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Archiv für die Kategorie: CCN-FEED

Mit diesen Pausenbrötchen wird die große Pause zum Fest!

Sie wollen Ihrem Kind etwas Leckeres mit in die Schule geben? Dann sollten Sie diese Brötchen ausprobieren.

Zutaten (ca. 12-18 Stück):

  • 460 g Dinkelmehl Type 812
  • 1 Prise Salz
  • 200 ml Milch oder Buttermilch
  • 80 g brauner Zucker
  • 1/2 Würfel frische Hefe (20 g)
  • 80 g weiche Butter
  • 1 Ei (Größe M)
  • 100 g Rosinen oder getrocknete Cranberrys
  • zum Bestreichen: 1 Ei
  • zum Bestreuen: nach Belieben etwas Hagelzucker und/oder Mandelblättchen

Und so geht es:

Die Rosinen oder Cranberrys in eine kleine Schüssel geben und mit Wasser bedecken. Für den Hefeteig die Milch oder Buttermilch ganz leicht erwärmen (nur lauwarm!), die Hefe und eine Prise vom Zucker darin auflösen und 10 Minuten stehen lassen. Das Mehl in eine Rührschüssel geben, Vorteig, Salz, restlichen Zucker, weiche Butter und Ei hinzufügen und mit dem Knethaken der Küchenmaschine oder von Hand fünf Minuten gut durchkneten. Nun die Rosinen/Cranberrys abgießen und ohne die Flüssigkeit zum Teig geben, nochmal 1-2 Minuten kneten. Den Teig abgedeckt gehen lassen, bis er sich sichtbar vergrößert hat (ca. 60-90 Minuten).

Den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben, kurz durchkneten und in beliebig große Stücke teilen (bei mir waren es 16 Stück). Kugeln formen, auf mit Backpapier belegte Bleche geben und abgedeckt für weitere 20 Minuten gehen lassen. Das Ei verquirlen und die Teigkugeln damit bestreichen. Nach Belieben noch mit Hagelzucker/Mandelblättchen bestreuen. Im heißen Ofen bei 190° C Ober-/Unterhitze ca. 15-20 Minuten backen – die Backzeit variiert natürlich je nach Größe der Teigstücke. Am besten immer wieder kontrollieren und herausnehmen, wenn sie die gewünschte Bräune erreicht haben.

Tipps:

  • Wer kein Dinkelmehl Type 812 bekommt, kann auch Weizenmehl Type 405 oder 550 nehmen.
  • Die Rosinen/Cranberrys lassen sich komplett oder zur Hälfte durch Schokotropfen ersetzen.
  • Natürlich sind die Brötchen auch super zum Frühstück!

Miriam Müller betreibt den Foodblog leckerleckerliese.de.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/03/family_broetchen-e1648536609161.jpg 1486 2298 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2022-03-29 09:19:542022-03-29 09:19:54Mit diesen Pausenbrötchen wird die große Pause zum Fest!

„Führten sogar seine Beerdigung gemeinsam auf“: Das erlebt ein Klinikclown

Peter Spiel ist Klinikclown. Er begleitet Kinder und Senioren beim Heilen – und Abschiednehmen. Ein Besuch im Münchner Kinderspital.

Rote Nase, geschminkte Bäckchen, etwas Kajal um die Augen und eine Mütze auf dem Kopf – das ist das Arbeitsstyling von Klinikclown Peter Spiel. Er winkt in den Bildschirm des Laptops und ruft seinem Gegenüber Grüße zu, dann stellt er die Kamera aus. Die positive Energie schwebt auch nach der Clownsvisite durch den Büroraum. Normalerweise geht er mit seiner Kollegin Barbara Draeger auf Kinderstationen und besucht seine Patienten an den Betten. In Pandemiezeiten ist nichts mehr normal und so müssen auch die Clowns ihre Visite virtuell absolvieren.

„Virtuelle Besuche machen vieles möglich“, sagt Peter Spiel. „Wenn wir ein Kind besuchen, schalten sich Geschwister dazu oder die Eltern sind per Smartphone dabei. Wir mussten uns neue Tricks überlegen, um die Kinder zu überraschen. Zum Beispiel bitten wir die Eltern, eine Clownsnase im Schubkasten oder unter dem Kopfkissen ihres Kindes zu verstecken. Dann kündige ich einen großen Zauber an und werfe die Clownsnase über meinen Bildschirm. Die Überraschung ist groß, wenn das Kind die Nase findet. Für uns ist es auch immer aufregend, ob Neues gelingt. Einmal reagierte ein Kind nur mit ‚Na endlich, da ist ja meine Nase‘. Für kleine Kinder ist es selbstverständlich, dass wir zaubern können.“

Die Mission: Ein schöner Moment

Professor Dr. Roger Paletti alias Peter Spiel und Rhabarber Rosella alias Barbara Draeger besuchen nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche und Erwachsene auf Palliativstationen. Sie gehen in Behinderteneinrichtungen und Seniorenheime. Als Paar können sie besser interagieren und sich auf die Bedürfnisse ihres Publikums einstellen. Ihr Auftrag: einen schönen Moment verschenken!

Peter Spiel ist Schauspieler, Regisseur und Clown. Er sucht nicht die große Bühne, sondern die Begegnungen mit den Menschen. Für seine Arbeit in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen hat er eine spezielle Ausbildung absolviert. „Als Clowns können wir nichts an der Situation verändern, aber wir können das Jetzt gestalten. In meiner Arbeit zählt immer der Moment.“

Auch rausgeschmissen werden gehört dazu

Der Moment zählt, selbst wenn dieser traurig, frustrierend oder enttäuschend ist. Peter Spiel fragt sich, was ein Mensch genau in dieser Situation braucht. Dabei kann er keine Liste abarbeiten. „Es gibt Jugendliche, die mich nicht sehen wollen, weil sie alles zum Kotzen finden. Sie liegen im Bett, haben Schmerzen, sehen ihre Freunde nicht und müssen ständig tun, was man ihnen sagt, aber mich können sie rausschmeißen.“ Peter lacht, und er meint es ernst. Als Clown gibt er ihnen ihre Selbstbestimmung zurück. Roger Paletti kann weggeschickt oder ermahnt werden, kann angemotzt oder belehrt werden. Der Clown versteht und urteilt nicht, und häufig ergibt sich dann doch ein Miteinander, weil sich die Anspannung gelegt hat.

Vor (und hoffentlich auch nach) der Pandemie öffnen die Clowns das Krankenzimmer und lassen den Raum auf sich wirken: Wie ist die Stimmung? Wer ist da? Was passiert gerade? Übrigens ist das eine Empfehlung an uns alle: nicht gleich loslegen und sprechen, sondern erst einmal den Raum und den Moment wahrnehmen. Dann ergibt sich die Rolle, die Roger Paletti einnimmt, von allein. Peter erzählt von einem Kind, dessen Unterschenkel amputiert werden musste. Damit die zukünftige Prothese passt, wurde die Ferse an das Knie fixiert. „Ja mei, was haben die Doktoren für einen Schmarrn gemacht. Sie haben deinen Fuß falsch angenäht“, rief Roger Paletti. Das Kind war stolz, dass es dem Clown erklären konnte, wieso das gemacht wurde, und dass es bald wieder laufen kann. Kinder lieben es, wenn sie mehr wissen als der Clown. Wenn Roger Paletti in den Kleiderschrank geht, weil er denkt, das sei die Tür, ist die Freude groß.

