zu groß, die Tricks derer, die unsere Kinder zum Drogenmissbrauch verführen wollen, immer raffinierter. 13-, 14- oder 15-jährige dürfen sich nicht ohne unser Wissen überall da aufhalten, wo sie wollen. Es ist völlig in Ordnung, gewisse Orte komplett zu verbieten und feste Regeln – wie zum Beispiel Uhrzeiten, zu denen sie zu Hause sein müssen – aufzustellen. Gerade in diesem Alter sind Jugendliche nicht in der Lage die Konsequenz ihrer Handlungen in Gänze abzusehen. Es ist unsere Aufgabe, sie zu schützen. Schützende Verbote, das Intervenieren, wenn sie dabei sind, sich in Gefahr zu begeben und notfalls auch das frühzeitige Einholen von Hilfe von außen, wenn wir den Eindruck haben, etwas könnte richtig schieflaufen, können für sie lebenswichtig sein.

Ich glaube einer der größten Irrwege, auf dem wir uns gesellschaftlich zum Teil befinden, ist die Idee, Teenager könnten bereits allein die Verantwortung für sich übernehmen und wir seien schon bei 14- oder 15-jährigen „raus“. Nein, sind wir nicht. Im Gegenteil, wir sind gefragt wie nie, auch wenn sie nicht mehr ständig in unserer Nähe sein wollen. Es ist an uns, gerade in diesem Alter Begegnungsräume zu schaffen, unser Interesse an ihnen zu zeigen und Teil ihres Lebens zu bleiben!

Daniela Albert ist Autorin und Eltern- und Familienberaterin (familienberatung-albert.de). Sie bloggt unter: eltern-familie.de

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/10/Drogenpraevention_BN_Getty-Images_chabybucko_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-10-12 09:38:362023-10-12 09:38:36Schutz vor Drogen? Das können Eltern tun

Gründe klären ist das Wichtigste: Was tun, wenn Kinder klauen?

Wird ein Kind beim Klauen erwischt, reagieren Eltern sauer und besorgt. Gründe für das Verhalten des Kindes sind vielfältig. Pädagogin Annika Marx erklärt, wie Eltern damit umgehen sollten.

Es ist vollkommen verständlich, dass Gefühle wie Wut und Sorge bei Eltern auftauchen, wenn das Kind geklaut hat. Stehlen ist gesellschaftlich sehr negativ konnotiert und erschüttert unseren moralischen Wertekanon. Gedanken wie „Das geht gar nicht!“ oder „Das ist schlecht!“ tauchen auf. Auch kann sich die Sorge einschleichen, dass das Kind auf die schiefe Bahn gerät.

Zunächst einmal: Ruhe bewahren!

Zunächst ist es wichtig, in dieser Situation erst einmal die Ruhe zu bewahren und das Verhalten des Kindes von seiner Person zu trennen. So wird die Beziehung zum Kind nicht negativ beeinflusst, indem es beschämt wird.

Es gibt sehr vielfältige Gründe, etwas zu klauen. Eine gemeinsame Ursachenforschung mit dem Kind stellt einen wichtigen Baustein dar, um die Frage nach dem „Warum“ zu beantworten. Ganz rational betrachtet, handelt es sich beim Stehlen um eine angewandte Strategie, die ein unerfülltes Bedürfnis befriedigen soll. Hat das Kind gestohlen, um sich in einer bestimmten Gruppe beliebt zu machen? Gab es Gruppendruck/eine Mutprobe? Wünscht sich das Kind mehr Aufmerksamkeit und versucht, diese zumindest in negativer Form zu erlangen? Fühlt sich das Kind benachteiligt? Wollte es anderen ein Geschenk machen? Oder versucht es, sich durch den geklauten Gegenstand einer Person nahe zu fühlen? Es ist ratsam, gemeinsam mit dem Kind zu ergründen, welchen bedeutsamen Grund das Kind für dieses Verhalten hatte.

Wiedergutmachung muss sein

Zu guter Letzt sollte eine Wiedergutmachung als logische Konsequenz erfolgen. Dies kann zum Beispiel in Form von Zurückbringen, Entschuldigen oder dem Übernehmen sozialer Aufgaben erfolgen. Je jünger das Kind, desto mehr wird  das Kind dabei höchstwahrscheinlich die Unterstützung seiner Eltern benötigen.

Vielleicht kann so aus dem Ärgernis eine echte Chance werden, um sich noch intensiver kennenzulernen und gemeinsam zu wachsen.