Eine Wohltat für die Eltern

Die Clownsvisiten sind für die ganze Familie eine Wohltat. Manche Eltern gehen dann Kaffee trinken und haben endlich Zeit für sich. Andere bleiben und freuen sich am Lachen ihrer Kinder. Häufig sind auch Geschwisterkinder dabei. „Gerade sie müssen viel zurückstecken, denn alles dreht sich um das kranke Kind. Wenn die Hygieneregeln es erlauben, folgen sie uns in mehrere Zimmer.“ Lachen ist gesund, sagt der Volksmund, inzwischen bestätigen es auch Studien. Wer lacht, atmet tiefer, spürt sich besser und nimmt Schmerzen weniger intensiv wahr. Ängste und Sorgen verlieren etwas von ihrer Kraft. Humor hilft heilen und Clowns spüren ihn auf. So wie bei Claudia. Die Zwölfjährige war allein in ihrem Zimmer und wirkte abweisend. „Zuerst schaute ich mich einfach um“, erzählt Peter. „Auf ihrem Schlafanzug waren rote Punkte. Ich begann, weitere Punkte an ihr und im Zimmer zu suchen, bis ich eine rote Clownsnase fand. Über diese roten Punkte kamen wir ins Spiel und Claudia begann zu reden.“

Clowns haben Zeit

Die Welt des Clowns ist schön, faszinierend und bunt. Er betrachtet die Welt in seiner Naivität und kann über alles staunen. Ein Kleidungsstück, ein Foto, ein Schokoriegel oder eben rote Punkte geben dem Clown Einstiegsmöglichkeiten. Immer ist der Mensch der Gradmesser, ob etwas lustig ist oder nicht.

In der Arbeit mit Seniorinnen und Senioren steht die Kommunikation im Vordergrund. „In unserer Anfangszeit hatte man Sorge, dass wir uns über die Bewohner lustig machen. Doch darum geht es nie! Der Clown lacht mit und nicht über jemanden.“ Schabernack und Slapstick funktionieren an diesen Orten nicht. „Wenn ich gegen die Wand laufe, machen sich die Seniorinnen eher Sorgen um mich, ob ich mich verletzt habe. Wir reden und singen Lieder. Die Menschen entspannen sich, fühlen sich weniger einsam. Das Personal sagt, dass der Umgang mit den Bewohnern leichter ist, wenn wir da waren. Wir haben etwas, das andere leider nicht haben: Zeit.“

Spielerische Beerdigung

Die Clowns zelebrieren die Langeweile. Sie haben eine lange Weile Zeit, um den Menschen zu begegnen und zu spüren, was sie bewegt. Dabei sind die Clowns ehrlich. Sie kennen ihre Grenzen, sie versprechen nichts, was sie nicht halten können. Sie werden nichts verheimlichen und nichts beschönigen. „Wir wissen, dass manche Kinder todkrank sind. Wir können ihnen nicht sagen, dass alles wieder gut wird. Aber wir wollen bei ihnen sein.“

Peter erzählt, wie sie monatelang ein Kind besuchten und alle wussten, dass der Abschied bevorstand. „Häufig fällt den Kindern das Loslassen leichter als den Erwachsenen. Wir hatten lange einen Jungen begleitet. Er war zehn Jahre alt. Bei unseren letzten Begegnungen wollte er alle Szenen nachspielen, die wir gemeinsam erlebt hatten, sogar seine Beerdigung führten wir gemeinsam auf. Spielerisch schloss er mit seinem Leben ab.“

Clownstränen

Wenn man einen Menschen über einen langen Zeitraum begleitet, bewegt es auch den privaten Peter Spiel. „Manchmal fließen auch bei mir Tränen und dann spreche ich mit meiner Frau darüber. Ich muss immer wieder lernen, mich abzugrenzen. Roger Paletti ist eine Rolle und sie hilft mir, innerlich auf Distanz zu gehen. Dann konzentriere ich mich auf den nächsten Menschen und den nächsten Moment.“

„Auch mein Glaube hilft mir, aufzutanken“ erklärt Peter. „Im Gebet kann ich alles, was mich belastet, abgeben. Und wenn ich Menschen beobachte, finde ich neue Inspirationen.“ Zu gern sitzt er in einem Café und sieht Menschen zu, wie sie sich bewegen, gestikulieren oder laufen. Wenn man Peter zuhört, spürt man, dass der Clown ein Menschenfreund ist. Er staunt, bewundert, ermutigt und hält so vieles für möglich. „Wer gehen kann, kann auch tanzen. Wer reden kann, kann auch singen.“ Wie meint er das? „Erziehung hat uns verzogen. Ständig zog man an uns – das macht man nicht, das tut man nicht, das sagt man nicht. Wir trauen uns vieles nicht zu, weil wir uns sorgen, was andere über uns denken. Als Clown habe ich gelernt, mich von der Zerrerei zu befreien. Ich habe den Rückzug in das Leben angetreten, auch wenn ich manchmal durchs Leben stolpere.“

Susanne Ospelkaus lebt mit ihrer Familie in Zorneding bei München, bloggt unter susanne-ospelkaus.com und arbeitet als Autorin und Therapeutin.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/03/family_kinderclown-scaled-e1648127894663.jpg 1695 3000 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2022-03-24 14:40:062022-03-24 14:40:06„Führten sogar seine Beerdigung gemeinsam auf“: Das erlebt ein Klinikclown

Ständig räuspert sich die Tochter (4) – Ist es eine Tic-Störung?

Dauerhaftes Räuspern schadet der Gesundheit. Logopädin Ina Finis hat für Eltern mehrere Lösungen parat.

„Meine Tochter (4) räuspert sich seit kurzer Zeit ständig. Am Anfang dachte ich, sie hätte nur einen Frosch im Hals. Nun tritt es aber dauernd auf – vor allem dann, wenn ich ihr vorlese oder sie ruhig vor sich hin spielt. Ist das ein Tic? Und wenn ja, wie kriegen wir ihn wieder weg?“

Wer kennt es nicht: Da ist ein Kratzen im Hals und wir räuspern uns. Damit befreien wir den Rachen von Schleim oder die Stimme von Heiserkeit. In normalem Maß keine große Sache – bei häufigem Auftreten kann es jedoch für die betroffene Person und mehr noch für andere Menschen störend sein.

Was passiert beim Räuspern? Im Kehlkopf liegen sich die beiden Stimmlippen gegenüber. Um Stimmklang zu erzeugen, müssen sie sich im Luftstrom aus der Lunge schwingend schließen. Liegt nun Schleim aus der Nase oder den Atemwegen auf den Stimmlippen, klingt die Stimme heiser. Wir räuspern uns, um den Schleim zu entfernen. Geräuspert wird auch, wenn ein Reizgefühl vorhanden ist (ein Krümel oder beim Verschlucken). Beim Räuspern wird massiver Druck auf die Stimmlippen ausgeübt, dadurch wird als Schutzreaktion eine Schleimbildung ausgelöst. So kann ein Kreislauf von Räuspern – Schleimbildung – Räuspern entstehen. Das ist möglicherweise stimmschädigend.

Lutschbonbons können helfen

Falls Sie ein extrem häufiges Räuspern bei Ihrem Kind beobachten, gibt es ein paar einfache Hilfsmittel: raumtemperiertes Wasser ohne Kohlensäure trinken oder Salbeibonbons lutschen. Vermeiden Sie Lutschbonbons mit Menthol, Kamille oder Eukalyptus, da diese eher austrocknend wirken. Sollte dies nicht helfen, kann der HNO-Arzt oder Phoniater (Stimmarzt) feststellen, ob ein Anlass – zum Beispiel Stimmlippenknötchen oder eine ausgeprägte Mund- statt Nasenatmung – vorhanden ist und entsprechende Maßnahmen einleiten. Logopäden und Atem-, Sprech- und Stimmlehrer bieten therapeutische Unterstützung, um häufiges Räuspern wieder abzubauen und die geschädigte Stimme zu behandeln.