Annika Marx ist Diplom-Pädagogin, Systemische Familientherapeutin und Regionalleiterin Rhein-Main-Pfalz von Team.F.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/10/Klauen_BN_Getty-Images_shironosov_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-10-10 11:26:372023-10-10 11:26:37Gründe klären ist das Wichtigste: Was tun, wenn Kinder klauen?

Öfter mal was Neues – Wie Abwechslung die Beziehung bereichert

In langjährigen Beziehungen schleichen sich viele Routinen ein. Da hilft es, diese aufzubrechen und Neues zu wagen. Das bringt neuen Schwung in das (Liebes-)Leben.

Bei unserem ersten Date aßen meine Frau und ich einen tropfenden Kebab, tranken etwas in einer Bar auf dem höchsten Gebäude der Stadt und liefen dann mit Flip-Flops an den Füßen eineinhalb Stunden zum Zoo, nur um festzustellen, dass dieser schon in wenigen Minuten schließt. Alles Dinge, die wir normalerweise in unserem Alltag nicht tun.

Am Anfang war das Kribbeln

Zu Beginn einer Beziehung ist man meist kreativ, was gemeinsame Aktivitäten anbelangt. Man probiert Neues aus, wagt sich an Außergewöhnliches. Doch je länger die Partnerschaft dauert, desto weniger neue und aufregende Erlebnisse macht ein Paar zusammen.

Die Teilnehmenden einer Studie der Psychologin Amy Muise füllten drei Wochen lang jeden Tag einen Fragebogen aus mit Fragen wie: „Wie stark hat heute deine Partnerschaft dazu geführt, dass du neue Erfahrungen gemacht hast?“ Dabei listeten die Teilnehmer Aktivitäten wie zum ersten Mal Austern schlürfen, die Teilnahme an einem Tanzkurs oder Städtereisen auf.

Wenn die Teilnehmenden an einem bestimmten Tag neue Erlebnisse gemacht hatten, berichteten sowohl sie als auch ihre Partner über ein größeres sexuelles Verlangen und eine größere sexuelle Zufriedenheit in der Beziehung. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie an diesem Tag Sex hatten, stieg um 36 Prozent.

Angenehm oder aufregend?

In einer anderen Studie wurden Paare gebeten, eine Liste mit aufregenden Aktivitäten und eine Liste mit angenehmen Aktivitäten zu erstellen. Dann wurden die Paare nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt. Die einen Paare machten jede Woche 90 Minuten lang etwas von ihrer Liste der aufregenden Aktivitäten, die anderen Paare etwas von ihrer Liste der angenehmen Aktivitäten. Nach zehn Wochen waren die Paare, die wöchentlich etwas Aufregendes unternommen hatten, deutlich glücklicher als die Paare, die jede Woche etwas Angenehmes zusammen gemacht hatten.

Besonders in einer langjährigen Partnerschaft lohnt es sich also, immer mal wieder neue, nicht alltägliche gemeinsame Aktivitäten auszuprobieren. Wieso nicht auch eine solche Liste erstellen und sich zum Ziel nehmen, jede Woche etwas davon auszuprobieren?

Marc und Manuela Bareth stärken mit FAMILYLIFE Schweiz Ehen und Familien. Marc Bareth ist der Leiter dieser Arbeit. Er bloggt unter familylife.ch/five

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/10/Erstes-Date_BN_Getty-Images_mihailomilovanovic_E.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-10-06 11:55:482023-10-06 11:55:48Öfter mal was Neues – Wie Abwechslung die Beziehung bereichert

Diabetes bei Kindern? So hoch ist das Risiko einer Erkrankung

Viele Eltern haben Angst, dass ihre Kinder an Diabetes erkranken. Das ist umso stärker, wenn Familienmitglieder ebenfalls erkrankt sind. Die Risiken und die unterschiedlichen Typen von Diabetes erklärt Kinderarzt Prof. Andreas Neu.

Wenn Verwandte ersten Grades an Diabetes Typ 1 erkrankt sind, ist das Risiko, selbst zu erkranken, etwas erhöht. Geschwister haben ein Risiko in der Größenordnung von fünf Prozent, Kinder eines betroffenen Elternteils ein Risiko zwischen fünf und sieben Prozent. Insgesamt haben zehn Prozent der von Diabetes Typ 1 Betroffenen Verwandte, die ebenfalls einen Diabetes Typ 1 haben.

In welchem Alter tritt die Erkrankung üblicherweise auf?
Im Kindes- und Jugendalter tritt die Erkrankung bevorzugt im Kleinkindalter oder unmittelbar vor der Pubertät auf. Es gibt jedoch auch Diabetes-Manifestationen im Erwachsenenalter. Etwa die Hälfte der Neuerkrankungen erfolgt im Kindesalter, die andere Hälfte im Erwachsenenalter. Derzeit erkranken rund 4.000 Kinder und Jugendliche und rund 4.000 Erwachsene pro Jahr neu.

Unterschiedliche Tpyen von Diabetes

Was ist der Unterschied zwischen Typ 1 und 2?
Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung mit geringerer genetischer Disposition. Vorbeugende Maßnahmen gibt es nicht, der Lebensstil oder das Körpergewicht spielen keine Rolle und beeinflussen das Risiko nicht. Beim Typ 2 Diabetes ist die genetische Disposition weit ausgeprägter. Hier spielen für die Entstehung Faktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel eine wichtige Rolle.

Was sind die Symptome?
Der Typ 1 macht sich in der Regel akut bemerkbar. Die Entstehung des Typ 2 Diabetes ist ein schleichender und lange dauernder Prozess. Symptome, die an einen Diabetes denken lassen sollten, sind vermehrtes Durstgefühl und Trinken, vermehrtes Wasserlassen, Gewichtsabnahme und Leistungsabfall. Liegen diese Symptome vor, sollte rasch ein Arzt konsultiert werden. Die Diagnose-Stellung kann über eine Urin- oder Blutuntersuchung problemlos und rasch gestellt werden. Insbesondere im Kindes- und Jugendalter ist es wichtig, diese Symptome zu kennen, um eine schwere Stoffwechselentgleisung zu vermeiden.

Abklären – aber wie?

Wann sollte man das abklären lassen?
Liegen die genannten Symptome vor, ist in jedem Fall eine rasche Abklärung ärztlicherseits erforderlich. Dadurch wird einer schweren Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose) vorgebeugt. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass alle, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, über diese Symptome Bescheid wissen und gegebenenfalls rasch reagieren.

Wie sinnvoll wäre ein Screening?
Ein Screening kann Risikokandidaten für einen Diabetes identifizieren. Allerdings lässt sich auch bei bekanntem Risiko eine Erkrankung nicht vermeiden. Screening-Untersuchungen sind sinnvoll im Rahmen wissenschaftlicher Studien. Für die Allgemeinbevölkerung setze ich eher auf eine breite Aufklärung zu Symptomen.

Prof. Dr. Andreas Neu ist ehemaliger Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Kommissarischer Ärztlicher Direktor an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Tübingen.

Interview: Ruth Korte

https://www.family.de/wp-content/uploads/2023/09/Diabetes_Getty-Images_AMR-Image_iStock_Getty-Images-Plus.jpg 1414 2121 Marcus Beier https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Marcus Beier2023-09-29 15:01:272023-09-29 15:01:27Diabetes bei Kindern? So hoch ist das Risiko einer Erkrankung

Mannsein: Bist du der Mann, der du sein willst?

Was bedeutet es eigentlich, Mann zu sein? Was für ein Mann möchte ich werden? Moor Jovanovski gibt sechs Ratschläge, die dabei helfen, ein authentisches Mannsein zu leben.

Was willst du mal werden, wenn du groß bist?“ Diese Frage stellen wir oft kleinen Kindern, weil wir wissen möchten, welche Vorstellungen sie haben. Und dann bekommt man herzerfrischende und ungefilterte Antworten. Zwar sind diese oft wenig realistisch, aber sie geben etwas von der Persönlichkeit und dem Charakter der Kinder preis. Im Laufe des Erwachsenwerdens verblassen die Träume und die berufliche Karriere beginnt unter anderen Gesichtspunkten als dem des Träumens.

Die Frage bleibt spannend: „Was willst du werden?“ Um es noch greifbarer zu machen, hilft ein Perspektivwechsel in die Zukunft. Stell dir dich selbst in zehn oder zwanzig Jahren vor und frage dich: „Bist du der geworden, der du werden wolltest?“ Warum diese Frage wichtig ist? Weil sie über deine Zufriedenheit im Leben entscheidet. Es ist nicht der Besitz und auch nicht der Erfolg, der einen Menschen glücklich macht, sondern das Wissen, dass man mit sich schlüssig ist.

Mannsein? Person vor Position

Das gilt genauso für das Mannsein. Früher wollte man vielleicht ein Superheld werden und die Welt retten. Und dann findet man sich in einem Büro oder auf dem Bau wieder. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, aber definieren Berufsbilder auch das Sein? Ich bin überzeugt, dass man aus einer versöhnten und geklärten inneren Welt heraus sein Leben gestalten kann. Man ist zuallererst eine Person, und dann kommt der Rest. Bei der Frage, welcher Mann ich sein will, sollte ich nicht die Antwort in Rollen und beruflichen Positionen suchen, denn davon hängt meine männliche Identität nicht ab. Jobs und Positionen verändern sich. Was bleibt, ist immer man selbst. Es ist gut, sich mit seinem Tun zu identifizieren, aber das stiftet nicht Identität, sondern die Identität bestimmt, was ich tue.