Denn auch bei Kleinkindern kann es bereits zu einer Stimmstörung kommen. Die Ursache ist häufig, dass beim Sprechen zu viel Druck aufgebaut wird. So kann es zu einer Überlastung der Stimmlippen kommen. Dann haben die Kinder gerade nach längerem Sprechen oder Singen einen höheren Räusperdrang.

Tics erst mal ignorieren

In Ihrer Frage fiel auch das Schlagwort Tic. Plötzlich kann das Kind nicht mehr aufhören, sich zu räuspern (oder zu blinzeln, Grimassen zu schneiden, zu hüsteln). Oft sind diese Tics dem Kind nicht bewusst. Bei hohem Alltagsstress stellt sich das Räuspern gerade in entspanntem Spiel oder beim Vorlesen ein. Bei anderen Betroffenen sind die Auslöser Reizüberflutung und Anspannung. Es ist ratsam, solche Tics durch Ablenkung und Ruhe zu durchbrechen.

Bei Kleinkindern sind Tics häufig vorübergehend. Es wird empfohlen, sechs bis zwölf Wochen abzuwarten und zu versuchen, das Räuspern zu ignorieren und auszuhalten. Wenn der Tic länger andauert oder ein Leidensdruck beim Kind entsteht, da es von anderen Kindern gehänselt wird, ist es empfehlenswert, zum Kinderarzt zu gehen. Dieser kann zum Neurologen überweisen, der weitere Schritte wie eine Spieltherapie, eine kinderpsychologische Beratung oder neurologische Untersuchungen empfehlen kann.

Ina Finis ist Logopädin, Mutter zweier Töchter im Teenageralter und zurzeit in einer Weiterbildung zur Individualpsychologischen Beraterin. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/03/family_kinderarzt-scaled.jpg 2000 3000 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2022-03-22 09:09:532022-03-22 09:09:53Ständig räuspert sich die Tochter (4) – Ist es eine Tic-Störung?

Plötzlich dröhnt der Bombendonner: So erlebte Roman die Flucht mit 157 Waisenkindern

Über Nacht flieht der Arzt Roman Kornijko von Kiew nach Freiburg. Um Waisenkinder zu retten, lässt er sogar seine Familie zurück.

„Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht“, formuliert Bundesaußenministerin Annalena Baerbock am 24. Februar in einer Ansprache. In eine andere Welt katapultiert hat diese Nacht auch Roman Kornijko. Aber geschlafen hat der 55-jährige Arzt nicht. Er hat sie im Luftschutzkeller verbracht. Zusammen mit den Waisenkindern des Waisenhauses Otchy Dim (auf Deutsch „Vaterhaus“) in Kiew. In dieser Nacht ist passiert, worauf er und sein Team sich die letzten Tage vorbereitet und womit sie im Letzten aber doch nicht wirklich gerechnet hatten: Bomben schlagen in unmittelbarer Nähe ein. Die vermeintliche Sicherheit durch die nahegelegene militärische Flugabwehr macht sie zum Fokus der russischen Bomben in der ersten Kriegsnacht.

Eine mögliche Evakuierung war schon zuvor im Blick. Mit dem Kooperationspartner „S’Einlädele“, einer gemeinnützigen GmbH in Freiburg, die sie schon seit vielen Jahren über Patenschaften und anderen Aktionen unterstützt, und der Stadt Freiburg selbst sind Vorgespräche gelaufen und Einladungspapiere für die Ausreise fertiggemacht worden. Mit ukrainischen Busunternehmen haben sie sich abgestimmt. Doch als es ernst wird, ist keiner der zugesagten Busse verfügbar. Die Koffer sind gepackt. Panzer rollen über die Straßen. Die Angst setzt Kindern und Betreuern zu. Aus den Medien erfahren sie, dass die geplante Fluchtroute das Ziel der nächsten Bombardierung sein könnte. „Ich habe zu den Kindern gesagt, dass uns jetzt nur Gott helfen kann und wir haben alle zusammen gebetet“, erzählt der Leiter im Interview: „Und dann war es, als würden Engel uns auf dem Weg begleiten.“

Schweren Herzens lässt Roman seine Familie zurück

Ein ihm unbekannter Busunternehmer hat von der aussichtslosen Evakuierungssituation gehört. Der ist nicht nur bereit, die Fahrt bis zur polnischen Grenze umsonst zu übernehmen, sondern hat auch noch einen Freund bei der Polizei, der bereit ist, die Eskortierung der Busse zu organisieren. Aber bevor es losgeht, steht Roman noch der schwerste Moment dieser Tage bevor: Er muss sich von seiner Familie verabschieden. Der Platz in den Bussen ist begrenzt. Priorität hat die Rettung der 157 Kinder und ihrer wichtigsten Bezugspersonen. Und so lässt er schweren Herzens seine Frau und seine vier Töchter zwischen 16 und 36 Jahren zurück. Diese Entscheidung tragen sie alle mit und sie fällt allen schwer. Keiner weiß, ob und wann sie sich wiedersehen.

Als sie endlich loskommen, sind die Straßen verstopft. Viele Menschen sind auf der Flucht gen Westen. Doch die Polizisten haben eine unkonventionelle Lösung für dieses Problem: Sie leiten die Busse auf die – leere – Gegenfahrbahn. So können sie zügig am Stau vorbeifahren. Als sie sich rund 300 Kilometer hinter Kiew in relativer Sicherheit wiegen und am Rastplatz eine Pause einlegen, gehen in unmittelbarer Nähe Bomben nieder. Instinktiv werfen sich die Kinder auf den Boden. Dann haben sie es eilig, wieder in den Bus zu kommen. „In dieser Nacht sind die Kinder alle zehn Jahre älter geworden. Aber ich habe ihnen versprochen, dass sie ihre Kindheit wieder zurückbekommen werden“, erzählt der Arzt.

Ein Segen zum Abschied

Vor und hinter dem Bus fahren die Polizeiwagen jetzt mit Notbeleuchtung. Der Bus selbst fährt ohne Licht, um kein Ziel für eine Bombardierung abzugeben. Auch die Strecke, die bereits hinter ihnen liegt, ist in dieser Nacht das Ziel von Bomben. Drei Stunden später wären sie nicht mehr durchgekommen. Aber so gelangen sie unbeschadet zur polnischen Grenze. „‚Fahrt los, unsere Freunde, und seid gesegnet‘“, haben uns die Polizisten an der Grenze verabschiedet. Das war wirklich ganz besonders. Sie waren für uns wie Engel“, erzählt Roman berührt.

Und es sind nicht die letzten Engel, die ihren Weg begleiten. So übernehmen in Dresden ausgeruhte Busfahrer das Steuer und auch eine unterwegs notwendige Reparatur an einem der Busse ist möglich. Als sie am Sonntagvormittag in Freiburg ankommen, ist es ein bewegendes Fest für Ankommende und Erwartende. In einer beispiellosen Aktion haben in Freiburg Stadtverwaltung, S’Einlädele-Team, evangelische Stadtmission, Malteser Hilfsdienst, Deutsches Rotes Kreuz, die deutsch-ukrainische Gesellschaft und andere zusammengearbeitet, um die Evakuierung zu ermöglichen und die Unterkunft vorzubereiten.

Zwischen Trauma und Fußballmatch

Drei Wochen sind seitdem vergangen. In der Zwischenzeit haben sich manche der Kinder schon gut eingelebt. Romans Augen leuchten, als er vom spontanen deutsch-ukrainischen Fußballmatch erzählt. Da hätten sich einige ihre Kindheit schon wieder zurückerobert. Andere tragen noch schwer an den traumatischen Erlebnissen und haben begonnen zu stottern oder nässen wieder ein. Umso wichtiger ist es Roman, eine verlässliche Tagesstruktur, entspannende Spielangebote und die vertrauten Bezugspersonen für seine Schützlinge zu haben.

Ohne ein großes Netzwerk ehrenamtlicher Helfer, die hier unterstützen, wäre das ebenso wenig möglich wie die Organisation mehrerer Hilfstransporte. So wurden in den letzten drei Wochen in Freiburg viele Pakete gepackt und in die Ukraine gebracht. Auf dem Rückweg war dann Platz, um weitere Menschen aus den Kriegsgebieten zu evakuieren. Im Bus am letzten Sonntag war dann endlich auch Romans Familie dabei und sie konnten sich glücklich und gesund wieder in die Arme schließen. „Sie haben im Vaterhaus noch so lange es ging Menschen aufgenommen und versorgt, die auf der Flucht waren. Darauf bin ich wirklich stolz.“

„Hätten nie gedacht, dass wir selbst einmal flüchten müssen“

Die Welt ist eine andere geworden seit dem 24. Februar. Schreckensbilder und -nachrichten dieses Krieges dominieren die Schlagzeilen und Wahrnehmung. „Wir haben damals 159 Kinder und 90 Erwachsene aus Donezk aufgenommen“, erzählt Roman. „Wir hätten doch niemals gedacht, dass wir selbst einmal flüchten müssten.“

Gleichzeitig gibt es viel Gutes: eine beispiellose Solidarität, Spendenbereitschaft, unbürokratische Hilfen, das Zusammenwirken unterschiedlicher Organisationen. So dauert es grade mal sechs Stunden von Anfrage bis Zusage der Stadt Freiburg, die Unterbringung der Geflüchteten zu übernehmen. Die deutsch-ukrainische Gesellschaft stellt ihre Kompetenz als Dolmetscher zur Verfügung. Und das Schweizer Team von Amnesty International profitierte von den Erfahrungen der Vaterhaus-Evakuierung, als es darum ging, Kindern eines ukrainischen Pestalozzi-Waisenhauses den Fluchtweg zu ermöglichen.

Elisabeth Vollmer ist Religionspädagogin und Mutter von drei erwachsenen Kindern. Sie lebt mit ihrem Mann in Freiburg.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/03/family_flucht-scaled-e1647587754699.jpeg 1605 3000 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2022-03-18 08:31:462022-03-18 08:31:46Plötzlich dröhnt der Bombendonner: So erlebte Roman die Flucht mit 157 Waisenkindern

Tochter (8) ist von Zeugnis enttäuscht: So schlägt der Lernfrust nicht aufs Selbstbewusstsein

Schule ist nicht alles! Erziehungswissenschaftlerin Daniela Albert rät Eltern, den Fokus nicht auf Noten zu setzen.

„Meine Tochter (8) ist frustriert, weil ihr das Lernen schwerfällt. Wie kann ich ihr trotzdem vermitteln, dass sie wertvoll und wunderbar gemacht ist?“

Es ist wunderbar, dass Sie im Blick haben, dass Ihre Tochter aufgrund von Lernschwierigkeiten auch sich selbst als Person infrage stellen kann. Und dass die Gefahr besteht, dass die eigene Wertigkeit an Lernerfolge geknüpft wird. Denn leider geht das oft in unserem auf Leistung ausgelegten Schulsystem unter. Zu Hause einen Gegenpol zum Leistungsdruck zu bieten, ist eine gute und wichtige Sache. Ich behaupte einmal ganz vermessen: Allein Ihr Gespür dafür wird dafür sorgen, dass in Ihrer Familie eine Atmosphäre der Wertschätzung über Leistungen hinaus herrscht.

Dennoch möchte ich infrage stellen, ob Ihrer Tochter wirklich „das Lernen“ schwerfällt. Tatsächlich ist es ja so, dass Ihr Kind in den ersten Jahren seines Lebens mit Sicherheit schon sehr viel gelernt hat und auch jetzt täglich Neues dazulernt, neue Fähigkeiten entwickelt und Vorhandenes ausbaut. Vieles geht unbemerkt vonstatten oder wird nicht gesehen, weil es sich dabei vielleicht nicht um die Fähigkeiten und Fertigkeiten handelt, die gerade gesellschaftlich als wichtig erachtet werden.

Nicht über Schulnoten sprechen, sondern über Themen

Ich gehe aber davon aus, dass es sich bei Ihrer Frage um das schulische Lernen und den damit verbundenen Schulerfolg – also um Noten – handelt. Tatsächlich ist es so, dass nicht jedes Kind für dieses System, so wie es in den deutschsprachigen Ländern meistens umgesetzt wird, gemacht ist. Das schulische Lernen fällt manchen Kindern besonders schwer, und sichtbare Erfolge wollen sich nicht einstellen. Da finde ich es wichtig, dass Sie als Eltern das stark machen, was sonst schnell unsichtbar bleibt.

Wenn am Ende eines Schulhalbjahres ein Zeugnis kommt, würde ich weniger über die Noten sprechen als über die Themen, die bearbeitet wurden. Denn bestimmt hat Ihre Tochter in den vorangegangenen Monaten etwas gelernt. Vielleicht die ersten Worte in einer neuen Sprache? Vielleicht eine neue Rechenart? Oder sie weiß nun mehr über Geografie oder Religion? Selbst wenn sich der Lernerfolg nicht in Ziffern auf einem Blatt Papier bemessen lässt, heißt das nicht, dass Ihr Kind nicht dazugelernt hat. Machen Sie dieses Dazulernen sichtbar für Ihr Kind und feiern Sie es immer dann, wenn ein Schulhalbjahr endet.

Hobbys im Blick behalten

Darüber hinaus ist es wichtig, auf die Dinge zu schauen, die Ihre Tochter besonders gut kann. Vielleicht zählen dazu nicht die in der Schule gefragten Fähigkeiten, aber andere. Malen? Basteln? Geschichten erzählen? Musik oder Sport? Gerade an Tagen, an denen in der Schule etwas nicht gut gelaufen ist, ist es wichtig, das stark zu machen, was Ihr Kind kann. Sorgen Sie an solchen Tagen dafür, dass Ihr Kind seine Stärken ausleben darf: Nehmen Sie sich gemeinsam Zeit für sein liebstes Hobby oder eine andere Aktivität, in der es gut sein darf. So lernen Kinder früh, dass die Schulnoten nicht das sind, was sie als Menschen ausmacht.

Daniela Albert ist Erziehungswissenschaftlerin und Eltern– und Familienberaterin (familienberatung-albert.de). Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kaufungen bei Kassel und bloggt unter eltern-familie.de. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/03/family_lernen.jpg 1414 2119 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2022-03-15 11:25:002022-03-15 11:25:00Tochter (8) ist von Zeugnis enttäuscht: So schlägt der Lernfrust nicht aufs Selbstbewusstsein

Reisen in der Elternzeit: Mit diesen 7 Tipps gelingt der Trip mit Wohnmobil und Baby

Annabel Breitkreuz ist zwei Monate mit Kleinkind und Van durch Skandinavien gefahren. Diese sieben Tipps hat sie mitgebracht.

1. Zeitraum festlegen

Sucht euch für die Reise eine Zeit aus, bei der ihr am Zielort mit gutem Wetter rechnen könnt – das senkt das Stresspotenzial. Behaltet bei der Planung auch mögliche Impftermine und U-Untersuchungen des Babys im Blick. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass unser Sohn Pepe der entspannteste Reisebegleiter während unserer Elternzeit-Reise war, als er noch gestillt wurde und nicht krabbeln konnte.