Die Werte, die mich als Mann ausmachen, muss ich mir eigenständig und zweckfrei erhalten. Da es viele Vorstellungen und Klischees in Sachen Mannsein gibt, stehe ich als Mann hier vor einer Herausforderung: Was für ein Mann bin ich eigentlich? Und will ich wirklich so sein? Ich möchte es gleich auf den Punkt bringen: Das ist keine Aufgabe, die ich allein lösen muss. Zunächst muss ich mir vor Augen halten, dass es immer um ein Werden geht und nicht um Ergebnisse.

Für dieses Werden möchte ich sechs Hinweise geben, die dir dabei helfen können, dich in deinem Sein weiterzuentwickeln.

1. Behüte dein Herz!

Das Herz ist die Quelle von Charakter und Persönlichkeit. Das stellt König Salomo im biblischen Buch der Sprüche Kapitel 4 Vers 23 fest: „Vor allem aber behüte dein Herz, denn dein Herz beeinflusst dein ganzes Leben.“ Das Herz ist aber auch ein sehr komplexer und paradoxer Ort: Man kann lieben und hassen, man kann großherzig und neidisch, freigiebig und geizig sein. Und all das sprudelt aus derselben Quelle. Man gestaltet seine Welt von innen nach außen. Aus diesem Grund solltest du darauf achten, was in deinem Herzen Raum haben darf und was du ändern solltest. Das hilft auch dabei, dir darüber klar zu werden, wer du eigentlich sein möchtest. Ein Herz voller Gier, Geiz oder Hass bringt keine Freude hervor. Aber Liebe, Zuwendung und Wohlwollen wirken positiv auf dich und dein Umfeld. Daher gilt für dein Mannsein: Was du bist und wie du lebst, beginnt in deinem Herzen.

2. Lass Wunden heilen!

Es ist für Männer nicht leicht, über Verletzungen und Schmerz zu sprechen. Sich mit Kränkungen oder verwundeten Emotionen auseinanderzusetzen, wirkt verweichlicht. Aus diesem Grund verdrängen wir Schmerz und Wunden oder ignorieren sie. Viele Männer haben mir gesagt, dass sie Angst haben, sich diesen Themen zu stellen, weil sie in ihrer Wahrnehmung dann Schwäche zeigen würden. Diese Schwächen würden von anderen ausgenutzt, und man gehöre automatisch zu den Verlierern. Mannsein bedeutet schließlich, stark zu sein, alles im Griff zu haben und alles rational abzuarbeiten. Und doch berichten mir dieselben Männer, dass sie mit Minderwertigkeit, Versagensängsten, Neid, Hass und anderen Gefühlen zu kämpfen haben. Verletzungen und Lebenslügen wie „Das schaffst du nie!“ oder „Aus dir wird nie etwas!“ haben sie fest im Griff.

Ich kenne das aus meinem Leben. Es gibt Wunden, die mir wehtun und mich abwerten. Ich kenne das Gefühl von Einsamkeit und Verlassenheit, weil ich lange Zeit keine väterliche Bestätigung und Unterstützung bekommen habe. Das ist ein tiefsitzender Schmerz, der mich immer wieder in Übertreibungen geführt hat. Ich habe mich entweder isoliert oder besonders hart gearbeitet, um der Beste zu sein. Doch mit beiden Strategien habe ich mich unnahbar für meine Mitmenschen gemacht.

Wenn man sich seinem Schmerz nicht stellt, wird die Wunde immer größer. Als ich anfing, mich meinem Schmerz zu stellen, begann die Heilung. Wenn du deine Wunden kennst, findest du heraus, was Heilung verschafft. Und wie du bei äußerlichen Wunden zum Arzt gehst, darfst du auch bei inneren Wunden Hilfe suchen. Das kann ein Seelsorger, ein Therapeut, ein enger Freund oder ein väterlicher Mentor sein. Mit dem Benennen des Schmerzes kann die Gesundung beginnen.

3. Mannsein ohne Masken

Masken zu tragen, kann eine Reaktion auf äußere Einflüsse sein. Man will den Schein wahren oder sich besonders gut darstellen. Oft dienen sie als Verstecke, um nicht aufzufallen oder eigene Fehler zu kaschieren. Integrität ist ein wichtiges Thema, nicht nur in sozialer Interaktion, sondern eben auch in der Persönlichkeitsentwicklung. Echt zu sein ist immer besser, als einen Schein zu wahren. Masken fallen irgendwann sowieso. Und dann ist alles, was man sich aufgebaut hat, wie Sand, der durch die Finger rinnt.