2. Zielregion raussuchen

Bei der Wahl solltet ihr – so unromantisch es klingt – euer Budget nicht aus dem Auge verlieren. Denkt dabei an Mautgebühren, Parkkosten und Lebensmittelpreise (all das ist zum Beispiel in Norwegen sehr hoch). Wenn ihr Campingplatzkosten sparen wollt und gern frei steht, bietet sich ein Land an, in dem das Jedermannsrecht gilt.

3. Camper kaufen oder mieten

Wer kein eigenes Wohnmobil vor der Haustür stehen hat oder ausbauen möchte, kann es sich leihen. Auf Plattformen wie paulcamper.de oder roadsurfer.com gibt es eine breite Auswahl. Wir haben unterwegs einige Familien getroffen, für die es sich auch gelohnt hat, ein Wohnmobil gebraucht zu kaufen und im Anschluss weiterzuverkaufen.

4. Route planen

Wie viel Fahrtzeit man mit Baby erreichen kann, lässt sich nicht pauschal beantworten und auch nicht festlegen! Was ihr braucht, sind keine engen Zeitpläne, sondern Flexibilität und Gelassenheit in der Route und im besten Fall immer einen Plan B.

5. Erste Erfahrungen sammeln

Probieren geht über Studieren, das gilt auch beim Vanlife als Familie. Vor der großen Tour solltet ihr Probeausflüge einplanen. Nur so lässt sich feststellen, was zu Hause bleiben kann und was ihr noch braucht (Kleinigkeiten wie Handtuchhaken steigern deutlich die Lebensqualität im Van).

6. Packen

Informiert euch, wie teuer Windeln, Breigläschen und Co. im Ausland sind. Oftmals lohnt es sich, einen großen Vorrat aus heimischen Drogeriemärkten mitzunehmen. Orientiert euch beim Packen der Kleidung an einem typischen 14-tägigen Urlaub. Denn genau diese Menge wird euch auch für zwei Monate reichen. Waschen könnt ihr zwischendurch mit der Hand, in Waschsalons oder auf Campingplätzen.

7. Stellplätze finden

Schlafplätze lassen sich zum Beispiel mithilfe der App Park4Night raussuchen. Dort könnt ihr auch nachschauen, wo eine Entleerung möglich ist oder ihr Frischwasser nachfüllen könnt.

Annabel Breitkreuz ist Mama von Pepe und Redakteurin. Auf ihrem Blog brezelzeit.com schreibt sie über ihren Start ins Familienleben zwischen Mikroabenteuern und gewöhnlichem Alltag.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/03/family_schweden-scaled-e1646648450948.jpg 1800 3000 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2022-03-09 08:19:152022-03-09 08:19:15Reisen in der Elternzeit: Mit diesen 7 Tipps gelingt der Trip mit Wohnmobil und Baby

Elternzeit im Van: Paar fährt mit vier Monate altem Baby quer durch Schweden

Zwei Monate lang war Annabel mit ihrem Mann und ihrem frischgeborenen Sohn in Skandinavien unterwegs. Im umgebauten Van hat die Familie zu sich selbst gefunden.

Das Jahr 2020 war alles andere als gewöhnlich für mich. Zum einen erfüllten mein Mann und ich uns einen Traum und bauten einen Transporter zu einem Campervan aus. Zum anderen nahm parallel zum Baufortschritt meine Babybauchkugel immer mehr Form an. Niemals hätte ich gedacht, dass die Projekte „Vanlife“ und „Familiengründung“ so perfekt zusammenpassen würden. Und niemals hätte ich geglaubt, dass unser Van „Knut“ das erste Zuhause für uns als Familie werden würde.

„Schweden war das Beste, was uns passieren konnte“

Im Februar 2021 kam unser Sohn Pepe zur Welt. Im vierten und fünften Lebensmonat von Pepe nahmen mein Mann und ich zwei Monate Elternzeit. Wir wollten mit Knut verreisen, das stand fest. Aufgrund der Corona-Situation konnten wir im Voraus nicht viel planen. Schließlich landeten wir in Schweden – und das war das Beste, was uns passieren konnte.

In Schweden gilt das „Allemansrätt“, das Jedermannsrecht. Demnach hat jeder das Recht, die Natur frei zu nutzen. Dazu zählt unter anderem auch das Campen in der Wildnis. Entlang der Küste und an den fünf größten Seen Schwedens ist es außerdem möglich, kostenlos und ohne Angelschein zu angeln. An vielen offiziellen Badestellen des Landes gibt es Feuerstellen und ein Plumpsklo – ein absoluter Luxus für uns, wenn man bedenkt, dass unsere Toilette inmitten unseres elf Quadratmeter großen Zuhauses verbaut ist. Manchmal findet man auch eine gemütlich eingerichtete Schutzhütte oder – eines unserer Highlights auf der Reise – eine Sauna: alles frei und kostenlos zugänglich. In Sachen Gastfreundschaft sind sie nicht zu übertreffen, die Schweden.

Klar ist, dass das Allemansrätt mein Camperherz höherschlagen lässt. Ich habe es geliebt, unseren Knut am See-, Meer- oder Flussufer zu parken und quasi vom Bett direkt ins kühle Nass springen zu können. Ein Traum! Und obwohl ich jedes Mal davon überzeugt war, den schönsten Stellplatz der Welt gefunden zu haben, wurde es immer noch besser.

Frühstück in Stockholm und Lagerfeuerabende

Für unsere Elternzeit-Reise hatten wir insgesamt neun Wochen Zeit. Eine feste Route gab es nicht. Ich wollte unbedingt den Polarkreis überfahren, um den Moment zu erleben, wenn die Sonne auch nachts noch hoch am Himmel steht. Wir fuhren also immer der Sonne hinterher in Richtung Norden – so lange, bis wir den Polarkreis überquerten und schließlich nach knapp vier Wochen am nördlichsten Teil Schwedens ankamen. Auf dem Weg dorthin frühstückten wir in Stockholm, jagten Schnäppchen in unzähligen Secondhand-Läden, bestaunten Rentiere auf der Straße, lernten angeln, wanderten durch beeindruckende Nationalparks und verbrachten Lagerfeuerabende mit anderen Elternzeit-Reisenden.

Im zweiten Monat der Tour ließen wir uns nach Lust und Laune wieder in Richtung Süden treiben. Auf der Höhe von Oslo überquerten wir die Grenze nach Norwegen, was uns aufgrund der Corona-Einreisebestimmungen zu einem früheren Zeitpunkt leider nicht möglich war. In den letzten zwei Wochen der Elternzeit legten wir einen intensiven Endspurt quer durch Südnorwegen hin und bekamen nicht selten den Mund vor Staunen nicht mehr zu. Die Landschaft Norwegens ist kaum zu übertreffen: majestätische Fjorde, unglaubliche Wasserfälle und beeindruckende Ausblicke. Doch noch mehr berührt hat uns die Einsamkeit und Entspanntheit Schwedens.

Kein Problem mit Baby

Wer versucht, unsere Reiseroute auf der Landkarte nachzuvollziehen und dabei die Kilometer überschlägt, fragt sich vermutlich, ob Pepe das alles einfach so mitgemacht hat. Ich staune noch immer selbst darüber, aber ja: Das hat er. Viel mehr sogar: Er hat die Nähe zu uns auf dem engen Wohnraum sehr genossen. Er liebt es bis heute, wenn wir am Wochenende mit Knut unterwegs sind, dass er im Van mitten im Geschehen sein darf und uns bei allem, was wir tun, beobachten kann.

Auch die Fahrtzeiten waren problemlos möglich, da Pepe noch sehr viel schlief und keinen festen Rhythmus hatte. Im Durchschnitt saßen wir zwei Stunden täglich hinter dem Steuer und nur in wenigen Fällen verbrachten wir mehr als eine Nacht an einem Ort. Dass all das so entspannt ablaufen würde, wussten wir vorher nicht. Aber wir gaben uns die Chance, es auszuprobieren – und ehrlich gesagt machten wir uns im Vorhinein nicht viele Gedanken über Eventualitäten. Es war wahrscheinlich eine Kombination aus Optimismus und Mut, die für sehr viel Gelassenheit und Genuss auf unserem Roadtrip mit Baby gesorgt hat.

Zu viel freie Zeit

Ein Leben auf elf Quadratmetern mit einem Säugling ist kuschelig. Sehr kuschelig. Manchmal zu kuschelig. Die ständige Nähe zu meinen zwei Männern forderte mich zu Beginn der Reise oftmals heraus. Ich erinnere mich noch sehr genau an einen Abend, als ich allein in einem Kajak in der Mitte des Sees saß. Die Sonne verschwand langsam am Horizont und der Himmel färbte sich feuerrot – ein wunderschöner Anblick. Doch ich nahm den Zauber des Ortes nicht wirklich wahr. Stattdessen kam ich ins Grübeln und zweifelte sogar die Idee dieser Reise an. Ich fühlte mich eingeengt und war überfordert mit der vielen freien Zeit. Mir fehlte es, Terminen nachzugehen und To-do-Listen abzuarbeiten. In anderen Worten: Ich war nicht ausgeglichen und suchte nach dem Ziel und Sinn unserer Auszeit.

Die Unruhe im Herzen führte dazu, dass ich begann, mich darauf zu besinnen, warum wir uns auf den Weg gemacht hatten. Ich beschloss, den Fokus mehr auf uns als Familie zu legen. Damit begann eine Reise, die abenteuerlicher und intensiver war als jeder andere Campingtrip, den mein Mann und ich zuvor erlebt hatten.

Angekommen als Familie

Wir lernten, bewusster über Wünsche und Bedürfnisse zu reden. Wir lernten auch zu erkennen, was wir wollen und was wir brauchen – und vor allem, wie wenig wir brauchen. Nach und nach kam ans Licht, wie wertvoll feste Abläufe und eine klare Aufgabenverteilung für unseren Reise- und damit auch Familienalltag sind. Außerdem erlebten wir, wie wichtig ein Ort wie Knut für uns ist, der Stabilität und Sicherheit vermittelt und mit dem wir uns auch unterwegs zu Hause fühlen.

Schweden war für diese ersten Seiten unseres neuen Kapitels als Familie mit Baby das perfekte Setting. Denn hier gab es wenig Ablenkung, viel Ruhe und Einsamkeit. Hier hatten wir nicht das Gefühl, etwas zu verpassen, auch wenn wir uns nur um uns selbst drehten. Hier war genug Raum, um anzukommen. Bei uns als Eltern. Bei uns als Familie.

Am Ende hatten wir insgesamt 9.000 Kilometer mehr auf dem Tacho. Jeder einzelne hat sich gelohnt. Doch für die Qualität unserer Elternzeit-Reise spielten die Entfernung, das Tempo oder Ziel keine Rolle. Für uns war es wichtig, aufzubrechen, das Gewohnte hinter uns zu lassen, um bei uns als Familie anzukommen. Jetzt sind wir bereit für das nächste Kapitel!

Annabel Breitkreuz ist Mama von Pepe und Redakteurin. Auf ihrem Blog brezelzeit.com schreibt sie über ihren Start ins Familienleben zwischen Mikroabenteuern und gewöhnlichem Alltag.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/03/family_elterzeit.jpg 1365 2048 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2022-03-07 10:31:082022-03-07 10:31:08Elternzeit im Van: Paar fährt mit vier Monate altem Baby quer durch Schweden

Innere Stärke: Mit fünf Knöpfen machen Sie Ihr Kind glücklicher

Wie können Eltern dafür sorgen, dass sich ihr Kind in seiner Haut wohlfühlt? Laut Kinderbuchautorin Dela Kienle braucht es dafür nicht viel.

Endlich Sommerfest! Fröhlich schlendert meine Elfjährige in die Schule, in ihrem neuen knatschroten Kleid und mit selbstgebackenem Kuchen. Doch als sie zurückkommt, ist sie übellaunig und verbarrikadiert sich in ihrem Zimmer. Erst beim Ins-Bett-Bringen verrät sie mir, was passiert ist: Zwei Klassenkameraden, mit denen sie sich sonst gut versteht, haben sie wegen des roten Kleids ausgelacht. Sie würde aussehen wie eine Tomate. „Und das hat dir das ganze Sommerfest verdorben?“ Meine Tochter nickt mit Tränen in den Augen.

Natürlich ist das kein riesiges Drama – nur ein winziges Beispiel. Wohl allen Eltern fallen Gelegenheiten ein, in denen ihr Kind sich von Gleichaltrigen kränken oder einschüchtern ließ. In denen es „Kann ich eh nicht!“ murmelt oder an sich zweifelt, weil es nicht zu einem Geburtstagsfest eingeladen wurde. Vielleicht gibt es auch Momente, in denen es sich zu unsportlich, uncool oder sonst irgendwie nicht gut genug fühlt. Am liebsten würde man sein Kind dann gleichzeitig umarmen und schütteln, weil es wirklich begreifen soll: Du bist wunderbar, genau wie du bist! Lass dir nichts von anderen einreden! Und sei bitte nicht so streng mit dir!

Sei selbst dein bester Freund!

Es ist eine wichtige Lektion, die ein junger Mensch lernen muss, wenn er halbwegs zufrieden durchs Leben gehen will: Sei selbst dein bester Freund! Wer gut mit sich umgeht und positiv denkt, entwickelt Selbstvertrauen, quält sich seltener mit Zweifeln und kann sich schneller aufheitern, wenn etwas nicht so richtig klappt. Er kümmert sich um sich und nimmt seine Stärken und Schwächen an. Mit Egoismus hat gesunde Selbstliebe übrigens nichts zu tun. Wer in sich ruht, muss sich nicht dauernd aufs Neue beweisen, wie toll er ist. Er kann sich auch mal zurücknehmen und fragt nicht ständig, was er zurückbekommt, wenn er anderen etwas gibt.

Unser Denken formt das Gehirn

Gedanken haben eine erstaunlich große Macht. In unserem Gehirn sind Milliarden Nervenzellen miteinander verwoben. Ein Gedanke saust wie ein Elektroblitz von einer Zelle zur nächsten. Je häufiger wir eine Verbindung benutzen, desto stärker wird sie. Das Gehirn ändert sich also ständig – indem wir denken und uns mit bestimmten Dingen beschäftigen. Wir alle sind wie Bildhauer: Durch unser Denken und Tun formen wir Teile des Gehirns!

Und dann hört ein Kind Sätze wie: „Das kannst du nicht!“, oder: „Ist ja typisch für dich!“ Oder es denkt selbst voller Entmutigung: „Was stimmt bloß nicht mit mir?“ Solch ein Satz wird im Gehirn gespeichert. Und je öfter das Kind ihn gedanklich wiederholt, desto leichter kommt er ihm wieder in den Sinn, sobald etwas nicht gleich klappt. Das Negative verstärkt sich selbst. Doch zum Glück stimmt auch das Gegenteil: Das Kind kann sich angewöhnen, auf Positives zu achten, sich selbst zu bestärken und freundliche Gedanken zu denken! Je häufiger es das tut, desto leichter fällt es ihm, aus einem negativen Muffel-Modus auszubrechen.