In Psalm 139 schreibt David einen Satz, der die Einzigartigkeit seines Seins unterstreicht. Im Vers 14 heißt es: „Ich danke dir, dass du mich so herrlich und ausgezeichnet gemacht hast! Wunderbar sind deine Werke, das weiß ich wohl.“ Und das ist auch eine wunderbare Aussage der Sicht Gottes auf uns Menschen. Diese Aussage hilft dir, dein Mannsein zu definieren, weil du wissen darfst, dass du nicht jemand anderes sein musst.

Im gleichen Psalm ist aber auch von einer Demaskierung die Rede – David bittet Gott darum, sein Herz zu prüfen: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne meine Gedanken. Zeige mir, wenn ich auf falschen Wegen gehe und führe mich den Weg zum ewigen Leben“ (Vers 23-24). Jeder von uns kann auf Holzwegen unterwegs sein. Ein ehrlicher Moment mit sich und Gott ist ein Moment der Demaskierung und auch der Befreiung. Man muss eben kein Theater spielen, um jemand zu sein.

4. Finde einen Mentor!

Nicht jeder hat ein positives Vaterbild. Aber jeder hat hoffentlich schon mal die Erfahrung gemacht, wie befreiend es ist, einem Menschen zu begegnen, der wirklich an einen glaubt. Ich erinnere mich an ein einschneidendes Erlebnis in meiner Jugend: Mein Fußballtrainer war ein Choleriker. Mein Co-Trainer war das Gegenteil: leise, besonnen, ermutigend und motivierend. Wenn mein Trainer mich anschrie, um mich zu besseren Leistungen zu peitschen, gelang mir erst recht nichts. Wenn mich mein Co-Trainer nach dem Training oder Spiel ansprach, meine gelungenen Spielaktionen unterstrich und mir Verbesserungsvorschläge mitgab, entfesselte mich das regelrecht. Mein Spiel und mein Talent kamen wesentlich besser zum Tragen und verhalfen mir zu einer stabilen Entwicklung.

Das meine ich mit einem väterlichen Mentor: Ein Mann, zu dem ich aufsehen kann, weil er mich respektiert und an mich glaubt. Der weiß, was ich zu lernen habe und wo ich mich noch entwickeln muss, der aber dabei nicht übersieht, wer ich schon bin und was ich schon kann. Nach solch einem väterlichen Mentor halte Ausschau, weil es dein Weg zum Mannsein stärkt. Randnotiz: Halte es für möglich, dass auch du ein Mentor für andere sein kannst!

5. Investiere in förderliche Freundschaften!

Bekannte hat man viele, aber Freunde nur wenige. Echte Freunde erkennst du daran, dass sie zur Familie werden. Sie sind da, wenn du sie brauchst – wie ein Bruder, der mit dir durch Freud und Leid geht. Ihre Liebe ist unverfälscht und selbstlos und immer ist Verlass auf sie. Wenn alles zusammenbricht, bleiben sie stabil. Klingt das zu schön, um wahr zu sein? In Sprüche 17,17 heißt es: „Auf einen Freund kann man sich immer verlassen, und ein Bruder ist dazu da, dass man einen Helfer in der Not hat.“

Es gehört zu meinen wertvollsten Schätzen, dass ich solche Männer in meinem Leben haben darf. Aber diese Art der Bruderschaft bedarf der Investition. Es braucht Zeit, Engagement, Willen und Aufrichtigkeit. Jeder von uns begegnet im Leben Männern, mit denen eine solche Freundschaft möglich ist. Ich kann dir versichern, dass es sich lohnt, darein zu investieren. Nicht nur, weil es eine Stütze ist, sondern auch weil diese brüderlichen Freunde schonungslos ehrlich mit dir sind. Sie sprechen unbequeme Wahrheiten aus. Freunde können streiten und diskutieren, ohne abzuwerten. Sie hinterfragen und ermutigen dazu, festgefahrene Meinungen nochmal zu überdenken. Und sie halten dich, wenn du weinst oder am Ende bist. Sie gehen nicht, selbst wenn alle anderen gehen. Investition in so eine freundschaftliche Bruderschaft fördert das eigene Mannsein.

6. Sei du selbst!

Du hast allen Grund, du selbst zu sein. Kopieren ist nicht nötig!

Moor Jovanovski ist Pastor, Redner und Berater.

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