Das Knopf-Experiment

Manche Psychologinnen und Psychologen glauben, dass es eine Formel gibt: Es geht uns richtig gut, wenn wir dreimal mehr positive Gedanken haben als negative. Nur ist das manchmal ja leider gar nicht so einfach. Nehmen wir einen typischen Montagmorgen. Beim Frühstück kippt Orangensaft um, die Geschwister streiten, alle sind hektisch. Doch wir haben es selbst in der Hand, wie der Tag danach weitergeht. Wir können unsere Sinne schärfen – und auf die vielen erfreulichen Kleinigkeiten achten, von denen ich glaube, dass Gott sie uns täglich schenkt.

Wie wäre es mit einem Experiment? Jedes Kind bekommt morgens fünf hübsche Knöpfe, steckt sie in die Hosentasche und hält nach Gutem und Erfreulichem Ausschau. Vielleicht entdeckt es auf dem Schulweg einen Marienkäfer, einen duftenden Strauch oder eine lustig geformte Wolke? Die Natur ist wundervoll, wenn man nur genau hinschaut! Wer etwas Positives bemerkt, lässt einen Knopf in die andere Tasche wandern. Auch Erfolgserlebnisse zählen – und Spaß. Vielleicht versteht das Kind plötzlich etwas Kompliziertes in Mathe, oder es lacht sich in der Pause mit seinen Freunden schlapp. Wenn alle wieder zu Hause sind, bietet sich so der Einstieg für ein wunderbares Gespräch beim Familienessen: Wie oft haben eure Knöpfe heute die Seite gewechselt? Was war an diesem Tag besonders erfreulich?

Auf die Eltern kommt es an

Auch ich versuche, mich an duftenden Sträuchern zu erfreuen, statt immer nur durch die Stadt zu hetzen. Aber es gibt eine Übung, die ich für uns Eltern sogar noch wichtiger finde: Dass wir uns immer wieder ganz bewusst unseren Kindern zuwenden! Ob sie ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln, hängt nämlich auch davon ab, wie wir Erwachsene auf sie reagieren. Hören wir ihnen richtig zu, wenn sie etwas erzählen wollen? Oder geben wir ihnen häufig das Gefühl, lästig zu fallen? Lassen wir uns ständig vom Handy ablenken, selbst wenn man gerade zusammen spielt oder isst? Fehlende Aufmerksamkeit vermittelt dem Kind: „Ich bin es wohl nicht wert, dass man mich beachtet.“

Manchmal muss ich mich auch dazu ermahnen, das Positive im Blick zu behalten: all die guten Eigenschaften, Verhaltensweisen und Erfolge der Kinder. Bei einem Baby feiern wir Eltern noch täglich jeden winzigen Fortschritt. Doch bei älteren Kindern starren wir manchmal zu sehr auf Fehler und Schwächen, versuchen in bester Absicht, diese zu korrigieren. Doch dabei betonen wir viel zu selten, was bereits wunderbar läuft und was wir an unseren Kindern lieben. Warum eigentlich?

Anstrengungen loben

Für die Familienstimmung ist es so viel besser, wenn wir einen positiven Fokus beibehalten. Allerdings heißt das nicht, dass wir Kinder wahllos mit Lob überschütten sollten. Erziehungswissenschaftler warnen sogar davor, alles mit „Suuuper, ganz toll!“ zu bejubeln. Viel besser sei es, aufrichtig zu loben und ganz genau zu beschreiben, was einem gefällt. Es ist auch empfehlenswert, eher die Anstrengung zu loben, als Können oder Ergebnis. „Toll, dass du so fleißig für die Mathe-Arbeit gelernt hast!“, ist besser als „Du bist Mamas Mathe-Genie!“

Manchmal schadet es auch nichts, sich eine Bewertung ganz zu verkneifen. Wir neigen dazu, Dinge in gut und schlecht, in richtig und falsch einzuteilen. Schenkt mir mein Kind ein selbstgemaltes Bild, will es mir eine Freude machen. Doch mir rutscht fast automatisch eine Beurteilung heraus: „Wow, das sieht ja toll aus!“ Warum bedanke ich mich nicht einfach mit einem dicken Kuss? Auch in der Schule werden Kinder tagein, tagaus bewertet. So entsteht die Gefahr, dass Kinder ständig auf Bestätigung von außen warten und womöglich nur dann mit sich zufrieden sind, wenn ihre Eltern oder die Lehrerin sie loben.

Bestätigung nicht von anderen erwarten

Es gibt noch andere Quellen für Selbstwert, die problematisch sind: Manche Kinder (und Erwachsene!) fühlen sich zum Beispiel vor allem gut, wenn sie denken, dass sie anderen überlegen sind. Oder wenn sie mehr besitzen. Oder wenn sie besser aussehen und von anderen für irgendetwas bewundert werden. Auf den ersten Blick wirken solche Menschen manchmal sogar „selbstbewusster“ als schüchterne Zeitgenossen. Aber ihr Selbstwert ist brüchig, und sie befinden sich in einer unguten Abhängigkeit. Denn wie fühlen sie sich wohl, wenn Erfolg oder Bestätigungen plötzlich ausbleiben?

Nein, das wollen wir unseren Kindern nicht wünschen! Sie sollen sich selbst bestärken, anstatt auf das Lob anderer zu warten. Sie sollen positiv denken, statt über Unerfreuliches zu nörgeln. Sie sollen mit den Schultern zucken, wenn andere unfreundlich zu ihnen sind – und knatschrote Sommerkleider tragen, wenn sie ihnen gefallen. Meiner Meinung nach haben gläubige Familien zudem einen Trumpf in der Hand, wenn es darum geht, gesunden Selbstwert zu vermitteln: Sie können ihrem Kind nahebringen, dass es für Gott unendlich kostbar ist. Dass er es mit all seinen Stärken und Schwächen liebt. Der christliche Gott sagt voller Überzeugung „Ja“ zu jedem Menschen. Auch unser Kind ist eine wunderbare Original-Ausgabe, die es nur ein einziges Mal weltweit gibt. Und es ist goldrichtig, wie es ist!

Dela Kienle ist Journalistin und Kinderbuchautorin („Dein bester Freund? Bist du!“, Ravensburger Verlag GmbH). Mit ihrer Familie lebt sie in der holländischen Grachtenstadt Leiden.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/03/family_freude.jpg 1414 2121 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2022-03-04 13:24:052022-03-04 13:24:05Innere Stärke: Mit fünf Knöpfen machen Sie Ihr Kind glücklicher

„Meins!“ – Das können Sie tun, wenn Ihr Kind sein Spielzeug nicht teilen will

Kleinkinder müssen erst lernen, Schaufel und Co. auch mal abzugeben. Um ihnen dabei zu helfen, reichen oft kleine Tricks.

„Unserem Sohn (1,5) fällt es schwer, beim Spielen mit anderen Kindern Spielsachen zu teilen oder abzugeben. Er will immer alles für sich haben, egal, ob auf dem Spielplatz oder zu Hause, wenn andere Kinder zu Besuch sind. Wie können wir ihn zum Teilen motivieren? Und wie gehen wir damit um, wenn zwei Kinder sich um ein Spielzeug streiten?“

Für Anderthalbjährige ist Teilen oder Abgeben eine schwierige Sache. Denn in diesem Alter empfinden Kinder ihr Spielzeug als Teil von sich selbst. Und von sich selbst kann man schließlich nichts abgeben. Als Eltern ist Ihnen natürlich daran gelegen, dass Ihr Kind es lernt, mit anderen zu teilen und Dinge auch mal abzugeben. Aber wenn Ihr Sohn das jetzt noch nicht kann, heißt das nicht, dass da etwas falsch läuft!

Liebe hilft beim Teilen

Das Teilen-Lernen ist ein langer Prozess, den Sie aber durchaus unterstützen können. Ein Kind, das viel Liebe und Zuwendung bekommt, ist nicht so sehr von materiellen Dingen abhängig und kann sich leichter davon trennen als ein Kind, das immer wieder um Aufmerksamkeit kämpfen muss. Hilfreich ist es auch, Ihrem Sohn klarzumachen, dass es Dinge gibt, die nur ihm gehören und die er nicht verleihen muss: das Lieblingskuscheltier, den Schnuller, die Lieblingsschaufel oder das neue Geschenk von Oma.

Aber wie sollen sich Eltern verhalten, wenn zwei Kinder um ein Spielzeug streiten? Das ist pauschal nicht so leicht zu beantworten. Vor allem auf dem Spielplatz oder in der Krabbelgruppe treffen oft Eltern aufeinander, die diesbezüglich eine unterschiedliche Auffassung haben. Während die einen sofort eingreifen, wenn es zum Streit kommt, haben die anderen die Einstellung, die Kinder sollten das Ganze unter sich ausmachen. Letzteres ist grundsätzlich kein schlechter Standpunkt, wird aber dann schwierig, wenn Kinder unterschiedlichen Alters oder mit verschiedenen Temperamenten aufeinandertreffen.

Erst bei Handgreiflichkeiten eingreifen

Grundsätzlich ist es gut, wenn Kinder solche Konflikte allein miteinander ausmachen. Sie lernen dabei eine Menge. Also am besten erst mal im Hintergrund bleiben und sehen, was passiert. Eingreifen sollte man aber, wenn die Kinder sich gegenseitig wehtun. Versuchen Sie dabei, neutral zu bleiben und nicht Partei zu ergreifen. Bieten Sie den Kindern Lösungsansätze an: „Jetzt spielt Jan mit dem Bagger und nachher du. Dafür kannst du jetzt die Sandmühle haben.“

Wichtig ist auch, dass Kinder die Erfahrung machen, dass sie ihr Spielzeug zurückbekommen, wenn sie es verliehen haben. Dann fällt es ihnen beim nächsten Mal vielleicht nicht mehr ganz so schwer, etwas abzugeben. Versuchen Sie auch, sich mit den anderen Eltern bei einem Treffen oder auf dem Spielplatz darüber zu verständigen, wie sie mit solchen Situationen umgehen. Denn manchmal sind die Konflikte zwischen den Eltern größer als die zwischen den Kindern. Die spielen schon wieder ganz friedlich nebeneinander, auch wenn sie sich vor zwei Minuten noch an den Haaren gezogen haben, während die Eltern noch miteinander diskutieren …

Bettina Wendland ist Redaktionsleiterin von Family und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Bochum.

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/02/family_spielzeug.jpg 1413 2123 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2022-02-28 14:21:242022-02-28 14:21:24„Meins!“ – Das können Sie tun, wenn Ihr Kind sein Spielzeug nicht teilen will

Was tun? Plötzlich benutzt Sohn (13) Beleidigungen seines Lieblings-YouTubers

Influencer beeinflussen Jugendliche ganz natürlich. Aber was tun, wenn sie sich auch schlechte Angewohnheiten abschauen?

„Mein Sohn (13) nutzt häufig Redewendungen, die er sich scheinbar von seinen Lieblings-YouTubern abgehört hat. Das sind zum Teil aber Formulierungen, die ich nicht okay finde, weil sie zum Beispiel abwertend sind. Wie kann ich da passend reagieren?“

Ich kann gut verstehen, dass Sie die eine oder andere kopierte Formulierung Ihres Sohnes als abwertend oder verletzend wahrnehmen. Und dass Sie sich wünschen, dass Ihr Sohn so nicht mit Ihnen oder anderen Menschen redet. Ich finde allerdings als ersten Schritt wichtig zu verstehen, dass er das vermutlich nicht macht, um jemanden bewusst abzuwerten, sondern um so zu sein wie sein Vorbild.

Kinder brauchen Vorbilder

Vorbilder sind für Teenager extrem wichtig, um eigene Positionen entwickeln zu können. Neben uns Eltern, die wir automatisch als Vorbild für unsere Kinder dienen, suchen sich Kinder spätestens mit dem Schulstart weitere Vorbilder. Das ist normal, gut und wichtig. Bei der Auswahl eines Vorbildes spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: eine wahrgenommene Ähnlichkeit, der wahrgenommene Erfolg des Vorbildes und die Überzeugung, dem Vorbild nacheifern zu können. Natürlich werden auch Sätze und Verhaltensweisen und häufig auch der Kleidungsstil und das Styling des Vorbildes kopiert.

Gleichzeitig lernen Teenager auch, sich mit ihrer eigenen Meinung gegen andere, wie auch ihre Vorbilder, abzugrenzen. Diese Fähigkeit, eine eigene Meinung zu haben, diese zu äußern und das eigene Verhalten zu reflektieren, muss sich Stück für Stück entwickeln. Dabei können Eltern ihre Kinder unterstützen, aber bitte nicht mit der Brechstange oder mit Verboten, sondern liebevoll und geduldig.

Gemeinsam Videos schauen

Eine Möglichkeit, mit Ihrem Sohn ins Gespräch zu kommen, wäre es, mit ihm gemeinsam ein Video seines Lieblings-YouTubers zu schauen. So zeigen Sie Interesse an dem, was Ihrem Sohn wichtig ist. Und Sie können herausfinden, in welchem Zusammenhang die Formulierungen im Original verwendet werden. Nach dem gemeinsamen Anschauen könnte folgende Frage ein Gespräch eröffnen: „Was fasziniert dich so an [Name vom Lieblings-YouTuber]?“ Jetzt gilt es, zuzuhören und die Meinung Ihres Kindes stehen zu lassen. Schätzen Sie wert, was Ihnen selbst imponiert hat.

Im Anschluss könnten Sie fragen: „Gibt es auch irgendwas, was du an [Name] oder an seinen Videos blöd oder komisch findest?“ Diese Frage führt dazu, dass Ihr Sohn die Videos seines Vorbildes bewusst reflektiert. Und selbst wenn er keine Antwort darauf hat oder alles gut findet, stößt es einen wichtigen Reflexionsprozess an. Anschließend können Sie selbst sagen, was Sie an dem Video irritiert hat, wie zum Beispiel die abwertenden Formulierungen.

Greifen Sie aber nicht das Vorbild Ihres Sohnes an, sondern helfen Sie Ihrem Sohn, seine eigene Meinung zu bilden und sein Verhalten zu reflektieren. Das ist sicherlich ein langsamerer Weg, als bestimmte Aussagen zu verbieten, aber gleichzeitig eine große Hilfe für Ihren Sohn, sich zu einer eigenständigen und selbstbewussten Person zu entwickeln.

Johannes Krupinski ist Referent für Teenager in einem Gemeindeverband. 

https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/02/family_jugendlicher.jpg 1414 2121 Nathanael Ullmann https://www.family.de/wp-content/uploads/2022/08/Family-Logo-2.svg Nathanael Ullmann2022-02-22 16:01:392022-02-22 16:01:39Was tun? Plötzlich benutzt Sohn (13) Beleidigungen seines Lieblings-YouTubers
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